Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for Dezember 2015

Homerische Dark Fantasy

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Update zu Grillen mit Homer:

The problem with quotes on the Internet is that it is hard to verify their authenticity.

Abraham Lincoln, 1864.

„Der Wolf“, sagt die Wölfin, „der Wolf. Kauft wieder ganze Verkaufsportale auf.“

„Gar nicht wahr“, sag ich.“

„Die Buchabteilung mit den toten Dichtern jedenfalls.“

„Schon wieder falsch. So viele Bücher gibt’s von Homer gar nicht.“

„Wieso können sich dann so viele Leute seit dreitausend Jahren mit dem beschäftigen?“

„Weil er wahrscheinlich nicht mal die zwei geschrieben hat.“

„Erst die Ilias, dann die Odyssee, hab ich gelernt. Merkt sich leicht. Von wem sollen die sonst sein?“

„Von einem griechischen Schreibknecht in assyrischen Diensten in Karatepe, Kikilien. Deswegen wohl eher ein Stummer als ein Blinder. Oder sogar mehrere stumme Schreiber.“

„Sagt wer?“

„Sagt Raoul Schrott.“

„Daher …“

„Keine Namenwitze bitte. Das ist nicht weniger denn die Lösung der Homerischen Frage.“

„Ja dann. Und wenn das ein ganzes Schreibkollektiv war, war dann nicht Zeit für mehr Bücher? Oder waren die zwei so lang, dass …“

„Die zwei füllen nicht mal einen geschlossenen Zeitraum aus. Für den Zwischenraum musste Jahrtausende später Goethe einspringen. Dafür gibt’s einen größeren Satz von Homerischen Hymnen.“

„Und? Sind die auch so gut?“

„Ha! Der volle Silvesterknaller, wenn man Amazon glaubt …“

„Zeig.“

Homerische Hymnen.

Übertragung, Einführung und Erläuterungen von Karl Arno Pfeiff.
Herausgegeben von Gerd von der Gönna und Erika Simon, Stauffenburg Verlag, Tübingen 2002

Cover Homerische Hymnen, Stauffenburg Verlag, 2002Homerische Hymnen Taschenbuch – 2002
von Gerd von der Gönna (Herausgeber), & 2 mehr
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Taschenbuch: 206 Seiten
Verlag: Stauffenburg (2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3860571877
ISBN-13: 978-3860571873
Größe und/oder Gewicht: 15,2 x 1,4 x 22,7 cm
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Cover Diablo. Vermächtnis des Blutes, 2005Der für seine Beiträge zum Drachenlanze-Universum bekannte Richard A. Knaak liefert mit Das Vermächtnis des Blutes einen Roman zum Computer-Rollenspiel-Bestseller Diablo von Blizzard Entertainment. Das Spiel begeisterte aufgrund seines stimmungsvollen Dark-Fantasy-Hintergrundes voller Mystik, Monster und Gefahren. Auf diese Elemente greift Knaak gekonnt zurück und entwirft einen fantastischen Plot, der sich — unabhängig von der Handlung des Spiels — in die Welt Diablos mit ihren bizarren Bewohnern und Mächten einfügt.

Als der Söldner Norrec Vizharan mit seinen Freunden das Grab des legendären Dämonenmeisters Bartuc plündert, gelangt er in den Besitz der Rüstung des „Kriegsherrn des Blutes“. Doch wird er sie nicht mehr los — schlimmer noch: Sie übernimmt die Kontrolle über ihn. Derart manipuliert begeht er gegen seinen Willen schreckliche Verbrechen und strebt einem geheimnisvollen Ziel zu. Verfolgt wird er dabei aus unterschiedlichsten Gründen von einer Reihe grotesker Gestalten: einer Nekromantin, einem größenwahnsinnigen Feldherrn, einer Hexe, einem Dämon, einem verrückten Magier und zwei Wiedergängern. Auf dem verschlungenen Pfad zum Showdown wird viel gezaubert und beschworen, und es tauchen allerlei Ungeheuer, Dämonen und wahre Teufel auf. Nur Diablo selbst tritt (noch) nicht in Erscheinung. Oder etwa doch?

Der Roman bietet interessante und spannende Einblicke in die Welt des Rollenspiels. Doch es mangelt ihm ein wenig an plastischen und schlüssigen Figuren und an einem eindringlichen Erzählstil. Viele Beschreibungen bleiben etwas platt und oberflächlich, sodass man die Grafiken aus dem Spiel kennen muss, um auf seine Kosten zu kommen. Das ist schade, denn die Welt von Diablo gibt einen vorzüglichen Hintergrund für Dark-Fantasy-Romane ab, der das Zeug hätte, jedermann zu begeistern. So aber werden wohl eher nur die Fans des Rollenspiels ihre Freude an diesem Buch haben — und sich auf den zweiten Roman zu Diablo freuen, der September 2003 erscheinen soll. — Simon Weinert — Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Klappentext

Seit dem Anbeginn aller Zeiten führen die geflügelten Streiter der Himmel und die Dämonenhorden der Brennenden Höllen einen erbitterten Kampf um das Schicksal der Schöpfung. Dieser infernale Konflikt hat sich nun auf die Ebene der Sterblichen verlagert und weder Mensch noch Dämon noch Engel werden sich dieser Schlacht entziehen können …

Norrec Vizharan ist zu einem lebenden Albtraum geworden. Auf der Suche nach einem Schatz entdeckt der Söldner ein magisches Artefakt, das seine kühnsten Träumen übersteigt: die uralte Rüstung von Bartuc, dem legendären Kriegsherrn des Blutes. Doch die mysteriöse Panzerung ist mit einem Fluch belegt birgt unheilvolle Kräfte. Auf der Flucht vor Dämonen, die das finstere Artefakt für ihre eigenen niederträchtigen Zwecke einsetzen wollen, muss Norrec Herr über einen kaum zu bändigenden Durst nach Blut werden und die Wahrheit über den schrecklichen Fluch in Erfahrung bringen, wenn er nicht für immer der Finsternis verfallen will … — Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Richard A. Knaak hat über 40 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten verfasst. Seine Werke wurden weltweit in viele Sprachen übersetzt. — Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch.

„Richard A. Knaak war ein stummer Grieche, der vor dreitausend Jahren in Karatepe für die Assyrer als Schreiber gearbeitet hat …?“ wundert sich die Wölfin.

„Mit 40 Romanen, nicht lausigen zwei Gedichten!“

„Dann nimmst du vielleicht mal die Aufforderung von Amazon wahr und lässt die Produktinformationen aktualisieren, du hämischer Kindskopf?“

„Für mich ist der Verkauf dieses Produkts vollständig akzeptabel. An der Nekromantin, dem größenwahnsinnigen Feldherrn, der Hexe, dem verrückten Magier, zwei Wiedergängern, allerlei Ungeheuern, Dämonen und wahren Teufeln herrscht doch eh kein homerischer Zweifel. Ich aktualisier lieber den Wiki-Artikel über Herrn Knaak, das geht einfacher.“

„Und weil du Weihnachten so viel Altpapier verschenkt hast, musst du wohl dringend deine Homerischen Hymnen nachkaufen.“

„Phh. Schau mal in den Briefkasten.“

„Wolf, Wolf, Wolf …“

— Viel Glück im neuen Jahr; wir werden es alle brauchen.

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Written by Wolf

30. Dezember 2015 at 00:01

Veröffentlicht in Griechische Antike, Handel & Wandel

Weihnachten Fibels

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Update zu Wölfchen Wulffs Weihnachten, Naseweise Weihnachten und Das Gezänk der Weisen:

Vögel auf der Stange, Münchner Bilderbogen 1878, Detail via Goethezeitportal

Die schönste von allen bekannten Tausenden Versionen Stille Nacht ist zweifellos eine englische – Silent Night –, nämlich die von die von Tom Waits. Sie ist nie auf einer Original-CD von ihm erschienen, insofern eine Rarität, nur auf SOS United, 1989 – eine Stiftung von Tom Waits für die SOS-Kinderdörfer. Der teilhabende Kinderchor bleibt unbekannt, weil ungenannt.
Im Video: Correggio: Anbetung der Hirten, 1530 (Detail); Tintoretto, 1545 oder 1578; Gerrit van Honthorst, 1622 oder 1646.

Wir warten aufs Christkind, wenn wir in sotane Stimmung geraten sind, und lesen uns dabei Geschichten vor – sofern wir Wert auf unsere gegenseitige Gesellschaft legen und der Fernseher sowie alle sonstigen Gegenstände des medialen Empfangs unerwünscht, wenn nicht untüchtig sind.

Typischerweise wählen wir dazu die Weihnachtsgeschichte aus dem zweiten Kapitel des Lukas-Evangeliums, „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging“, die wir zum 4. Advent vergleichend betrachtet haben, und können froh sein, wenn wir noch die Luther-Übersetzung vor der 1912er Überarbeitung zur Hand haben. Die Geschichte, anders als das Stille Nacht, krankt daran, dass sie ohne eine Patina aus schönen Kindheitserinnerungen nicht mehr genießbar wäre, weil sie weder einen Konflikt, unterscheidbare Plotpoints noch einen überhaupt eindeutig wahrnehmbaren Schluss enthält; undramaturgisch gesagt, plätschert sie dahin und hört irgendwann auf.

Damit will ich nichts gegen die Weihnachtsgeschichte aus dem zweiten Kapitel des Lukas-Evangeliums vorgebracht haben, weil a) der Wortlaut mit einer Patina aus schönen Kindheitserinnerungen bis heute etwa in der Weise genießbar ist wie ein altbekanntes Lied und b) mir nicht zusteht, an der Bibel herumzumosern.

Zum Vorlesen schlage ich heuer Jean Paul, aus seinem unterschätzten, auch bei den Experten vernachlässigten Leben Fibels, eins seiner dünneren Bücher, für das er dennoch von 1806 bis 1811 brauchte. Ein stillvergnügtes, bei allem Wortwitz und Allotria gänzlich unironisches Idyll ist es von vorn bis hinten, und zwei Kapitel sind darin, die miteinander eine Weihnachtsgeschichte bilden: die schöne Kindheitserinnerung des Knaben Gotthelf Fibel, der nachmals die Fibel erfinden sollte, mit seinen Eltern Siegwart und Engeltrut.

Als Ausschnitt entbehrt sie eines Konflikts, unterscheidbarer Plotpoints und eines eindeutig wahrnehmbaren Schlusses; undramaturgisch gesagt, plätschert sie dahin und hört irgendwann auf und fällt dadurch in keinem Punkt gegen das zweite Kapitel des Lukas-Evangeliums ab. Als Idyll ist es von einer ähnlichen Struppigkeit wie die Stille Nacht von Tom Waits, die wie dessen Gesamtwerk aus dem Boden eines steten Weltschmerzes die buntblütigsten, rankenreichsten Gewächse in himmelweite Höhen schickt, steckt voller gelahrter Anspielungen, die man sämtlich mit der Hanser-Ausgabe enträtseln kann, aber zum aufs Christkind wartenden Vorlesen gar nicht sämtlich enträtselt wissen will, und eignet sich auch für die zartesten und minderjährigsten Gemüter. Bei richtiger, ungeleierter und ungehaspelter Vortragsweise veranschlagen wir als Vorlesedauer 30 bis 45 Minuten.

——— Jean Paul:

Leben Fibels

Johann Leonhard Schrag, Nürnberg 1812,
cit. Norbert Miller (Hg.): Jean Paul: Sämtliche Werke, Abteilung I, Sechster Band, Hanser 1963, 4., korrigierte Auflage 1987, Seite 384 ff.:

4. Leibchen-Muster

Weihnachten

Gotthelf sollte einmal die schönsten Weihnachten der Erde erleben. Es war so:

Twisted Soul. Reika Sebastian, In a Box, November 15th, 2014Engeltrut kam in gesegnete Umstände, Siegwart dadurch fast in verfluchte; sie war voll Gelüste und Verabscheuungen, und die 600 Krankheiten, die nach Hippokrates die Gebärmutter erzeugt, färbten mit ihren 600 Schatten sein Leben etwas grau. Zu allererst hatte sie einen noch größern Abscheu vor dem Manne als sonst vor Wein und Sauerkraut – weil beide häufig mit fremden Füßen gestampft werden. Dann war ihr jeder Vogel horribel, den er besaß, seine Turteltauben ihre Basilisken; das Dorf war ihr eine schmutzige Untersetzschale für Vogelhäuser und eine überall offne Pandorasbüchse – sogar Gott selber sank bei ihr zuletzt – bloß Gotthelf nicht. Sie weinte einmal drei Tage lange und war, da sie keine Ursache dazu wußte, nicht zu trösten, bis glücklicherweise ihr Helf, da er auf einer Gartenmauer ritt, sich durch einen Sturz einige Glieder verstauchte; dies gab ihr wieder Leben.

Freilich hätte sie eine schwangere Nabobin oder Fürstin sein sollen: welche ganz andere Wünsche hätte sie tun können als bloß solche, einen Lerchen-Hals zu braten, eine Henne zu kochen bloß zum Essen von Eiern ohne Eiweiß und Schale und sich wie Dorfbier durch Kreide zu entsäuern! Hätte sie nicht als Fürstin verlangen können, z. B. daß man ihr eine Zaunkönigs- und Elefanten-Mark-Suppe auftrage – oder daß sie die zarten Hirschkolben auf der Geburtsstelle selber, auf dem Hirschkopfe gereift, d. h. gebraten bekäme? – Hätte sie nicht ein Kanapee aus Barthaaren für ihre Kammerfrauen begehren können, ein Stadt-Tor als Rahmen für ihr Groß-Bild, Streuzucker statt der Streublumen für ihre Einzugs-Straße und noch stärkere Gaben, z. B. Windeln aus bloßen Palliums, Wickelbänder aus zerschnittenen Schäferkleidern, eine Toiletten-Schachtel aus Paris mit 6 Pferden zugerollt, für das Wickelkind einen Christbaum aus zerspaltenen Hoheitspfählen gezimmert und geästet und ein Christgeschenk aus Thron-Insignien? Könnte man solche Phantasien zu erschöpfen glauben: so ließen sich noch mehrere Foderungen einer gedachten Landes-Mutter gedenken, z. B. daß sie schlechte Dekorations- und Deckenmaler lieber selber auf einer Kochenille-Mühle zu Farbenkörnern und Farbentropfen vermählen möchte – daß sie vornehme Gefangene mit (Zucker-) Wasser und (Zucker-) Brot traktierte – daß sie ein Kollegium ins andere gösse, das der Kammer in das der Justiz etc. etc., etwa wie Wasser in Schmelz-Kupfer oder wie Öl in Wasser oder wie Wasser in brennendes Öl.

Bei mehreren Völkern legen sich daher die Väter ins Kindbette, um sich von den bisherigen Mutter- oder Vaterbeschwerungen der Schwangerschaft zu erholen. Der alte Vogler heilte sich seine Töpferkolik – eine passende Metapher, da er der Töpfer des Fötus war – bloß durch sein gewöhnliches Verreisen – ließ aber der Geplagten ihren Liebling als maître de plaisirs zurück.

Trapped. Reika Sebastian, In a Box, November 15th, 2014Welche Weihnachten wurden im Häuschen gefeiert! Kaum war er aus dem Dorfe hinaus: so fing die mütterliche oder Oppositions-Erziehung an. Zuerst durfte Helf alle Vögel selber füttern; daher er der Heidelerche so viele Mehlwürmer vorwarf, daß sie am dritten Festtage verreckte. Darauf durfte er ihre Küchen-Soubrette sein und half für das Fest-Gebäcke viele Mandeln schneiden, die er verschluckte. Wie froh-murmelnde Frühlings-Wasser floß den ganzen heiligen Abend heiteres Geschwätz des Sohnes und der Mutter durch Stube und Stubenkammer. Sie brachte ihm Scharrfuß und Handkuß der vornehmen Herrschaften in Dresden bei; und er scharrte und küßte unaufhörlich an der Mutter. Sie stand neben ihm ihre alten Kopfschmerzen aus, aber ohne sie zu bemerken.

Der Kleine war eine personifizierte triumphierende Kirche im kleinen, ein tanzender Sitz der Seligen, bloß weil er den ganzen Tag nicht das geringste zu fürchten hatte, nichts was ihn prügelte. Den wenigen mütterlichen Schlägen lief gewöhnlich eine lange Vorerinnerung und Kriegsbefestigung voraus und er ihnen unterdessen davon; hingegen der Vogler hatte die Gewohnheit, daß er als lange Windstille dastand und als Blau-Himmel; und daß daraus die Vaterfaust unversehens wie ein Wetterstrahl auf die Achselknochen fuhr.

An diesem heiligen Abende war Helf ein verklärter Junge, Engeltrut eine verklärte überirdische Schwangere! Welches Fortgenießen! Mittags wurde gar nicht gegessen vor Back-Lust. Schon um drei Uhr war – der Geschichte zufolge – alles Scheuern abgetan, und die Fest-Kuchen dampften ausgebacken durchs Haus. Helf konnte sich vor seinen eignen Leuchter hinsetzen und fünf neue willkürliche Alphabete erfinden, womit er vieles zur Probe aufsetzte, was niemand lesen konnte, auch er nicht ohne Einsehen ins Alphabet. Abends soupierte er selig, denn es schmeckte der Mutter; dieser aber schmeckte es, weil es ihm schmeckte. Eucharistische oder sakramentalische Streitigkeiten mit ihrem Manne fielen weg; denn sie brauchte weder das Mahl anzupreisen, wär‘ es versalzen und verkohlt gewesen, noch es herabzusetzen, wenn nichts daran gefehlt hätte.

Kinder lieben, wie Pariser, langes Aufbleiben; die Mutter erlaubte eines, und in diesen stillen Goldstunden schrieb er fast in allen seinen Alphabeten etwas Unbedeutendes – die Mutter genoß ihren sitzenden Vorschlummer aus, obwohl ein Gift des Nachtschlafs – aus der Pfarrei funkelte das goldne Feuerwerk des Christbaums herüber (der Bauerstand bescherte sich erst am Morgen) – jeder Stern schien licht und nah, und der hohe Himmel war an das Fenster herabgerückt – Gotthelf kratzte mit der Feder sehr leise, um die Mutter nicht zu wecken – endlich legte er, matt von gelehrten Arbeiten, selber den Kopf auf den Tisch. Dann erwachte und erweckte die Mutter – erinnerte an Christkindchen und Schlafengehen – und befahl ihm, in dieser heiligen Nacht mit ihr niederzuknien und Gott um alles zu bitten, besonders daß er einmal kein Vogler werde, sondern ein Rektor magnifikus wie ihr Großvater und sein Herr Pate. Er tats gern. Ebenso ersuchte Lavater Gott, ihm das Pensum zu korrigieren, und Lichtenberg desfalls, ihm seine gelehrten Fragen auf Zettelchen zu beantworten. Recht hat hierüber jeder Beter; vor dem Unendlichen ist eine Bitte um eine Welt und die um ein Stückchen Brot in nichts verschieden als in der Eitelkeit der Beter, und er zählt entweder Sonnen und Haare, oder beide nicht.

Worthless Tears. Reika Sebastian, In a Box, November 15th, 2014Nach dem Gebete ließ sie ihn in ihres Mannes Bette steigen, bloß um es am Morgen wieder zu betten; eine Freude, um die sie der alte selber bettende Siegwart täglich brachte, der ungern Weibern mehr verdankte als seine Geburt und Kinder. „Wie wird unser Vater jetzt liegen, Helfchen?“ (sagte sie) „Und schließ ihn mit in dein Abendgebet ein“; worauf sie den Sohn einsegnete und seine Hände selber für die ganze Nacht faltete, gegen jedes Gespenst. – Engeltrut wünschte nie Siegwarts Gegenwart sehnlicher als in seiner Abwesenheit; so wenig tut der Liebe die Ferne auch in der Ehe Abbruch, und so sehr muß der Mann wie ein Brennspiegel erst in die Brennpunkts-Ferne von dem Gegenstande, den er schmelzen will, geschoben sein.

Am Morgen verschwand Helfen das übrige Christgeschenk vor zwei Stücken desselben, vor einem weiß-roten Büchelchen von Marzipan und einem lackierten Näh-Buch der Mutter; aus diesen an sich leeren Büchern – was sind aber die meisten Bücher anders als höhere Bücherfutterale – schöpfte er mehr geistige Nahrung als ich aus so vielen vollen.

Landweiber versäumen an ersten Feiertagen lieber die Kirche als die Küche; gleichwohl blieb er nicht bei seiner Mutter daheim, sondern verrichtete seinen vormittägigen Gottesdienst. Sie maß dies sehr seinem Geschmack an längern Predigten zu; der Studiosus Pelz aber fügt bei, er habe sich in der Kirche immer so gesetzt, daß, wenn der sogenannte Heiligenmeister mit dem Klingelbeutel-Stabe (dem waagrechten Opferstock, der Heller-Wünschelrute, dem Queue mit Billard-Beutel) ankam, er dem Manne, weil der Stab nicht so lang war als die ganze Kirchenbank, solchen abnehmen und damit bei sich und andern das einsäckeln konnte, was gegeben wurde. Diese kirchliche Untereinnehmers-Stelle, so wie die Predigt-Disposition und die Predigt-Teile, welche er der Mutter unter dem Essen überlieferte, rissen ihn in die Kirche hinein.

Aber auch nachmittags, ob man ihn gleich da nur gratis erbaute, kam er gern mit dem schwarzen Müffchen an den Händen neben seiner Mutter wieder und schauete beim Eintritte sehr familiär im ganzen Tempel herum, um zu zeigen, daß er früher dagewesen. Wenn er schon sonst aus dem umgekehrt gehaltenen Gesangbuche stark ins große Singen hineinsang: wieviel mehr jetzt, da er das Buch richtig hielt und notdürftig las! Noch auffallender war die Schnelligkeit, womit er, sobald nur oben am Chore auf die schwarze Tafel die weiße Seiten-Zahl des Sing-Lieds aufgesteckt war, der Mutter das Gesangbuch aufschlagen konnte mit dem verlangten Liede.

Wenn er dann nach Hause kam, und die goldne Stunde der Dörfer anfing, die nach der Abendkirche, so hatt‘ er die schönste im Dorfe, den Pfarrer selber nicht ausgenommen. Die Herings-Papiere sind dazu da, sie uns zu malen.

*       *       *

5. Herings-Papiere

Die Studien

Helf las. Vor den Augen des Voglers hätte er keinen Viertels-Abend über Büchern von Makulatur sitzen dürfen; jetzt konnt‘ er alles lesen, was er poetisches, juristisches, chemisches Gedrucktes aus dem Gewürzladen, seiner Lese-Bibliothek, vorbekam, und konnte unter dem Lesen an andere Sachen denken und in die köstlichsten Nebenträume fallen und zu jeder Seite Kuchen oder Äpfel abbeißen, gleichsam die sauber gestochnen Vignetten und Kupfer und Notenblätter seiner Makulatur. Nicht für jeden Gelehrten ist unbeachtet ihres kleinern Laden-Preises Makulatur eine Lektüre; aus Mangel an Titelblättern, und weil sie, wie das Epos, bald mitten, bald hinten anfängt, kann der Mann nichts daraus zitieren und saugt sich elend voll Kenntnisse, ohne instand zu sein, nur einen Tropfen wieder aus sich zu drücken mit beigefügtem Zitat; und doch bekommt er nur einen Namen durch Namen.

Missed Sounds. Reika Sebastian, In a Box, November 15th, 2014Hingegen floß die Makulatur so schön auf Fibels Leben ein wie eine zweite allgemeine deutsche Bibliothek und vertrat deren Stelle. Jene bildete ihn – da er vom Würzhändler Düten aus allen Fächern bekam – zu jenem Vielwisser, als welchen er sich im Abc-Buch überall durch Tierkunde, Erziehungs- und Sittenlehre, Poesie und Prose zeigt. Ebenso mögen aus Nicolais Bibliothek die jetzigen Viel- und Zuviel-Wisser hervorgegangen sein, bloß weil sie die Rezensionen aus allen und fremden Fächern nicht umsonst gekauft, sondern auch gelesen haben wollen.

Seit diesen Weihnachten aber kam Gotthelf ins Lesen hinein und war von niemandem mehr zu halten. Es gibt glückliche Menschen – z. B. ihn selber –, welchen ein Buch mehr ein Mensch ist als ein Mensch ein Buch, und welche in der Wahrheit den Irrtum des Franzosen Mr. Martin nachtun, der in seinem Verzeichnis der Bibliothek des Mr. de Bose das Wort gedruckt als einen Schriftsteller unter dem Titel Mr. Gedruckt an- und fortführt. Ich kenne wenige Literatoren, für welche nicht gedachter Herr Gedruckt der Kreisoberste und Kreisdirektor aller Erden- und Himmelskreise wäre und der einzige Mann, mit dem zu reden ist, und der neue Adam der Welt – und das Heckmännchen aller Männer und Zeiten und das absolute Ich; ich kenne, sag‘ ich, wenige.

Was der angehende Gelehrte Fibel vom obigen Verfasser Gedruckt auftreiben konnte, damit verstärkte er seine Büchersammlung unter dem Dache, mit einem Korrekturbogen – mit alten Kalendern – mit einem seltenen Fingerkalender – mit einem Stück Bücherverzeichnis – mit einem halben Bogen eines Registers – mit allem. Die ersten Lettern, womit die Pfarrers-Tochter als Namen-Setzerin auf Wäsche druckte, nahm er als wahre Inkunabeln erstaunend in die Hand; und er sah lange einem durchs Dorf gehenden Drucker durstend nach, der in einer – Kattunmanufaktur arbeitete. Die Anekdote ist bekannt, daß er schon jünger, da er sich eine gelehrte Feder wünschte, weil er so oft gelesen, daß aus einer gelehrten Feder so manches Buch geflossen, in einigem Mißverständnis aus dem Schwanze eines Stars, den Siegwart für einen gelehrten und gelernten Vogel erklärt hatte, mehrere Federn ausgezogen! Darauf habe – fährt die Anekdote fort – der Vogler, als er den Wildschaden am Steiße des Stars vorgefunden, dem Sohne zum simpeln Auszug der gelehrten Niete noch eine Prämie bewilligt, die er, wie bekannt, still mit der Hand austeilte an das Gliedmaß, das er eben traf. Die Mutter legte Sauerkraut auf die Beule.

Light a Box. Reika Sebastian, In a Box, November 15th, 2014Am meisten zog ihn ein alter Markgrafen-Hof- und Staatskalender an, und er las ihn vierzigmal, wie andere den Kant viermal und Bardili fünfmal. Das regierende Haus war zwar abgerissen; aber es waren noch immer hohe Chargen, Inspektionen und Deputationen genug darin, um ihn außer sich zu setzen; am meisten erstaunte und genoß er, daß sein Dorf und der Pfarrer mit hineingedruckt waren, samt den gemeinsten umliegenden Nestern mit Namen. Und Himmel, wie bewunderte er dabei das herrlich ineinandergefügte Uhrwerk des Staats, wo für das Kleinste und Größte zusammengreifende Dienerschaft bestellt dastand, die Bonnetische tierische Stufenleiter im geistigen Sinn. Er fühlte dunkel, daß es nichts Gerechteres, Weiseres, besser Verwaltetes gebe als einen Staat. Auch Verfasser dieses erinnert sich noch mit Sehnsucht aus seinen Knabenjahren dieses süßen Gefühls.

Es ist dies eine der unerkannten Kindheitsfreuden, daß man in dem Adreßkalender – diesem geistigen Hypothekenbuch der Staatsverwaltung – die festlich und ehrwürdig einherziehende Jubelkette des Staats, die Sattel- und Geschirr-Kammer von Bärten, Perücken, Uniformen und Degen für das ansieht, was sie so schön scheint. Was geht denn dieser Jugendfreude ab, an Gehalt, außer Dauer? – Und erquickt ihre Erinnerung nicht so oft den kalten Staatsbeamten, der später den Staat für eine Schützen-Gilde zum Abschuß eines Gewinst-Adlers oder eines Rebhühner-Volks ansieht, oder für ein Nest von Prozessions-Raupen auf der Staats-Eiche? – Ja wer unbefangen genug bleibt, entdeckt sogar reifer in Staatsgliedern noch manche Bewegungen, welche gleichsam seine alte Ansicht vorspiegeln; und er vergleicht es mit jenem Tabaks-Liebhaber1, welcher, vom Schlagflusse getroffen, sich jede Viertelstunde regelmäßig bewegte, als nehm‘ er Tabak, und sich darauf ordentlich die Nase abrieb wie jeder.

1 Reils Fieberlehre B. IV.

Bilder: Weihnachten. Münchener Bilderbogen. Nro. 697. Herausgegeben und verlegt von Braun & Schneider in München. Rechts unten Monogramm von Andreas Müller – „stilisierte Mehlkotze [Kreis mit kreuzweise am Rand gesetzten Zapfen], in deren Binnenfläche ein A steht“ (Hans Ries: Illustration und Illustratoren des Kinder- und Jugendbuchs im deutschsprachigen Raum 1871–1914. Osnabrück: H. Th. Wenner 1992, Artikel „Müller, Andreas“, Seite 732) – mit Jahreszahl 1878. Links unten: Ed. Schempp sc[ulpsit]. Holzstich, schablonenkoloriert (Detail).

Der „Münchener Bilderbogen“ Nr. 697, 30. Buch 1877/78, wurde für den Holzstich ausweislich des Monogramms von Andreas Müller (1831–1901, genannt „Komponier-Müller“) gezeichnet, der insgesamt 22 Nummern von 1848 bis 1879 gestaltete. Als Stecher signiert Ed. Schempp. Vgl. Ulrike Eichler: Münchener Bilderbogen (Oberbayerisches Archiv. Bd. 99. München, Verlag des Historischen Vereins von Oberbayern 1974), Seite 107;
Reika Sebastian: In a Box, 15. November 2014:

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Written by Wolf

24. Dezember 2015 at 00:01

Veröffentlicht in Romantik, Weisheit & Sophisterei

4. Katzvent: Ehre sey Gott in der Höhe / Vnd Friede auff Erden / Vnd den Menschen ein wolgefallen: The world can never have enough cute kitten pics am I right?

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Ein Suchbild mit Katze, ein späthippieskes Weihnachtslied zum Mitgrölen, und in der üblichen Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 kommt gar kein Stern vor, dafür heißt „Krippe“ seit 2004 „Ölwanne“ — das kann nur der restliche Adventskalender für den Endspurt bis Heiligabend sein. Wir warten aufs Christkind und diskutieren, welche Version die schönste ist.

Lukas 2,1–20
Luther-Übersetzung letzter Hand, 1545:

ES begab sich aber zu der zeit / Das ein Gebot von dem Keiser Augusto ausgieng / Das alle Welt geschetztSchetzen ist hie / das ein jglicher hat müssen ein Ort des gülden geben von jglichem Heubt. würde. Vnd diese Schatzung war die allererste / vnd geschach zur zeit / da Kyrenius Landpfleger in Syrien war. Vnd jederman gieng / das er sich schetzen liesse / ein jglicher in seine Stad. Da machet sich auff auch Joseph / aus Galilea / aus der stad Nazareth / in das Jüdischeland / zur stad Dauid / die da heisst Bethlehem / Darumb das er von dem Hause vnd geschlechte Dauid war / Auff das er sich schetzen liesse mit Maria seinem vertraweten Weibe / die war schwanger. Vnd als sie daselbst waren / kam die zeit / das sie geberen solte. Vnd sie gebar jren ersten Son / vnd wickelt jn in Windeln / vnd leget jn in eine Krippen / Denn sie hatten sonst keinen raum in der Herberge. Mat. VND es waren Hirten in der selbigen gegend auff dem felde / bey den Hürten / die hüteten des nachts jrer Herde. Vnd sihe / des HERRN Engel trat zu jnen / vnd die Klarheit des HERRN leuchtet vmb sie / Vnd sie furchten sich seer. Vnd der Engel sprach zu jnen. Fürchtet euch nicht / Sihe / Jch verkündige euch grosse Freude / die allem Volck widerfaren wird / Denn Euch ist heute der Heiland gebörn / welcher ist Christus der HErr / in der stad Dauid. Vnd das habt zum Zeichen / Jr werdet finden das Kind in windeln gewickelt / vnd in einer Krippen ligen. Vnd als bald ward da bey dem Engel die menge der himelischen Herrscharen / die lobten Gott / vnd sprachen / Ehre sey Gott in der Höhe / Vnd Friede auff Erden / Vnd den Menschen ein wolgefallen Das die menschen dauon lust vnd liebe haben werden / gegen Gott vnd vnternander. Vnd dasselb mit danck annemen / vnd darüber alles mit freuden lassen vnd leiden. VND da die Engel von jnen gen Himel furen / sprachen die Hirten vnternander / Lasst vns nu gehen gen Bethlehem / vnd die Geschicht sehen / die da geschehen ist / die vns der HERR kund gethan hat. Vnd sie kamen eilend / vnd funden beide Mariam vnd Joseph / dazu das Kind in der krippen ligen. Da sie es aber gesehen hatten / breiteten sie das wort aus / welchs zu jnen von diesem Kind gesagt war. Vnd alle / fur die es kam / wunderten sich der Rede / die jnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese wort / vnd beweget sie in jrem hertzen. Vnd die Hirten kereten widerumb / preiseten vnd lobten Gott vmb alles / das sie gehöret vnd gesehen hatten / wie denn zu jnen gesagt war.

     

Lukas 2,1–20
Volxbibel, 2004:

Jesus wird geboren

In dem Jahr machte der oberste Präsident der Römer ein neues Gesetz. In diesem Gesetz stand, dass sich alle Menschen, die in den von der römischen Armee besetzten Gebieten lebten, bei ’ner staatlichen Behörde melden sollten. Dort mussten sie angeben, wie viel Kohle sie im Monat verdienen, um daraus die neue Steuer zu berechnen. So eine Steuerschätzung hatte es zu dem Zeitpunkt noch nie gegeben. Quirinius war gerade der Ministerpräsident von einem der besetzten Gebiete, das Syrien hieß. Alle Menschen mussten in den Ort zurückgehen, in dem sie geboren worden waren, um sich dort in Listen einzutragen. Weil Josef aus der Familie vom David kam, musste er nach Bethlehem reisen, denn da kam seine Familie ursprünglich her. Er machte sich also von Nazareth (das liegt in Galiläa) nach dorthin auf den Weg. Maria, seine Verlobte, nahm er einfach mit. Die hatte da schon einen ziemlich dicken Bauch, sie war nämlich hochschwanger. In Bethlehem passierte es dann, und sie bekam ihr erstes Kind. Weil sie in den Hotels und Jugendherbergen im Ort keinen Pennplatz mehr finden konnten, musste Maria das Kind in einer Autogarage zur Welt bringen. Eine alte Ölwanne war das erste Kinderbett.

Die Hirten und ein Engel

In dieser Nacht hatten ein paar Hirten kurz vor dem Dorf ihr Lager aufgeschlagen, um dort auf die Schafe aufzupassen. Plötzlich war da ein riesengroßes überirdisches Wesen aus dem Himmel, das auf sie zukam. Ein helles weißes Licht war um diesen Engel rum, ein Art von Licht, das nur von Gott kommen konnte, so krass war es. Die Hirten bekamen voll die Panik, aber der Engel beruhigte sie. „Entspannt euch, ihr braucht keine Angst zu haben! Ich habe gute Nachrichten für euch und auch für alle anderen Menschen! Heute Nacht ist der Mensch geboren worden, der euch alle aus eurem Dreck rausholen wird! Das ist in der gleichen Stadt passiert, wo auch David herkommt. Ich sag euch mal, wo ihr ihn finden könnt: Er liegt in einer alten Ölwanne, unten in einer Tiefgarage, gut eingewickelt in Windeln!“ Plötzlich tauchten neben dem einen Engel noch Tausende anderer Engel auf. Die fingen dort gleich an, zu beten und Gott zu sagen, wie genial er ist: „Der Gott, der im Himmel wohnt, soll groß rauskommen! Er hat all den Menschen ein Friedensangebot gemacht, die bereit sind, dieses Angebot auch anzunehmen!“ Nachdem die Engel wieder verschwunden waren, beschlossen die Hirten, der Sache auf den Grund zu gehen: „Lasst uns mal nach Bethlehem fahren. Mal sehen, was dort jetzt von den Sachen passiert ist, die uns dieser Engel gerade erzählt hat.“ Sie beeilten sich sehr. Als sie im Dorf ankamen, fanden sie tatsächlich Maria, Josef und auch das Baby, das in einer Ölwanne lag. Nachdem die Hirten das Kind angesehen hatten, erzählten sie von ihrem Treffen mit diesem Engel. Alle, die davon Wind bekamen, staunten nicht schlecht. Maria merkte sich aber alle Einzelheiten genau und dachte ständig darüber nach. Anschließend gingen die Hirten wieder zu ihren Schafen zurück. Sie freuten sich total über Gott und über das, was sie in dieser Nacht erlebt hatten! Alles war genauso abgegangen, wie es ihnen vorher angekündigt worden war.

     

Suchbild: Wo ist die Katze?

Alicia Luciana McConnell: Back to Black, 1. Juli 2015, Chicago:

Shot this in the alley behind my aunt’s apartment right after work yesterday. I wanted to try to shoot a self portrait that had an interesting perspective so this is hopefully a little different. My poor cheap tripod was not having any of it, I really need to invest in a better one one of these days. My favorite part of this is the kitty, might become a cat photographer instead of this whole human thing? The world can never have enough cute kitten pics am I right?

Alicia Luciana McConnell, Back to Black, Chicago, July 1st, 2015

Und jetzt alle Regler nach rechts fürs Tutti mit Chören und Hauffe:

The Family Tree: Holy Night, aus: Starparade Extra-Ausgabe, 1972.

The Family Tree war 1972 bis 1975 eine Band aus 11 Mitgliedern, gegründet von Günter „Yogi“ Lauke für das Label Finger Records in Rottach-Egern, und veröffentlichte 1 LP, die es nie als CD gab. — Die ganze Geschichte aus zweiter Hand im Krautrock-Musikzirkus.

Written by Wolf

18. Dezember 2015 at 00:01

Veröffentlicht in Glaube & Eifer, Renaissance

3. Katzvent: Und ich singe was ich fühle

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Wo doch Heine heuer am dritten Advent Geburtstag hat, da kriegt er einen ausführlichen Musikteil.

Und die geschändeten und geschmähten Katzen werden über die fashionablen Kater herfallen und werden ihnen eine Katzenmusik bringen, daß ihnen alle Katerlust vergehen soll, und die Katzen werden miauen: „Jetzt regieren wir!“

Georg Weerth: Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten, 1849.

——— Heinrich Heine (*13. Dezember 1797, Düsseldorf; † 17. Februar 1856, Paris):

14. Mimi

aus: Gedichte 1853 und 1854:

Katzenmusik, Fliegende Blätter, 1852Bin kein sittsam Bürgerkätzchen,
Nicht im frommen Stübchen spinn ich.
Auf dem Dach, in freier Luft,
Eine freie Katze bin ich.

Wenn ich sommernächtlich schwärme,
Auf dem Dache, in der Kühle,
Schnurrt und knurrt in mir Musik,
Und ich singe was ich fühle.

Also spricht sie. Aus dem Busen
Wilde Brautgesänge quellen,
Und der Wohllaut lockt herbei
Alle Katerjunggesellen.

Alle Katerjunggesellen,
Schnurrend, knurrend, alle kommen,
Mit Mimi zu musizieren,
Liebelechzend, lustentglommen.

Das sind keine Virtuosen,
Die entweiht jemals für Lohngunst
Die Musik, sie blieben stets
Die Apostel heilger Tonkunst.

Brauchen keine Instrumente,
Sie sind selber Bratsch und Flöte;
Eine Pauke ist ihr Bauch,
Ihre Nasen sind Trompeten.

Katzenrassen. Die Gartenlaube nach einer Originalzeichnung von J. Bungartz, Leipzig 1897. 1. Cyperkatze. 2. Karthäuserkatze. 3. Angorakatze. 4. Khorassankatze. 5. Chinesische Katze. 6. Siamesische KatzeSie erheben ihre Stimmen
Zum Konzert gemeinsam jetzo;
Das sind Fugen, wie von Bach
Oder Guido von Arezzo.

Das sind tolle Symphonien,
Wie Capricen von Beethoven
Oder Berlioz, der wird
Schnurrend, knurrend übertroffen.

Wunderbare Macht der Töne!
Zauberklänge sondergleichen!
Sie erschüttern selbst den Himmel,
Und die Sterne dort erbleichen.

Wenn sie hört die Zauberklänge,
Wenn sie hört die Wundertöne,
So verhüllt ihr Angesicht
Mit dem Wolkenflor Selene.

Nur das Lästermaul, die alte
Prima-Donna Philomele
Rümpft die Nase, schnupft und schmäht
Mimis Singen — kalte Seele!

Doch gleichviel! Das musizieret,
Trotz dem Neide der Signora,
Bis am Horizont erscheint
Rosig lächelnd Fee Aurora.

Grandville, Eine Katzenmusik, La Caricature, Paris 1. September 1831

Katzenbilder: Fliegende Blätter, 16.1852 (Nr. 361-384), Bild 2, 1852;
Katzenrassen: Die Gartenlaube nach J. Bungartz, Ernst Keil’s Nachfolger, Leipzig 1897:

  1. Cyperkatze
  2. Karthäuserkatze
  3. Angorakatze
  4. Khorassankatze
  5. Chinesische Katze
  6. Siamesische Katze

Grandville: Eine Katzenmusik (Charivari) in La Caricature, Paris, 1. September 1831.

Katzenmusikteil:

Fuge (wie) von Bach: Die Katze lässt das Mausen nicht, aus:
Schweigt stille, plaudert nicht (Kaffeekantate, BWV 211), ca. 1734.

Bonus Tracks:

Katzenjammer, Ben Caplan and The Trondheim Soloists: Fairytale Of New York aus The Pogues: If I Should Fall from Grace with God, 1987, in: Vi tenner våre lykter, 2011;

Aristocats: Do Mi Fa Mi, Walt Disney et al., 1970;

Coda:

Ebenda: Everybody Wants to Be a Cat (dt.: Katzen brauchen furchtbar viel Musik).

Written by Wolf

11. Dezember 2015 at 00:01

Veröffentlicht in Junges Deutschland, Schall & Getöse

2. Katzvent: Confundatus cattus. Schande über den Kater.

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——— Kölner Mönch, 1418:

Hic non defectus est, sed cattus minxit desuper nocte quadam. Confundatus cattus. Confundatur pessimus cattus qui minxit super librum in nocte Daventrie, et similiter omnes alii propter illum; et cavendum, ne permittantur libri aperti per noctem, ubi catti venire possunt.

Übersetzung in Wolfgang Herborn: Hund und Katze im städtischen und ländlichen Leben im Raum um Köln während des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit, in: G. Hirschfelder, D. Schell, A. Schrutka-Rechtenstamm (Hrsg.): Kulturen — Sprachen — Übergänge. Festschrift für H. L. Cox zum 65. Geburtstag, Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2000, Seite 397–413:

Hier fehlt nichts, sondern der Kater hat eines Nachts darüber gepinkelt. Schande über den Kater. Schande über den schlimmen Kater, der gepisst hat über dieses Buch nachts in Deventer, und ebenso über alle übrigen Kater um seinetwillen; und man hüte sich sehr, Bücher während der Nacht offen liegen zu lassen, wo Kater hinkommen können.

Cats -- walking all over your stuff since the 15th century. 500 years ago a cat walked on a manuscript leaving some inky paw prints, Reddit 2014

Bild: Cats — walking all over your stuff since the 15th century: 500 years ago a cat walked on a manuscript leaving some inky paw prints, 2014.

Sainsbury’s official Christmas Advert 2015: Mog’s Christmas Calamity.

Written by Wolf

4. Dezember 2015 at 00:01

Veröffentlicht in Das Tier & wir, Spätmittelalter

Rede du darein!

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Ich verlinke zwei Online-Petitionen. Bitte unterschreibt, verbreitet und tut wenigstens so, als ob nicht in eurem Namen ein Angriffskrieg stattfindet.

——— Matthias Claudius:

Kriegslied

aus: Asmus omnia sua secum portans, Vierter Teil, 1783:

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammleten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Goya, Die Schrecken des Krieges, Tafel 71, Contra el bien general

Bild: Goya: Contra el bien general. Das ist spanisch und bedeutet: Gegen das Gemeinwohl. Tafel 71 aus: Desastres de la guerra (Die Schrecken des Krieges), 1810–1815.

Written by Wolf

1. Dezember 2015 at 17:52