Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for the ‘Land & See’ Category

4. Stattvent: Aber nun sangen die Gäste „Stille Nacht, Heilige Nacht“

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Wer an dieser Stelle ernstzunehmende Adventsinhalte wünscht, sei innerhalb des Weblogs freundlich auf die Sammlung über Weihnachtsengel (Dezember 2013), die Einschläferungsgedichte von Friedrich Rückert (Dezember 2014), das künstlerische Schaffen über Katzen (Dezember 2015) sowie das künstlerische Schaffen von Katzen (Dezember 2016) verwiesen.

Mein Haus-, Hof-, Leib- und Magenheiliger Joachim Ringelnatz, der alte Seebär, tat ja immer sowas von unsentimental. Walter Giller, mit dem mich nicht viel außer den Initialen verbindet, hat diese Ballade, gegen die sich die gleichnamige Kategorie von Goethe & Schiller wie eine Sammlung Büttenreden ausnimmt, mal im Fernsehen vorgetragen. Das war in den Siebzigern, als es noch große Fernsehmomente zu erleben gab — und den Rekonstruktionen nach am 15. November 1975 in der Mainzer Rheingoldhalle. Man mag jene Zeiten bedauern und belächeln, in denen unter Fernsehunterhaltung verstanden wurde, dass ein Anzugträger ein Gedicht aufsagt — Herrn Gillers leicht kratziger Bierbass aber war hier genau richtig. Hinterher war wieder Fernsehballett.

Halleluja mitsammen.

Soundtrack 1 für den Seebärenteil:
Rio Reiser: Übers Meer, aus: Blinder Passagier, 1987:

——— Joachim Ringelnatz:

Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu

aus: Kuttel-Daddeldu, Kurt Wolff Verlag, München 1924:

Die Springburn hatte festgemacht
Am Petersenkai.
Kuttel Daddeldu jumpte an Land,
Durch den Freihafen und die stille heilige Nacht
Und an dem Zollwächter vorbei.
Er schwenkte einen Bananensack in der Hand.
Damit wollte er dem Zollmann den Schädel spalten.
Wenn er es wagte, ihn anzuhalten.
Da flohen die zwei voreinander mit drohenden Reden.
Aber auf einmal trafen sich wieder beide im König von Schweden.

Daddeldus Braut liebte die Männer vom Meere,
Denn sie stammte aus Bayern.
Und jetzt war sie bei einer Abortfrau in der Lehre,
Und bei ihr wollte Kuttel Daddeldu Weihnachten feiern.

Im König von Schweden war Kuttel bekannt als Krakehler.
Deswegen begrüßte der Wirt ihn freundlich: „Hallo old sailer!“
Daddeldu liebte solch freie, herzhafte Reden,
Deswegen beschenkte er gleich den König von Schweden.
Er schenkte ihm Feigen und sechs Stück Kolibri
Und sagte: „Da nimm, du Affe!“
Daddeldu sagte nie „Sie“.
Er hatte auch Wanzen und eine Masse
Chinesischer Tassen für seine Braut mitgebracht.

Aber nun sangen die Gäste „Stille Nacht, Heilige Nacht“,
Und da schenkte er jedem Gast eine Tasse
Und behielt für die Braut nur noch drei.
Aber als er sich später mal darauf setzte,
Gingen auch diese versehentlich noch entzwei,
Ohne daß sich Daddeldu selber verletzte.

Und ein Mädchen nannte ihn Trunkenbold
Und schrie: er habe sie an die Beine geneckt.
Aber Daddeldu zahlte alles in englischen Pfund in Gold.
Und das Mädchen steckte ihm Christbaumkonfekt
Still in die Taschen und lächelte hold
Und goß noch Genever zu dem Gilka mit Rum in den Sekt.
Daddeldu dacht an die wartende Braut.
Aber es hatte nicht sein gesollt,
Denn nun sangen sie wieder so schön und so laut.
Und Daddeldu hatte die Wanzen noch nicht verzollt,
Deshalb zahlte er alles in englischen Pfund in Gold.

Und das war alles wie Traum.
Plötzlich brannte der Weihnachtsbaum.
Plötzlich brannte das Sofa und die Tapete,
Kam eine Marmorplatte geschwirrt,
Rannte der große Spiegel gegen den kleinen Wirt.
Und die See ging hoch und der Wind wehte.

Daddeldu wankte mit einer blutigen Nase
(Nicht mit seiner eigenen) hinaus auf die Straße.
Und eine höhnische Stimme hinter ihm schrie:
„Sie Daddel Sie!“
Und links und rechts schwirrten die Kolibri.

Die Weihnachtskerzen im Pavillon an der Mattentwiete erloschen.
Die alte Abortfrau begab sich zur Ruh.
Draußen stand Daddeldu
Und suchte für alle Fälle nach einem Groschen.
Da trat aus der Tür seine Braut
Und weinte laut:
Warum er so spät aus Honolulu käme?
Ob er sich gar nicht mehr schäme?
Und klappte die Tür wieder zu.
An der Tür stand: „Für Damen“.

Es dämmerte langsam. Die ersten Kunden kamen,
Und stolperten über den schlafenden Daddeldu.

Daniela Paszportowa Paß, Kwal, der, 19. Oktober 2006

Soundtrack 2 für den Weihnachtsteil:
Kris Kristofferson: Jesus Was A Capricorn, 1972:

Jesus was a Capricorn
He ate organic food
He believed in love and peace
And never wore no shoes

Long hair, beard and sandals
And a funky bunch of friends
Reckon we’d just nail him up
If he came down again.

Er habe sie an die Beine geneckt: Daniela „Paszportowa“ Paß, Berlin,
mit nackigen knackigen drei’n’dreißich für Moby-Dick™:
Kwal, der: Daniela tanzt auf einem Walbein, 19. Oktober 2006.

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Written by Wolf

22. Dezember 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Novecento

Herrjeh, schweigt mir vom Tegernsee!

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Update zu Peregrini Bavarici,
Ein ewig Weißwurschten,
Dieses unnötige, ja sinnlose Hin und Her
und Einigen wir uns auf Unentschieden:

Die professionelle „Altherrengermanistik“ indes dürfte vor Schreck in die dritte Lautverschiebung fallen, wenn sie gewahrt, was da mit ihrem „mikrophilologisch“ gehegten Minnesänger angestellt wird.

Rühmkorf erzählt das unordentliche Leben des Herrn Walther, das „der deutschnationale Ideologie-Unterricht des 19. Jahrhunderts zu einer rosenseligen Cavalierstour umlügen mußte“, als Tournee der Eitelkeiten, auf der „der Lohn die Musik“ machte.

Jürgen Kolbe: Graziös in Gefahr, in: Der Spiegel, 5. Januar 1976
über Peter Rühmkorf, * 25. Oktober 1929, † 8. Juni 2008.

Jost Amann für Philipp Apian, Kloster Tegernsee, erste bekannte Abbildung um 1560, Landtafeln. Sixtus Lampl, Die Klosterkirche Tegernsee, Oberbayerisches Archiv, Band 100, München, 1975, Band 2, Abbildung 1

Ist eigentlich Wallstein die Lindt-Schokolade unter den Verlagen oder Lindt der Wallstein Verlag unter den Chocolatiers? Egal, wenn mich schon mal eine Buchneuerscheinung interessiert – sagen wir zum Beispiel: Stephan Opitz, Christoph Hilse (Hrsg.): Peter Rühmkorf, Peter Wapneski: Des Reiches genialste Schandschnauze: Texte und Briefe zu Walther von der Vogelweide, Wallstein Verlag, Göttingen, Februar 2017 –, wird sie unfehlbar von Hans Mentz in seiner TitanicHumorkritik besprochen. Auf den Mann ist Verlass.

Abb. 3 Kupferstich aus P. Karl Stengel, Monasteriologia I, 1619

——— Hans Mentz:

Reanimierter Walther

aus: Humorkritik, in: Titanic, September 2017, Seite 48 f.:

Wenn ein gewitzter und temperamentvoller Dichter wie Peter Rühmkorf und ein kunstsinniger Mediävist wie Peter Wapnewski einen Briefwechsel über Walther von der Vogelweide führen, dann können auch Dritte davon profitieren – wir Leser, denen diese Korrespondenz jetzt in einer von Stephan Opitz und Christoph Hilse edierten Buchfassung vorliegt, vermehrt um thematisch verwandte Aufsätze, Rühmkorfs neuhochdeutsche Übertragungen der Gedichte Walthers und ein ausführliches Nachwort („Des Reiches genialste Schandschnauze. Texte und Briefe zu Walther von der Vogelweide“, Wallstein Verlag). Aus humorkritischer Perspektive sind jene Briefe am ergiebigsten, die Rühmkorf angetrunken verfaßt zu haben scheint; da verliert er mitunter die Contenance und rüffelt Wapnewski für dessen Einwände gegen die mitunter sehr freien Übertragungen (aus einem Brief vom 27. Juli 1975): „Aber PPPPP! WWWWW!: Du kannst doch nicht eine wahrhaftige Erfindung: ‚Man schenkte Sprudel / und begossen wie ein Pudel‘ für ‚ich nahm dâ wazzer / alsô nazzer‘ (ein Problem, an dem die gesamte Philologie nun schon über hundert Jahre lang ergebnislos herumrätselt) als Fehler ankreiden! Einen Jahrhundertfund, der wirklich nur mittels Poesie lösbar scheint, bekrak-mäkeln!“

Ein sehr amüsantes Buch; es gibt nichts daran zu bekrak-mäkeln.

Stahlstich für Eduard Duller, Die Donau, Kapitel 5. Von Regensburg bis Deggendorf, 1840

Das interessiert uns natürlich näher. Rühmkorfs großer Aufsatz und den von der Vogelweide, seine Übersetzung von 36 seiner Gedichte und die Korrespondenz mit Wapnewski müssen 1975 entstanden sein, weil die Grundlage für den 2017er Sammelband von Opitz und Hilse, Walther von der Vogelweide, Klopstock und ich, ein liebenswertes schmales Rowohlt von Anfang 1976 war — Das neue Buch 65 — und außerdem von Hans Mentz oben eingeordnet wird. In beiden Sammlungen finden wir Rühmkorfs Ausgangstext und endgültiges Ergebnis. Es ist Walthers „Tegernseespruch“, Lachmann 104,23–32 aus dem Kloster Tegernsee, ca. 1212.

Man seit mir ie von Tegersê,
wie wol daz hûs mit êren stê,
dar kêrte ich mêr dan eine mîle von der strâze.
ich bin ein wunderlîcher man,
daz ich mich selben niht enkan
entstân und mich sô vil an frömede liute lâze.
     ich schilte sîn niht, wan got genâde uns beiden:
     ich nam dâ wazzer!
     alsô nazzer
     muost ich von des münches tische scheiden.

Herrjeh, schweigt mir vom Tegernsee!
Wie weit das Tor dort offensteh —
Ich machte mir den Umweg — über eine Meile.
Man ist schon ein verrücktes Haus;
da denkt man sich, man kennt sich aus
und teilt nur andrer Leute Vorurteile.
Ich will nicht lästern; Gott vergelt es beiden:
Man schenkte Sprudel
und begossen wie ein Pudel
mußt ich vom Tische dieses Mönches scheiden.

Was ist los am Tegernsee, Herbst, ca. 2016

In Tegernsee, da war ich schon mal. Muss man nicht hin. Der See kann nichts dafür, aber ich empfinde den Ort als hässliches Drachenauge eines sich selbst verleugnenden, eben dadurch umso gnadenloseren Kapitalismus inmitten einer gottgesegneten Landschaft. Allerdings hab ich da nicht das Kloster Tegernsee besucht, gegen dessen Brauerei nichts vorliegt — und die um 1212, als der von der Vogelweide zu Besuch kam, längst bestand. Das Kloster selbst ist frühmittelalterliches Urgestein seit anno 746.

Nun ist man zur Rekonstruktion von Walthers Biographie, der sich als bettelarmer, landstreichender Minnesänger darstellt, rein auf Andeutungen aus seinem eigenen Werk angewiesen. Aus den Angaben im Tegernseespruch wurde schon versucht, Walthers Herkunft aus Südtirol herzuleiten, was nach aktuellem wissenschaftlichen Stand nicht stimmt. Wohl besaß Kloster Tegernsee, traditionell eine bayerntypisch reiche Benediktinerabtei von europaweitem Einfluss, Weingärten bei Bozen, aber seit 1050 auch die heute noch bestehende, ja zunehmend hippe Brauerei. Für wahrscheinlich halte ich daher, dass Walther sich nur halb im Spaß nicht darüber beschwert, keinen — vorzugsweise Südtiroler — Wein erwischt zu haben, sondern: kein Bier. Das liegt schon deshalb näher, weil man von dem ultramontanen Weinanbau erst einmal theoretisch unterrichtet sein musste, eine Gegend, in der eine Brauerei wirkt, dagegen bis tief ins 20. Jahrhundert hinein höchst unmittelbar und charakteristisch nach gärender Maische stank; ich selbst habe das noch sinnlich erlebt.

Besonders schandbar ist es von einem Orden wie den der Benediktiner, in deren Statuten die Gastfreundschaft eine hohe Priorität einnimmt, den fahrenden Sänger gerade einmal die Hände waschen zu lassen und nüchtern von der Schwelle zu weisen. Das hat sich stark geändert: Heute kann man sich in Tegernsee gar nicht mehr retten vor der ganzen Gastlichkeit. Mit der abermaligen Einschränkung: Ich bin dort nicht unangemeldet als sangesfreudiger Penner aufgetreten.

Was ist los am Tegernsee, Trachten, ca. 2016

Nach Peter Rühmkorf hat der gleichnamige Briefpartner, Kollege und führende Mediävist und Herausgeber Wapnewski seinerseits einen Übersetzungsvorschlag für den Tegernseespruch vorgelegt — in Walther von der Vogelweide: Gedichte: Mittelhochdeutscher Text und Übertragung, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1982:

Man erzählt mir dauernd von Tegernsee,
wie sehr das Haus auf Gastfreundschaft bedacht sei.
Dorthin wandte ich mich mit einem Umweg von mehr als einer Meile.
Ich bin doch ein seltsamer Mensch,
daß ich mich selbst nicht zu verstehn vermag
und mich so viel mit anderen Leuten einlasse.
Ich schelte die Tegernseer nicht, aber Gott sei uns beiden gnädig:
Man gab mir dort Wasser,
und solchermaßen
mußte ich von des Mönches Tisch scheiden.

Über Rühmkorfs Reaktion darauf finde ich bislang nichts. „Man gab mir dort Wasser, / und solchermaßen“, keinerlei Ansatz zum Übernehmen der Endreime. Naja. Meine laienhafte Bekrak-Mäkelei: Nach der kollegialen Vorlage sieben Jahre zuvor ist das auch nicht zündender als die Lösung „Man schenkte Sprudel / und begossen wie ein Pudel“.

Bilder: chronologisch:

  1. Jost Amann für Philipp Apian: Kloster Tegernsee, erste bekannte Abbildung — geschlagene 814 Jahre nach Klostergründung — um 1560, Holzschnitt in den Landtafeln des Philipp Apian. Sixtus Lampl: Die Klosterkirche Tegernsee, Oberbayerisches Archiv, Band 100, München, 1975, Band 2, Abbildung 1;
  2. P. Karl Stengel: Kupferstich aus Monasteriologia I, Abb. 3, 1619;
  3. Stahlstich für Eduard Duller: Die Donau, Kapitel 5: Von Regensburg bis Deggendorf, 1840;
  4. und zwei aus Was ist los am Tegernsee?, Gesellschafts- und Kulturwebseite, ca. 2016.

Soundtrack: Ilse Neubauer und die Fischbachauer Sängerinnen für Walther von der Vogelweide: Tandaradei unter Wolf Euba: Die Fernsehtruhe, Bayerischer Rundfunk 1968:

Bonus Track: die erste LP von Ougenweide: Ougenweide, 1973:

Written by Wolf

20. Oktober 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Hochmittelalter, Land & See

Nur ein einziges Mal

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Update zu Und wenn es hundert schönere gibt:

Auch mir wurde im Kindergarten das Gedicht mit dem Refrain „Ach, wer das doch könnte“ beigebracht, ohne groß des Dichters Victor Blüthgen zu erwähnen. Ältere Druckfassungen haben dagegen „Ach, wer doch das könnte“ und vierhebige Verse statt der heute üblicheren, auf zwei Hebungen aufgeteilte. Ich zitiere deshalb nach H. G. Fiedler (Hrsg.): Das Oxforder Buch Deutscher Dichtung vom 12ten bis zum 20sten Jahrhundert (mit einem Geleitworte von Gerhart Hauptmann, Ehrendoktor der Universitäten Leipzig und Oxford), zweite und vemehrte Auflage, Oxford Universitäts-Verlag 1911:

Follow for Feet, 7. Oktober 2017

——— Victor Blüthgen:

Ach, wer doch das könnte!

ca. 1870, gesammelt in: Im Kinderparadiese — Kinder-Lieder und Reime, Perthes, Gotha 1905:

Gemäht sind die Felder, der Stoppelwind weht,
Hoch droben in Lüften mein Drache nun steht,
Die Rippen von Holze, der Leib von Papier ;
Zwei Ohren, ein Schwänzlein sind all seine Zier.
Und ich denk‘: so drauf liegen im sonnigen Strahl —
Ach, wer das doch könnte nur ein einziges Mal !

Da guckt‘ ich dem Storch in das Sommernest dort :
Guten Morgen, Frau Störchin, geht die Reise bald fort ?
Ich blickt‘ in die Häuser zum Schornstein hinein :
Papache, Mamachen, wie seid ihr so klein !
Tief unter mir säh‘ ich Fluß, Hügel und Tal —
Ach, wer das doch könnte nur ein einziges Mal !

Und droben, gehoben auf schwindelnder Bahn,
Da faßt‘ ich die Wolken, die segelnden, an ;
Ich ließ‘ mich besuchen von Schwalben und Krähn
Und könnte die Lerchen, die singenden, sehn ;
Die Englein belauscht‘ ich im himmlischen Saal —
Ach, wer das doch könnte nur ein einziges Mal !

An Vertonungen sind belegt:

  1. Franz Wilhelm Abt (1819–1885): Ach, wer doch das könnte!, op. 584 Nr. 5, aus: Neun Kinderlieder für 1 Stimme mit leichter Pianofortebegleitung, no. 5., ca. 1870;
  2. Wilhelm Reinhard Berger (1861–1911): Ach, wer das doch könnte, op. 30 (Acht Lieder und Gesänge für 1 Singstimme mit Pianoforte) Nr. 7, Raabe & Plothow, Berlin 1888;
  3. Paul Frommer: Ach, wer das doch könnte, aus: Fünf Lieder für 1 hohe Singstimme mit Pianofortebegleitung, Nr. 4, Schuberth & Co., Leipzig 1890;
  4. Othmar Schoeck (1886–1957): Kinderliedchen, WoO. 6, 1902,

keine davon als Video greifbar.

Carl Spitzweg, Drachensteigen, 1880--1885

BIlder: Follow for Feet: Only Once, 7. Oktober 2017;
Carl Spitzweg: Drachensteigen, Sonderformat 38 cm × 12 cm,
Öl auf Karton, 1880 bis 1885, Alte Nationalgalerie Berlin.

Drachensteigen: Puhdys: Geh zu ihr, aus: Die Legende von Paul und Paula, 1973:

Written by Wolf

13. Oktober 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Realismus

Nachtstück 0010: Dieses Zucken im Zwerchfell

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——— Juli Zeh:

Griffe und Schritte

in: Adler und Engel, 2001:

Auf der Autobahn dreht sie das Radio an und wippt den Kopf im Takt. Im Dunkeln sehe ich, dass sie lächelt.

Das Leben ist merkwürdig, flüstert sie, es besteht eigentlich nur aus Griffen und Schritten. Ein paar wenige davon und schon ist alles anders.

Ich spüre es wieder, dieses Zucken im Zwerchfell.

Juli Zeh, Griffe und Schritte, Adler und Engel, 2001

Soundtrack: The Byrds: Wasn’t Born to Follow, aus: The Notorious Byrd Brothers, 1968:

Written by Wolf

1. September 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Postironismus

Verreißi zerreißi

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Update zu Seht, Ehrenbreitstein mit gesprengter Mauer
und Hipsteros:

Ringelnatz war mein erster Herzensdichter als Welpe. Alles, was man von dem hörte, war so eingängig und genial vielsagend, dass man darauf kommen musste: Wow, von dem will ich alles wissen. Die Gesamtausgabe war die erste, die ich mir vom Taschengeld absparte und zu Weihnachten und Geburtstagen zusammenwünschte; sieben Bände plus einer mit Briefen, jeder zwischen 55 und 75 D-Mark (28,12 und 38,35 Euro) war doch irgendwie Geld für einen 14-Jährigen. Heute gibt es nicht einmal mehr den Originalverlag Henssel, die Ausgabe ist seit dessen Konkurs bei Diogenes und schon seit Jahren auf dem Ramsch angekommen.

Fast das ganze Jahr 1932 tingelte Ringelnatz samt einer siebenköpfigen Schauspielertruppe mit seinem siebten, aber einzigen erhaltenen und noch posthum inszenierten Theaterstück Die Flasche. Eine Seemannsballade durch Deutschland. Das Tourneematerial, bestehend aus Tagebuch und Briefen an seine Frau, erschien ebenfalls schon 1932 als Mit der „Flasche“ auf Reisen im Sammelband Die Flasche und mit ihr auf Reisen.

Das Hotel Riesen-Fürstenhof an den Koblenzer Rheinanlagen wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt. Joachim Ringelnatz, den ein mittelgnädiges Schicksal schon 1934 ins Grab senkte, hat noch darin übernachtet. Und sich gelegentlich aufgeführt wie … nun ja: wie ein Hotelgast.

Hotel Riesen-Fürstenhof Koblenz, Postkarte ca. 1924, mit Dampferanlegestelle

——— Joachim Ringelnatz:

Koblenz und Abstecher

aus: Die Flasche und mit ihr auf Reisen, Rowohlt, Berlin 1932:

Riesenfürsten entdeckte ich nicht in meinem Hotel, aber einmal saß, nach Aussage des Besitzers, Reichskanzler Brüning dort in meiner Nähe.

Eine Dame, die sich auf ihrer Visitenkarte „wissenschaftliche Astrologin und Schauspielerin“ nannte, schickte mir einen Band ihrer ersten lyrischen Gedichte. Ich überflog diese ernste Poesie und muß gestehen, daß ich dann den Band in der Mitte einriß und ihn unter den Schminktisch warf. Sitty zog ihn wieder hervor. Er fand, daß die Gedichte sehr unterhaltend wären, zumal, wenn man das eingerissene Heft wie ein Vexierbuch handhabte und die eine halbe Seite des einen Gedichtes über die entsprechende Hälfte des nächsten deckte. So gelesen ergab sich in diesem „Blühen und Verwelken“ betitelten Buch z. B. folgendes Poem:

Mein Junge

Ich döste in leeren Straßen
Und du begegnetest mir.
Fasziniert über alle Maßen,
Lockte ich dich wie ein Tier.
Du bist ein Junge wie andre auch
Mit blonden Locken und trotziger Stirne;
Nur hast du schon ein klein wenig Bauch
Und – es ist möglich – eine weiche Birne.
Blüten bring ich dir von rotem Mohn.
Rot wie Mohn soll deine Neigung brennen.
Alles Gefühl wird Dein Atem mir nennen.
Du: – von plötzlicher Glut beglückt:
Ein japanischer Dolch auf deinen Leib gezückt,
Mach ich mit diri Harakiri.
O verführi, verführi, verführi!

Herausfinden lässt sich: Die Dame, Astrologin und Schauspielerin hieß Ingrid Svanström; ihr Lyrikband Blühen und Verwelken war bei Bachmair in München-Pasing 1931 erschienen und umfasste 30 Seiten, mithin sollte er sich mühelos zerreißen lassen. Wiedergegeben und geradezu exklusiv für die Nachwelt gerettet hat Ringelnatz den Anfang des Gedichts Mein Junge auf Seite 7 und — oben ab Vers 9 — den Schluss des Gedichtes Spiel auf Seite 9. Herausgeber Walter Pape meint dazu in der großen Ringelnatz-Gesamtausgabe, Band 5: Vermischte Schriften, 1983, in seinen Anmerkungen:

Es ist unklar, ob die Verse von Ingrid Svanström ernst gemeint oder parodistisch sind.

Mit Verlaub, das ist nicht unklar. Beim schallend lächerlichen letzten Vers mag ein Interpret noch unterstellen, dass mit der Dichterin da eine poetische oder sonstige Leidenschaft durchgegangen sei, aber so offensichtliche Fehlbildungen wie „mit diri Harakiri“ unterlaufen niemandem, der gut genug Deutsch kann, dass etwas ihn zum Verfertigen von Gedichten nötigt, die immerhin saubere Reime und Rhythmus aufweisen, aus Versehen. Wir reden hier nicht über den Schlesischen Schwan Friederike Kempner, deren Gesamtwerk schon bedeutend mehrdeutiger schillert. Und inhaltlich wollen wir nicht unterschätzen, was für eine gesellschaftliche und kulturelle Neuheit das war, dass eine Frau sich bekennend begehrlich und offensiv verführerisch an eine Mannsperson wendet.

Mich hätte interessiert, worauf sich „Blüten bring ich dir von rotem Mohn“ auf der Seite 9 reimt, wenn man sie nicht gerade als Vexierbild nutzt. Und einen anvertrauten Gedichtband durch Zerreißen verreißen, das gehört sich schon mal überhaupt nicht.

Hotel Riesen-Fürstenhof Koblenz, 1920, Hotels am Rheinufer, Bilderbuch Koblenz, Straßenansicht

Bilder: Kunstanstalt Kornsand & Co., Frankfurt am Main: Ansichtskarte/Postkarte ungelaufen, sehr guter Zustand, bei akpool 7,20 Euro:

Hotel Riesen-Fürstenhof, Koblenz a. Rhein. H. Kämpfer-Hansen. — Telephon 57, 58, 162. Telegramm-Adresse: Riesen-Koblenz. Große Garage. Neue Marmorhalle. Tägl. Konzert. Große Rheinterrassen.

Bilderbuch Koblenz: Hotel Riesen-Fürstenhof, 1920, Hotels am Rheinufer:

von rechts: Hotel Riesen-Fürstenhof, Hotel Traube, Hotel Koblenzer Hof mit dem charakteristischen Dreieckgiebel. Die Türme am Ende der Häuserreihe gehören zum ehemaligen Amtssitz der preußischen Bezirksregierung.

Soundtrack: Nicki Minaj: Anaconda, aus: The Pinkprint, 2014 in der grundrenovierten, revolutionär neu-alt interpretierten Version der warm empfohlenen Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox,
aus: Selfies on Kodachrome, 2014; Gesang: die bezaubernde Robyn Adele Anderson:

I’m high as hell, I only took a half a pill,
I’m on some dumb shit, by the way, what he say?
He can tell I ain’t missing no meals,
Come through and fuck him in my automobile.

Written by Wolf

28. Juli 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Novecento

Dunkeldeutschland

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Update zu Polizistenschatten im Laternenschein,
Von den beiden Mädchen auf dem Felde
und Der Arzt von Münster in Salzkotten:

Wikimedia Commons

Mein Vater, ohne schlecht über ihn zu reden, hat kein Abitur. Mein Vater ist stolz darauf, wie er es nennt, mit „bloß Volksschul'“ ausgekommen zu sein und noch nie im Leben „so ein Kombuderdings“ angefasst zu haben. Wenn jemand englisch redet oder gar singt oder sonst auf eine Weise insinuiert, mein Vater könnte eine andere Sprache als sein abgelegtes Leipziger Sächsisch und in der Folge nicht ganz lückenlos angenommenes Landnürnberger Fränkisch verstehen, wird er ernstlich unwillig. Ganz schlimm sind Fremdwörer, weil man alles „aa-r-af Deidsch soong“ kann.

Mit dieser Einstellung konnte man tatsächlich einst ein Arbeits- und ein Pensionistenleben bestreiten, es war eine schöne Zeit. Mein Vater hat es in der mittleren Beamtenlaufbahn meines Wissens bis zu A 9 gebracht, dabei war er noch einer im Publikumsverkehr: erst Fahrtdienstleitung, danach telephonische Zugauskunft. Andere haben das durch bloßes Ausharren mit regelmäßiger Anwesenheit in einer unkündbaren Beamtenposition geschafft, aber das will weder er noch die anderen hören. Damit konnte man eine Familie — Frau, mehrere Kinder, Automobil, Eigenheim — ernähren und musste dabei keinen Tag „seine Frau auf den Strich schicken“ (Vater über doppelverdienende Ehepaare). Mein Vater hatte nie ein Automobil oder ein Eigenheim, er müsste also heute über ein angenehmes „Pölsterchen“ (abermals Vater) verfügen.

Nur kein Neid, liebe Kinder, ich bin selber nicht besser: War mein Vater noch ein Weißer Jahrgang, der weder von der Wehrmacht zu einem Weltkrieg noch von der Bundeswehr zum Schlammrobben herangezogen wurde, bin ich 15 Monate meiner Wehrpflicht als Urlaubssachbearbeiter bei den Kötztinger Fernmeldern nachgekommen, nur um die sonst fälligen 18 Monate Zivildienst zu vermeiden. Wenn heute meine Frau gegen Geld arbeiten muss, hat das weder mit dem Strich noch mit ihrer Selbstverwirklichung zu tun, sondern mit bitterer Not, weil ich weder mit Volksschule noch Abitur noch einem Studium Frau, Kinder, Automobile und Eigenheime erschwingen kann.

akpool.de

Was ich von der Lebensart meines Vaters behalten habe, waren bis zum unwiderruflichen Ende meiner Ausbildung die Freifahrscheine fürs Schienennetz der Deutschen Bahn. Damit konnte ich zwischen meinem Abitur und der bitteren Not, gegen Geld zu arbeiten, eine Zeitlang reisen wie Joachim Ringelnatz:

Aussteigen plötzlich, besonders noch spät,
Das kann ich jedem empfehlen.

Ein paarmal hab ich das gemacht. Ich erinnere mich an Bahnhöfe wie aus einer Kurzgeschichte von Heinrich Böll, Kneipenwirte, die eigens wegen des unerwarteten Gastes von hinter den sieben Bergen bis in die frühen Morgenstunden den Laden geöffnet hielten und ihr Geschäft des Jahres machten, plötzlich aufblühende Omas, die ihr Fremdenzimmer mit Frühstück eigentlich „neulich“ vor zehn Jahren aufgegeben hatten, und dass es in Norddeutschland mehr Spaß macht als im Süden. In Stade könnte ich zum Beispiel ein einwandfreies hausgemachtes Labskaus empfehlen, wenn ich noch wüsste, wo mich die Bedienung damit gemästet hat.

Reichenbach im Vogtland war, wie von Ringelnatz ausdrücklich geraten, nicht dabei: Das war zuerst DDR, für die man gesonderte Freifahrscheine Monate vor Fahrtantritt beantragen musste, und später immer noch ein Minenfeld, auf dem rudelweise väterlicherseitige Verwandtschaft hauste, da wollte ich trotz Ringelnatznähe schon gleich dreimal nicht hin. Normalerweise ging ich als unfertig studierter Linguist nach Schönheit der Stationsnamen, was leicht schiefgehen konnte. Nach einer durchfluchten Herbstnacht in Grüner Hirsch hab ich mir’s abgewöhnt.

Dr. Margarete Meggle-Freund

Bahnhof Reichenbach (Vogtl) ob Bf liegt als Trennungsbahnhof zu zwei inzwischen stillgelegten Nebenbahnen linear an der Bahnstrecke Leipzig–Hof, ein Knotenpunkt ist es nicht. Von 1895 bis 1974 bestand zusätzlich ein Bahnhof Reichenbach (Vogtl) unt Bf an der Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke, die allerdings eine Nebenbahn ist, an keinen Fernverkehr angebunden und für derlei Abenteuer in der Fremde ungeeignet. Setzen wir also voraus, dass Ringelnatz 1925 oder nicht lange zuvor nicht an diesem idyllischen Unteren, sondern am Oberen Bahnhof ausgestiegen ist.

Auch kann auf Ringelnatz Reichenbach im Vogtland nicht allzu exotisch gewirkt haben, jedenfalls lag es auch 1925 schon in seinem heimatlichen Sachsen. Da zählte der Mann 42 Jahre und blickte auf eine sehr viel bewegtere Biographie im Krieg, zur See, als Hausdichter und als Tabakladenbesitzer zurück denn ich Studentenbürschchen, das ich zu meinen Reisezeiten war. Wo er eingekehrt ist, überliefert Ringelnatz nicht, außerdem weiß ich aus Erfahrung, dass dergleichen spontane Nachtausflüge nie sehr detailliert im Gedächtnis haften, und bezweifle, dass in der fraglichen Gaststätte, sollte sie noch existieren, Ringelnatzens gedacht wird. Eindeutig festnageln lässt sich sein nächtliches Stammlokal für Honoratioren wohl nie mehr.

Halbwegs in Bahnhofsnähe und Richtung Stadtzentrum, wohin sich ein ortsfremder, absichtsvoll planloser Stadttourist begeben würde, bestehen heute laut dem Örtlichen Branchenbuch: das Hotel Adler Vogtland in der Bahnhofstraße 101, das Killarny-Pub in der Bahnhofstraße 108 A und das Restaurant mit Pension und Biergarten Kyffhäuser in der Albertistraße 30, alle in 08468 Reichenbach/Vogtland.

Das Gedicht ist keiner von Ringelnatz‘ Smash-Hits und erscheint nicht viel in Anthologien, enthält aber als ersten und letzten Satz gleich zwei meiner Lieblingsstellen: Das Lied, das sich selber singt, ist eine angenehm surreale Vorstellung, die man gar nicht bildlich hinkriegt, und der weitgereiste Anklang an seine Seemannszeit um des lieben Reimes willen, wie es einem an solchen Nicht-Zielen idealerweise unterlaufen sollte, so schön angesäuselt.

Heinsdorfergrund im Vogtland

——— Joachim Ringelnatz:

Reisebrief eines Artisten

Abstecher: Reichenbach im Vogtlande

Version der Erstveröffentlichung in: Simplicissimus, Jahrgang 30, Heft 33, 16. November 1925, Seite 474,
gesammelt in: Reisebriefe eines Artisten, 1927, Seite 122 f.:

Scan SimplicissimusEs sang sich ein Lied in der Nacht.
Da wurden zwei Bürger in Reichenbach
Im Vogtlande wach.

Was wollte ich sonst in dieser Stadt
Als nur meine Fahrt unterbrechen;
Frug: ob sich hier ein Wirtshaus hat,
Wo Leute um die Zeit noch zechen.

Am Himmel standen Zeichen.
Warum – so hatte ich mir gedacht –
Soll Reichenbach in dieser Nacht
Nicht Guatemala gleichen?

Was geht mich Guatemala an,
Wenn ich daselbst nicht bin. –
Stieg aus. Bereute das. Doch ach:
Da flog mein Zug schon weiter hin.
Und ich stand nachts in Reichenbach.

Vielleicht erlebe ich Rübezahl,
Den Ollen!?
Doch sicher bin ich heute einmal
Für jedermann verschollen.

Aussteigen plötzlich, besonders noch spät,
Das kann ich jedem empfehlen.
Er braucht ja, wie sein Leben vergeht,
Gerade nicht Reichenbach wählen. –

Es klang ein Gesang wie Männerverein
Und brachte Dachrinnen zum Schmelzen
Und roch so nach Wein. Da trat ich hinein
Und kam mir dort vor wie Lord Nelson.

Im Seichtlärm eines Stammlokals
Der Honoratioren
Im Stile anno dazumals
Beneugiert und verloren – – –

Gott segne die Azoren!

Mapio.net

Bilder: Ansichten von Reichenbach im Vogtland:

  1. Verlag Automat AG, Dresden: Blick über Reichenbach im Vogtland und die Firma Georg Schleber AG im Vordergrund, historische Ansichtskarte, postalisch gelaufen am 19. Juli 1899;
  2. Ottmar Zieher Kunstanstalt, München: Ansichtskarte / Postkarte Reichenbach im Vogtland: Postamt, Albert Denkmal, Stadtpark, Moltke Denkmal, Bahnhof, ungelaufen, Ecken bestoßen, sonst guter Zustand, 6,00 Euro bei akpool;
  3. Dr. Margarete Meggle-Freund: Abb. 4: Bahnhof Reichenbach: eine Stadt im Umbau, aus: Vorstellung der Dissertation: Zwischen Altbau und Platte. Erfahrungsgeschichte(n) vom Wohnen. Alltagskonstruktion in der Spätzeit der DDR am Beispiel der Sächsischen Kleinstadt Reichenbach im Vogtland. Gastvortrag in der Wohn-Vorlesung von Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger in der FSU Jena am 14. Juli 2005;
  4. Die Rollbocklokomotive am Reichenbacher Annenplatz, aus: Die Geschichte der Rollbockbahn Reichenbach–Oberheinsdorf, nach 1897;
  5. Reinhard Klenke: Bahnhof Reichenbach (Vogtland) — gut 20 Minuten Zeit bis zum Zug gen Plauen, aus: Bahnhofstraße Reichenbach im Vogtland, ca. 2009;
  6. MBC (Moderator): Ein Jahr später, am 20.Juli 2002, ist der südliche Bahnhofsteil endgültig verwaist und wird bald darauf weichen.

+ Scan aus dem Simplicissimus, Jahrgang 30, Heft 33, 16. November 1925, Seite 474 mit der Erstveröffentlichung.

Eisenbahnforum Vogtland

Soundtrack: Joy Unlimited: Go Easy Go Bahn, 1973, DB-Werbung:

Die Single hat mein Vater noch in der Sammlung. Meine Mutter hat mir mal eine gelangt, weil ich fünfjährig einen Klecks Blaubeerjoghurt auf dem Cover hinterlassen hab, der sich noch nachweisen lassen sollte.

Darum als Bonus Track noch eins mit dem Zeug zum Lieblingslied: Elizabeth Cotten: Freight Train. Das Video ist nicht etwa spiegelverkehrt, sondern Frau Cotten spielt ungelogen linkshändig auf einer für Rechtshänder bespannten Gitarre; hier in einer Filmaufnahme von 1985, etwa 92-jährig. Ihren Freight Train will sie ungefähr zwölfjährig geschrieben haben, also gegen 1905. Auf Schallplatte debütierte sie 1957, ungefähr 65-jährig. Ihre autodidaktisch erfundene und zur Perfektion getriebene Zupftechnik hat sie 1987 mit ins Grab genommen.

Ich selbst bin nie weit auf Güterzügen gereist, hab aber beim Zugfahren von jeher Ohrwurm von Freight Train.

Written by Wolf

9. Juni 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Novecento

Nicht so übel scheint die Sonne

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Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland: Frühlingsglaube, 1812.

Bach-Kantate zum 1. Pfingsttag: Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten!, BWV 172, Pfingstsonntag, 20. Mai 1714, Schlosskapelle Weimar:

——— Ludwig Uhland:

8. Frühlingslied des Rezensenten

aus: Ausgabe letzter Hand: Gedichte. Wohlfeile Ausgabe, 8. Auflage, Cotta, Stuttgart 1861,
i. e. 42. Gesamtauflage der erstmals 1815 erschienenen Sammlung, Frühlingslieder:

Frühling ist’s, ich laß es gelten,
Und mich freut’s, ich muß gestehen,
Daß man kann spazieren gehen,
Ohne just sich zu erkälten.

Störche kommen an und Schwalben,
Nicht zu frühe, nicht zu frühe!
Blühe nur, mein Bäumchen, blühe!
Meinethalben, meinethalben!

Ja! ich fühl ein wenig Wonne,
Denn die Lerche singt erträglich,
Philomele nicht alltäglich,
Nicht so übel scheint die Sonne.

Daß es keinen überrasche,
Mich im grünen Feld zu sehen!
Nicht verschmäh ich auszugehen,
Kleistens Frühling in der Tasche.

Pentecost, Jean II Restout, 1732

Bild: Jean Restout II der Jüngere: Pfingsten, 1732, Öl af Leinwand, 465 x 778 cm, Louvre, Paris.

Bonus Track: Mayer Hawthorne: Your Easy Lovin‘ Ain’t Pleasin‘ Nothin‘ aus: A Strange Arrangement, 2009. Das ohne hohen Anspruch, aber mit guter Laune komponierte Unterhaltungsstück leichter Machart vermittelt ein angemessen pfingstliches, neudeutsch gesagt, Bacardi-Feeling. Zugegeben erscheint die Vollbildfunktion bei dem Videoclip in One-Shot-Technik besonders lohnenswertd:

Written by Wolf

2. Juni 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Klassik, Land & See