Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for the ‘Postironismus’ Category

You never no

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Update for Break in college sick bay and
Die deutsche Sirene vom Zwirbel im Rhein in die Bronx:

——— Josephine H.:

The city

in: Facebook, December 6th, 2018:

as you walk insid. so much
peopel. So much sowns. cars
driving along. fast or slo.
you never no. so much houses.
hi and lo.

The city, a poem by Josie. you never no, indeed, Constanze Cohu H., Facebook, December 6th, 2018

Image: Mama, December 6th, 2018.

Soundtrack: The Distillers: City of Angels, from: Sing Sing Death House, 2002:

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Written by Wolf

6. Dezember 2018 at 02:34

Veröffentlicht in Land & See, Postironismus

Das ehrbare Antiquariat

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Update zu Ludwig Tieck is coming home
und Unboxing Ludwig Tieck:

Redlichkeit gedeiht in jedem Stande.

Schiller: Wilhelm Tell, II/2, Stauffacher.

Mail an Antiquariat Dr. Wolfgang Rieger (Versandantiquariat, kein Ladengeschäft), in der Nacht auf Sonntag:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie bieten die dreibändige Ausgabe von Karl Philipp Moritz an. Ich habe noch Fragen zu Ausstattung und Zustand:

  • Sind alle drei Schutzumschläge vorhanden? Meines Wissens sind sie bei dieser Ausgabe weiß?
  • Ist der Schuber vorhanden?
  • Sind die Bände mit Lesebändchen ausgestattet?

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfgang Gräbel

Mail von Antiquariat Dr. Wolfgang Rieger, am heiligen Sonntagmittag:

Antiquariat Dr. Wolfgang Rieger, Moritz, Karl Philipp, Werke. Hrsg. von Horst Günther. Erster Band, Autobiographische und poetische Schriften. Zweiter Band, Reisen. Schriften zur Kunst und Mythologie. Dritter Band, Erfahrung, Sprache, Denken. Zweite Auflage, Antiquariat.deGuten Tag, Herr Gräbel,

besten Dank für Ihre Anfrage.

Alle drei Schutzumschläge sind vorhanden. Wenn Sie auf antiquariat.de suchen, können Sie auch ein Bild sehen, das bei booklooker aus mir unerfindlichen Gründen verschwunden ist.

Ein Schuber und Lesebändchen sind nicht vorhanden.

Wenn Sie an gediegenen Ausgaben interessiert sind, würde ich abraten, ich halte diese Ausgabe für eine billige MA-Variante.

Beste Grüße,
wolfgang rieger

Für die Telefonwischerchen unter uns: MA heißt in diesem Fall Modernes Antiquariat. Die richtige Fundstelle ist wohl:

Moritz, Karl Philipp: Werke. Hrsg. von Horst Günther, Frankfurt/M.:, Insel, 1993. Orig.-Leinenbände mit Schutzumschlag, „626, (1); 949; 831 S.“, sehr gutes Exemplar *** PREISREDUZIERT.

Daraus folgend: Mail an Antiquariat Dr. Wolfgang Rieger, am unheiligen Montagfrüh:

Guten Tag, Herr Dr. Rieger,

recht schönen Dank für die akkurate Auskunft und Ihre damit einhergehende Offenheit, was die Qualität der Ausgabe betrifft. Das ist nicht selbstverständlich. Das Bild dazu habe ich auf antiquariat.de gefunden.

Umso mehr tut es mir leid, dass es dann doch etwas gediegener als MA sein sollte, und ich mich für das nächstteurere Angebot entscheiden werde. Ich werde Sie aber empfehlen, wo immer ich nur kann :)

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfgang Gräbel

Hier kann ich: Kaufet beim Doktor Rieger in Freiburg im Breisgau! Der rät auch mal vom Geldrausschmeißen ab, wenn er glaubt, dass es nichts für euch ist. So eine Ehrbarkeit muss man erst mal finden. — : Antiquariat.de; Booklooker.

Doktor Riegers dreibändiger Moritz fürs Moderne Antiquariat muss übrigens textgleich mit den „offiziellen“ Auflagen sein und deshalb perfectly peachy keen für jeden, der zuverlässige Texte wünscht und nicht gleich wie ich eine — denkbar zickige und eher aussichtslose — Wertanlage. Mit meiner Zickerei hab ich ihn dem Schnellsten übrig gelassen.

Wenn mich nächste Woche wer sucht: vermutlich hinter dem Insel-Original mit Schuber von Bianka „Wilz“ Willaredt, Pfarramts-Sekretärin aus 79350 Sexau, die eine Chance verdient.

Bild: Antiquariat Dr. Wolfgang Rieger auf Antiquariat.de, ca. 18. Juni 2018.

Soundtrack: Reina del Cid: Library Girl, 2010, live am 6. August 2017:

I’ve gotten at least a dozen requests for a remake of this old song, „Library Girl,“ so here it is in all its acoustic glory! I can’t believe it’s been ten years since I filmed that DIY „music video“ for this song in my university’s library (and got kicked out in the process). If you want a laugh and to revisit it, here’s the link.

For this version, I had Toni join me with some lead guitar and eyeglasses. :)

Ach Gott, sie sind doch herzerfrischend; kann ja nicht jedes Mädchenduett First Aid Kit sein.

Written by Wolf

1. August 2018 at 00:01

Veröffentlicht in Handel & Wandel, Postironismus

Sich für Fluss entscheiden für ein Stück von dem Fluss

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Update zu Nachtstück 0009: Dieselben Finger:

Kathrin Bach, 24. September 2011Newsflash: Kathrin Bach, Buchhändlerin bei Buchhandlung Anakoluth Berlin, mit dem Gedicht der Woche im Signaturen-Magazin, Forum für Autonome Poesie, 5. Juli 2018, ist für den Lyrikpreis München 2018 nominiert und liest für die 1. Entscheidungsvorrunde am 20. Juli um 19.30 Uhr im Münchner Literaturbüro, München-Haidhausen, Milchstraße 4.

Weitere Nominierte — und deshalb dort Lesende! — alphabetisch:

2. Vorrunde: 28. September 2018 (Einreichfrist: 15. August 2018), Finale: im Oktober.

Man sieht sich doch?

——— Kathrin Bach:

Rinnsale

aus: Schwämme. Gedichte, parasitenpresse Band 037, Köln 2017; 14 Seiten. 6,00 Euro:

Kathrin Bach, Für den gefrorenen Frappé in uns. Schönen Sonntag., 8. Juli 2018Die Entscheidung nach rechts oder links zu schauen
sich für Schwäne entscheiden oder Häuschen Häuser Leerstand
ein See und wie viel Prozent von diesem See
die Bilder im Kopf vorbeiziehen sehen dein halber Kopf
sich für Wand entscheiden oder Fenster für Gardine auf oder zu
der Zug der die Landschaft teilt die Äcker von hier aus
sich links neben dich stellen
sich für deine linke Hand entscheiden
ein halbes Paket Mehl das sich in meiner Hand löst
sich in dieses Bett denken in deinen Kopf
mit deiner halben Zunge sprechen ihr Schlingern
dein halber Kopf dein eines Bein dein Arm
eine Linie die sich zu krümmen beginnt
sich für Fluss entscheiden für ein Stück von dem Fluss
für eine still gelegte Fläche die ich von allen Seiten betrachte
deine zwei Hälften unter der Decke
und der Punkt an dem sie zusammenführen

Bilder: Kathrin Bach: 24. September 2011;
Für den gefrorenen Frappé in uns. Schönen Sonntag., 8. Juli 2018.

Bach in München: Das Münchener Bach-Orchester unter Karl Richter
mit allen sechs Brandenburgischen Konzerten, vermutlich 1967:

Written by Wolf

9. Juli 2018 at 01:15

Veröffentlicht in Land & See, Postironismus

Der deutsche Sonderweg zur Hochkomik 1–10

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Update zu So herzerwärmend dreist:

——— Robert Gernhardt:

Zehn Thesen zum komischen Gedicht

Originalbeitrag für Robert Gernhardt und Klaus Cäsar Zehrer (Hrsg.):
Hell und Schnell. 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten,
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, März 2004,
vorab als Zur Heiterkeit bereit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Februar 2004:

  1. Es gibt ernste und komische Gedichte.

    Erika Easy Tcogoeva, Princess Plain, 20. November 2015Bertolt Brecht unterschied zwei Linien, welchen das deutsche Gedicht der Neuzeit folge, die pontifikale und die profane. Goethe sei der letzte Dichter gewesen, welcher noch beide Stränge in seinem Werk vereinigt habe; schon Hölderlin nehme die „völlig pontifikale“, bereits Heine ganz die profane Linie ein. Der Dichter Brecht deutet an, daß ihm die Zusammenführung beider Linien erneut gelinge; zumindest ist nicht zu bestreiten, daß er den hohen Ton ebenso beherrscht wie den kessen. Beileibe nicht alle Gedichte der profanen Linie sind komisch, doch liegt auf der Hand, daß kein — mit Absicht — komisches Gedicht der pontifikalen Linie zugerechnet werden kann.

  2. Das komische Gedicht zielt auf das Lachen ab.

    Weit älter als der von Brecht bemerkte Unterschied ist die Scheidung der Gedichte in solche, die von den Leiden und Freuden des einsamen Ich handeln, und solche, die es auf ein zuhörendes Du, wenn nicht sogar mitmachendes Wir abgesehen haben. Da es sich am besten in Gesellschaft lacht, ist unschwer zu erraten, welchem Strang das komische Gedicht angehört.

  3. Das komische Gedicht erschöpft sich nicht im Lachen.

    Anders als der Witz, der schnurstracks auf eine Pointe zumarschiert, deren Wirkung sich in einmaligem Gelächter entlädt, ist beim komischen Gedicht bereits der Weg das Ziel. Dieser Weg läßt sich auch dann nochmals mit Genuß zurücklegen, wenn der Leser oder Zuhörer weiß, worauf das Ganze hinausläuft. Um so aufmerksamer wird er sich den Schönheiten am Wegesrande zuwenden können.

  4. Das komische Gedicht braucht die Regel.

    Erika Easy Tcogoeva, Princess Plain, 8. August 2017Komik lebt von vorgegebenen Ordnungssystemen, ganz gleich, ob die außer Kraft gesetzt oder lachhaft penibel befolgt werden. Daher kann das komische Gedicht nur profitieren, wenn es von allen Regeln der Kunst tradierter Suggestionstechniken wie Reim und Metrum durchtränkt ist und wenn sein Dichter von allen bereits erprobten Drehs zur Herstellung komischer Wirkung weiß. Was er ererbt von seinen poetischen Vätern hat, sollte der Verfasser komischer Gedichte aus zweierlei Gründen erwerben. Um es zu besitzen und um es bei Bedarf getrost zu belachen.

  5. Das komische Gedicht bedarf der Inspiration.

    Ohne Überraschung keine Komik, weshalb ein allein nach tradierten Regeln verfertigtes komisches Gedicht einen Widerspruch in sich selbst darstellt. Gerade der Verfasser komischer Gedichte ist stets dazu angehalten, jene Frage ernst zu nehmen, dank deren Ernst Lubitsch seinen Filmen den Lubitsch touch verlieh: „Wie kann man es anders machen?“ Anders machen oder anders sehen: Manchmal genügt ein schlichter Blickwechsel, um Walten, Wähnen, Wesen und Worte in ein anderes, komisches Licht zu tauchen.

  6. Es gibt komische Gedichte, aber keine komischen Dichter.

    Alles Dichten, sofern es Reimen meint, ist schon deshalb nicht frei von Komik, da es mit Sprache spielt und den Sinn wie Wortlaut eines Gedichts einem herzlich sinnlosen — richtiger: sinnfreien — Selektionsprinzip unterwirft, dem, Worte mit gleichklingenden Bestandteilen zusammenzustellen. Dieser — zur Kenntlichkeit entstellten — Unsinnigkeit verdanken sich Kinderverse, Klosprüche und Kommerslieder ebenso wie die Klassiker der komischen Dichtung. Die freilich sind zugleich zutiefst den Klassikern hochernster Dichtung verpflichtet, da deren hoher Ton, ob gereimt oder ungereimt, erst jene Fallhöhe ermöglicht, die großes Wollen, große Werte und große Worte so richtig auf den Bauch fallen läßt. Auch gibt es keinen herausragenden Verfasser komischer Gedichte, der sich ein Leben lang ins Gatter des komischen Gedichts hätte einsperren lassen: Heine, Busch, Morgenstern sowie die weiteren üblichen Verdächtigen haben auch Gedichte ernster Art und Machart geschrieben.

  7. Das komische Gedicht ist zeitverfallen.

    Erika Easy Tcogoeva, Princess Plain, 20. November 2015Komische Gedichte wurden zu allen Zeiten verfertigt, ohne daß wir Heutigen sie durch die Bank belachen könnten. Wenn Lachanlässe in Vergessenheit geraten, wenn zeitbedingte religiöse, gesellschaftliche und politische Grenzziehungen und Tabus nicht mehr als bedrückend und verpflichtend empfunden werden, dann kann deren punktuelle Aufhebung kein befreites Gelächter zur Folge haben. Auch ist nicht zu übersehen, daß das komische Gedicht im Laufe der letzten Jahrhunderte deutlich heller und schneller geworden ist — darin der komischen Prosa vergleichbar, deren bräsiger „Schwank“ im Laufe der Jahrhunderte zum raschen „Witz“ mutierte.

  8. Das komische Gedicht ist haltbar.

    Zumindest gilt dies für deutschsprachige komische Gedichte seit der Aufklärung, und das ist kein Zufall. Die meisten Verfasser komischer Gedichte waren und sind ernsthaft darum bemüht, lachend die Wahrheit zu sagen: „Es gibt zwei Sorten Ratten, / die hungrigen und satten“, „Enthaltsamkeit ist das Vergnügen / an Dingen, welche wir nicht kriegen“, „Weil, so schließt er messerscharf, / nicht sein kann, was nicht sein darf“, „Es gibt nichts Gutes / außer: Man tut es“. Seit Gellert und Lessing haben deutschsprachige Dichter nicht aufgehört, aus der Tatsache der gebrechlichen Einrichtung der Welt kein Drama zu machen, sondern handfeste komische Gedichte, und die Leserschaft hat es den Verfassern dadurch gedankt, daß sie deren profane Pointen weit häufiger im Munde führt und von Generation zu Generation weiterträgt als die pontifikalen Worte der Dichter-Priester. Wir zitieren Heinrich Heine und nicht Ernst Moritz Arndt, Wilhelm Busch und nicht Emanuel Geibel, Christian Morgenstern und nicht Stefan George, Erich Kästner und nicht Theodor Däubler.

  9. Das komische Gedicht ist der Königsweg zum Lachen.

    Obwohl der Mensch gerne lacht, fällt es ihm, auf sich gestellt, schwer, zum Lachen zu finden. Also muß er zum Lachen gebracht werden, und dabei haben sich kurze Mitteilungsformen als besonders effektive Transportmittel erwiesen: Fabel, Anekdote, Witz. Sie alle aber übertrifft das Gedicht. Rascher und umstandsloser als jeder Witz vermag es der Zweizeiler, einen nach Auflösung drängenden befremdlichen Sachverhalt aufzubauen, ja aufzustauen: „Die schärfsten Kritiker der Elche“ — Wieso Kritiker? Weshalb Elche? — „waren früher selber welche“ — Ach so! Deshalb!

    Das Lachen sei „ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in Nichts“, lehrt Kant. Nichts nichtiger, ergo: erfreulicher, als daß der Dichter die befremdlichen Elche „um des Reimes willen“ evoziert und abserviert hat. „In der Kürze liegt die Würze“, weiß der Volksmund, und „Jedem Tierchen sein Plaisierchen“: Nicht alle Vierbeiner kommen so rasch zum Punkt wie obengenannte Elche. Doch auch wenn ein Kleinräuber aus der Familie der Marder sich ein wenig Ruhe gönnt und sich Zeit nimmt — „Ein Wiesel / saß auf einem Kiesel / inmitten Bachgeriesel“ —, muß der Lachlustige nicht lange auf die Erklärung des Warum warten: „Das raffinier- / te Tier / tat’s um des“ siehe oben, und der düpier-te Mensch ist mal wieder auf die schnelle zum Lachen gebracht worden.

  10. Der deutsche Sonderweg zur Hochkomik

    Erika Easy Tcogoeva, Princess Plain, 8. August 2017Das komische Gedicht markiert einen deutschen Sonderweg zur Hochkomik. Die Deutschen gelten im In- und Ausland als humorlos, was gerne damit begründet wird, daß ihnen ein großer Lustspieldichter vom Schlage eines Shakespeare ebenso fehle wie ein großer komischer Roman vom Range des „Don Quichotte“. Nun könnte ein Zweifler die Frage stellen, ob es denn so ausgemacht sei, daß die naturgemäß durch Helligkeit und Schnelligkeit wirkende Komik in langen und breiten Zusammenhängen besonders gut aufgehoben ist. Nicht eher in Kurzformen?

    Ein Kundiger aber könnte darauf verweisen, daß sich eine seit Lessings Tagen nicht abgerissene Kette komischer Gedichte durch die deutschsprachige Hochliteratur zieht, welche in dieser Dichte und Qualität in keiner anderen kontinentaleuropäischen Nationalliteratur zu finden ist.

    Jeder Generation des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts erwuchs hierzulande ein Dichter, dessen komische Kraft ihn dazu drängte, die sich ständig erneuernden Anlässe zum Belachen und Verlachen aus neuen Blickwinkeln zu erfassen und mit neuen Redeweisen festzuhalten. Heine, Busch, Morgenstern, Ringelnatz, Tucholsky, Brecht, Jandl — jeder aus diesem Siebengestirn ist ein Stern erster Ordnung und zugleich ein Original. Bei jedem ergäbe eine Spektralanalyse seiner Aura ganz unterschiedliche U- und E-Wellen-Anteile, und doch bilden alle zusammen eine Plejade, deren Helligkeit — verstärkt durch eine Vielzahl von weiteren Komik-Sternen unterschiedlicher Größe — bei Licht betrachtet zweierlei bewirken müßte: den düsteren Vorwurf fehlender deutscher epischer oder dramatischer Hochkomik zu überstrahlen und das finstere Bild vom humorlosen, ja zum Humor unfähigen Deutschen in den Herzen aller rechtlich Denkenden für alle Zeiten aufzuhellen.

    Bilder: Erika „Easy“ Tcogoeva: Princess Plain, 20. November 2015 und 8. August 2017.

    Written by Wolf

    4. November 2017 at 00:01

    Nachtstück 0010: Dieses Zucken im Zwerchfell

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    ——— Juli Zeh:

    Griffe und Schritte

    in: Adler und Engel, 2001:

    Auf der Autobahn dreht sie das Radio an und wippt den Kopf im Takt. Im Dunkeln sehe ich, dass sie lächelt.

    Das Leben ist merkwürdig, flüstert sie, es besteht eigentlich nur aus Griffen und Schritten. Ein paar wenige davon und schon ist alles anders.

    Ich spüre es wieder, dieses Zucken im Zwerchfell.

    Juli Zeh, Griffe und Schritte, Adler und Engel, 2001

    Soundtrack: The Byrds: Wasn’t Born to Follow, aus: The Notorious Byrd Brothers, 1968:

    Written by Wolf

    1. September 2017 at 00:01

    Veröffentlicht in Land & See, Postironismus

    Münchner Sommerhaiku

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    Update zu Japanischer Frühling (Hammer):

    Im Teer festgedrückt
    ein Löwenbräu-Kronkorken:
    nix Route 66.

    Megan Lynn W., Waiting in the Rubble, San Diego, April 16th, 2014

    Bild: Megan Lynn W.: Waiting in the Rubble, San Diego, April 16th, 2014 (mit detailreicher Ansicht):

    I did this photo as a sort of homage to all the people that work really hard with no reward — waiting for something good to happen. Interns, people looking for jobs, or people generally just down on their luck. A lot of the time we have to be in really bad situations for a really long time in order for something good to happen. I know I’ve had firsthand experience with this, and a few people close to me have as well.

    I did the formatting similarly to that of Rachel Baran’s partly because I love her work, but mostly because I wanted the „road closed“ and not wanted sings to be of less importance. It’s not really about why or what is blocking the way, but how you handle it. *breaks into song* ITSSS THE CLIIIMB

    There’s my schpeel.

    Soundtrack: Miley Cyrus: The Climb, aus: Hannah Montana: The Movie Soundtrack, 2009:

    Written by Wolf

    21. Juli 2017 at 00:01

    Veröffentlicht in Herrschaft & Revolte, Postironismus

    Die Litaneien des Körpers

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    Zeit für uns.

    Faces of Bliss, 2016

    ——— Anna Real:

    Das tristere Tier

    Erstveröffentlichung in: Steffen Jacobs (Hg.): Liederlich! Die lüsterne Lyrik der Deutschen,
    Eichborn Berlin, 2008:

    Die Erde stellt sich ein bißchen schräger.
    Die Sonne scheint auf mein Bett.
    Die ganze Nacht war es waagrecht, integer.
    Wir haben’s versaut. Wir waren nicht nett.
    Was haben wir ihm in die Kissen gestöhnt,
    vereint uns, entzweit und gleich wieder versöhnt,
    gesuhlt uns, geaalt und herumtrompetet,
    was weich ist, immer noch weicher geknetet,
    die Litaneien des Körpers rauf und runter gesungen,
    was hart bleiben soll ohne Stahlbad gestählt.
    Die siebenbürgische Arbeitsteilung:
    gebissen hab ich
    und du hast
    gepfählt.

    Das Bett wär‘ am liebsten schamrot lackiert.
    Für das Tier mit zwei Rücken sei es nicht konstruiert.
    Dabei kommt’s aus Schweden, heißt wie eine Schäre,
    hat den Elchtest bestanden und die ungefähre
    Tragkraft von plusminus von dir und mir.
    Die Laken verzwirbelt, anstatt glatt gebügelt,
    und auch die Kissen getalt und gehügelt,
    eine Winzigkeit übers Parkett verschoben,
    durch unser kleines, gepflegtes Toben.
    Tief drinnen noch warm und feucht in den Falten,
    hängt’s jetzt halt ein bisserl durch.
    Muss erkalten.
    Wie wir.

    Für V. mit den schamrot lackierten Low-Highlights.

    Faces of Bliss, 2016

    Bilder: Faces of Bliss, 2016;
    Soundtrack: immer wieder Placebo: Every You Every Me aus: Without You I’m Nothing, 1999:

    Written by Wolf

    26. Dezember 2016 at 00:01

    Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, Postironismus