Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for Juni 2017

Ein Nichts, ein Zwischenraum (Jedenfalls sie hattens nicht)

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Update zu Menschenhaß! Ein Haß über ein ganzes Menschengeschlecht! O Gott! Ist es möglich, daß ein Menschenherz weit genug für so viel Haß ist!
und Ich will mich wie mein Schwanz erheben:

Sinaida Serebrjakowa

Neues aus meiner Jugend: Als meine Eltern glaubten, in meinem verrammelten Zimmer läse ich das, was sie bis heute „hochgestochene Gedichtebücher“ nennen, so hatten sie recht. Ebenfalls bis heute wäre ihnen nie im Leben zu vermitteln, was da eigentlich drinsteht — und mir, wie man endlich einen russischen Roman über 800 Seiten durchhält. Anderes Thema.

Sinaida Serebrjakowa, Portrait of daughter Ekaterina Serebriakova, 1928Mit 14 gingen für mich allerdings die Kurzgeschichten von Čechov, Peter-Urban-Übersetzung von 1976, und die schmissigeren Gedichte von Puschkin klar. Bleiben wir bei letzterem. Wenn meine Eltern das geahnt hätten, dass mir eine Ballade von ihm — um sie nicht als Büttenrede abzuqualifizieren — eine Woche lang erspart hat, meine selbstverfertigten Ferkeleien auf dem Schulhof für 20 Pfennig pro Durchschlag zu verhökern.

1822 war Puschkin 23, ein adliger Offizierssohn in russischen Staatsdiensten in Saft und Kraft, und durfte dergleichen schreiben — gerade weil er den gleichen Fehler machte wie weiter westlich sein Schreiber- und Romantikerkollege E.T.A. Hoffmann und sich durch satirische Zusetzungen mit seinen Petersburger Vorgesetzten anlegte. Ich kannte mit 14 die Übersetzung aus seiner Gesamtausgabe bei Insel, die von 1968 stammt, und habe immer bedauert, mir diese Textmenge nie ganz auswendig gemerkt zu haben.

Vielleicht hat sich meine Faulheit beim Auswendiglernen gelohnt, weil mir heute eine Übersetzung von 1998 über den Weg läuft, die um einiges souveräner daherkommt. Menschen, die ziemlich viel von Russisch und speziell von Puschkin verstehen, geben mir die Einschätzung, die Übersetzung sei „stellenweise etwas künstlerisch freizüngig und modernisiert, erkennte da jeder noch seinen Puschkin? Nuja, andererseits: Warum nicht, könnte vielleicht als sowas wie der 40-Töchter-Rap durchgehen.“ — Wie ich sagte, ohne unmittelbar mit Puschkins Original vergleichen zu können: souverän.

Zusätzlich zu seinem Husarenstück liefert Dietrich Gerhardt seinen Fachartikel: X. Puschkins Gedicht „Zar Nikita und seine vierzig Töchter“, den ich zu Einordnung und Verständnis warm empfehle und auch von den o. a. puschkinverständigen Menschen als „erhellend und kurzweilig“ eingestuft wird. — Auszug:

Der Text des „Zaren Nikita“ ist ein interessantes Mittelding zwischen authentischer, d. h. handschriftlich gestützter Überlieferung und oraler Tradition. Bei abnormen, in diesem Falle gegen die Konvention gerichteten Produkten ist so etwas gar nicht so selten; man denke etwa an die vielen „normalen“ Texte mit „abnormalen“ und nur mündlich tradierten Fortsetzungen oder an das große Gebiet der politischen Dichtung. Nur Vers 1 bis 26 sind in einem Autographen Puschkins erhalten, alles übrige beruht auf dem, was vor allem Puschkins Bruder Lev Sergeevič und andere wie M. N. Longinov in ihren Gedächtnissen bewahrt haben und was von den verschiedensten Hörern in Nachschriften fixiert wurde. Bis Vers 76 stimmen zwar zahlreiche dieser Notate überein, aber von da an gibt die textliche Basis kein völlig klares Bild mehr von einem oder mehreren Textstadien. Da die zaristische Zensur, die Puschkin selbst am Schluß des authentischen Teils als fromme, allzu prüde Närrin angeht, gegen eine Veröffentlichung in Rußland sicherlich Einspruch, wenn nicht mehr, erhoben hätte, treten von der Jahrhundertmitte an ausländische Publikationen in die Bresche und führen zu den ersten Abdrucken. Dann beginnen die neueren Ausgaben bis hin zu der letzten akademischen Gesamtedition. Neuere Textzeugen sind nun wohl nicht mehr zu erwarten und der Wortlaut steht nach der dort geleisteten peniblen Puzzle-Arbeit im wesentlichen fest.

Die erwähnten Bilder von Nina Ivanovna Ljubavina und Elena Anatolevna Gliznecova sind mit meinen Mitteln — sprich: Russischkenntnissen — nicht aufzutreiben, aber eine Gegenüberstellung der zwei bekannten, sehr vergnüglichen Übersetzungen, das geht. — Für die Russen unter uns — zuvörderst zur Feststellung, warum die Übersetzungen unterschiedlich lang geraten mussten, — steht das kyrillische Original auf Wikisource und öfter.

Sinaida Serebrjakowa

——— Alexander Sergejewitsch Puschkin:

Zar Nikita und seine vierzig Töchter

1822:

Deutsche Übersetzung: Lieselotte Remané, 1968:

Zar Nikita, reich und mächtig,
Lebte lustig, lebte prächtig,
War vielleicht kein Bösewicht.
Doch auch Gutes tat er nicht.
Meistens mußte er sich plagen –
Tags mit Eß- und Trinkgelagen
Und mit seinen Fraun bei Nacht,
Bis sie ihm zur Welt gebracht
Vierzig Töchter, die vergleichbar
Gottes Engeln, unerreichbar
Klug und liebenswert und schön.
Welche Wonne, nur zu sehn
Diese Köpfchen, diese Haare,
Diene holden Augenpaare
Und die schlanken Beine gar!
All das schien bestimmt, fürwahr.
Männer auf die Knie zu zwingen
Und um den Verstand zu bringen,
Fehlte nicht – zu ihrem Leid –
Allen eine Kleinigkeit …
Doch wie soll ich das erklären? …
Soll ich’s wagen, mich nicht scheren
Um Gesittung und Moral?
Sei’s drum, schließlich ist’s egal.
Ob pedantische Zensoren,
Mucker, Heuchler und Pastoren
Lauthals gleich ihr Veto schrein!
Also: diesen Jüngferlein …
Fehlte zwischen ihren Beinen …
Nein! Das mag zu deutlich scheinen …
Lieber Gott, wie fang ich’s an?
Ob man’s so umschreiben kann?:
Venus, reizen mein Gelüste
Nur dein Mund und deine Brüste?
Ach, der Liebe letzter Traum
Ist ein Nichts, ein Zwischenraum.
Nun, den Töchterchen des Zaren,
Die so lieb und lustig waren,
Und so holden Angesichts,
Fehlte eben dieses Nichts.
Trog nicht solcherlei Entartung
Schließlich jedes Manns Erwartung?
Ach, der Zar war fassungslos,
Und nicht minder schwer verdroß
Es die mütterlichen Damen.
Als das Volk dann durch die Ammen
Diesen Hoffskandal erfuhr,
Sperrte jeder sprachlos nur
Auf das Maul, doch was er dachte,
Sagte keiner. Alles lachte
Heimlich bloß – man kann’s verstehn –
Um nicht nach Nertschinsk zu gehn.
Sämtliche Lakain und Ammen
Rief der Zar deshalb zusammen
Und verbot, daß irgendwer
Noch darob ein Wort verlor.
„Keiner soll sich mehr erfrechen,
Laut von Fleischeslust zu sprechen,
Damit meinen Töchtern nicht
Liebesgram die Herzen bricht.
Weibern, die sich lustig machen,
Über meine Töchter gar,
Über ihr Gebrechen lachen
– Drohte der erzürnte Zar –,
Schneide ich die Zunge raus.
Und den Männern – freiheraus
Sei’s gesagt, ihr sollt nicht meinen,
Daß ich scherze – das Gemächt!“
Hart war dies, jedoch gerecht,
Und so gab es schließlich keinen,
Der Gehorsam nicht gezeigt,
Dem Dekret sich nicht gebeugt.
Alle hielten steif die Ohren,
Waren um ihr höchstes Gut
Stets wohlweislich auf der Hut.
Manch ein Weib gab schon verloren
Ihren redseligen Mann,
Doch der dachte unverfroren:
Fing sie doch zu schwätzen an!
(Denn er wünschte sie zum Teufel).
Als die vierzig Jüngferlein
Heiratsfähig ohne Zweifel
Schienen allesamt zu sein,
Da berief der fromme Zar
Heimlich zu sich die Bojaren,
Denn kein Diener sollt’s erfahren –
Legte seinen Kummer dar,
Bat sie, Rat ihm zu erteilen,
Wie das Übel wär zu heilen.
Aus der Würdenträger Chor
Trat ein greiser Ratsherr vor.
Und verneigte sich vor allen.
Da ihm grad was eingefallen,
Tippte sich der alte Tropf
Plötzlich auf den kahlen Kopf
Und begann drauflos zu schwätzen:
„Weiser, edler Zar, verzeiht
Gnädigst mir die Dreistigkeit
Meiner Rede! Nicht verletzen
Möcht ich Anstand und Moral.
Doch ich kann in diesem Fall
Nicht vom Sumpf der Wollust schweigen,
Die vergangnen Zeiten eigen.
Eine üble Kupplerin,
Der ich einst begegnet bin
(Weiß nicht, wo sie dann geblieben,
Und was sie seitdem getrieben),
Galt als Hexe und verstand
Von der Heilkunst allerhand.
Sie zu finden muß gelingen,
Einzig sie kann Rettung bringen!“
„Sucht die Hexe, findet sie“,
Schrie der Zar, „gleichgültig, wie!“
Sollte uns das Weib belügen,
Hintergehen, frech betrügen,
Mag man mich ein Hundsfott nennen,
Gäb zum Rosenmontag ich
Nicht Befehl, sie zu verbrennen.
Doch Gott hilft uns sicherlich!“

Heimlich ließ er von Kurieren
Nach der Hexe spionieren,
Rundherum im ganzen Land
Wurden Boten ausgesandt.
Sie durchsuchten alles gründlich,
Doch wohin ihr Blick auch drang,
Allerwegen unauffindlich
Blieb das Weib zwei Jahre lang.
Endlich konnt nach wildem Ritte
Einer eine Spur erspähn,
Sah im Wald dann eine Hütte
Tief versteckt im Dickicht stehn
(Eigenhändig, ohne Zweifel,
Führte dorthin ihn der Teufel.),
Und, fürwahr, er fand darin
Die gesuchte Zauberin.
Als Gesandter seines Zaren
Konnt er Höflichkeit sich sparen,
Trat gleich ein ganz ungeniert,
Sagte, was ihn hergeführt.
Was den Zarentöchtern fehlte.
Eh, daß er’s zu End‘ erzählte,
War der Alten völlig klar,
Was des Zaren Auftrag war.
Aus dem Haus hieß sie ihn gehen,
Keinesfalls sich umzusehen.
„Fort“, schrie sie, „sonst packt dich Tropf
Böses Fieber gleich beim Schopf! …
Komme wieder nach drei Tagen.
Meine Antwort zu erfragen,
Doch beim ersten Frührotschein!“
Dann schloß sich die Hexe ein,
Unterm Kessel Glut zu schüren
Und den Satan zu zitieren.
Und der Teufel kam und gab
Selbst ein Kästchen bei ihr ab,
Voll von jenen Gottesgaben,
Dran sich Wollüstlinge laben.
Jede Farbe war parat.
Ganz zu schweigen vom Format.
Doch die Hexe reservierte
Für die Zarentöchterlein
Nur die schönsten und sortierte,
Wohlverpackt in Tüchlein fein,
Sie ins Kästchen wieder ein.
Als der Bote nach drei Tagen
Wiederkam, gab sie’s ihm mit,
Hieß ihn heimwärts schnell zu jagen,
Schenkte für den langen Ritt
Ihm ein Geldstück noch zum Lohn.
Eiligst brauste er davon.
Aber schon nach ein paar Stunden
Spürte Hunger er und Durst,
Machte Rast und ließ sich munden
Wodka, Brot und Speck und Wurst –
War als ordentlicher Mann
Wohlversorgt mit Trank und Essen.
Während auch sein Gaul indessen
Friedlich graste, fing er an,
Sich den Lohn schon auszumalen.
Den der Zar spendieren könnt.
Ob er Tausende wird zahlen
Und zum Grafen ihn ernennt?
Doch was schickt das Weib dem Zaren,
Was ist in dem Kasten drin?
Allzugern möcht er’s erfahren,
Leider, ach, verschloß sie ihn.
Neugier wachsen und Begehren.
Noch steht seine Furcht davor …
An das Schloß preßt er sein Ohr,
Aber nichts ist drin zu hören.
Schließlich schnuppert er daran …
Fährt zurück und ruft : „Beim Teufel
Ja, das ist doch … ohne Zweifel! …
Na, das seh ich mir gleich an!“
Doch kaum hat er aufgebrochen
Die Schatulle, schwirrte schon,
Was darin so gut gerochen.
Wie ein Vogelschwarm davon.
Ringsum ließen sie sich nieder.
Wiegten auf den Zweigen sich.
Rief nach ihnen flehentlich
Unser Bursch auch immer wieder,
Streute er auch Stück um Stück
Seinen Zwieback aus, vergebens!
Keines kam zu ihm zurück,
Alle freuten sich des Lebens
Mehr in Freiheit, statt im engen
Dunklen Käfig sich zu drängen.
Schließlich kam des Wegs gezogen
Just ein altes Weib daher,
Tief gebeugt, krumm wie ein Bogen,
An der Krücke keuchend schwer.
Und der Bursch fiel ihr zu Füßen:
„Meine Vögel“, schrie er, „sieh,
Ließ ich fliegen! Schrecklich büßen
Werd ich’s, Mutter! Sag mir, wie
Krieg ich sie ins Kästchen wieder?“
Und die Alte hob den Kopf,
Spuckte aus, sah auf ihn nieder,
Zischte nur: „Heul nicht, du Tropf,
Hast dich übel zwar vergangen,
Doch nicht schwer ist’s, sie zu fangen,
Denn sie wissen, wo ihr Platz,
Knöpf nur auf den Hosenlatz!“
„Danke“, sprach er – und ließ sehen,
Was man sonst nicht zeigt so frei.
Kaum jedoch war dies geschehen,
Flog der Schwarm auch schon herbei.
Um nicht Schlimmres zu erfahren,
Faßte er die Vögelein,
Sperrte alle wieder ein
Und ritt weiter, heim zum Zaren.
Von den Töchtern setzte jede
Fröhlich ohne Widerrede
Einen in ihr eignes Nest.
Und dann gab der Zar ein Fest.
Sieben Tage ging die Fete,
Zechte man in Saus und Braus,
Dreißig Tage schlief man aus,
Und dann kriegten alle Räte
Von des Zaren eigner Hand
Umgehängt ein Ordensband.
Auch der alten Hexe sandte
Zar Nikita, eingedenk
Ihrer Künste, als Geschenk
Eine ziemlich abgebrannte
Kerze, ein Museumsstück,
Und zu ihrem höchsten Glück,
Was Erstaunen wohl erregte,
Zwei in Spiritus gelegte
Schlangen, sowie zwei Skelette
Aus demselben Kabinette …
Auch der Bote ward bedacht.
Damit schließ ich, gute Nacht!

Deutsche Übersetzung: Dietrich Gerhardt, 1998:

Irgendwo auf dieser Welt,
Wo, das sei dahingestellt,
Lebte seine Dolce Vita
Einst ein Zar, genannt Nikita;
Machte seinem Musterlande
Nicht viel Ehre, nicht viel Schande,
Tat nicht viel und aß und trank,
Sagte seinem Schöpfer Dank,
Und zu vieler Mütter Glück
Zeugt’ er Töchter, vierzig Stück,
Vierzig Töchter ohne Mängel,
Vierzig Mädchen wie die Engel,
Schöne Mädchen, wie ich meine,
Lieber Himmel, was für Beine!
Was für Köpfchen, schwarzes Haar,
Augen, Stimme wunderbar,
Und ein Geist, der uns begeistert,
Herz und Sinne gleich bemeistert,
Kurz, von Kopf bis Fuß vollkommen –
Ihnen war nur Eins benommen.
Was denn? Eine – Bagatelle,
Fast ein Nichts auf alle Fälle,
Ganz egal, aus welcher Sicht.
Jedenfalls sie hattens nicht.
Ja wie soll mans nur erklären,
Ums moralisch zu bewähren
Vor der Mutter der Kultur,
Unsrer kitzlichen Zensur?
Nun, was solls, es muß wohl sein.
Zwischen ihren Beinen – Nein,
Das fällt allzu deutlich aus.
Anders wird ein Schuh daraus:
Venus zeigt mir nicht alleine
Busen, Lippen, schöne Beine,
Auch den Feuerherd der Liebe,
Ziel des heißesten der Triebe.
Nun, was ist wohl diese Stelle?
Eine kleine Bagatelle,
Und just diese hatten schlicht
Unsre schönen Töchter nicht.
Die genetische Bewendnis
Sahen ohne viel Verständnis
Alle höfischen Berater.
Traurig war es für den Vater
Und die Mütterschar zusammen.
Als von ihren Hebeammen
Man erfuhr, was da geschehen,
Ließ das Volk sich schmerzlich gehen,
Stöhnte, raufte sich das Haar,
Mancher fand es komisch gar,
Doch in aller Heimlichkeit,
Denn Sibirien war nicht weit.
Seinen Hofstaat zu erbauen,
Auch die frommen Kinderfrauen,
Gab der Zar nun dies Gebot:
„Wer es wagt und ohne Not
Meine Töchter Sünde lehrt,
Oder nicht zu denken wehrt,
Oder ihnen nicht verhehlt,
Daß bei ihnen etwas fehlt,
Oder mit obszönen Gesten
Oder Worten sie will testen,
Dem, das sollten Weiber wissen,
Wird die Zunge ausgerissen,
Wenns ein Er ist schlimmstenfalles
Etwas andres, manchmal pralles.
„So gerecht war unser Zar,
Wie er streng und deutlich war.
Das Gebot war recht und billig.
Jeder unterwarf sich willig,
Lebte nun mit Vorbedacht
Nahm sein Hab und Gut in Acht.
Zwar die armen Weiber hatten
In die Schweigsamkeit der Gatten
Nicht das nötige Vertrauen.
„Schuld sind immer nur die Frauen!“
Dachten jene ärgerlich
Und erbost ihr Teil für sich.
Und so wuchsen sie heran,
Was man nur bedauern kann.
Vor dem Rate legt der Zar
Schließlich seine Sache dar,
So und so, und ziemlich frei
Wenn kein Dienerohr dabei.
Viele dachten nach im Staat
Wie das wohl zu heilen sei.
Da erschien ein alter Rat
Grüßte, schlug sich vor die Glatze
Und begann ein Mordsgeschwatze:
Herr und Zar, du großes Licht,
Strafe meine Frechheit nicht,
Wenn ich sage, wie vor Zeiten
Man verfuhr mit Fleischlichkeiten.
Mir war einst in unserm Land
Eine Kupplerin bekannt.
Wo und was sie heute treibt
Sicher ist sie, was sie bleibt:
Weitberühmt durch Hexerei
Macht sie aller Krankheit frei,
Heilt so Leib- wie Gliederschwächen,
Husten, Brust- und Seitenstechen.
Diese muß man suchen lassen.
Sie wirds schon in Ordnung bringen,
Kennt sich aus in solchen Dingen.
„Also kriegt sie mir zu fassen!“
Rief der Zar mit Zornesblicken,
„Augenblicklich nach ihr schicken!
Doch wenn sie sich untersteht,
Nicht beschafft, worum es geht,
Uns mit Lügerei umgaukelt
Oder anderswie verschaukelt,
Werde ich, so wahr ich Zar bin
Und im Kopfe halbwegs klar bin,
Ihr den Scheiterhaufen schüren
Und damit den Himmel rühren.
„Also schickt man heimlich-leise
Per Expreß in größter Eile
Seine Häscher auf die Reise
Fort in alle Landesteile,
Und sie fahnden rings in Scharen
Nach der Hexe für den Zaren.
Ein-zwei Jahre gehn ins Land,
Nichts wird irgendwo bekannt.
Bis ein Junge, aufgeweckt,
Eine heiße Spur entdeckt.
Wie vom Teufel selbst gestoßen
Kam er in den Wald, den großen,
Sieht: Ein Häuschen steht im Wald,
Drin die Hexe, grau und alt,
Und als Bote seines Zaren
Achtlos möglicher Gefahren,
Tritt er ein und grüßt sie keck,
Spricht von seinem Reisezweck,
Stellt die vierzig Töchter dar,
Und was nicht vorhanden war.
Nun, die Alte riecht den Braten
Und befördert den Soldaten
Rasch zur Tür hinaus: „Verschwinde!
Und wirf keinen Blick zurück,
In drei Tagen hol ein Stück
Dir als Antwort-Angebinde.
Und vergiß nicht: Früh am Tage,
Sonst besiehst du Not und Plage!
„Hinter fest verschlossner Tür
Zaubert sie dann nach Gebühr,
Drei Mal vierundzwanzig Stunden,
Bis den Teufel sie gebunden,
Bis er für das Zarenschloß
Selber ihr ein Kästchen goß,
Voll mit frevelhaften Dingen,
Denen Männer Opfer bringen.
Alle gabs mit Zubehör,
Jede Größe und Couleur,
Auch gelockte, erste Wahl,
Von der ganzen großen Zahl
Nahm die Hexe sich heraus.
Sucht die vierzig schönsten aus,
Eine Serviette drum,
Dreht den Schlüssel um und um.
Schickt ihn damit auf die Reise,
Gibt ihm Geld für Trank und Speise.
Der geht los im Morgenrot,
Will mit seinem Früstücksbrot
Zur Siesta sich bequemen.
Etwas Wodka zu sich nehmen,
Hatte alles mit Bedacht
Für den Rückweg mitgebracht.
Bald ist alles aufgezehrt.
Ruhig dösen Mensch und Pferd
Nun in süßen Träumerein:
Loben wird ihn der Regent,
Wenn er ihn nicht gar ernennt …
Was schließt wohl das Kästchen ein?
Was ists wohl für ein Präsent?
Fruchtlos schaut er durch die Spalten.
Ärgerlich! Die Schlösser halten.
Und die Neugier plagt und brennt,
Fängt zu jucken an, zu bohren.
An das Schloß hält er die Ohren:
Nichts dringt aus dem Schlüsselloch.
Doch wies riecht – das kennt er doch?
Gott verdammt, was ist geschehen?
Etwas könnte man mal sehen.
Und den Jäger hielts nicht mehr.
Kaum kriegt er den Schlüssel her,
Sind die Vögel ausgeflogen,
Haben ringsum sich verzogen,
Husch! – im Kreise auf die Äste
Schwänzeln die befreiten Gäste.
Unser Jäger rief erschrocken,
Wollte sie mit Zwieback locken,
Streute Krümel aus – vergebens
(Klar: Sie brauchten andre Speise!),
Sangen, freuten sich des Lebens,
Und zurück auf keine Weise!
Doch da kommt den Weg entlang
Grad im Krücken-Humpelgang
Lahm die Beine, krumm die Knochen,
Eine alte Frau gekrochen.
Jener fällt ihr – bums! – zu Füßen:
„Muß mit meinem Kopfe büßen,
Hilf mir, Mutter, steht mir bei,
Sieh nur, diese Schweinerei!
Ich kann sie nicht wieder fangen.
Wie ist das bloß zugegangen?“
Als sies übersehen kann,
Spuckt sie aus und zischelt dann:
„Böses hast Du angestellt,
Doch sieh mutig in die Welt,
Brauchst den Vögeln nur zu zeigen …,
Runter sind sie von den Zweigen.“
„Danke“, sprach er, „sei gepriesen.“
Hat es ihnen kaum gewiesen,
Sind sie schon herab geflattert
Und zu neuer Haft vergattert.
Weil dies Pech genug gewesen,
Sperrt er ohne Federlesen
Alle vierzig in den Kasten,
Macht sich heimwärts ohne Rasten,
Um sie heil zu überbringen,
Wo die Mädchen sie empfingen,
Schnurstracks in den Käfig taten,
Sehr zur Lust des Potentaten.
Gleich gabs dann ein Festgelage,
Und man zechte sieben Tage,
Und erholte sich vier Wochen.
Lob und Dank ward ausgesprochen,
Auch der Hexe nicht vergessen.
Ihr ward nämlich zugemessen
Aus dem Wunderkabinette
Zwei Reptilien, zwei Skelette,
Und – man wunderte sich wohl –
Aschenbrand in Alkohol.
Auch der Jäger ging nicht leer aus.
Das ist meines Märchens Kehraus.

***

Viele werden mich wohl schmähen,
Weil sie gern begründet sähen,
Wie man so was schreiben kann.
Nun, ich kanns. Was geht sies an?

Sinaida Serebrjakowa

Bilder: Vaginalose russische Akte von Sinaida Serebrjakow, 1884–1967. Das zweite von oben, das Hochformat, ist ein Portrait von Ekaterina, der Künstlerinnentochter, 1928.

Sinaida Serebrjakowa

Soundtrack: Beloe Zlato („Weißes Gold“): Über den stillen Fluss: stubenreines, jugendfreies russisches Volksgut.

Written by Wolf

23. Juni 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, Romantik

Bierchen aus alter Zeit

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Update zu B:

——— Bertolt Brecht:

Liedchen aus alter Zeit

(nicht mehr zu singen!)

1950, in: Kinderlieder, 1956:

Eins. Zwei. Drei. Vier.
Vater braucht ein Bier.
Vier. Drei. Zwei. Eins.
Mutter braucht keins.

Bertolt Brecht, Brief an Radeberger Brauerei, 5. April 1956

BierBildBestand: Bertolt Brecht: BettelBrief an Radeberger, 5. April 1956,
via Sieben Briefe von Bertolt Brecht aus den fünfziger Jahren, Die Zeit, 29. Januar 1998:

Berlin, den 5. April 1956

An den
VEB Radeberg
Exportbierbrauerei
RADEBERG

Sehr geehrte Herren,

Ich bin Bayer und gewohnt, zum Essen Bier zu trinken. Nun ist das Bier in der Deutschen Demokratischen Republik im Augenblick wirklich nicht mehr gut ausser Ihrem RADEBERGER PILSNER (EXPORT). Können Sie mir vielleicht ausnahmsweise, eine Zeit lang im Monat zwei Kästen über VLK Getränke, Abteilung Import und Spezialbiere, Berlin N 4, Brunnenstr. 188, liefern.

Mit bestem Dank

(Bertolt Brecht)

Bertolt Brecht und Oskar Maria Graf, 1943, New York

Bertolt Brecht und Oskar Maria Graf beim Stammtisch in New York 1943,
via Ein Angriff auf uns alle. Gemeinsam gegen das bayerische Integrationsgesetz: Wer ist Deutschlands prominentester Integrationsverweigerer?, 8. Dezember 2016.

Soundtrack: Kris Kristofferson: To Beat the Devil, aus: Kristofferson, 1970:

I ain’t saying I beat the devil,
But I drank his beer for nothing,
Then I stole his song.

Written by Wolf

16. Juni 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Nahrung & Völlerei, Novecento

Dunkeldeutschland

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Update zu Polizistenschatten im Laternenschein,
Von den beiden Mädchen auf dem Felde
und Der Arzt von Münster in Salzkotten:

Wikimedia Commons

Mein Vater, ohne schlecht über ihn zu reden, hat kein Abitur. Mein Vater ist stolz darauf, wie er es nennt, mit „bloß Volksschul'“ ausgekommen zu sein und noch nie im Leben „so ein Kombuderdings“ angefasst zu haben. Wenn jemand englisch redet oder gar singt oder sonst auf eine Weise insinuiert, mein Vater könnte eine andere Sprache als sein abgelegtes Leipziger Sächsisch und in der Folge nicht ganz lückenlos angenommenes Landnürnberger Fränkisch verstehen, wird er ernstlich unwillig. Ganz schlimm sind Fremdwörer, weil man alles „aa-r-af Deidsch soong“ kann.

Mit dieser Einstellung konnte man tatsächlich einst ein Arbeits- und ein Pensionistenleben bestreiten, es war eine schöne Zeit. Mein Vater hat es in der mittleren Beamtenlaufbahn meines Wissens bis zu A 9 gebracht, dabei war er noch einer im Publikumsverkehr: erst Fahrtdienstleitung, danach telephonische Zugauskunft. Andere haben das durch bloßes Ausharren mit regelmäßiger Anwesenheit in einer unkündbaren Beamtenposition geschafft, aber das will weder er noch die anderen hören. Damit konnte man eine Familie — Frau, mehrere Kinder, Automobil, Eigenheim — ernähren und musste dabei keinen Tag „seine Frau auf den Strich schicken“ (Vater über doppelverdienende Ehepaare). Mein Vater hatte nie ein Automobil oder ein Eigenheim, er müsste also heute über ein angenehmes „Pölsterchen“ (abermals Vater) verfügen.

Nur kein Neid, liebe Kinder, ich bin selber nicht besser: War mein Vater noch ein Weißer Jahrgang, der weder von der Wehrmacht zu einem Weltkrieg noch von der Bundeswehr zum Schlammrobben herangezogen wurde, bin ich 15 Monate meiner Wehrpflicht als Urlaubssachbearbeiter bei den Kötztinger Fernmeldern nachgekommen, nur um die sonst fälligen 18 Monate Zivildienst zu vermeiden. Wenn heute meine Frau gegen Geld arbeiten muss, hat das weder mit dem Strich noch mit ihrer Selbstverwirklichung zu tun, sondern mit bitterer Not, weil ich weder mit Volksschule noch Abitur noch einem Studium Frau, Kinder, Automobile und Eigenheime erschwingen kann.

akpool.de

Was ich von der Lebensart meines Vaters behalten habe, waren bis zum unwiderruflichen Ende meiner Ausbildung die Freifahrscheine fürs Schienennetz der Deutschen Bahn. Damit konnte ich zwischen meinem Abitur und der bitteren Not, gegen Geld zu arbeiten, eine Zeitlang reisen wie Joachim Ringelnatz:

Aussteigen plötzlich, besonders noch spät,
Das kann ich jedem empfehlen.

Ein paarmal hab ich das gemacht. Ich erinnere mich an Bahnhöfe wie aus einer Kurzgeschichte von Heinrich Böll, Kneipenwirte, die eigens wegen des unerwarteten Gastes von hinter den sieben Bergen bis in die frühen Morgenstunden den Laden geöffnet hielten und ihr Geschäft des Jahres machten, plötzlich aufblühende Omas, die ihr Fremdenzimmer mit Frühstück eigentlich „neulich“ vor zehn Jahren aufgegeben hatten, und dass es in Norddeutschland mehr Spaß macht als im Süden. In Stade könnte ich zum Beispiel ein einwandfreies hausgemachtes Labskaus empfehlen, wenn ich noch wüsste, wo mich die Bedienung damit gemästet hat.

Reichenbach im Vogtland war, wie von Ringelnatz ausdrücklich geraten, nicht dabei: Das war zuerst DDR, für die man gesonderte Freifahrscheine Monate vor Fahrtantritt beantragen musste, und später immer noch ein Minenfeld, auf dem rudelweise väterlicherseitige Verwandtschaft hauste, da wollte ich trotz Ringelnatznähe schon gleich dreimal nicht hin. Normalerweise ging ich als unfertig studierter Linguist nach Schönheit der Stationsnamen, was leicht schiefgehen konnte. Nach einer durchfluchten Herbstnacht in Grüner Hirsch hab ich mir’s abgewöhnt.

Dr. Margarete Meggle-Freund

Bahnhof Reichenbach (Vogtl) ob Bf liegt als Trennungsbahnhof zu zwei inzwischen stillgelegten Nebenbahnen linear an der Bahnstrecke Leipzig–Hof, ein Knotenpunkt ist es nicht. Von 1895 bis 1974 bestand zusätzlich ein Bahnhof Reichenbach (Vogtl) unt Bf an der Bahnstrecke Reichenbach–Göltzschtalbrücke, die allerdings eine Nebenbahn ist, an keinen Fernverkehr angebunden und für derlei Abenteuer in der Fremde ungeeignet. Setzen wir also voraus, dass Ringelnatz 1925 oder nicht lange zuvor nicht an diesem idyllischen Unteren, sondern am Oberen Bahnhof ausgestiegen ist.

Auch kann auf Ringelnatz Reichenbach im Vogtland nicht allzu exotisch gewirkt haben, jedenfalls lag es auch 1925 schon in seinem heimatlichen Sachsen. Da zählte der Mann 42 Jahre und blickte auf eine sehr viel bewegtere Biographie im Krieg, zur See, als Hausdichter und als Tabakladenbesitzer zurück denn ich Studentenbürschchen, das ich zu meinen Reisezeiten war. Wo er eingekehrt ist, überliefert Ringelnatz nicht, außerdem weiß ich aus Erfahrung, dass dergleichen spontane Nachtausflüge nie sehr detailliert im Gedächtnis haften, und bezweifle, dass in der fraglichen Gaststätte, sollte sie noch existieren, Ringelnatzens gedacht wird. Eindeutig festnageln lässt sich sein nächtliches Stammlokal für Honoratioren wohl nie mehr.

Halbwegs in Bahnhofsnähe und Richtung Stadtzentrum, wohin sich ein ortsfremder, absichtsvoll planloser Stadttourist begeben würde, bestehen heute laut dem Örtlichen Branchenbuch: das Hotel Adler Vogtland in der Bahnhofstraße 101, das Killarny-Pub in der Bahnhofstraße 108 A und das Restaurant mit Pension und Biergarten Kyffhäuser in der Albertistraße 30, alle in 08468 Reichenbach/Vogtland.

Das Gedicht ist keiner von Ringelnatz‘ Smash-Hits und erscheint nicht viel in Anthologien, enthält aber als ersten und letzten Satz gleich zwei meiner Lieblingsstellen: Das Lied, das sich selber singt, ist eine angenehm surreale Vorstellung, die man gar nicht bildlich hinkriegt, und der weitgereiste Anklang an seine Seemannszeit um des lieben Reimes willen, wie es einem an solchen Nicht-Zielen idealerweise unterlaufen sollte, so schön angesäuselt.

Heinsdorfergrund im Vogtland

——— Joachim Ringelnatz:

Reisebrief eines Artisten

Abstecher: Reichenbach im Vogtlande

Version der Erstveröffentlichung in: Simplicissimus, Jahrgang 30, Heft 33, 16. November 1925, Seite 474,
gesammelt in: Reisebriefe eines Artisten, 1927, Seite 122 f.:

Scan SimplicissimusEs sang sich ein Lied in der Nacht.
Da wurden zwei Bürger in Reichenbach
Im Vogtlande wach.

Was wollte ich sonst in dieser Stadt
Als nur meine Fahrt unterbrechen;
Frug: ob sich hier ein Wirtshaus hat,
Wo Leute um die Zeit noch zechen.

Am Himmel standen Zeichen.
Warum – so hatte ich mir gedacht –
Soll Reichenbach in dieser Nacht
Nicht Guatemala gleichen?

Was geht mich Guatemala an,
Wenn ich daselbst nicht bin. –
Stieg aus. Bereute das. Doch ach:
Da flog mein Zug schon weiter hin.
Und ich stand nachts in Reichenbach.

Vielleicht erlebe ich Rübezahl,
Den Ollen!?
Doch sicher bin ich heute einmal
Für jedermann verschollen.

Aussteigen plötzlich, besonders noch spät,
Das kann ich jedem empfehlen.
Er braucht ja, wie sein Leben vergeht,
Gerade nicht Reichenbach wählen. –

Es klang ein Gesang wie Männerverein
Und brachte Dachrinnen zum Schmelzen
Und roch so nach Wein. Da trat ich hinein
Und kam mir dort vor wie Lord Nelson.

Im Seichtlärm eines Stammlokals
Der Honoratioren
Im Stile anno dazumals
Beneugiert und verloren – – –

Gott segne die Azoren!

Mapio.net

Bilder: Ansichten von Reichenbach im Vogtland:

  1. Verlag Automat AG, Dresden: Blick über Reichenbach im Vogtland und die Firma Georg Schleber AG im Vordergrund, historische Ansichtskarte, postalisch gelaufen am 19. Juli 1899;
  2. Ottmar Zieher Kunstanstalt, München: Ansichtskarte / Postkarte Reichenbach im Vogtland: Postamt, Albert Denkmal, Stadtpark, Moltke Denkmal, Bahnhof, ungelaufen, Ecken bestoßen, sonst guter Zustand, 6,00 Euro bei akpool;
  3. Dr. Margarete Meggle-Freund: Abb. 4: Bahnhof Reichenbach: eine Stadt im Umbau, aus: Vorstellung der Dissertation: Zwischen Altbau und Platte. Erfahrungsgeschichte(n) vom Wohnen. Alltagskonstruktion in der Spätzeit der DDR am Beispiel der Sächsischen Kleinstadt Reichenbach im Vogtland. Gastvortrag in der Wohn-Vorlesung von Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger in der FSU Jena am 14. Juli 2005;
  4. Die Rollbocklokomotive am Reichenbacher Annenplatz, aus: Die Geschichte der Rollbockbahn Reichenbach–Oberheinsdorf, nach 1897;
  5. Reinhard Klenke: Bahnhof Reichenbach (Vogtland) — gut 20 Minuten Zeit bis zum Zug gen Plauen, aus: Bahnhofstraße Reichenbach im Vogtland, ca. 2009;
  6. MBC (Moderator): Ein Jahr später, am 20.Juli 2002, ist der südliche Bahnhofsteil endgültig verwaist und wird bald darauf weichen.

+ Scan aus dem Simplicissimus, Jahrgang 30, Heft 33, 16. November 1925, Seite 474 mit der Erstveröffentlichung.

Eisenbahnforum Vogtland

Soundtrack: Joy Unlimited: Go Easy Go Bahn, 1973, DB-Werbung:

Die Single hat mein Vater noch in der Sammlung. Meine Mutter hat mir mal eine gelangt, weil ich fünfjährig einen Klecks Blaubeerjoghurt auf dem Cover hinterlassen hab, der sich noch nachweisen lassen sollte.

Darum als Bonus Track noch eins mit dem Zeug zum Lieblingslied: Elizabeth Cotten: Freight Train. Das Video ist nicht etwa spiegelverkehrt, sondern Frau Cotten spielt ungelogen linkshändig auf einer für Rechtshänder bespannten Gitarre; hier in einer Filmaufnahme von 1985, etwa 92-jährig. Ihren Freight Train will sie ungefähr zwölfjährig geschrieben haben, also gegen 1905. Auf Schallplatte debütierte sie 1957, ungefähr 65-jährig. Ihre autodidaktisch erfundene und zur Perfektion getriebene Zupftechnik hat sie 1987 mit ins Grab genommen.

Ich selbst bin nie weit auf Güterzügen gereist, hab aber beim Zugfahren von jeher Ohrwurm von Freight Train.

Written by Wolf

9. Juni 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Novecento

Nicht so übel scheint die Sonne

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Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland: Frühlingsglaube, 1812.

Bach-Kantate zum 1. Pfingsttag: Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten!, BWV 172, Pfingstsonntag, 20. Mai 1714, Schlosskapelle Weimar:

——— Ludwig Uhland:

8. Frühlingslied des Rezensenten

aus: Ausgabe letzter Hand: Gedichte. Wohlfeile Ausgabe, 8. Auflage, Cotta, Stuttgart 1861,
i. e. 42. Gesamtauflage der erstmals 1815 erschienenen Sammlung, Frühlingslieder:

Frühling ist’s, ich laß es gelten,
Und mich freut’s, ich muß gestehen,
Daß man kann spazieren gehen,
Ohne just sich zu erkälten.

Störche kommen an und Schwalben,
Nicht zu frühe, nicht zu frühe!
Blühe nur, mein Bäumchen, blühe!
Meinethalben, meinethalben!

Ja! ich fühl ein wenig Wonne,
Denn die Lerche singt erträglich,
Philomele nicht alltäglich,
Nicht so übel scheint die Sonne.

Daß es keinen überrasche,
Mich im grünen Feld zu sehen!
Nicht verschmäh ich auszugehen,
Kleistens Frühling in der Tasche.

Pentecost, Jean II Restout, 1732

Bild: Jean Restout II der Jüngere: Pfingsten, 1732, Öl af Leinwand, 465 x 778 cm, Louvre, Paris.

Bonus Track: Mayer Hawthorne: Your Easy Lovin‘ Ain’t Pleasin‘ Nothin‘ aus: A Strange Arrangement, 2009. Das ohne hohen Anspruch, aber mit guter Laune komponierte Unterhaltungsstück leichter Machart vermittelt ein angemessen pfingstliches, neudeutsch gesagt, Bacardi-Feeling. Zugegeben erscheint die Vollbildfunktion bei dem Videoclip in One-Shot-Technik besonders lohnenswertd:

Written by Wolf

2. Juni 2017 at 00:01

Veröffentlicht in Klassik, Land & See