Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for the ‘Glaube & Eifer’ Category

Lessing Luther Lemnius

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Update zu Ein arger Gast in Trutz und Poch
und Ein holprichtes Lied mit tiefer und rauher Stimme:

Du hast vns zu kot vnd vnflat gemacht vnter den Völckern.

Klagelieder Jeremias 3,45.

Faden 1: Wie man aus einem Brief von Melanchthon weiß (an Veit Dietrich L., 22. Juli 1538), lag Martin Luther im Juli 1538 an der Dissenterie erkrankt darnieder. Dissenterie ist graeco-lateinisch und heißt Ruhr, Diarrhö oder Dünnschiss:

Lutherus dysenteria laborat iam dies sedecim Medici iubent nos bene sperare. Et nos uota facere, ut Deus ei uitam proroget, aequum est.

Faden 2: Über Simon Lemnius ist heute nicht viel mehr bekannt, als was Lessing 1753 in der ersten seiner fünf Rettungen ehrend verbreitet hat — und weil es eine Ehrenrettung war, richtete sie sich an jemanden, der dem Lemnio als einem historisch bekannten Ketzer abhold war, in Briefform.

Lessings Sammlung Briefe von 1753 ist eine Aufbereitung philosophisch-kritischer Arbeiten für seine erste eigene Werkausgabe und richtet sich an fiktive Korrespondenten, in unserem Fall an einen „Herrn P.“, deren Antworten deswegen jeweils verschwiegen, nur implizit vorausgesetzt werden, und ist nicht zu verwechseln mit der Sammlung Briefe, die neueste Litteratur betreffend von 1759–1765.

M.A.K.photo, Wittenberg Impressions, 12.Oktober 2010

Zweiter Brief

An ebendenselben

Wahrhaftig, ich bewundre Sie! Ein Beiwort, an dessen Nachdruck ich nicht einmal gedacht hatte, legen Sie mir in allem Ernste zur Last? Ich fürchte, ich fürchte, wir werden über den armen Simon Lemnius in einen kleinen Zank geraten. Und da sehen Sie es, daß ich das Herz habe, ihn noch einmal so zu nennen, ob Sie ihn gleich den verleumderischen, den boshaften, den meineidigen, den unzüchtigen heißen. Aber sagen Sie mir doch, geben Sie ihm diese Benennungen, weil Sie seine Aufführung untersucht haben, oder weil sie ihm von andern gegeben werden? Ich befürchte das letztere, und muß also den armen Lemnius doppelt beklagen. War es nicht genug, daß ihn Luther verfolgte, und muß sein Andenken auch noch von der Nachwelt befeindet werden? Aber Sie erstaunen; Luther und verfolgen, scheinen Ihnen zwei Begriffe zu sein, die sich widersprechen. Geduld! Wann Sie wollen, so will ich Ihnen alles erzählen; und alsdann urteilen Sie. Vorher aber muß ich Sie um alles was heilig ist bitten, mich nicht für einen elenden Feind eines der größten Männer, die jemals die Welt gesehen hat, zu halten. Luther stehet bei mir in einer solchen Verehrung, daß es mir, alles wohl überlegt, recht lieb ist, einige kleine Mängel an ihm entdeckt zu haben, weil ich in der Tat der Gefahr sonst nahe war, ihn zu vergöttern. Die Spuren der Menschheit, die ich an ihm finde, sind mir so kostbar, als die blendendste seiner Vollkommenheiten. Sie sind so gar für mich lehrreicher, als alle diese zusammen genommen; und ich werde mir ein Verdienst daraus machen, sie Ihnen zu zeigen.1 – – Zur Sache also! Lemnius, oder wie er auf Deutsch heißt, Lemichen, lag den Wissenschaften in Wittenberg ob, eben als das Werk der Reformation am feurigsten getrieben ward. Sein Genie trieb ihn zur römischen Dichtkunst, und mit einer ziemlich beträchtlichen Stärke darinne verband er eine gute Kenntnis der griechischen Sprache, welches damals noch etwas seltnes war. Sein muntrer Kopf und seine Wissenschaften erwarben ihm die Freundschaft des Melanchthons, welcher ihn mit Wohltaten überhäufte. Sabinus, der Schwiegersohn des Melanchthons, befand sich damals auch in Wittenberg. Zwei gleiche Köpfe auf einer hohen Schule werden sich leicht finden, und Freunde werden. Sabinus und Lemnius wurden es auf die ausnehmendste Weise, und ich finde, daß auch die darauf folgenden Händel ihre Freundschaft nicht geendet haben. Im Jahre 1538 kam es dem Lemnius ein, zwei Bücher lateinischer Sinnschriften drucken zu lassen. Er ließ sie also unter sei nem Namen drucken; er ließ sie in Wittenberg drucken, und brachte sie vorher, wie ich es höchst wahrscheinlich zeigen kann, dem Melanchthon zur Beurteilung. Diese drei Umstände, mein Herr, erwägen Sie wohl; sie beweisen schon so viel, daß Lemnius ein gut Gewissen muß gehabt haben. Melanchthon fand nichts anstößiges darinne, wie es Sabinus dem Drucker versicherte. Nunmehr wurden sie bekannt gemacht; aber kaum waren sie einige Tage in den Händen der Leser gewesen, als Luther auf einmal ein entsetzliches Ungewitter wider sie, und ihren Verfasser erregte. Und warum? Fand er etwa jene lascivam verborum licentiam darinne? Diese wäre vielleicht zu entschuldigen gewesen, weil sie der Meister in dieser Art des Witzes, Martial, Epigrammaton linguam nennt. Oder fand er, daß sie giftige Verleumdungen enthielten, die Ehre eines unschuldigen Nächsten zu brandmalen? oder fand er gar seine eigene Person darinne beleidigt? Nein; alles das, weswegen Sinnschriften mißfallen können, mißfiel Luthern nicht, weil es nicht darinne anzutreffen war; sondern das mißfiel ihm, was wahrhaftig an den Sinnschriften das anstößige sonst nicht ist: einige Lobeserhebungen. Unter den damaligen Beförderern der Gelehrsamkeit war der Kurfürst von Mainz Albrecht einer der vornehmsten. Lemnius hatte Wohltaten von ihm empfangen, und mit was kann sich ein Dichter sonst erkenntlich erzeigen, als mit seinen Versen? Er machte also deren eine ziemliche Menge zu seinem Ruhme; er lobte ihn als einen gelehrten Prinzen, und als einen guten Regenten. Er nahm sich aber wohl in Acht, es nicht auf Luthers Unkosten zu tun, welcher an dem Albrecht einen Gegner hatte. Er gedachte seines Eifers für die Religion nicht mit einem Worte, und begnügte sich, seine Dankbarkeit mit ganz allgemeinen, ob gleich hin und wieder übertriebenen Schmeicheleien an den Tag zu legen. Gleichwohl verdroß es Luthern; und einen katholischen Prinzen, in Wittenberg, vor seinem Angesichte zu loben, schien ihm ein unvergebliches Verbrechen. 2 Ich dichte diesem großen Manne hierdurch nichts an, und berufe mich deswegen auf sein eigen Programma, welches er gegen den Dichter anschlagen ließ, und das Sie, mein Herr, in dem 6ten Tome seiner Schriften, Altenburgischer Ausgabe, nachlesen können. Hier werden Sie seine Gesinnungen in den trockensten Worten finden; Gesinnungen, welche man noch bis auf den heutigen Tag auf dieser hohen Schule beizubehalten scheinet. Luther donnerte also mündlich und schriftlich wider den unbehutsamen Epigrammatisten, und brachte es in der ersten Hitze so gleich dahin, daß ihm Stubenarrest angekündigt ward. Ich habe immer gehört, daß ein Poet eine furchtsame Kreatur ist; und hier sehe ich es auch. Lemnius erschrak desto heftiger, je unvermuteter dieser Streich auf ihn fiel; er hörte, daß man allerhand falsche Beschuldigungen wider ihn schmiedete, und daß Luther die ganze Akademie mit seinem Eifer ansteckte; seine Freunde machten ihm Angst, und prophezeiten ihm lauter Unglück, anstatt ihm Mut einzusprechen; seine Gönner waren erkaltet; seine Richter waren eingenommen. Sich einer nahen Beschimpfung, einer unverdienten Beschimpfung zu entziehen, was sollte er tun? Man riet ihm zur Flucht; und die Furcht ließ ihm nicht Zeit zu überlegen, daß die Flucht seiner guten Sache nachteilig sein werde. Er floh; er ward zitiert; er erschien nicht; 3 er ward verdammet; er ward erbittert; er fing an seine Verdammung zu verdienen, und tat, was er noch nicht getan hatte; er verteidigte sich, so bald er sich in Sicherheit sahe; er schimpfte; er schmähte; er lästerte. – – Soll ich in meinen künftigen Briefen fortfahren, Ihnen mehr davon zu sagen? Ich bin etc.

[Fußnoten:]

1 So muß der sprechen, der aus Überzeugung und nicht aus Heuchelei lobt. Aus dieser letztern Quelle sind, leider ein großer Teil der uneingeschränkten Lobsprüche geflossen, die Luthern von unsern Theologen beigelegt werden. Denn loben ihn nicht auch diejenigen, deren ganzen, losem Geize und Ehrgeize man es nur allzuwohl anmerkt, daß sie im Grunde ihres Herzens, nichts weniger als mit Luthern zufrieden sind? die ihn heimlich verwünschen, daß er sich auf Unkosten seiner Amtsbrüder groß gemacht, daß er die Gewalt und den Reichtum der Kirche den Regenten in die Hände gespielt, und den geistlichen Stand dem weltlichen Preis gegeben, da doch dieser so manche Jahrhunderte jenes Sklave gewesen?

2 Es war den ersten Reformatoren sehr schwer, dem Geiste des Pabsttums gänzlich zu entsagen. Die Lehre von der Toleranz, welche doch eine wesentliche Lehre der christlichen Religion ist, war ihnen weder recht bekannt, noch recht behäglich. Und gleichwohl ist jede Religion und Sekte, die von keiner Toleranz wissen will, ein Pabsttum.

3 Lemnius hätte, wie Alkibiades, den die Athenienser zurückberiefen, um sich gegen seine Ankläger zu verteidigen, antworten können:

Ευνϑες, τον εχοντα δικην ζητειν αποφυγειν, ενον φυγειν.

Und als man den Alkibiades fragte, ob er seinem Vaterlande (τη πατριδι) nicht zutraue, daß es gerecht sein werde, antwortete er: auch meinem Mutterlande nicht (τη μητριδι). Wie leicht kann es nicht aus Irrtum oder Unwissenheit ein schwarzes Steinchen für ein weißes greifen.

Zu der Nachricht, daß ihn seine Landesleute zu Tode verurteilt, sprach er: wir wollen ihnen zeigen, daß wir noch leben. Er ging zu den Lacedemoniern und erregte den Atheniensern den dekelikischen Krieg. Aelian. XIII. c. 38.

David Clonel, Panorama of the center of Lutherstadt Wittenberg, 30. April 2016

Mit Lemnius beschäftigt Lessing sich acht seiner Briefe lang – wie gesagt: ehrend und rettend, doch ohne darüber als guter Protestant unter Beobachtung einer gestrengen Zensur Luther zu verunglimpfen; ungekürzt stehe hier nur der erste davon. Anschließend wird es unübersichtlich politisch. Aus dem Dritten Brief fällt allerdings schlagend die Stelle auf:

Ich will mich dieses zu widerlegen nicht dabei aufhalten, was ich von den Grenzen einer erlaubten Satyre hernehmen könnte; sondern ich will mich gleich zu dem Zeugnisse selbst wenden, auf welches Sie sich berufen. Lassen Sie uns also die Stelle aus des Matthesius Predigten über das Leben unsers Luthers näher betrachten. Hier ist sie: „Im 38. Jar thet sich herfür ein Poetaster, Simon Lemchen genant: der fing an, viel guter Leut mit schendlichen und lesterlichen Versen zu schmehen, und die grossen Verfolger des Evangelii mit seiner Poeterey zu preisen, auch unsern Doctor in seiner Krankheit zu verhöhnen, dazu ihm grosser Leut Verwandten halffen, daß soche Schmehschriften gedruckt, und heimlich ausgestreuet wurden, wie auch dieser Lemnius hernach eine Rifianische und greuliche Lesterschrift, die er den Hurenkrieg nennet, dem heiligen Ehestand und der Kirchendiener Ehe, und viel erbaren Frauen zu Unehren ließ ausgehen etc.“ Als Prediger, bin ich hier mit dem guten Matthesius recht wohl zufrieden, aber als Geschichtschreiber gar nicht. Eine einzige Anmerkung wird seine Glaubwürdigkeit verdächtig machen. Er sagt, Lemnius habe Luthern in seiner Krankheit verhöhnt. Wo finden Sie in den ersten zwei Büchern die geringste Spur davon? Suchen Sie, so viel Sie wollen! Matthesius begeht hier ein Hysteronproteron, welches gar nicht fein ist. Lemnius hat Luthers eher mit keinem Worte im Bösen gedacht, als bis er es an Ihm erholte. Das Sinngedichte, auf welches Matthesius hier zielt, stehet in dem dritten Buche, in welchem freilich sehr viel nichtswürdige Sachen stehen, die aber durchaus nicht zur Ursache seiner Verdammung können gemacht werden, weil er sie erst nach derselben den beiden ersten Büchern beifügte. Es ist zwar so schmutzig und so niederträchtig, daß ich mich mehr als die beiden ersten Zeilen, welches folgende sind:

In M. Lutherum

Ipse dysenteriam pateris clamasque cacando
Quamque aliis optas evenit illa tibi etc.

anzuführen scheue: wann es aber auch noch schmutziger, noch niederträchtiger wäre, so würde es dennoch dem Matthesius sehr übel zu nehmen sein, daß er den Lemnius verhaßt zu machen, zu Falschheiten seine Zuflucht nimmt, und dasjenige zum Hauptverbrechen macht, was nichts als die Wirkung eines verbitterten Gemüts war.

Wer bis hierher durchgehalten hat, darf sich jetzt die Belohnung abholen in Form zweier, nun ja: Scheißgedichte – nämlich jenes schmutzigen und niederträchtigen Gedichts samt Luthers Retourkutsche.

——— Simon Lemnius:

In M. Lutherum

aus: M. Simonis Lemnii Epigrammaton Libri III, 1538:

Ipse dysenteriam pateris clamasque cacando,
    Quamque aliis optas euenit illa tibi.
Dumque cacatores clamas, tu nenpe cacator
    Factus es, et merda diues es ipse tua.
Ante tibi rabies distorta resoluerat ora,
    Et soluit culus iam tibi uentris onus.
Noluit haec tantum rabies e faucibus ire,
    Nunc etiam natibus perfluit illa tuis.
Non poterat fundi pestis tibi tanta labellis,
    Vnde tamen rumpat repperit illa uiam.
Sed puto rumpetur citius tibi uenter et exta,
    Exeat e culo quam tibi tanta lues.

Simon Lemnis, Ipse dysenteriam pateris clamasque cacando, VolltextÜbersetzt lautet das ungefähr:

Du leidest an der Ruhr und du schreist beim Scheißen, und was du erst anderen wünschtest, befällt jetzt dich. Du nanntest andere Scheißer, jetzt bist du ein Scheißer geworden und reichlich mit Scheiße gesegnet. Vergangener Zorn hat dein schiefes Maul geöffnet, jetzt entlädt sich dein Mageninhalt durch den Arsch. Dein Zorn kam nicht nur druch dein Maul — er fließt jetzt rückwärtig aus dir. So eine Pest konntest du nicht allein durch die Lippen ausstoßen, und doch hat sie einen Weg des Ausbruchs gefunden. Aber ich glaube, dein Magen und deine Eingeweide werden bersten, bevor so eine Pestilenz dein Arschloch verlässt.

Wer sich durchaus zu dergleichen berufen fühlt, kann das gerne in seiner Freizeit in korrekte Verse setzen, die an dieser Stelle zu veröffentlichen ich nicht anstehen werde. Martin Luther, der schon zu Lebzeiten einen Ruf zu verlieren hatte, beherrschte nicht allein das lateinische Vokabular, um das zu verstehen, er konnte sogar eine gleichwertige Antwort im selben Versmaß liefern, formal einwandfrei und inhaltlich in nichts zurückstehend:

——— Martin Luther:

Dysenteria Lutheri in Merdipoetam Lemchen

30. September 1538:

Quam bene conveniunt tibi res et carmina, Lemchen!
    Merda tibi res est, carmina merda tibi.
Dignus erat Lemchen merdosus carmine merdae,
    Nam vatem merdae nil nisi merda decet.
Infelix princeps, quem laudas carmine merdae!
    Merdosum merda quem facis ipse tua.
Ventre urges merdam vellesque cacare libenter
    Ingentem, facis at, merdipoeta, nihil.
At meritis si digna tuis te poena sequatur,
    Tu miserum corvis merda cadaver eris.

Die fertige Übersetzung davon steht in D. Martin Luthers Dichtungen in gebundener Rede mit den nötigen Anmerkungen als eine Festgabe zum 31. Oktober 1892 für alle Lutherfreunde herausgegeben von Georg Schleusner, Archidiakonus zu Wittenberg, P. Wunschmanns Verlag, Wittenberg 1892:

Luthers Ruhr an den Kotdichter Lemchen

Wie schön stimmen bei dir, o Lemchen, Sache und Dichtung,
Kot ist’s, drum du dich mühst, deine Gedichte sind Kot.
Würdig war der kotige Lemchen kotiger Dichtung,
Denn dem Sänger des Kots Kot nur zum Danke geziemt.
Unglückseliger Fürst, den du lobst mit kotiger Dichtung,
Den mit dem Kote von dir selber voll Kotes du machst.
Drängest im Leibe den Kot und möchtest so gern dich entleeren
Massenhaft. Aber du bringst. Dichter des Kots, nichts heraus.
Doch wenn dich nach Verdienst einst trifft gebührende Strafe,
Dann wirst ein jämmerlich Aas, Kot, für die Raben du sein.

Stadt und Land, Schlosskirche zu Wittenberg, 25. September 2017

Dieser handlich fassbare Dichterwettstreit hat im englischsprachigen Teil der deutschen Literaturwissenschaft im Internet eine gewisse stille Berühmtheit erlangt – besonders denke ich da an Michael Gilleland: Two Crappy Poems, in: Laudator Temporis Acti, 27. Juni 2017 –, weil man anhand solcher Saft- und Kraftausdrücken mit Vorliebe seine Fremdsprachenkenntnisse schult.

Eigentlich feiern wir gerade Luther und nicht seine unverschuldeten Intimfeinde, immerhin beschert uns der Mann nach einem halben Jahrtausend einen zusätzlichen Feiertag außer der Reihe – der auch heuer weder Halloween noch Weltspartag heißt. Das widerfährt uns erst wieder in weiteren fünfhundert Jahren. Entwarnung für Brückentagjäger: Der 31. Oktober 2517 fällt auf einen Sonntag.

Fast schade, dass 1892 „merda“ nur „Kot“ heißen durfte. Schon hundert Jahre später wäre das eine recht erfrischende Entladung geworden. Also eine verbale jetzt.

Bilder: Simon Lemnius: Epigrammaton libri III. Adiecta Est Qvoque eiusdem Querela ad Principem,
Seite 131 via Uni Mannheim in Bild und Volltext, und
Wittenberg:

  1. M.A.K.photo: Wittenberg Impressions, 12.Oktober 2010;
  2. David Clonel, 30. April 2016:

    Panorama of the center of Lutherstadt Wittenberg. It’s a small city, which is currently preparing for the big anniversary next year: 31. Oct 1517 Martin Luther nails his 95 Theses at the door of the church, which is the starting point of Protestant Reformation.

    On the right side of the market you can see a monument of Luther.

    The restauration of the „Castle Church“ / Schloßkirche with the theses door is finished soon (I hate construction hoarding in a picture), then I will show some more pictures!

  3. Stadt + Land: Schlosskirche zu Wittenberg, 25. September 2017.

Soundtrack: Kerstin Ott: Scheißmelodie, aus: Herzbewohner, August 2016:

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Written by Wolf

27. Oktober 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Renaissance

Trost der Welt, du stille Nacht

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Update zu Wölfchen Wulffs Weihnachten, Naseweise Weihnachten, Das Gezänk der Weisen und Weihnachten Fibels:

Wir warten aufs Christkind und horchen ein bissel Eichendorff dabei.

Doch, den kann man hören. Allein der nicht gerade endlos lange Einsiedler wurde mindestens 31-mal vertont. Eichendorff bildete dieses Abendlied eines einsamen Menschen, der nach einigen Andeutungen einst zur See gefahren sein mag, dem Lied des Einsiedels in Grimmelshausens Simplicissimus von 1669 nach, der zum Grundwissen des Romantikers gehörte. 1805 konnte er in Des Knaben Wunderhorn die erste Bearbeitung vorfinden. Seine Kenntnis davon ist dadurch belegt, dass Clemens Brentano ihm im Februar 1810 persönlich ein Exemplar geschenkt hat, damit ihm und uns auch ja nichts entgeht.

Das Weihnachtliche an Eichendorffs Version ist, dass nicht mehr eine Nachtigall zum Trost kommen möge, sondern eine stille Nacht — die Eichendorff 1835 schon als Weihnachtslied — von 1818 — bekannt sein mochte.

Schweifreime klingen immer besonders souverän, weil der letzte, der vollständig machende Reim erst im jeweils sechsten Vers ziemlich spät ins Schloss schnappt. Allein oder in Gesellschaft: Fröhliche Weihnachten.

Friedrich Bodenstedt, Initial Der Einsiedler, Album deutscher Kunst und Dichtung, 1877

——— Joseph von Eichendorff:

Der Einsiedler

aus: Geistliche Lieder, 1835, Deutscher Musenalmanach 1837:

Caspar Scheuren, Der Einsiedler, Album deutscher Kunst und Dichtung, 1877Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd‘,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd‘ gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

Bilder:

  1. Friedrich Bodenstedt: Initial aus: Der Einsiedler in: Album deutscher Kunst und Dichtung. Auswahl aus einem Prachtwerk der Gründerzeit, 1877;
  2. Caspar Scheuren: Der Einsiedler in: Friedrich Bodenstedt (Hg.): Album deutscher Kunst und Dichtung, mit Holzschnitten, nach Zeichnungen der Künstler, ausgeführt von R. Brend’amour und Anderen. Vierte, umgearbeitete Auflage. Berlin, Verlag der G. Grote’schen Verlagsbuchhandlung, 1877, Seite 33;
  3. Ludwig Richter: Einsiedels Abendlied mit Text aus: Die guten Meister des deutschen Hauses, Gelber Verlag in Dachau, 1921, Seite 49.

Ludwig Richter, Einsiedels Abendlied, Die guten Meister des deutschen Hauses, 1921

Von Eichendorffs Gedicht zählt The LiederNet Archive 31 Vertonungen auf, von denen fünf tatsächlich auffindbar sind. Am bekanntesten ist Opus 83 Nummer 3 von Robert Schumann, zu Studium und Erbauung wird die längste empfohlen: Der Einsiedler von Max Reger, Opus 144a von 1915. — Chronologisch:

Robert Schumann aus: Drei Gesänge für Singstimme und Klavier, opus 83 Nr. 3, 1850:

Hugo Wolf: Resignation aus: Sechs geistliche Lieder nach Gedichten von Eichendorff, Nr. 3, 1881:

Mex Reger, opus 144a, 1915:

Christian Lahusen:

Felix Wolfes, 1953:

Bonus Track: Tom Waits: Silent Night, aus: SOS United, 1989 – nur als Stiftung für die SOS-Kinderdörfer.

Written by Wolf

24. Dezember 2016 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Romantik

Dieses unnötige, ja sinnlose Hin und Her

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Update zu Wenn es Ihnen versagt würde to translate,
Nous sommes Voltaire, Muhammad et Charlie und
Und aber nach fünfhundert Jahren (Das eine wächst, wenn das andre dorrt):

Also ich wollte sagen, dass etwa zu dieser Zeit die Verwirrung durch die, ähm … und die Verwirrung wird all jene verwirren, die nicht wissen, und niemand wird wirklich genau wissen, wo diese kleinen Dinge zu finden sind, die verknüpft sind mit einer Art von Handarbeitszeug, das durch die Verknüpfung verknüpft ist. Und zu der Zeit soll ein Freund seines Freundes Hammer verlieren und die Jungen sollen nicht wissen, wo die Dinge, die jene Väter erst um acht Uhr am vorhergehenden Abend dorthin gelegt hatten, kurz vor Glockenschlag. Dies steht geschrieben im Buch von Sel.

Monty Python: Das Leben des Brian, 1979.

Yvonne De Carlo, wahrscheinlich 1956 als Zipporah, Moses' Frau in Die Zehn GeboteJeder, dem das Denken und Fühlen noch nicht vollends ausgetrieben ist, hätte lieber einen Orient wie aus Tausendundeiner Nacht, wie aus dem West-östlichen Divan, wie bei Friedrich Rückert oder wenigstens wie aus den Almanachen von Wilhelm Hauff. Einen voller üppig gesponnener Märchen, unerschütterlich weltoffener Weisheit, phantasievoller Sachen zum Rauchen und einer Friedfertigkeit, von der sich jeder abendländische Giaur noch was abschneiden kann. Schön wär’s, wirklich wahr.

Fast noch schöner wäre ein Orient voll trotteliger Besatzer, lebensmutiger Ex-Leprakranker und Heilsversprechen an allen Ecken und Enden, die auch nicht surrealer sind als die ohnehin vorgefundene Lebenswirklichkeit. Und wenn man es mal so herzählt, muss einem ein Klamaukfilm wie Das Leben des Brian erschütternd lebensnah vorkommen, auch wenn er 600 Jahre vor der Erfindung des Islams spielt.

Nun ist der islamische Humor leider sehr körperbetont, also meist auf Schadenfreude ausgerichtet. In seinen gesprochenen Manifestationen darf und sollte er geistreich sein, aber keine Unwahrheit aussprechen — was alle Formen der Ironie gesetzlich ausschließt. Natürlich macht ihn das zu einem reinen, nun ja: Minenfeld.

Es scheint, der stets wahrhaftige Hans Mentz von der Titanic ist 2015 auf etwas gestoßen, worauf sich die virulentesten Weltreligionen einigen könnten. Mir war nicht klar, dass der Mann so wichtig ist.

——— Hans Mentz:

Slapstick am Sinai

aus: Humorkritik in: Titanic, September 2015, Seite 49:

Daß es gar nicht so leicht ist, mit Heilsgestalten Komik zu erzeugen, haben auch die Spitzenkräfte von Monty Python erfahren: Wenn jemand ein „gutes Leben“ vorlebt, dann riskieren die, die sich drüber lustigmachen, als inhuman zu gelten. Nicht von ungefähr heißt der Held aus „Life of Brian“ auch Brian und nicht Jesus. Was aber, wenn im heiligsten aller Bücher selbst drollige Sachen passieren? Vor über zwanzig Jahren schrieb Hans Schmoldt seine im Reclam-Verlag erschienene Einführung in das Alte Testament und faßt dort vorbildlich-sachlich zusammen, was sich laut der Überlieferung des Pentateuch am Sinai zugetragen haben soll: „Am Sinai wird Moses mehrfach auf den Berg hinaufkommandiert und steigt mehrfach wieder herab: Er steigt zu Gott hinauf (2. Mose 19,3); in 19,7–8a wird vorausgesetzt, daß er herabgestiegen ist; er steigt vom Berg herab (19,14); er steigt auf den Berg hinauf (19,20); er steigt herab (19,27 [womit 19,24–25 gemeint sein muss]); jetzt (!) verkündet Gott die zehn Gebote (20,1–17); Moses nähert sich Gott, steigt also hinauf (20,21); er soll zu Jahwe hinaufsteigen (24,1); er steigt auf den Berg hinauf (24,13b); er steigt auf den Berg hinauf (24,15a).“ Lakonisch folgert Schmoldt: „Dieses unnötige, ja sinnlose Hin und Her zwingt zu der Annahme, daß hier mehrere Bearbeiter, Ergänzer am Werk waren“. Gut möglich. Mich aber erfreut vielmehr meine eigene Exegese: daß der Jahwist schlicht Gefallen hatte an der Vorstellung, ein wie Charlton Heston aussehender Moses steige wie toll immer wieder auf einen Berg, auf dem er schon längst droben ist, und kriegt die Gesetzestafeln just dann in die Hand gedrückt, wenn er sich eigentlich gerade unten aufhält. Wenn ich, in meinem gleichfalls annähernd biblischen Alter, noch einen Pfarrer empfehlen soll, dann den gelehrten Hans Schmoldt mit seinem makellosen Timing.

Pietro Perugino, Viaggio di Mosè e circoncisione del suo secondo figlio, 1481--1483Das interessiert mich jetzt, wie sich diese neun Stellen — wenn wir die eigentlichen zehn Gebote ausnehmen — geballt anhören. Die Luther-Übersetzung 1545 letzter eigener Hand, der ich fast soviel glaube wie der monatlichen Humorkritik von Hans Mentz, sagt:

——— Exodus 19,3:

Vnd Mose steig hin auff zu Gott. VND der HERR rieff jm vom Berge / vnd sprach / So soltu sagen zu dem hause Jacob / vnd verkündigen den kindern Jsrael.

——— Exodus 19,7–8a:

MOse kam / vnd foddert die Eltesten im volck / vnd legt jnen alle diese wort fur / die der HERR geboten hatte. Vnd alles volck antwortet zu gleich / vnd sprachen / Alles was der HERR geredt hat / wöllen wir thun / Vnd Mose sagt die rede des Volcks dem HERRN wider.

——— Exodus 19,14:

Mose steig vom Berge zum Volck / vnd heiliget sie / vnd sie wusschen jre Kleider.

——— Exodus 19,20:

ALS nu der HERR ernider komen war auff den berg Sinai / oben auff seine spitzen / foddert er Mose / oben auff die spitze des Bergs / Vnd Mose steig hin auff.

——— Exodus 19,24–25:

Vnd der HERR sprach zu jm / Gehe hin / steige hinab / Du vnd Aaron mit dir / solt herauff steigen / Aber die Priester vnd das Volck sollen nicht her zu brechen / das sie hinauff steigen zu dem HERRN / das er sie nicht zuschmettere. Vnd Mose steig hervnter zum Volck / vnd sagts jnen.

——— Exodus 20,21:

Also trat das volck von ferne / Aber Mose macht sich hinzu ins tunckel / da Gott innen war.

——— Exodus 24,1:

VND zu Mose sprach er / Steig erauff zum HERRN / du vnd Aaron / Nadab vnd Abihu / vnd die siebenzig Eltesten Jsrael / vnd betet an von ferne /

——— Exodus 24,13b:

Da macht sich Mose auff / vnd sein diener Josua / vnd steig auff den berg Gottes / vnd sprach zu den Eltesten / Bleibt hie / bis wir wider zu euch komen / Sihe / Aaron vnd Hur sind bey euch / Hat jemand eine Sache der kome fur die selben.

——— Exodus 24,15a:

DA nu Mose auff den Berg kam / bedeckt eine wolcke den berg / Vnd die Herligckeit des HERRN wonete auff dem berge Sinai / vnd decket jn mit der wolcken sechs tage / vnd rieff Mose am siebenden tage aus der wolcken.

Körpernaher Slapstick, dem man je nach Neigung schadenfroh begegnen kann, dabei nicht geistlos. Da lacht der Großstadthipster mit dem Barte des Propheten um die Wette. Gott ist groß.

Bilder: Yvonne De Carlo, wahrscheinlich 1956 als Zipporah, Moses‘ Frau in Die Zehn Gebote via Evie, 2012;
Pietro Perugino: Zipporah (3. v. l. in Blau) als Detail in Viaggio di Mosè e circoncisione del suo secondo figlio, zwischen 1481 und 1483 (circoncisione heißt Beschneidung).
Filmbeleg: The Ten Commandments movie in 20 minutes: „The original Ten Commandments movie is 221 minutes, so I wanted to make it a bit shorter.“ Mit „Lily Dracula-Munster“ als Moses‘ Frau Zippora.

Written by Wolf

22. Juli 2016 at 00:01

Veröffentlicht in Ägyptische Antike, Glaube & Eifer

Imbolc Blessings: My heart is as black as the blackness of the sloe

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Update zu Nunc dimittis mit Fried und Freud
und Break in college sick bay:

Lichtmess ist der liebenswerteste Feiertag im ganzen Jahreskreis. Lichtmess bedeutet, dass die Tage schon messbar länger und heller werden. Lichtmess handelt von hoffnungsfrohem Erwachen und Zuversicht. Außerdem ist es nicht so überladen mit Feier- und Geschenkverpflichtungen: Lichtmess feiert nur, wem es am Herzen liegt.

Vor allem feiern es die heutigen Wicca- und paganischen Religionen, die ihm gern eine schwärzere Seite verleihen; bei ihnen heißt es Imbolc und gilt der Göttin Brigid — „a woman of poetry, and poets worshipped her, for her sway was very great and very noble. And she was a woman of healing along with that, and a woman of smith’s work, and it was she first made the whistle for calling one to another through the night.“

Eine heidnische, aber durchaus christlich vertretbaren Werten verpflichtete Heilige also, nicht weniger liebenswert als ihr Feiertag, der 2. Februar, im Christlichen: Lichtmess, das Fest der Darstellung des Herrn. So wird sie von der ungemein verdienstreichen Lady Augusta Gregory 1904 in Gods and Fighting Men beschrieben.

Die unmittelbare Literatur über diese woman of poetry stammt aus einer selbst schon sagenumwobenen Zeit: dem alten Irland vor der Christianisierung — und der Heilige Patrick hat die heidnische Insel schon im 5. Jahrhundert katholisch gemacht. Selbst fürs ach so christliche Abendland, in dem die meisten Völker noch mit der Völkerwanderung beschäftigt waren, um einen warmen Platz für ihre Hintern zu suchen, und noch keineswegs mit der Übernahme einer noch kürzlich unter Todesstrafe stehenden Religion aus der orientalischen Provinz, die gerade seit anno Domini 380 plötzlich die vom allgemeinen Hunneneinfall überschattete Staatsreligion war, ist das für eine erfolgreiche Missionierung recht frühzeitig. Also: alt.

Gedichte über Brigid aus der Zeit, als sie noch kanonisch verehrt wurde, sind dafür, dass sie überhaupt erhalten sind, historisch nicht genug zu würdigen, geben aber für heutige Begriffe künstlerisch nicht viel her. Lady Gregory hat aber bei ihren umfassenden folkloristischen Forschungen ein altirisches Gedicht aus dem 8. Jahrhundert ausgegraben, das einen, in eine vorsichtig modernisierte Form gebracht, heute noch umhauen kann.

Kurzzeitig bekannt wurde Lady Gregorys sehr freie Übersetzung in cinephilen Kreisen anlässlich Die Toten von John Huston, 1987. Für diese Literaturverfilmung, die mit allen Längen und Ausschmückungen ohnehin nur auf 87 Minuten kommt, wurde eigens die neue Figur des Mr. Grace eingeführt, die das Gedicht vorlesen kann; Sean McClory spielt und rezitiert.

So frei ist Lady Gregorys Übersetzung, dass sie die vorhandenen 14 irischen Strophen in neun englischen untergebracht hat. Eine weitere soll vor der Strophe „When I go by myself to the Well of Loneliness“ ausgeschieden sein, das wäre die fünfte und somit zentrale. Ich füge sie hier als Internet-Premiere an der vorgesehenen Stelle ein. — Eine deutsche Übersetzung ist mir nicht bekannt, für die Interpretation empfehle ich wärmstens die tiefgehende Folge von Carol Rumens: Poem of the week: Donal Og by Lady Augusta Gregory in The Guardian, 19. April 2010.

Das Gedicht feiert weder Lichtmess noch Imbolc ausdrücklich, Die Toten spielt bei John Huston wie bei James Joyce an Epiphanias, das ist der Dreikönigstag am 6. Januar — als formal verbindendes Element am Ende eines winterlichen Jahresabschnitts. Sein Geist passt unschlagbar auf die schwärzere Seite einer woman of poetry.

——— Lady Augusta Gregory:

Donal Og

Translated from an anonymous eighth-century Irish poem:

It is late last night the dog was speaking of you;
the snipe was speaking of you in her deep marsh.
It is you are the lonely bird through the woods;
and that you may be without a mate until you find me.

You promised me, and you said a lie to me,
that you would be before me where the sheep are flocked;
I gave a whistle and three hundred cries to you,
and I found nothing there but a bleating lamb.

You promised me a thing that was hard for you,
a ship of gold under a silver mast;
twelve towns with a market in all of them,
and a fine white court by the side of the sea.

You promised me a thing that is not possible,
that you would give me gloves of the skin of a fish;
that you would give me shoes of the skin of a bird;
and a suit of the dearest silk in Ireland.

It is early in the morning that I saw him coming,
going along the road on the back of a horse;
he did not come to me; he made nothing of me;
and it is on my way home that I cried my fill.

When I go by myself to the Well of Loneliness,
I sit down and I go through my trouble;
when I see the world and do not see my boy,
he that has an amber shade in his hair.

It was on that Sunday I gave my love to you;
the Sunday that is last before Easter Sunday
and myself on my knees reading the Passion;
and my two eyes giving love to you for ever.

My mother has said to me not to be talking with you today,
or tomorrow, or on the Sunday;
it was a bad time she took for telling me that;
it was shutting the door after the house was robbed.

My heart is as black as the blackness of the sloe,
or as the black coal that is on the smith’s forge;
or as the sole of a shoe left in white halls;
it was you put that darkness over my life.

You have taken the east from me, you have taken the west from me;
you have taken what is before me and what is behind me;
you have taken the moon, you have taken the sun from me;
and my fear is great that you have taken God from me!

Branna Laurelin, Forest Harp Fairy, 2013

Bilder: Flora Lion: Isabella Augusta (née Persse), Lady Gregory, Lithographie 1913, 356 mm x 260 mm, National Portrait Gallery, London;
Mary Cicely Barker: The Snowdrop Fairy, aus: Flower Fairies of the Spring, 1923
via Tinkerbell: Blessed Imbolc, 1. Februar 2011:

May Brighid’s fire light your path and her blessings be upon your home & hearth!

Branna Laurelin: Forest Harp Fariy, 2013.

Soundtrack: Booker Bird 66, March 17th, 2013: The Pogues: The Sickbed of Cuchulainn, from Rum Sodomy & the Lash, Stiff, MCA, 1985 — „featuring the great Irish American Buster Keaton. Buster was buried with a rosary in one pocket and a deck of cards in the other. I do not own the right to the music and is not for profit fan video.“ — Bitte laut!

Written by Wolf

2. Februar 2016 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Novecento

4. Katzvent: Ehre sey Gott in der Höhe / Vnd Friede auff Erden / Vnd den Menschen ein wolgefallen: The world can never have enough cute kitten pics am I right?

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Ein Suchbild mit Katze, ein späthippieskes Weihnachtslied zum Mitgrölen, und in der üblichen Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 kommt gar kein Stern vor, dafür heißt „Krippe“ seit 2004 „Ölwanne“ — das kann nur der restliche Adventskalender für den Endspurt bis Heiligabend sein. Wir warten aufs Christkind und diskutieren, welche Version die schönste ist.

Lukas 2,1–20
Luther-Übersetzung letzter Hand, 1545:

ES begab sich aber zu der zeit / Das ein Gebot von dem Keiser Augusto ausgieng / Das alle Welt geschetztSchetzen ist hie / das ein jglicher hat müssen ein Ort des gülden geben von jglichem Heubt. würde. Vnd diese Schatzung war die allererste / vnd geschach zur zeit / da Kyrenius Landpfleger in Syrien war. Vnd jederman gieng / das er sich schetzen liesse / ein jglicher in seine Stad. Da machet sich auff auch Joseph / aus Galilea / aus der stad Nazareth / in das Jüdischeland / zur stad Dauid / die da heisst Bethlehem / Darumb das er von dem Hause vnd geschlechte Dauid war / Auff das er sich schetzen liesse mit Maria seinem vertraweten Weibe / die war schwanger. Vnd als sie daselbst waren / kam die zeit / das sie geberen solte. Vnd sie gebar jren ersten Son / vnd wickelt jn in Windeln / vnd leget jn in eine Krippen / Denn sie hatten sonst keinen raum in der Herberge. Mat. VND es waren Hirten in der selbigen gegend auff dem felde / bey den Hürten / die hüteten des nachts jrer Herde. Vnd sihe / des HERRN Engel trat zu jnen / vnd die Klarheit des HERRN leuchtet vmb sie / Vnd sie furchten sich seer. Vnd der Engel sprach zu jnen. Fürchtet euch nicht / Sihe / Jch verkündige euch grosse Freude / die allem Volck widerfaren wird / Denn Euch ist heute der Heiland gebörn / welcher ist Christus der HErr / in der stad Dauid. Vnd das habt zum Zeichen / Jr werdet finden das Kind in windeln gewickelt / vnd in einer Krippen ligen. Vnd als bald ward da bey dem Engel die menge der himelischen Herrscharen / die lobten Gott / vnd sprachen / Ehre sey Gott in der Höhe / Vnd Friede auff Erden / Vnd den Menschen ein wolgefallen Das die menschen dauon lust vnd liebe haben werden / gegen Gott vnd vnternander. Vnd dasselb mit danck annemen / vnd darüber alles mit freuden lassen vnd leiden. VND da die Engel von jnen gen Himel furen / sprachen die Hirten vnternander / Lasst vns nu gehen gen Bethlehem / vnd die Geschicht sehen / die da geschehen ist / die vns der HERR kund gethan hat. Vnd sie kamen eilend / vnd funden beide Mariam vnd Joseph / dazu das Kind in der krippen ligen. Da sie es aber gesehen hatten / breiteten sie das wort aus / welchs zu jnen von diesem Kind gesagt war. Vnd alle / fur die es kam / wunderten sich der Rede / die jnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese wort / vnd beweget sie in jrem hertzen. Vnd die Hirten kereten widerumb / preiseten vnd lobten Gott vmb alles / das sie gehöret vnd gesehen hatten / wie denn zu jnen gesagt war.

     

Lukas 2,1–20
Volxbibel, 2004:

Jesus wird geboren

In dem Jahr machte der oberste Präsident der Römer ein neues Gesetz. In diesem Gesetz stand, dass sich alle Menschen, die in den von der römischen Armee besetzten Gebieten lebten, bei ’ner staatlichen Behörde melden sollten. Dort mussten sie angeben, wie viel Kohle sie im Monat verdienen, um daraus die neue Steuer zu berechnen. So eine Steuerschätzung hatte es zu dem Zeitpunkt noch nie gegeben. Quirinius war gerade der Ministerpräsident von einem der besetzten Gebiete, das Syrien hieß. Alle Menschen mussten in den Ort zurückgehen, in dem sie geboren worden waren, um sich dort in Listen einzutragen. Weil Josef aus der Familie vom David kam, musste er nach Bethlehem reisen, denn da kam seine Familie ursprünglich her. Er machte sich also von Nazareth (das liegt in Galiläa) nach dorthin auf den Weg. Maria, seine Verlobte, nahm er einfach mit. Die hatte da schon einen ziemlich dicken Bauch, sie war nämlich hochschwanger. In Bethlehem passierte es dann, und sie bekam ihr erstes Kind. Weil sie in den Hotels und Jugendherbergen im Ort keinen Pennplatz mehr finden konnten, musste Maria das Kind in einer Autogarage zur Welt bringen. Eine alte Ölwanne war das erste Kinderbett.

Die Hirten und ein Engel

In dieser Nacht hatten ein paar Hirten kurz vor dem Dorf ihr Lager aufgeschlagen, um dort auf die Schafe aufzupassen. Plötzlich war da ein riesengroßes überirdisches Wesen aus dem Himmel, das auf sie zukam. Ein helles weißes Licht war um diesen Engel rum, ein Art von Licht, das nur von Gott kommen konnte, so krass war es. Die Hirten bekamen voll die Panik, aber der Engel beruhigte sie. „Entspannt euch, ihr braucht keine Angst zu haben! Ich habe gute Nachrichten für euch und auch für alle anderen Menschen! Heute Nacht ist der Mensch geboren worden, der euch alle aus eurem Dreck rausholen wird! Das ist in der gleichen Stadt passiert, wo auch David herkommt. Ich sag euch mal, wo ihr ihn finden könnt: Er liegt in einer alten Ölwanne, unten in einer Tiefgarage, gut eingewickelt in Windeln!“ Plötzlich tauchten neben dem einen Engel noch Tausende anderer Engel auf. Die fingen dort gleich an, zu beten und Gott zu sagen, wie genial er ist: „Der Gott, der im Himmel wohnt, soll groß rauskommen! Er hat all den Menschen ein Friedensangebot gemacht, die bereit sind, dieses Angebot auch anzunehmen!“ Nachdem die Engel wieder verschwunden waren, beschlossen die Hirten, der Sache auf den Grund zu gehen: „Lasst uns mal nach Bethlehem fahren. Mal sehen, was dort jetzt von den Sachen passiert ist, die uns dieser Engel gerade erzählt hat.“ Sie beeilten sich sehr. Als sie im Dorf ankamen, fanden sie tatsächlich Maria, Josef und auch das Baby, das in einer Ölwanne lag. Nachdem die Hirten das Kind angesehen hatten, erzählten sie von ihrem Treffen mit diesem Engel. Alle, die davon Wind bekamen, staunten nicht schlecht. Maria merkte sich aber alle Einzelheiten genau und dachte ständig darüber nach. Anschließend gingen die Hirten wieder zu ihren Schafen zurück. Sie freuten sich total über Gott und über das, was sie in dieser Nacht erlebt hatten! Alles war genauso abgegangen, wie es ihnen vorher angekündigt worden war.

     

Suchbild: Wo ist die Katze?

Alicia Luciana McConnell: Back to Black, 1. Juli 2015, Chicago:

Shot this in the alley behind my aunt’s apartment right after work yesterday. I wanted to try to shoot a self portrait that had an interesting perspective so this is hopefully a little different. My poor cheap tripod was not having any of it, I really need to invest in a better one one of these days. My favorite part of this is the kitty, might become a cat photographer instead of this whole human thing? The world can never have enough cute kitten pics am I right?

Alicia Luciana McConnell, Back to Black, Chicago, July 1st, 2015

Und jetzt alle Regler nach rechts fürs Tutti mit Chören und Hauffe:

The Family Tree: Holy Night, aus: Starparade Extra-Ausgabe, 1972.

The Family Tree war 1972 bis 1975 eine Band aus 11 Mitgliedern, gegründet von Günter „Yogi“ Lauke für das Label Finger Records in Rottach-Egern, und veröffentlichte 1 LP, die es nie als CD gab. — Die ganze Geschichte aus zweiter Hand im Krautrock-Musikzirkus.

Written by Wolf

18. Dezember 2015 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Renaissance

Nous sommes Voltaire, Muhammad et Charlie

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Update zu Die west-östlichen Sofata:

Mesdames et Messieurs, die meinen uns. Egal wer die fehlgeleiteten Wurstel in Paris zu ihrem unheiligen Kriegszug beauftragt hat — es war niemand, dem etwas an irgend einer Religion liegt; es war jemand, der Errungenschaften wie die Encyclopédie und französische Comics endlich mal ernst nimmt — tödlich ernst.

——— Voltaire: Brief an Abbé Le Riche, 6. Februar 1770:

Portrait Muhammad Abduh, MoviesPictures.orgMonsieur l’abbé, je déteste ce que vous écrivez, mais je donnerai ma vie pour que vous puissiez continuer à écrire.

Mesdames et Messieurs, die meinen uns. In offen konsumkapitalistischen Gesellschaften sind solche wie wir nur volkswirtschaftlich so entbehrlich, dass wir von den Machtinhabern grundsätzlich gewürdigt und bis jetzt sogar ein bisschen schamhaft aussortiert werden; in religiös affirmativen Gesellschaften gehören wir offenbar dutzendweise abgeknallt.

——— Großmufti Muhammad Abduh,
1849 bis 11. Juli 1905:

Ich ging in den Westen und sah Islam, aber keine Muslime. Ich kehrte in den Osten zurück und sah Muslime, aber keinen Islam.

Mesdames et Messieurs, die meinen uns. Mein faustisch geprägter Pantheos und ich nehmen das persönlich. Wenn das Religion ist, nehm ich die Comics.

Bild: Alchetron.

(Tim Neshitov: Irland, das islamischste Land der Welt erschien in der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch, 7. Januar 2015, entstand also noch ohne den Eindruck der gegen eine Pariser Witzheftchenbude, Denken, Sprechen, Schreiben, Kunst und Anstand gerichteten Nine-Eleven-Aktion.)

Written by Wolf

8. Januar 2015 at 06:44

Veröffentlicht in Aufklärung, Glaube & Eifer

Weekly Wanderer 0016

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Nicht recht einig werde ich mit mir, was das sein soll: Volksgut um 1960 (was es faktisch ohnehin ist), das sich unbefangen wie der Sperber der Fränkischen Alb in die Höhen der Bildung erhebt — oder ein halbbildungshuberndes Gstanzl , das sich zu foin für eine schmissige Bauerntanzmelodie ist.

Dann versöhnt mich doch wieder, dass die unorthodoxe Zusammenstellung hier einen ganz ähnlichen Effekt erzielt wie die Erzeugnisse von Robert Gernhardt und Peter Knorr, und das aus gleichen Gründen. Wahrscheinlich sogar unter Einfluss nahe verwandter legaler Drogen.

Und der Pfarrer von Roth
Ist auch schon lang tot.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Katholische Stadtpfarrkirche Roth bei Nürnberg, Hochaltar 1913, Katholische Pfarrei Roth Maria Aufnahme in den Himmel

Bild: Katholische Stadtpfarrkirche Roth bei Nürnberg: Neugotischer Hochaltar, errichtet 1913.

Written by Wolf

31. August 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Klassik