Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for the ‘Expressionismus’ Category

Auf der Suche nach den aufgegebenen Blogs

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Varvara Lozenko, Aspiration, 15. Juni 2011——— Jochen Schmidt: 18. Fr, 4.8., Odessa, Uspanskaja 13; In Swanns Welt, Seite 355–376,
in: Schmidt liest Proust. Quadratur der Krise, Voland & Quist, Dresden und Leipzig 2008, Seite 50:

Was hilft es Swann, wenn Odette sich gemein verhält und die erste Frische ihrer Jugend bereits eingebüßt hat?

Ja genau: Was frommt’s? Ihm wahrscheinlich nichts, ihr schon eher.

Wenn vor zehn Jahren jemand Marcel Proust gelesen hat, musste er unweigerlich gleich darüber bloggen. Mir fallen ungestützt vier Weblogs zu dem Thema ein aus der Zeit, als das Internet nicht aus Apps bestand und seine Nutzer weiter als 140 Zeichen dachten, bei Jochen Schmidt aus dem Land der Literaturverächter und Langweiler ist sogar ein kostenpflichtiges P-Book draus geworden. Inzwischen wäre Gelegenheit nachzuschauen, ob einer von denen jusqu’au fin durchgehalten hat:

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Sääle? Eigentlich kann er gleich Proust lesen.

Im Schatten junger Mädchenblüte: Varvara Lozenko: Aspiration, 15. Juni 2011.

Written by Wolf

30. Mai 2014 at 00:01

O selige Epoche

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Umschlag Christian Morgenstern, Galgenlieder, 1905, 3. Auflage 1908, Karl Walser via Digitales Christian-Morgenstern-ArchivChristian Morgenstern hab ich von Anfang an gemocht. Diese, obwohl sie’s andauernd mit Galgen, Sterben und Verwesen hat, um rein gar nichts bekümmerte Mischung aus Dada, Surrealismus, Im- und Expressionismus ging schon klar — das muss wohl so kommen, wenn einer Morgenstern heißt. Umso mehr, als ich gemerkt hab, dass der Mann am gleichen Tag wie ich Geburtstag hat. Seine Bücher werden meistens viel zu leichtfertig verlegt: Er wird gerade mal als Lieferant einiger „komischer“ Klassiker ernst genug genommen, die im kollektiven Bewusstsein spuken; die Stuttgarter Ausgabe erscheint bei Urachhaus seit 1987 und wurde nicht einmal zum 100. Todestag fertig, nur eine Jubiläumsausgabe der Lyrik. Wird schon noch.

„Es lenzet auch auf unserm Spahn, o selige Epoche“ fällt mir unweigerlich ein, wenn schönes Wetter ist.

——— Christian Morgenstern: Galgenbruders Frühlingslied
in: Galgenlieder, Verlag Bruno Cassirer, Berlin 1905:

Es lenzet auch auf unserm Spahn,
o selige Epoche!
Ein Hälmlein will zum Lichte nahn
aus einem Astwurmloche.

Es schaukelt bald im Winde hin
und schaukelt bald drin her.
Mir ist beinah, ich wäre wer,
der ich doch nicht mehr bin …

2. Vers, bessere Version: [1921]

Es strecket sich schon kecklings auf,
das wilde Galgengräslein.
Vergebens spähn nach ihm hinauf
hungrige Osterhäslein.

Für mein Verständnis leider zu tranig bekümmerte Vertonung:
Hanns Eisler, 1917, Mezzosopran Roswitha Trexler;
Umschlagbild von Karl Walser zur 3. veränderten und durch den Gingganz und anderes ums doppelte vermehrten Auflage, 1908 via DCMA.

Written by Wolf

31. März 2014 at 00:01