Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for the ‘Glaube & Eifer’ Category

Trost der Welt, du stille Nacht

leave a comment »

Update zu Wölfchen Wulffs Weihnachten, Naseweise Weihnachten, Das Gezänk der Weisen und Weihnachten Fibels:

Wir warten aufs Christkind und horchen ein bissel Eichendorff dabei.

Doch, den kann man hören. Allein der nicht gerade endlos lange Einsiedler wurde mindestens 31-mal vertont. Eichendorff bildete dieses Abendlied eines einsamen Menschen, der nach einigen Andeutungen einst zur See gefahren sein mag, dem Lied des Einsiedels in Grimmelshausens Simplicissimus von 1669 nach, der zum Grundwissen des Romantikers gehörte. 1805 konnte er in Des Knaben Wunderhorn die erste Bearbeitung vorfinden. Seine Kenntnis davon ist dadurch belegt, dass Clemens Brentano ihm im Februar 1810 persönlich ein Exemplar geschenkt hat, damit ihm und uns auch ja nichts entgeht.

Das Weihnachtliche an Eichendorffs Version ist, dass nicht mehr eine Nachtigall zum Trost kommen möge, sondern eine stille Nacht — die Eichendorff 1835 schon als Weihnachtslied — von 1818 — bekannt sein mochte.

Schweifreime klingen immer besonders souverän, weil der letzte, der vollständig machende Reim erst im jeweils sechsten Vers ziemlich spät ins Schloss schnappt. Allein oder in Gesellschaft: Fröhliche Weihnachten.

Friedrich Bodenstedt, Initial Der Einsiedler, Album deutscher Kunst und Dichtung, 1877

——— Joseph von Eichendorff:

Der Einsiedler

aus: Geistliche Lieder, 1835, Deutscher Musenalmanach 1837:

Caspar Scheuren, Der Einsiedler, Album deutscher Kunst und Dichtung, 1877Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd‘,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd‘ gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

Bilder:

  1. Friedrich Bodenstedt: Initial aus: Der Einsiedler in: Album deutscher Kunst und Dichtung. Auswahl aus einem Prachtwerk der Gründerzeit, 1877;
  2. Caspar Scheuren: Der Einsiedler in: Friedrich Bodenstedt (Hg.): Album deutscher Kunst und Dichtung, mit Holzschnitten, nach Zeichnungen der Künstler, ausgeführt von R. Brend’amour und Anderen. Vierte, umgearbeitete Auflage. Berlin, Verlag der G. Grote’schen Verlagsbuchhandlung, 1877, Seite 33;
  3. Ludwig Richter: Einsiedels Abendlied mit Text aus: Die guten Meister des deutschen Hauses, Gelber Verlag in Dachau, 1921, Seite 49.

Ludwig Richter, Einsiedels Abendlied, Die guten Meister des deutschen Hauses, 1921

Von Eichendorffs Gedicht zählt The LiederNet Archive 31 Vertonungen auf, von denen fünf tatsächlich auffindbar sind. Am bekanntesten ist Opus 83 Nummer 3 von Robert Schumann, zu Studium und Erbauung wird die längste empfohlen: Der Einsiedler von Max Reger, Opus 144a von 1915. — Chronologisch:

Robert Schumann aus: Drei Gesänge für Singstimme und Klavier, opus 83 Nr. 3, 1850:

Hugo Wolf: Resignation aus: Sechs geistliche Lieder nach Gedichten von Eichendorff, Nr. 3, 1881:

Mex Reger, opus 144a, 1915:

Christian Lahusen:

Felix Wolfes, 1953:

Bonus Track: Tom Waits: Silent Night, aus: SOS United, 1989 – nur als Stiftung für die SOS-Kinderdörfer.

Written by Wolf

24. Dezember 2016 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Romantik

Dieses unnötige, ja sinnlose Hin und Her

leave a comment »

Update zu Wenn es Ihnen versagt würde to translate,
Nous sommes Voltaire, Muhammad et Charlie und
Und aber nach fünfhundert Jahren (Das eine wächst, wenn das andre dorrt):

Also ich wollte sagen, dass etwa zu dieser Zeit die Verwirrung durch die, ähm … und die Verwirrung wird all jene verwirren, die nicht wissen, und niemand wird wirklich genau wissen, wo diese kleinen Dinge zu finden sind, die verknüpft sind mit einer Art von Handarbeitszeug, das durch die Verknüpfung verknüpft ist. Und zu der Zeit soll ein Freund seines Freundes Hammer verlieren und die Jungen sollen nicht wissen, wo die Dinge, die jene Väter erst um acht Uhr am vorhergehenden Abend dorthin gelegt hatten, kurz vor Glockenschlag. Dies steht geschrieben im Buch von Sel.

Monty Python: Das Leben des Brian, 1979.

Yvonne De Carlo, wahrscheinlich 1956 als Zipporah, Moses' Frau in Die Zehn GeboteJeder, dem das Denken und Fühlen noch nicht vollends ausgetrieben ist, hätte lieber einen Orient wie aus Tausendundeiner Nacht, wie aus dem West-östlichen Divan, wie bei Friedrich Rückert oder wenigstens wie aus den Almanachen von Wilhelm Hauff. Einen voller üppig gesponnener Märchen, unerschütterlich weltoffener Weisheit, phantasievoller Sachen zum Rauchen und einer Friedfertigkeit, von der sich jeder abendländische Giaur noch was abschneiden kann. Schön wär’s, wirklich wahr.

Fast noch schöner wäre ein Orient voll trotteliger Besatzer, lebensmutiger Ex-Leprakranker und Heilsversprechen an allen Ecken und Enden, die auch nicht surrealer sind als die ohnehin vorgefundene Lebenswirklichkeit. Und wenn man es mal so herzählt, muss einem ein Klamaukfilm wie Das Leben des Brian erschütternd lebensnah vorkommen, auch wenn er 600 Jahre vor der Erfindung des Islams spielt.

Nun ist der islamische Humor leider sehr körperbetont, also meist auf Schadenfreude ausgerichtet. In seinen gesprochenen Manifestationen darf und sollte er geistreich sein, aber keine Unwahrheit aussprechen — was alle Formen der Ironie gesetzlich ausschließt. Natürlich macht ihn das zu einem reinen, nun ja: Minenfeld.

Es scheint, der stets wahrhaftige Hans Mentz von der Titanic ist 2015 auf etwas gestoßen, worauf sich die virulentesten Weltreligionen einigen könnten. Mir war nicht klar, dass der Mann so wichtig ist.

——— Hans Mentz:

Slapstick am Sinai

aus: Humorkritik in: Titanic, September 2015, Seite 49:

Daß es gar nicht so leicht ist, mit Heilsgestalten Komik zu erzeugen, haben auch die Spitzenkräfte von Monty Python erfahren: Wenn jemand ein „gutes Leben“ vorlebt, dann riskieren die, die sich drüber lustigmachen, als inhuman zu gelten. Nicht von ungefähr heißt der Held aus „Life of Brian“ auch Brian und nicht Jesus. Was aber, wenn im heiligsten aller Bücher selbst drollige Sachen passieren? Vor über zwanzig Jahren schrieb Hans Schmoldt seine im Reclam-Verlag erschienene Einführung in das Alte Testament und faßt dort vorbildlich-sachlich zusammen, was sich laut der Überlieferung des Pentateuch am Sinai zugetragen haben soll: „Am Sinai wird Moses mehrfach auf den Berg hinaufkommandiert und steigt mehrfach wieder herab: Er steigt zu Gott hinauf (2. Mose 19,3); in 19,7–8a wird vorausgesetzt, daß er herabgestiegen ist; er steigt vom Berg herab (19,14); er steigt auf den Berg hinauf (19,20); er steigt herab (19,27 [womit 19,24–25 gemeint sein muss]); jetzt (!) verkündet Gott die zehn Gebote (20,1–17); Moses nähert sich Gott, steigt also hinauf (20,21); er soll zu Jahwe hinaufsteigen (24,1); er steigt auf den Berg hinauf (24,13b); er steigt auf den Berg hinauf (24,15a).“ Lakonisch folgert Schmoldt: „Dieses unnötige, ja sinnlose Hin und Her zwingt zu der Annahme, daß hier mehrere Bearbeiter, Ergänzer am Werk waren“. Gut möglich. Mich aber erfreut vielmehr meine eigene Exegese: daß der Jahwist schlicht Gefallen hatte an der Vorstellung, ein wie Charlton Heston aussehender Moses steige wie toll immer wieder auf einen Berg, auf dem er schon längst droben ist, und kriegt die Gesetzestafeln just dann in die Hand gedrückt, wenn er sich eigentlich gerade unten aufhält. Wenn ich, in meinem gleichfalls annähernd biblischen Alter, noch einen Pfarrer empfehlen soll, dann den gelehrten Hans Schmoldt mit seinem makellosen Timing.

Pietro Perugino, Viaggio di Mosè e circoncisione del suo secondo figlio, 1481--1483Das interessiert mich jetzt, wie sich diese neun Stellen — wenn wir die eigentlichen zehn Gebote ausnehmen — geballt anhören. Die Luther-Übersetzung 1545 letzter eigener Hand, der ich fast soviel glaube wie der monatlichen Humorkritik von Hans Mentz, sagt:

——— Exodus 19,3:

Vnd Mose steig hin auff zu Gott. VND der HERR rieff jm vom Berge / vnd sprach / So soltu sagen zu dem hause Jacob / vnd verkündigen den kindern Jsrael.

——— Exodus 19,7–8a:

MOse kam / vnd foddert die Eltesten im volck / vnd legt jnen alle diese wort fur / die der HERR geboten hatte. Vnd alles volck antwortet zu gleich / vnd sprachen / Alles was der HERR geredt hat / wöllen wir thun / Vnd Mose sagt die rede des Volcks dem HERRN wider.

——— Exodus 19,14:

Mose steig vom Berge zum Volck / vnd heiliget sie / vnd sie wusschen jre Kleider.

——— Exodus 19,20:

ALS nu der HERR ernider komen war auff den berg Sinai / oben auff seine spitzen / foddert er Mose / oben auff die spitze des Bergs / Vnd Mose steig hin auff.

——— Exodus 19,24–25:

Vnd der HERR sprach zu jm / Gehe hin / steige hinab / Du vnd Aaron mit dir / solt herauff steigen / Aber die Priester vnd das Volck sollen nicht her zu brechen / das sie hinauff steigen zu dem HERRN / das er sie nicht zuschmettere. Vnd Mose steig hervnter zum Volck / vnd sagts jnen.

——— Exodus 20,21:

Also trat das volck von ferne / Aber Mose macht sich hinzu ins tunckel / da Gott innen war.

——— Exodus 24,1:

VND zu Mose sprach er / Steig erauff zum HERRN / du vnd Aaron / Nadab vnd Abihu / vnd die siebenzig Eltesten Jsrael / vnd betet an von ferne /

——— Exodus 24,13b:

Da macht sich Mose auff / vnd sein diener Josua / vnd steig auff den berg Gottes / vnd sprach zu den Eltesten / Bleibt hie / bis wir wider zu euch komen / Sihe / Aaron vnd Hur sind bey euch / Hat jemand eine Sache der kome fur die selben.

——— Exodus 24,15a:

DA nu Mose auff den Berg kam / bedeckt eine wolcke den berg / Vnd die Herligckeit des HERRN wonete auff dem berge Sinai / vnd decket jn mit der wolcken sechs tage / vnd rieff Mose am siebenden tage aus der wolcken.

Körpernaher Slapstick, dem man je nach Neigung schadenfroh begegnen kann, dabei nicht geistlos. Da lacht der Großstadthipster mit dem Barte des Propheten um die Wette. Gott ist groß.

Bilder: Yvonne De Carlo, wahrscheinlich 1956 als Zipporah, Moses‘ Frau in Die Zehn Gebote via Evie, 2012;
Pietro Perugino: Zipporah (3. v. l. in Blau) als Detail in Viaggio di Mosè e circoncisione del suo secondo figlio, zwischen 1481 und 1483 (circoncisione heißt Beschneidung).
Filmbeleg: The Ten Commandments movie in 20 minutes: „The original Ten Commandments movie is 221 minutes, so I wanted to make it a bit shorter.“ Mit „Lily Dracula-Munster“ als Moses‘ Frau Zippora.

Written by Wolf

22. Juli 2016 at 00:01

Veröffentlicht in Ägyptische Antike, Glaube & Eifer

Imbolc Blessings: My heart is as black as the blackness of the sloe

leave a comment »

Update zu Nunc dimittis mit Fried und Freud
und Break in college sick bay:

Lichtmess ist der liebenswerteste Feiertag im ganzen Jahreskreis. Lichtmess bedeutet, dass die Tage schon messbar länger und heller werden. Lichtmess handelt von hoffnungsfrohem Erwachen und Zuversicht. Außerdem ist es nicht so überladen mit Feier- und Geschenkverpflichtungen: Lichtmess feiert nur, wem es am Herzen liegt.

Vor allem feiern es die heutigen Wicca- und paganischen Religionen, die ihm gern eine schwärzere Seite verleihen; bei ihnen heißt es Imbolc und gilt der Göttin Brigid — „a woman of poetry, and poets worshipped her, for her sway was very great and very noble. And she was a woman of healing along with that, and a woman of smith’s work, and it was she first made the whistle for calling one to another through the night.“

Eine heidnische, aber durchaus christlich vertretbaren Werten verpflichtete Heilige also, nicht weniger liebenswert als ihr Feiertag, der 2. Februar, im Christlichen: Lichtmess, das Fest der Darstellung des Herrn. So wird sie von der ungemein verdienstreichen Lady Augusta Gregory 1904 in Gods and Fighting Men beschrieben.

Die unmittelbare Literatur über diese woman of poetry stammt aus einer selbst schon sagenumwobenen Zeit: dem alten Irland vor der Christianisierung — und der Heilige Patrick hat die heidnische Insel schon im 5. Jahrhundert katholisch gemacht. Selbst fürs ach so christliche Abendland, in dem die meisten Völker noch mit der Völkerwanderung beschäftigt waren, um einen warmen Platz für ihre Hintern zu suchen, und noch keineswegs mit der Übernahme einer noch kürzlich unter Todesstrafe stehenden Religion aus der orientalischen Provinz, die gerade seit anno Domini 380 plötzlich die vom allgemeinen Hunneneinfall überschattete Staatsreligion war, ist das für eine erfolgreiche Missionierung recht frühzeitig. Also: alt.

Gedichte über Brigid aus der Zeit, als sie noch kanonisch verehrt wurde, sind dafür, dass sie überhaupt erhalten sind, historisch nicht genug zu würdigen, geben aber für heutige Begriffe künstlerisch nicht viel her. Lady Gregory hat aber bei ihren umfassenden folkloristischen Forschungen ein altirisches Gedicht aus dem 8. Jahrhundert ausgegraben, das einen, in eine vorsichtig modernisierte Form gebracht, heute noch umhauen kann.

Kurzzeitig bekannt wurde Lady Gregorys sehr freie Übersetzung in cinephilen Kreisen anlässlich Die Toten von John Huston, 1987. Für diese Literaturverfilmung, die mit allen Längen und Ausschmückungen ohnehin nur auf 87 Minuten kommt, wurde eigens die neue Figur des Mr. Grace eingeführt, die das Gedicht vorlesen kann; Sean McClory spielt und rezitiert.

So frei ist Lady Gregorys Übersetzung, dass sie die vorhandenen 14 irischen Strophen in neun englischen untergebracht hat. Eine weitere soll vor der Strophe „When I go by myself to the Well of Loneliness“ ausgeschieden sein, das wäre die fünfte und somit zentrale. Ich füge sie hier als Internet-Premiere an der vorgesehenen Stelle ein. — Eine deutsche Übersetzung ist mir nicht bekannt, für die Interpretation empfehle ich wärmstens die tiefgehende Folge von Carol Rumens: Poem of the week: Donal Og by Lady Augusta Gregory in The Guardian, 19. April 2010.

Das Gedicht feiert weder Lichtmess noch Imbolc ausdrücklich, Die Toten spielt bei John Huston wie bei James Joyce an Epiphanias, das ist der Dreikönigstag am 6. Januar — als formal verbindendes Element am Ende eines winterlichen Jahresabschnitts. Sein Geist passt unschlagbar auf die schwärzere Seite einer woman of poetry.

——— Lady Augusta Gregory:

Donal Og

Translated from an anonymous eighth-century Irish poem:

It is late last night the dog was speaking of you;
the snipe was speaking of you in her deep marsh.
It is you are the lonely bird through the woods;
and that you may be without a mate until you find me.

You promised me, and you said a lie to me,
that you would be before me where the sheep are flocked;
I gave a whistle and three hundred cries to you,
and I found nothing there but a bleating lamb.

You promised me a thing that was hard for you,
a ship of gold under a silver mast;
twelve towns with a market in all of them,
and a fine white court by the side of the sea.

You promised me a thing that is not possible,
that you would give me gloves of the skin of a fish;
that you would give me shoes of the skin of a bird;
and a suit of the dearest silk in Ireland.

It is early in the morning that I saw him coming,
going along the road on the back of a horse;
he did not come to me; he made nothing of me;
and it is on my way home that I cried my fill.

When I go by myself to the Well of Loneliness,
I sit down and I go through my trouble;
when I see the world and do not see my boy,
he that has an amber shade in his hair.

It was on that Sunday I gave my love to you;
the Sunday that is last before Easter Sunday
and myself on my knees reading the Passion;
and my two eyes giving love to you for ever.

My mother has said to me not to be talking with you today,
or tomorrow, or on the Sunday;
it was a bad time she took for telling me that;
it was shutting the door after the house was robbed.

My heart is as black as the blackness of the sloe,
or as the black coal that is on the smith’s forge;
or as the sole of a shoe left in white halls;
it was you put that darkness over my life.

You have taken the east from me, you have taken the west from me;
you have taken what is before me and what is behind me;
you have taken the moon, you have taken the sun from me;
and my fear is great that you have taken God from me!

Branna Laurelin, Forest Harp Fairy, 2013

Bilder: Flora Lion: Isabella Augusta (née Persse), Lady Gregory, Lithographie 1913, 356 mm x 260 mm, National Portrait Gallery, London;
Mary Cicely Barker: The Snowdrop Fairy, aus: Flower Fairies of the Spring, 1923
via Tinkerbell: Blessed Imbolc, 1. Februar 2011:

May Brighid’s fire light your path and her blessings be upon your home & hearth!

Branna Laurelin: Forest Harp Fariy, 2013.

Soundtrack: Booker Bird 66, March 17th, 2013: The Pogues: The Sickbed of Cuchulainn, from Rum Sodomy & the Lash, Stiff, MCA, 1985 — „featuring the great Irish American Buster Keaton. Buster was buried with a rosary in one pocket and a deck of cards in the other. I do not own the right to the music and is not for profit fan video.“ — Bitte laut!

Written by Wolf

2. Februar 2016 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Novecento

4. Katzvent: Ehre sey Gott in der Höhe / Vnd Friede auff Erden / Vnd den Menschen ein wolgefallen: The world can never have enough cute kitten pics am I right?

leave a comment »

Ein Suchbild mit Katze, ein späthippieskes Weihnachtslied zum Mitgrölen, und in der üblichen Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 kommt gar kein Stern vor, dafür heißt „Krippe“ seit 2004 „Ölwanne“ — das kann nur der restliche Adventskalender für den Endspurt bis Heiligabend sein. Wir warten aufs Christkind und diskutieren, welche Version die schönste ist.

Lukas 2,1–20
Luther-Übersetzung letzter Hand, 1545:

ES begab sich aber zu der zeit / Das ein Gebot von dem Keiser Augusto ausgieng / Das alle Welt geschetztSchetzen ist hie / das ein jglicher hat müssen ein Ort des gülden geben von jglichem Heubt. würde. Vnd diese Schatzung war die allererste / vnd geschach zur zeit / da Kyrenius Landpfleger in Syrien war. Vnd jederman gieng / das er sich schetzen liesse / ein jglicher in seine Stad. Da machet sich auff auch Joseph / aus Galilea / aus der stad Nazareth / in das Jüdischeland / zur stad Dauid / die da heisst Bethlehem / Darumb das er von dem Hause vnd geschlechte Dauid war / Auff das er sich schetzen liesse mit Maria seinem vertraweten Weibe / die war schwanger. Vnd als sie daselbst waren / kam die zeit / das sie geberen solte. Vnd sie gebar jren ersten Son / vnd wickelt jn in Windeln / vnd leget jn in eine Krippen / Denn sie hatten sonst keinen raum in der Herberge. Mat. VND es waren Hirten in der selbigen gegend auff dem felde / bey den Hürten / die hüteten des nachts jrer Herde. Vnd sihe / des HERRN Engel trat zu jnen / vnd die Klarheit des HERRN leuchtet vmb sie / Vnd sie furchten sich seer. Vnd der Engel sprach zu jnen. Fürchtet euch nicht / Sihe / Jch verkündige euch grosse Freude / die allem Volck widerfaren wird / Denn Euch ist heute der Heiland gebörn / welcher ist Christus der HErr / in der stad Dauid. Vnd das habt zum Zeichen / Jr werdet finden das Kind in windeln gewickelt / vnd in einer Krippen ligen. Vnd als bald ward da bey dem Engel die menge der himelischen Herrscharen / die lobten Gott / vnd sprachen / Ehre sey Gott in der Höhe / Vnd Friede auff Erden / Vnd den Menschen ein wolgefallen Das die menschen dauon lust vnd liebe haben werden / gegen Gott vnd vnternander. Vnd dasselb mit danck annemen / vnd darüber alles mit freuden lassen vnd leiden. VND da die Engel von jnen gen Himel furen / sprachen die Hirten vnternander / Lasst vns nu gehen gen Bethlehem / vnd die Geschicht sehen / die da geschehen ist / die vns der HERR kund gethan hat. Vnd sie kamen eilend / vnd funden beide Mariam vnd Joseph / dazu das Kind in der krippen ligen. Da sie es aber gesehen hatten / breiteten sie das wort aus / welchs zu jnen von diesem Kind gesagt war. Vnd alle / fur die es kam / wunderten sich der Rede / die jnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese wort / vnd beweget sie in jrem hertzen. Vnd die Hirten kereten widerumb / preiseten vnd lobten Gott vmb alles / das sie gehöret vnd gesehen hatten / wie denn zu jnen gesagt war.

     

Lukas 2,1–20
Volxbibel, 2004:

Jesus wird geboren

In dem Jahr machte der oberste Präsident der Römer ein neues Gesetz. In diesem Gesetz stand, dass sich alle Menschen, die in den von der römischen Armee besetzten Gebieten lebten, bei ’ner staatlichen Behörde melden sollten. Dort mussten sie angeben, wie viel Kohle sie im Monat verdienen, um daraus die neue Steuer zu berechnen. So eine Steuerschätzung hatte es zu dem Zeitpunkt noch nie gegeben. Quirinius war gerade der Ministerpräsident von einem der besetzten Gebiete, das Syrien hieß. Alle Menschen mussten in den Ort zurückgehen, in dem sie geboren worden waren, um sich dort in Listen einzutragen. Weil Josef aus der Familie vom David kam, musste er nach Bethlehem reisen, denn da kam seine Familie ursprünglich her. Er machte sich also von Nazareth (das liegt in Galiläa) nach dorthin auf den Weg. Maria, seine Verlobte, nahm er einfach mit. Die hatte da schon einen ziemlich dicken Bauch, sie war nämlich hochschwanger. In Bethlehem passierte es dann, und sie bekam ihr erstes Kind. Weil sie in den Hotels und Jugendherbergen im Ort keinen Pennplatz mehr finden konnten, musste Maria das Kind in einer Autogarage zur Welt bringen. Eine alte Ölwanne war das erste Kinderbett.

Die Hirten und ein Engel

In dieser Nacht hatten ein paar Hirten kurz vor dem Dorf ihr Lager aufgeschlagen, um dort auf die Schafe aufzupassen. Plötzlich war da ein riesengroßes überirdisches Wesen aus dem Himmel, das auf sie zukam. Ein helles weißes Licht war um diesen Engel rum, ein Art von Licht, das nur von Gott kommen konnte, so krass war es. Die Hirten bekamen voll die Panik, aber der Engel beruhigte sie. „Entspannt euch, ihr braucht keine Angst zu haben! Ich habe gute Nachrichten für euch und auch für alle anderen Menschen! Heute Nacht ist der Mensch geboren worden, der euch alle aus eurem Dreck rausholen wird! Das ist in der gleichen Stadt passiert, wo auch David herkommt. Ich sag euch mal, wo ihr ihn finden könnt: Er liegt in einer alten Ölwanne, unten in einer Tiefgarage, gut eingewickelt in Windeln!“ Plötzlich tauchten neben dem einen Engel noch Tausende anderer Engel auf. Die fingen dort gleich an, zu beten und Gott zu sagen, wie genial er ist: „Der Gott, der im Himmel wohnt, soll groß rauskommen! Er hat all den Menschen ein Friedensangebot gemacht, die bereit sind, dieses Angebot auch anzunehmen!“ Nachdem die Engel wieder verschwunden waren, beschlossen die Hirten, der Sache auf den Grund zu gehen: „Lasst uns mal nach Bethlehem fahren. Mal sehen, was dort jetzt von den Sachen passiert ist, die uns dieser Engel gerade erzählt hat.“ Sie beeilten sich sehr. Als sie im Dorf ankamen, fanden sie tatsächlich Maria, Josef und auch das Baby, das in einer Ölwanne lag. Nachdem die Hirten das Kind angesehen hatten, erzählten sie von ihrem Treffen mit diesem Engel. Alle, die davon Wind bekamen, staunten nicht schlecht. Maria merkte sich aber alle Einzelheiten genau und dachte ständig darüber nach. Anschließend gingen die Hirten wieder zu ihren Schafen zurück. Sie freuten sich total über Gott und über das, was sie in dieser Nacht erlebt hatten! Alles war genauso abgegangen, wie es ihnen vorher angekündigt worden war.

     

Suchbild: Wo ist die Katze?

Alicia Luciana McConnell: Back to Black, 1. Juli 2015, Chicago:

Shot this in the alley behind my aunt’s apartment right after work yesterday. I wanted to try to shoot a self portrait that had an interesting perspective so this is hopefully a little different. My poor cheap tripod was not having any of it, I really need to invest in a better one one of these days. My favorite part of this is the kitty, might become a cat photographer instead of this whole human thing? The world can never have enough cute kitten pics am I right?

Alicia Luciana McConnell, Back to Black, Chicago, July 1st, 2015

Und jetzt alle Regler nach rechts fürs Tutti mit Chören und Hauffe:

The Family Tree: Holy Night, aus: Starparade Extra-Ausgabe, 1972.

The Family Tree war 1972 bis 1975 eine Band aus 11 Mitgliedern, gegründet von Günter „Yogi“ Lauke für das Label Finger Records in Rottach-Egern, und veröffentlichte 1 LP, die es nie als CD gab. — Die ganze Geschichte aus zweiter Hand im Krautrock-Musikzirkus.

Written by Wolf

18. Dezember 2015 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Renaissance

Nous sommes Voltaire, Muhammad et Charlie

leave a comment »

Update zu Die west-östlichen Sofata:

Mesdames et Messieurs, die meinen uns. Egal wer die fehlgeleiteten Wurstel in Paris zu ihrem unheiligen Kriegszug beauftragt hat — es war niemand, dem etwas an irgend einer Religion liegt; es war jemand, der Errungenschaften wie die Encyclopédie und französische Comics endlich mal ernst nimmt — tödlich ernst.

——— Voltaire: Brief an Abbé Le Riche, 6. Februar 1770:

Portrait Muhammad Abduh, MoviesPictures.orgMonsieur l’abbé, je déteste ce que vous écrivez, mais je donnerai ma vie pour que vous puissiez continuer à écrire.

Mesdames et Messieurs, die meinen uns. In offen konsumkapitalistischen Gesellschaften sind solche wie wir nur volkswirtschaftlich so entbehrlich, dass wir von den Machtinhabern grundsätzlich gewürdigt und bis jetzt sogar ein bisschen schamhaft aussortiert werden; in religiös affirmativen Gesellschaften gehören wir offenbar dutzendweise abgeknallt.

——— Großmufti Muhammad Abduh,
1849 bis 11. Juli 1905:

Ich ging in den Westen und sah Islam, aber keine Muslime. Ich kehrte in den Osten zurück und sah Muslime, aber keinen Islam.

Mesdames et Messieurs, die meinen uns. Mein faustisch geprägter Pantheos und ich nehmen das persönlich. Wenn das Religion ist, nehm ich die Comics.

Bild: Alchetron.

(Tim Neshitov: Irland, das islamischste Land der Welt erschien in der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch, 7. Januar 2015, entstand also noch ohne den Eindruck der gegen eine Pariser Witzheftchenbude, Denken, Sprechen, Schreiben, Kunst und Anstand gerichteten Nine-Eleven-Aktion.)

Written by Wolf

8. Januar 2015 at 06:44

Veröffentlicht in Aufklärung, Glaube & Eifer

Weekly Wanderer 0016

leave a comment »

Nicht recht einig werde ich mit mir, was das sein soll: Volksgut um 1960 (was es faktisch ohnehin ist), das sich unbefangen wie der Sperber der Fränkischen Alb in die Höhen der Bildung erhebt — oder ein halbbildungshuberndes Gstanzl , das sich zu foin für eine schmissige Bauerntanzmelodie ist.

Dann versöhnt mich doch wieder, dass die unorthodoxe Zusammenstellung hier einen ganz ähnlichen Effekt erzielt wie die Erzeugnisse von Robert Gernhardt und Peter Knorr, und das aus gleichen Gründen. Wahrscheinlich sogar unter Einfluss nahe verwandter legaler Drogen.

Und der Pfarrer von Roth
Ist auch schon lang tot.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Katholische Stadtpfarrkirche Roth bei Nürnberg, Hochaltar 1913, Katholische Pfarrei Roth Maria Aufnahme in den Himmel

Bild: Katholische Stadtpfarrkirche Roth bei Nürnberg: Neugotischer Hochaltar, errichtet 1913.

Written by Wolf

31. August 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Klassik

Und traurig in der Mitten die schöne Lore Lay

leave a comment »

——— Clemens Brentano: Lore Lay, Druckfassung.
Aus: Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter. Ein verwilderter Roman von Maria.
2 Bde. Bremen: Friedrich WIlmans, 1801 bis 1802.
Zweyter Theil: Fragmentarische Fortsetzung, Sechs und dreißigstes Kapitel, 1801;
Lesung: Johanna Wokalek in: Nachtwache, 2012:

Dies ist meine ganze Seemacht, ich wollte sie mit meinem politischen Glauben bekannt machen, auf der Insel wird sich es aufweisen: – damit Sie sich aber zuerst etwas abhärten. wollen wir einmal um den Teich fahren. Violette singe ein Liedchen! –

Violette sang folgendes Lied: –

Zu Bacharach am Rheine
Wohnt eine Zauberin,
Sie war so schön und feine
Und riß viel Herzen hin.

Und brachte viel zu schanden
Der Männer rings umher,
Aus ihren Liebesbanden
War keine Rettung mehr.

Der Bischoff ließ sie laden
Vor geistliche Gewalt –
Und mußte sie begnaden,
So schön war ihr‘ Gestalt.

Er sprach zu ihr gerühret:
„Du arme Lore Lay!
Wer hat dich denn verführet
Zu böser Zauberei?“

„Herr Bischoff laßt mich sterben,
Ich bin des Lebens müd,
Weil jeder muß verderben,
Der meine Augen sieht.

Die Augen sind zwei Flammen,
Mein Arm ein Zauberstab –
O legt mich in die Flammen!
O brechet mir den Stab!“

„Ich kann dich nicht verdammen,
Bis du mir erst bekennt,
Warum in diesen Flammen
Mein eigen Herz schon brennt.

Den Stab kann ich nicht brechen,
Du schöne Lore Lay!
Ich müßte dann zerbrechen
Mein eigen Herz entzwei.“

„Herr Bischoff mit mir Armen
Treibt nicht so bösen Spott,
Und bittet um Erbarmen,
Für mich den lieben Gott.

Ich darf nicht länger leben,
Ich liebe keinen mehr –
Den Tod sollt Ihr mir geben,
Drum kam ich zu Euch her. –

Mein Schatz hat mich betrogen,
Hat sich von mir gewandt,
Ist fort von hier gezogen,
Fort in ein fremdes Land.

Die Augen sanft und wilde,
Die Wangen roth und weiß,
Die Worte still und milde
Das ist mein Zauberkreis.

Ich selbst muß drinn verderben,
Das Herz thut mir so weh,
Vor Schmerzen möcht ich sterben,
Wenn ich mein Bildniß seh.

Drum laßt mein Recht mich finden,
Mich sterben, wie ein Christ,
Denn alles muß verschwinden,
Weil er nicht bey mir ist.“

Drei Ritter läßt er holen:
„Bringt sie ins Kloster hin,
Geh Lore! – Gott befohlen
Sei dein berückter Sinn.

Du sollst ein Nönnchen werden,
Ein Nönnchen schwarz und weiß,
Bereite dich auf Erden
Zu deines Todes Reis‘.“

Zum Kloster sie nun ritten,
Die Ritter alle drei,
Und traurig in der Mitten
Die schöne Lore Lay.

„O Ritter laßt mich gehen,
Auf diesen Felsen groß,
Ich will noch einmal sehen
Nach meines Lieben Schloß.

Ich will noch einmal sehen
Wol in den tiefen Rhein,
Und dann ins Kloster gehen
Und Gottes Jungfrau seyn.“

Der Felsen ist so jähe,
So steil ist seine Wand,
Doch klimmt sie in die Höhe,
Bis daß sie oben stand.

Es binden die drei Ritter,
Die Rosse unten an,
Und klettern immer weiter,
Zum Felsen auch hinan.

Die Jungfrau sprach: „da gehet
Ein Schifflein auf dem Rhein,
Der in dem Schifflein stehet,
Der soll mein Liebster seyn.

Mein Herz wird mir so munter,
Er muß mein Liebster seyn! –“
Da lehnt sie sich hinunter
Und stürzet in den Rhein.

Die Ritter mußten sterben,
Sie konnten nicht hinab,
Sie mußten all verderben,
Ohn Priester und ohn Grab.

Wer hat dies Lied gesungen?
Ein Schiffer auf dem Rhein,
Und immer hats geklungen
Von dem drei Ritterstein: *)

            Lore Lay
            Lore Lay
            Lore Lay

Als wären es meiner drei.

Als wir an der Insel ausgestiegen waren, sagte die Gräfin:

Der Kahn ist so schlecht, aber ich liebe ihn und mag keinen andern, ich bin oft recht vergnügt auf ihm gefahren.

*) Bei Bacharach steht dieser Felsen, Lore Lay genannt, alle vorbeifahrende Schiffer rufen ihn an, und freuen sich des vielfachen Echo’s.

Quinn by Fox Harvard, 7. April 2012

Ein Nönnchen schwarz und weiß: Fox Harvard: Quinn, 7. April 2012.

Written by Wolf

13. Januar 2013 at 00:01