Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Du hast mir mein Gerät verstellt und verschoben

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In unserer halbjährlich fortgesetzten Chronik des Verfalls hat Goethe als Stürmer und Dränger ein Gedicht verfasst, als Klassiker sinnstiftend verwendet und als Nachlassverwalter seiner selbst besprochen. Inhaltlich und biographisch ist deshalb die interessante Frage, was während des zweiten Aufenthalts in Rom geschah:

Eckermann, Montag, 6. April 1829:

„Ich kann das Gedicht nicht wieder loswerden,“ sagte ich, „es ist durchaus eigenartig und drückt die Unordnung so gut aus, die durch die Liebe in unser Leben gebracht wird.“

Dreimal von Goethe: An Cupido:

  1. Claudine von Villa Bella. Ein Singspiel, 1776, uraufgeführt 1795, Zweiter Aufzug;
  2. Italienische Reise, Zweiter Teil. Zweiter römischer Aufenthalt. Bericht. Rom, den 10. Januar [1788];
  3. Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens, Sonntag, den 5. April 1829.

Rugantino sich begleitend [in Claudine von Villa Bella; dort nur 3. Strophe]

Cupido, loser, eigensinniger Knabe!
Du batst mich um Quartier auf einige Stunden.
Wie viele Tag‘ und Nächte bist du geblieben!
Und bist nun herrisch und Meister im Hause geworden.

Von meinem breiten Lager bin ich vertrieben;
Nun sitz ich an der Erde, Nächte gequälet.
Dein Mutwill schüret Flamm‘ auf Flamme des Herdes,
Verbrennet den Vorrat des Winters und senget mich Armen.

Du hast mir mein Gerät verstellt und verschoben.
Ich such‘, und bin wie blind und irre geworden;
Du lärmst so ungeschickt; ich fürchte, das Seelchen
Entflieht, um dir zu entfliehn, und räumet die Hütte.

Du lärmst so ungeschickt

Lärmen höchst geschickt: The Muffs: Outer Space aus: Happy Birthday to Me, 1997.
Das war live viel schöner als auf dem Studioalbum: Da kommt Kim Shattucks Urschrei am Schluss viel besser, und wenn sie die Gitarre an den Verstärker lehnt, ergibt die Rückkopplung ein eigenes Fade-out, das bis nach ihrem Abtritt dauert: verstellt und verschoben. Und außerdem in seiner klassischen Stringenz und Schlichtheit eins meiner ewigen Lieblingslieder:

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Written by Wolf

6. Mai 2013 um 00:01

Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, Klassik

4 Antworten

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  1. Happy Birthday, Großer.
    Hihi… Chronik des Verfalls. Scheinst doch noch ganz gut beisammen – auch im Kopp.:o)

    hochhaushex

    6. Mai 2013 at 18:23

    • Hihi, danke. Der Kopp sieht nur so aus, wenn die Haare gewaschen sind .ò)

      Wolf

      7. Mai 2013 at 13:12

  2. Ein Kalender bringt dem Besitzer natürlich nur was, wenn dieser auch mal hinguckt… dabei ist der Geburtstagskalender in der Küche so schön!
    Bester Wolf! Drum einen Tag zu spät dennoch noch alles Gute zum Geburtstag! Hier gibt’s gerade mehr Grüffelo als Goethe, aber gereimt ist beides. Also beste Grüße aus dem literarischen Haushalt der Phrixus C.!

    phrixus

    7. Mai 2013 at 13:38

    • Hei, danke! Wenn man abseitige Goethiana mit Muffs-Liedern (hoffentlich) sinnvoll in Beziehung setzen kann, geht das bestimmt auch mit dem Grüffelo. Und der Kalender von dir ist sogar im Bild :o)

      Wolf

      7. Mai 2013 at 13:45


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