Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Da unten in jenem Thale (da geht ein Kollergang)

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Update zu Willkomm und dervoo und
Herrjeh, schweigt mir vom Tegernsee!:

Das muss ich erzählen. Wie ich mal auf einer Autorenlesung von Peter Rühmkorf war.

Ein andermal, das wird zu lang. 2019 wäre Peter Rühmkorf 90 geworden, wenn er nicht 2008 den Griffel auf ewig niedergelegt hätte. Der 25. Oktober ist 2019 ein Freitag, da kann man gut feiern gehen; das haben Rühmkorfs Eltern anno 1929 geschickt eingerichtet. Und das zweite Fontane-Jahr in Folge ist sowieso schon ausgereizt.

——— Arnim & Brentano:

Müllers Abschied

Mündlich.

aus: Des Knaben Wunderhorn,
Band 1, 1805:

Da droben auf jenem Berge,
Da steht ein goldnes Haus,
Da schauen wohl alle Frühmorgen
Drey schöne Jungfrauen heraus;
Die eine, die heißt Elisabeth.
Die andre Bernharda mein,
Die dritte, die will ich nicht nennen,
Die sollt mein eigen seyn.

Da unten in jenem Thale,
Da treibt das Wasser ein Rad,
Das treibet nichts als Liebe,
Vom Abend bis wieder an Tag;
Das Rad das ist gebrochen,
Die Liebe, die hat ein End,
Und wenn zwey Liebende scheiden,
Sie reichen einander die Händ.

Ach Scheiden, ach, ach!
Wer hat doch das Scheiden erdacht,
Das hat mein jung frisch Herzelein
So frühzeitig traurig gemacht.
Dies Liedlein, ach, ach!
Hat wohl ein Müller erdacht;
Den hat des Ritters Töchterlein
Vom Lieben zum Scheiden gebracht.

——— Joseph von Eichendorff
als Florens:

Lied.

1810, Erstdruck in: Deutscher Dichterwald, 1813, Seite 40,
spätere Fassungen:
Das zerbrochene Ringlein:

In einem kühlen Grunde,
Da geht ein Mühlenrad,
Meine Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei,
Sie hat die Treu gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht‘ als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen
Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht‘ als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör‘ ich das Mühlrad gehen,
Ich weiß nicht, was ich will,
Ich möcht‘ am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still.

——— Peter Rühmkorf:

Auf eine Weise des Joseph Freiherrn von Eichendorff

von Rühmkorf im Oktober 1960
auf der Tagung der Gruppe 47
in Aschaffenburg vorgetragen:

In meinem Knochenkopfe
da geht ein Kollergang,
der mahlet meine Gedanken
ganz außer Zusammenhang.

Mein Kopf ist voller Romantik,
meine Liebste nicht treu —
Ich treib in den Himmelsatlantik
und lasse Stirnenspreu.

Ach, wär ich der stolze Effendi,
der Gei- und Tiger hetzt,
wenn der Mond, in statu nascendi,
seine Klinge am Himmel wetzt! —

Ein Jahoo, möcht ich lallen
lieber als intro-vertiert
mit meinen Sütterlin-Krallen
im Kopf herumgerührt.

Ich möcht am liebsten sterben
im Schimmelmonat August —
Was klirren so muntere Scherben
in meiner Bessemer-Brust?!

Postkarte In einem kühlen Grunde, 1963, Goethezeitportal

Postkarte: L. v. Senger: In einem kühlen Grunde, Verlag Hermann A. Wiechmann, München, Seriennummer [unleserlich]. Verzeichnisse von Büchern, Bildern und Kunstpostkarten umsonst und postfrei, 1963, handschriftlich fortgesetzt:

wollen wir uns gerne einmal ausruhen, es kann auch warm sein nach dem kalten Winter 1962 schaffen wir es nicht. Seit Weihnachten haben wir es vor, Richtung Hamburg u. Silvester Geschirr abliefern anschließend Ferien. Es wird immer wieder hinausgeschoben, darum freuen wir uns über Ihren Besuch. Nach der hübschen blühenden Tochter [?] zu urteilen muß es Ihnen großartig gehen.

via Jutta Assel/Georg Jäger: Eichendorff-Motive auf Postkarten. Eine Dokumentation. Das zerbrochene Ringlein. In einem kühlen Grunde …, Goethezeitportal, Oktober 2011.

Soundtrack: Friedrich Glück, 1814: In einem kühlen Grunde, Gerhart-Hauptmann-Chor Herbst 1968,
in: Bunt sind schon die Wälder, anlässlich der Einführung des Farbfernsehens, DDR 1969:

Und dasselbe nochmal in Genießbar: von Hannes Wader — mit der üblichen Textabweichung „mein Liebchen“ statt von Eichendorff von letzter Hand autorisiert „mein‘ Liebste“:

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Written by Wolf

4. Januar 2019 um 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Romantik

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