Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for November 2013

was übrig blieb von grünem leben

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——— Stefan George: Nach der Lese
aus: Das Jahr der Seele,
Im Verlage der Blätter für die Kunst, Berlin 1897:

Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade

Haupteingang Leopoldpark

Dort nimm das tiefe gelb das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau
Die späten rosen welkten noch nicht ganz
Erlese küsse sie und flicht den kranz

Verwitterter Eingang Leopoldpark

Vergiss auch diese letzen astern nicht
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Nebeneingang Leopoldpark

Ihr rufe junger jahre die befahlen
Nach IHR zu suchen unter diesen zweigen
Ich muss vor euch die stirn verneinend neigen
Denn meine liebe schläft im land der strahlen

Die Bilder sind die drei Eingänge an der Friedrichstraße zum Leopoldpark (2,8 Hektar).

Written by Wolf

28. November 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Impressionismus, Land & See

Das Leben

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Ludwig Hirsch ist am 24. November 2011 gestorben.

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00.58 Uhr ab Nürnberg. Schwein gehabt, ich dachte, der letzte Zug wäre schon 23.35 durch. Der allerletzte ist zwar kein ICE, aber München keine Weltreise.

Ich bin erledigt. Soll das mein Job sein, Hausbesuche in ganz Bayern zu machen? Herrschaften, ich bin Texter, kein fliegender Bibelverkäufer! Aber das Werbeatelier zahlt ganz anständig. Nächster Halt Schwabach. O je, die leeren unterwegs die Briefkästen.

Treuchtlingen.

Ich döse.

Ich wache auf.

Immer noch Treuchtlingen.

Das Licht im Abteil ist aus. Ich schaue mich um. Alles finster. Und warum sitzt außer mir überhaupt kein Schwanz mehr drin?

In der Ferne glimmt der Bahnhof Treuchtlingen vor sich hin. Haben die Hallodris meinen Waggon auf ein Abstellgleis gezogen und versäumt, den letzten Fahrgast zu wecken. Die Türen haben sie auch zugerammelt. Ich drücke und schiebe und stemme an der Hydraulik, bis sich die Tür weit genug öffnet, dass ich mich durchquetschen kann. Als Andenken ein paar Streifen Wagenschmiere, ich verknackse mir beim Sprung in den Schotter leicht den Knöchel.

Leise fluchend stolpere ich auf dem Gleis Richtung Bahnhof. Sternenhimmel, alles still. Nicht einmal Wind rauscht. Es gibt Formen von Romantik, um die sich kein Mensch reißt.

Am Bahnsteig konsultiere ich eine Abfahrtstafel, die sie praktischerweise die ganze Nacht beleuchten. Tatsache: Der letzte Zug aus Nürnberg endet hier – werktags außer Samstag. Der erste Richtung München fährt 6.50 Uhr – an Sonn- und Feiertagen. Einmal mehr erhebt sich die Menschheitsfrage: Kann man in Treuchtlingen etwas anderes machen als umsteigen?

Treuchtlingen ist berühmt für seine maurische Basilika, den gotischen Invalidendom, eine postmoderne Autobahnkapelle oder was weiß ich, aber bestimmt nicht für sein pulsierendes Nachtleben. In Nürnberg hätte ich mich wenigstens mit einem freundlichen Berber gegenseitig bedauern können, dass keine Bratwurstbude mehr offen hat. Ich strebe in eine Richtung, die einen bebauten Euindruck macht, und versuche es positiv zu sehen: Es könnte regnen. Außerdem bin ich Schreiber und muss gelegentlich in Abgründe blicken dürfen.

Ein hübsches Städtchen. Alles geboten, was der Mensch braucht: Bäckereien, Cafés, Apotheken, Zahnarzt- und Fuß- und Nagelpflegepraxen, sogar ein paar Straßenlaternen. Und eine brave Einwohnerschaft, die sich an die Nachtruhe hält. Nur in einem Wohngebiet des traditionellen Arbeitermilieus steht tatsächlich ein kleiner Schwarzhaariger vor einem mehrstöckigen Backsteinbau und raucht eine Zigarette. Vielleicht Araber.

„Gott zum Gruß, Herr Nachbar“, sag ich.

„’kum salah“, lächelt er und nickt mir zu.

„Hat in der Gegend noch was offen?“ frage ich zaghaft.

Er lacht auf: „Ja, schaust du, hier!“ und weist in die offene Tür neben sich.

Es sieht nicht aus wie eine öffentliche Gaststätte, aber wie war das mit den Abgründen? Ich danke für die freundliche Einladung, er zeigt mir eine Reihe schimmernder Beißerchen unter seinem Schnurrbart.

Im Treppenhaus blättert ein Abstelltischchen, rostet ein Fahrrad, verrottet das Geländer. Graffiti an der Wand. Ich folge einem Stimmengewirr und südamerikanischer Tanzmusik, die aus dem zweiten Stock zu kommen scheinen. Es kommt aus dem vierten.

Die Tür steht offen, buntes Volk lehnt im Rahmen und die ganzen Korridorwände entlang. In allen Zimmern, die ich einsehe, stehen, sitzen und lümmeln Leute aller Farben, Formen und Nationen. Trinkend, rauchend, essend, in Gespräche versunken, einige in orientalischem Stil herausgeputzt, andere in Lumpen. Musik und Gelächter. Ein gesellschaftliches Ereignis.

Ich tue, als ob ich jemand Bestimmten suchte, und streife mir dabei in der Enge die Jacke ab. Niemand fragt, wer ich sei, alle sind höflich und machen mir Platz. Wunderschöne, glutäugige Frauen lächeln mich entwaffnend an.

Ich entdecke einen Kasten Bier und fische mir eine Flasche heraus. Jemand bietet mir von der Seite einen Flaschenöffner an, wir stoßen an. Das eisige Bier sackt mir ohne Umweg in die Beine.

Wo ich stehe, nehme ich Platz auf dem Bierkasten. Die Gruppe neben mir unterhält sich in einem sich selbst ständig neu erfindenden Gemisch aus Deutsch, Englisch und etwas Romanischem über Strömungen im europäischen Kinofilm.

Bei Gelegenheit frage ich eine hochgewachsene Adlernase mit Lucky-Luke-Tolle, die sich etwas geschlaucht an einem Cocktailglas festhält: „Was wird denn überhaupt gefeiert?“

Sofort richtet der Mensch sich auf, breitet die Arme samt Cocktailglas aus, ein Leuchten im Gesicht: „Des Leebm!“

Betont retroflexes L, sehr langes geschlossenes e in einem ohne Anstrengung dröhnenden Bass – eindeutig Österreicher. Die Antwort sagt mir zu, der Mensch auch. Ich verbrüdere mich mit ihm. Durch kurzes Umdrehen zieht er drei surreal schöne Damen hinzu. Wir „kaufen“ uns jedes noch ein Bier und feiern: das Leben.

Mir war nicht klar, dass ich so gut Portugiesisch und Griechisch kann, sogar einige Phrasen Hebräisch. Ich trinke Bier aus Treuchtlingen und knabbere Kekse, die nach Leder schmecken.

„Wie bringt ihr das eigentlich immer so souverän hin, von rechts nach links zu reden?“ frage ich die Hebräerin.

„Du brauchst österreichische Wurzeln“, sagt sie. „Ein halbes Jahrtausend Habsburgerherrschaft und ein Wiener Kongress, und du kannst gar nicht mehr vorwärts.“

„Galizien tut’s auch“, sagt die zweite. „Vor allem Galizien“, die dritte.

„Wenn irgendwas wirklich vorwärts geht“, sagt die Adlernase, „gibt’s kein Zurück. Wie bei einer chemischen Reaktion. Vor und wieder zurück, dafür brauchst du einen Abbau. Im Makro-Leben ist das halt schwer.“

Irgendwann steht ein kohlrabenschwarzer Krauskopf mit Anzug ohne Krawatte mitten im Raum und deklamiert Brecht. Bei der Stelle „Ja, mach nur einen Plan“ schießt zum letzten Mal in dieser Nacht meine Zugfahrt durch den Sinn. Wir lauschen. Und applaudieren. Danach stellt sich ein alternder Jude, der wie Leonard Bernstein aussieht, an die Stelle und kündigt an: Gedichte von Khalil Gibran. Niemanden wundert’s. Auf einer Matratze im Eck wälzen sich zwei kurzhaarige, nordisch aussehende Mädchen und üben Zungenküsse. Vor dem Klo hat sich eine Schlange gebildet. Sie erzählt sich Witze und feuert den jeweiligen Insassen an. Zwei Zimmer weiter hat jemand eine Bongo aufgetrieben, jemand anders greift sich zwei Suppenlöffel und klappert Synkopen dazu. Eine kleinformatige Montserrat Caballé reicht eine sehr dicke Zigarette herum, die süßlich duftet. Ich kann nicht nein sagen. Die Kekse schmecken immer noch scheiße, aber es macht nichts.

Ich bekomme Gedankenrasen und rede offenbar in brillanten Zungen, weil die Leute um mich herum sich stark begeistern und schließlich sogar um mich kreisen. Mein Karussell bremst, als mein Blick das Muster auf den Cowboystiefeln der österreichischen Adlernase einfängt. Ich angle nach meinem Notizbuch, um die Linien mitzuschreiben. Umsonst, es muss in der Jackentasche sein. Als letztes kriege ich mit: „Wer Diavolo hat wohl die Haschplätzchen so hundskrawottisch dezimiert?!“

Ludwig Hirsch, Komm großer schwarzer Vogel, 1979, LP-RückseiteGeweckt werde ich von Leonard Bernstein. Er tätschelt mir väterlich die Hand und hat ein Glas Orangensaft dabei. „Ist schon sechs Uhr fünfzig?“ schrecke ich hoch.

„Langgä vorrbaj“, redet Leonard mir gut zu, „langgä vorrbaj“. Ich nippe Orangensaft. Die wunderschön herausgeputzten Mädchen sind alle verschwunden.

Ich finde meine Jacke. Am Ärmel trocknen immer noch die Streifen Wagenschmiere, die Graffiti im Treppenhaus sind noch da. Unten vor der Tür steht der Araber und raucht.

„Und?“ grinst er, „war gut?“

Zur Antwort schlucke ich. Er lacht: „Sagen alle andere auch. Kommen gut nach Hause!“

Am Duft aus Bäckereien orientiere ich mich zurück zum Bahnhof, in den Cafés werkeln Abiturientinnen. Einmal schlage ich mich zum Pinkeln in einen offenen Garten. Irgendwann sagt ein Schild: „Bahnhofstraße“. Von weitem höre ich den Lautsprecher: „… fährt in wenigen Minuten ein: der ICE 1615 in Richtung München.“

Während am Bahnsteig der Zug an meiner Nase entlang donnert, treffe ich die Adlernase aus Österreich. Er erkennt mich.

„Sog“, sagt er in seinem samtigsten Bass, „host du grod auf dem Festl a CD vom Ludwig Hirsch mitgnomma?“

Ich beteuere, das CD-Klauen hätte ich mir schon vor zwanzig Jahren auf vielfachen Wunsch abgewöhnt.

„Dann nimmst die do“, zieht er die Komm, großer schwarzer Vogel aus der Manteltasche, drückt sie mir in die Hand und stiefelt davon, Richtung Speisewagen.

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Bild: Ludwig Hirsch: Komm, großer schwarzer Vogel, 1979 (LP) via Flohmarktheini.

Written by Wolf

24. November 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Novecento, Schall & Getöse

Kinderliebe updated

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Weil einem aber auch kein Mensch was sagt. Gut, dass ich wenigstens mit Suchbegriffen wie „fick mich brüderchen“ gefunden werde. So tun die Freunde des Inzestes mal was Sinnvolles: Mir wäre nicht mal nach fast einem Jahr aufgefallen, dass im Beitrag zu 200 Jahren Grimms Märchen Schlachtens immer noch zwei HTML-Fehler stecken. Die Geschichte mag ich eigentlich noch. Hoffentlich sind sie jetzt alle Fehler raus. Oder fällt dir noch einer auf, Schwesterchen?

Schaufenster Antiquariat Hauser, München, Schellingstraße 17

Fausts Geschwister: Antiquariat Hauser, München, Schellingstraße 17.
Ärzte: Geschwisterliebe live in der Alabama-Halle München, 12. Oktober 1987 (im Video ab 3:41).

Written by Wolf

19. November 2013 at 13:24

Veröffentlicht in ~ Weheklag ~

Die Tragik des Mannes

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Update zu Before Frühstück:

——— Heinrich Heine: Buch der Lieder — Junge Leiden — Lieder — VIII:

Anfangs wollt ich fast verzagen,
Und ich glaubt, ich trüg es nie;
Und ich hab es doch getragen –
Aber fragt mich nur nicht, wie?

Cover Nichts für zarte Seelen, ca. 1959

Das kennt man nun. Viel tiefer ins Vergessen versunken ist Will Höhne: Als Ersatz für den gealterten Hans Albers gedacht, dann in seinen Texten zu frech geworden, aus dem Radioprogramm des bayerischen Rundfunks getilgt (siehe auch: Falco: Jeanny; Scheibenwischer), den Lebensabend als Kellner in München gefristet; unterschiedliche Todesdaten in Wikipedia und Erinnerungen an die Sänger der fünfziger Jahre.

So einen Platz an der Sonne würde ich mir schön verbitten, wenn ich gar nicht mal so unlustige Lieder geschrieben hätte wie das vom Wüstensand, das wir bestimmt noch durchnehmen werden, oder Der Mann, der vor mir war. Ich bringe die erste, die Studioaufnahme 1958:

Das Plattencover fällt natürlich auf und erfreut durch LP-Format, in den CD-Zustand ist das Stück nie übergegangen. Auf Nichts für zarte Seelen ist eine angenehm jazzkellerige Live-Version von Der Mann, der vor mir war. Das Lied ist von 1958, die LP apokryph genug, um zu ihrer Bestellnummer (Marcato 73 953) nicht einmal eine Jahreszahl zu überliefern. Die Fotos vom real existierenden Vinyl weisen nur „Aufnahmen aus dem Electrola-Repertoire“ und die nötigen Copyright-Verbote aus. Sie muss aber ziemlich genau von 1959 sein, um noch unter die Fünfziger Jahre zu zählen und zugleich als dritte Aufnahme nach einer 1959 ausgewiesenen Version auf der EP Bei Will Höhne zu Gast im Pferdestall. Es war eine Zeit, die kannte noch Herrenabende.

Das Bild mit der Nackten ist erst innen, Seite 3 des Gatefolds. Rechts unten steht unkommentiert das Gedicht von Heine, einfach so. Aus heutiger Sicht ist das gestalterischer und marketingtechnischer Harakiri, aus meiner Sicht ist es anrührend.

Written by Wolf

16. November 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, Novecento

Jawohl!

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Jawohl, ich bin ein Schreiber!
Der Wirt gibt mir ein Freibier aus,
mich fährt ein fetter Bus nach Haus,
ich krieg die besten Weiber!

Jawohl, ich bin ein Dichter!,
lieb Moni, Maus und Melanie,
auf ihre Lippen küss ich sie
und nicht in die Gesichter!

Jawohl, ich bin ein Dichterfürst!
Ich geh den Mädels unverschämt
ins Höschen und ans Unterhemd,
dass, Leser, du ganz neidisch wirst!

Jawohl, ich bin ein Texter!
Der konzipiert ganz unerhört,
wuppt Excel, Photoshop und Word
und mit der Dinten kleckst er!

Jawohl, ich bin ein Rockpoet!
Verlegern bin ich schwierig.
Wo’s sein muss, kalkulier ich
scharf und zock, wo geht.

Ja, ich bin schon ein Himmelhund!,
komm jeden Tag zum Schusse
und unterm Tisch kniet meine Muse
und nuckelt mir den Pimmel wund.

Jawohl, ich bin ein Schreiber!
Der Wirt gibt mir ein Freibier aus,
mich fährt ein fetter Bus nach Haus,
ich krieg die besten Weiber!

Emillie Ferris, People should smile more, 12. Januar 2009

Moni, Maus und Melanie: Emillie Ferris: People Should Smile More, 12. Januar 2009.

Written by Wolf

11. November 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, ~ Weheklag ~

Grapefruit?

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I don’t mind if you don’t like my manners. I don’t like them myself. They’re pretty bad. I grieve over them long winter evenings.

Philip Marlowe

Lesen ist der Sex des armen Mannes. In unserer halbjährlich fortgesetzten Chronik des Verfalls werden wir uns daher schmerzlich bewusst, wie unvollständig man zwei der großen Momente der hard-boiled Detektivgeschichten auswendig kennt.

The Big Sleep von Raymond Chandler hieß als legendäres schwarz-gelbes Diogenes-Taschenbuch mit perfider Umschlagvignette von Tomi Ungerer Der große Schlaf und beeindruckte vierzehnjährige Buben, die sich nach der Karl-May-Phase nach etwas Erwachsenerem umschauten, durch zwei Besuche des zynischen coolen Knochens von Privatschnüffler in Buchhandlungen. Mit dem Wissen, was er dort suchte, konnte man nie Mädchen beeindrucken, weil Mädchen weder Raymond Chandler lesen noch die Verfilmungen mit Humphrey Bogart gucken, und wenn, dann strunzdooflangweilig finden.

Wenn man allerdings den Film kannte, der stark vom Buch abweichend Tote schlafen fest hieß, und der Samstagabends nach Rudi Carrell, den Lottozahlen und dem Wort zum Sonntag lief, wusste man, wie die Buchhändlerinnen aussahen, und auf einmal sollten echten Mädchen ruhig weiter die Schnulze aus La Boum zwitschern. Die erste Buchhändlerin, die schwarzhaarige Agnes, gespielt von einer gewissen Sonia Darrin, war noch nicht so toll, fachlich inkompetent, auf die falsche Art schnippisch und außerdem offensichtlich eine von den Bösen.

Die einen bei Sendeschluss in den frühen Sonntagmorgenstunden nicht schlafen ließ, war die zweite, hellere, auf die richtige Art kokette. Sie wurde gespielt von Dorothy Malone, geboren am 30. Januar 1925, in The Big Sleep also süße, seinerzeit gerade mal so volljährige 21, sollte sich 1957, elf Jahre nach The Big Sleep, als Marylee Hadley in Written on the Wind (nicht „in“ the Wind) den Oscar als beste weibliche Nebenrolle verdienen — und das Beste: lebt noch.

Dorothy Malone war der Beginn einer langen, tiefen, unausrottbaren Zuneigung zu Buchhändlerinnen, bestimmt nicht nur der meinigen. Ihre Figur der lieben, tollen, bildhübschen, blitzgescheiten und pornohaft zugänglichen Buchhändlerin bleibt mysteriöserweise namenlos.

Es gibt übrigens weder eine dritte Auflage Ben Hur von 1860 mit Druckfehler in Form einer doppelt gedruckten Zeile auf Seite 116 noch einen „Chevalier Audubon“, schon gar nicht von 1840. Dazu braucht man heute leider gar keine Buchhändlerin mehr.

Marlowe: Would you happen to have a Ben-Hur, 1860?

Agnes: A what?

Marlowe: I said, ‚Would you happen to have a Ben-Hur, 1860‘?

Agnes: Oh, a first edition?

Marlowe: No, no, no, no, no. The third. The third. The one with the erratum on page one-sixteen.

Agnes: I’m afraid not.

Marlowe: Uh, how about a Chevalier Audubon 1840 — a full set, of course?

Agnes: Not at the moment.

Marlowe: You do sell books? Hmm?

Agnes: What do those look like, grapefruit?

Marlowe: Well, from here, they look like books. Maybe I’d better see Mr. Geiger?

Clerk: Is there something I can do for you?

Marlowe: Would you do me a very small favor?

Clerk: I don’t know. It depends on the favor.

Marlowe: Do you know Geiger’s bookstore across the street?

Clerk: I think I may have passed it.

Marlowe: Do you know Geiger by sight?

Clerk: Well, I …

Marlowe: What does he look like?

Clerk: Wouldn’t it be easy enough to go across the street and ask to see him?

Marlowe: I’ve already done that … Do you know anything about rare books?

Clerk: You could try me.

Marlowe: Would you happen to have a Ben-Hur 1860, Third Edition with a duplicated line on page one-sixteen? Or a Chevalier Audubon 1840? [She searches her listings and bibliographies.]

Clerk: Nobody would. There isn’t one.

Marlowe: The girl in Geiger’s bookstore didn’t know that.

Clerk: Oh, I see. You begin to interest me — vaguely.

Marlowe: I’m a private dick on a case. Perhaps I’m asking too much, although it doesn’t seem too much to me somehow.

Clerk: Well, Geiger’s in his early forties, medium height, fattish, soft all over, Charlie Chan mustache, well-dressed, wears a black hat, affects a knowledge of antiques and hasn’t any, and, oh yes, I think his left eye is glass. [While describing Geiger, the Clerk openly ogles Marlowe as if to compare his body (favorably) with Geiger’s.]

Marlowe: You’d make a good cop.

Self mit Hut

Bild: Selber gemacht, Hut bezahlt;
Bookstore Scenes und Dialoge aus The Big Sleep, 1946, nach Filmsite.

Written by Wolf

6. November 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Novecento, Vier letzte Dinge: Tod

Der Kalauer des Monats

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Partiten:

Paar Titten:

Die besten Titten der Welt

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Die etwas rüpel-nerdigere, dafür eindeutigere Version mit der vollständigen Musik:

Partiten:

Paar Titten:

TitsDie Bilder stammen von Ralf, der auch die Kamera gestiftet hat, und aus dem frühen Internet, das aus Funny Forwards bestand.
Das Tiny Desk Concert wurde von Hilary Hahn am 21. Oktober 2011 im Büro von NPR Music gegeben: Die Bourrée aus der Partita 3 und Siciliana aus der Sonate 1 von Bach, mit dem Hut auf dann noch ein Medley von Charles Ives und irischen Traditionals. Eine auch sonst empfehlenswerte Reihe.

Written by Wolf

2. November 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Barock, Ehestand & Buhlschaft