Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for the ‘Weisheit & Sophisterei’ Category

Flucht aus der gebornen Ruine

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Update zu Über den Kirchplatz mit Lancelot: Die namenlosen Religionen zu Coburg
und Wunder im Gehirn. Vier Bier und ein Buch de cerevisiis:

Frank Piontek, Literaturportal Bayern

Verschollene Bücher gibt’s fast so viele wie Bücher, die überhaupt nicht geschrieben wurden. Dergleichen zu rekonstruieren, bleibt naturgemäß meistens Spekulation. Wie ich das überblicke, sammeln Englischsprachige viel fleißiger ihre Bücher, die es gar nicht gibt; jedenfalls ist die Wikipedia-Liste mit Lost works ein Vielfaches länger als die mit verschollenen Büchern. Im Idealfall läuft es wie bei Isle of the Cross von Herman Melville, das lange vor 2007 schon einmal von von dem engagierten Laien Stephen Scott Norsworthy in seinen Melvilliana als Umarbeitung zu Norfolk Isle and the Chola Widow, der Sketch Eighth aus The Encantadas verortet wurde: A Note on „Isle of the Cross“. Am 28. April 2018 bleibt Allison McNearney mit Bezug auf die Melville-Biographie von Hershel Parker, immerhin schon von 2012, in ihrer Verwunderung stecken, aber das immerhin dem breiten interessierten Publikum des Daily Beast gegenüber: Whatever Happened to the Book Herman Melville Wrote After ‚Moby-Dick‘? Von der Library of the Dreaming aus den Sandman-Comics — „a collection of every book that has ever been imagined–even if that book was never published or even written“, der mein Alter Ego Lucien vorsteht — fangen wir vorsichtshalber an dieser Stelle nicht an, sonst sind wir bis auf weiteres beschäftigt.

Frank Piontek, Literaturportal BayernDas Bewusstsein für verschollene Werke der Deutschsprachigen, die offenbar nicht vermissen, was sie sowieso nicht haben, beschränkt sich meist auf die gleich zwei Brände der Bibliothek von Alexandria, von denen keiner stattgefunden hat, und das halbherzige Bedauern darüber, dass hin und wieder ein umnachteter Schreiberling — wahrscheinlich aus Gründen — seine Tagebücher verbrennt; nur dass Adolf Hitler von seinem Plan zu einer Oper „Dietrich von Bern“ Wagnerianischen Stils, die wohl nicht flächendeckend herbeigeseht wird und in den unteren Schichten von Luciens Beständen im Dreaming schlummern müsste, dann doch noch abgerückt ist, mag rein vom Hitlerschen Zeitbudget her ein Unglück für die ganze Welt bedeuten.

Umso erfreulicher ist es, von einem still vor sich hin glimmenden Gelehrtenstreit darüber zu hören, dass die zwei ersten Bücher von Jean Paul — Die unsichtbare Loge bei Karl Matzdorff, Berlin 1793 und Hesperus oder 54 Hundposttage, wieder bei Karl Matzdorff, Berlin 1795, erweitert 1798, 3. Auflage 1819 — möglicherweise ein und dasselbe Buch sind.

Nun ist Jean Paul die unsichtbare Loge, ein ursprünglich dreibändig geplantes, heute etwa 500-seitiges Fragment, für das er noch bis zur letzten Auflage zu eigenen Lebzeiten 1825 den dritten Band als Abschluss ankündigte, nicht unversehens aus der Schreibtischplatte gewachsen; die notdürftig angeklebte Dreingabe des Schulmeisterlein Wutz zählt nicht. Vielmehr war der seinerzeit Dreißgjährige mit zwei Satirensammlungen Auswahl aus des Teufels Papieren von 1789 und Grönländische Prozesse von 1793 f. schon ein veröffentlichter Autor (und mit der Briefromanschnulze Abelard und Heloise von 1781 ein unveröffentlichter). Die Zählung der unsichtbaren Loge als Erstling hat sich spätestens seit 1959 verfestigt, will sagen: seit der nächst der historisch-kritischen ab 1927 größten und besten realistisch erreichbaren Gesamtausgabe von Norbert Miller und Walter Höllerer bei Hanser, weil die alles vor der unsichtbaren Loge zwar chronologisch, aber erst in einer zweiten Abteilung „Jugendwerke“ ab dem 7. Band bringt. Man kann das als willkürlich bemängeln oder gleich mir im Gebrauch der Zusammenstellungen recht handlich finden.

Gleich mit derselben Hanser-Ausgabe hat Walter Höllerer in seinem Nachwort zu Band 1, der die unsichtbare Loge und den Hesperus versammelt, den Gelehrtenstreit angezettelt. Zitiert wird Norbert Miller (Hrsg.): Jean Paul: Die unsichtbare Loge. Eine Lebensbeschreibung. Mumien. in: Jean Paul: Sämtliche Werke. Abteilung I. Erster Band, Seite 7–469. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt. Lizenzausgabe 2000, Copyright Carl Hanser München Wien 1960, 5., korrigierte Auflage 1989, 1359 Seiten, mit einem Nachwort von Walter Höllerer (Seite 1313–1338), darin der Anfang Abschnitt II, Seite 1319:

Frank Piontek, Literaturportal Bayern

Den Roman ‚Die unsichtbare Loge‘ bezeichnet Jean Paul 1825 in seiner „Entschuldigung bei den Lesern der sämtlichen Werke in Beziehung auf die unsichtbare Loge“ als eine „geborne Ruine“. In seiner Vorrede zur zweiten Auflage, 1821, versprach Jean Paul noch eine Beendigung des Fragments: Der Titel „soll etwas aussprechen, was sich auf eine verborgene Gesellschaft bezieht, die aber freilich so lange im Verborgenen bleibt, bis ich den dritten oder Schlußband an den Tag oder in die Welt bringe“. — Aus dieser versprochenen Fortsetzung wird nichts, und das das ist verständlich. Jean Paul brach seinen ersten Roman ab, um ihn, mit ähnlichem Vorwurf, aber mit neuen Aufbauplänen, mit schärferen Umrissen für die höfische Welt und die revolutionären Tendenzen und mit verbesserten stilistischen Mitteln noch einmal zu schreiben: in der Gestalt des ‚Hesperus‘! Ob er sich selber über diesen in der Literaturgeschichte einmaligen Vorgang ganz klar war, bleibt dahingestellt. Jedenfalls bewegten ihn Überlegungen in ähnlicher Richtung, als er in einem Begleitbrief zur ersten Niederschrift der ‚Unsichtbaren Loge‘ an Otto schreibt: „Übrigens ist dieses Pak ein corpus vile, an dem ich das Romanenmachen lernte; ich habe jetzt etwas besseres im Kopfe!“

Das geschieht merklich so beiläufig, dass es ein Versehen sein kann, zumal Höllerer mit Absicht wohl nicht ausgerechnet in einer abschließend gemeinten Gesamtausgabe einen Gelehrtenstreit aufgebracht hätte. Die gar nicht genug zu lobende Jean-Paul-Biographie von Günter de Bruyn Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter ist zuerst 1975 erschienen — zu Halle an der Saale, also DDR-Ware. Zumindest in der Überarbeitung für Fischer ab 1991 stützt sich de Bruyn außer auf die historisch-kritische auch auf die Hanser-Ausgabe, kennt also sehr wahrscheinlich Höllerers Nachwort. Falls nicht, kommt er jedenfalls auf die gleiche Idee, um sie höchst einfühlsam auszubreiten — nachstehend zitiert mit dem Eingriff noch einmal abgesetzter Primärzitate:

Frank Piontek, Literaturportal Bayern

——— Günter de Bruyn:

17. Revolution und Schlafmütze

aus: Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter. Eine Biographie,
Mitteldeutscher Verlag, Halle an der Saale, 1975,
Fischer Taschenbuch Verlag, 1991, 7. Auflage Dezember 2011, Seite 117 bis 119:

Auch das Fragmentarische des Romans scheint programmatisch. Sechs Romane wird er in seinem Leben schreiben, drei davon werden unvollendet bleiben. Als vom ersten, kurz vor Jean Pauls Tod, eine zweite Auflage gemacht wird, entschuldigt er sich beim Leser für diese „geborene Ruine“ mit Argumenten, die nur jemandem einfallen können, der ganz auf Realismus und Gegenwart eingeschworen ist und dem die Fabeln seiner Romane wenig bedeuten:

Wenn man nun fragt, warum ein Werk nicht vollendet worden, so ist es noch gut, wenn man nun nicht fragt, warum es angefangen. Welches Leben in der Welt sehen wir denn nicht unterbrochen? Und wenn wir uns beklagen, daß ein unvollendet gebliebener Roman uns gar nicht berichtet, was aus Kunzens zweiter Liebschaft und Elsens Verzweiflung darüber geworden, und wie sich Hans aus den Klauen des Landrichters und Faust aus den Klauen des Mephistopheles gerettet hat — so tröste man sich damit, daß der Mensch rundherum in seiner Gegenwart nichts sieht als Knoten, — und erst hinter seinem Grabe liegen die Auflösungen; — und die Weltgeschichte ist ihm ein unvollendeter Roman.

Nun sind bekanntlich Literatutheorien von Literaten meist nichts als Versuche, das, was man kann, als das auszugeben, was man will, und insofern vom Biographen zwar ernst, aber nicht als Wahrheit zu nehmen, was für die „Unsichtbare Loge“ bedeutet: Sie bleibt nicht unvollendet, weil Leben und Weltgeschichte es bleiben, sondern weil der Autor aus seinem ersten Roman in den zweiten, ähnlichen, flieht. Vielleicht kann er die Unzahl der Fäden, an die er die Lebensgeschichte seines Helden knüpfte, selbst nicht mehr entwirren, vielleicht erkennt er, daß die geplante Weiterführung seine Kräfte übersteigt. Gustav, der Hauptheld, sitzt im Gefängnis; er ist der Mitgliedschaft in der geheimnisvollen Loge angeklagt, von der der Leser nicht viel weiß. Durch die Welt, die Jean Paul kennt (die des kleinformatigen Fürstentums) und ein wenig darüber hinaus (die des Hofes), hat er den Leser geführt; die Erlebnisse, die er hatte (Freundschaft, die mit Tod endet, Liebe, Eifersucht, Unterdrückung, Unrecht, Naturschwärmerei), hat er ihn nacherleben lassen — jetzt merkt der Autor, wie er es besser machen kann. Statt eines schlechten Schlusses gibt er keinen, aber er gibt nicht auf: Er beginnt von vorn, versucht es noch einmal.

Im Februar 1792 schickt er, aus Schwarzenbach, dem Freund Christian Otto in Hof das Manuskript:

Endlich ist nach einem Jahr die konvulsivische Geburtszeit meines Romans vorbei … Wie ein Vieh hab ich dies Woche geschrieben — der Appetit ist längst fort, — je näher man dem Ende kömmt, desto krampfhafter schreibt man.

Kein Wort darüber, daß das Ende keins ist, daß Gustav ewig im Gefängnis schmachten muß. Statt dessen, im gleichen Brief, die Bemerkung, daß er an diesem Buch

das Romanmachen lernte: ich habe jetzt etwas bessers im Kopfe.

Den „Hesperus“ nämlich, der einen Schluß haben wird, wenn auch einen wie in Hast hingeschriebenen.

Aber da hat er schon zum drittenmal ausgeholt, noch weiter, noch größer und großartiger, zum „Titan„, und diesmal gelingt es.

Das Beste an diesem Erkenntnisgewinn ist die beruhigende Einsicht, dass man sich fortan nicht weiter zu genieren braucht, wenn man sich im Gang der Handlung der unsichtbaren Loge verheddert, um erst ganze Stunden lang immer wieder nur den einen Absatz zu lesen, ohne ein Wort zu verstehen, und dann gedemütigt das Buch „zu den anderen“ zu legen: Wenn selbst der eine, der es geschrieben hat, noch nach mehreren hundert Seiten entsetzt vor all der Wirrsal flieht, kann das keine Schande sein.

Frank Piontek, Literaturportal Bayern

Bilder: Stechbahn und Zimmerstraße in Berlin via Frank Piontek: Letzter Anhang. Schluss des Schlusses: Matzdorff oder Der Verleger, Literaturportal Bayern, 22. Dezember 2004;
Buch & Bier via derselbe: Heimstätten. Joditziana IV, Literaturportal Bayern, 26. Juni 2013.

Frank Piontek, Literaturportal Bayern

Soundtrack sei am Ende einer nicht mehr als zweigliedrigen Assoziationskette das Video, das zweimal gedreht werden musste: einmal 1998 von Anton Corbijn, einmal 1999 von James & Alex — das eine Mal nichtssagender als das andere, aber das Lied selbst muss ein Engel versprüht haben; deshalb hier mit dem dritten und inoffiziellen, aber einzigen Video, das etwas taugt: einer Fan-Arbeit, 2009 von Harriet Bennett im Stil von Watership Down:
Mercury Rev: Goddess on a Hiway aus: Deserter’s Songs, 1998:

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Written by Wolf

1. Juni 2018 at 00:01

Veröffentlicht in Klassik, Weisheit & Sophisterei

Pflanzenähnlichkeit der Weiber: Novalis und die Frau als Königin, Mineral und Nahrungsmittel

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Update zu Ach! wie ists erhebend sich zu freuen
und Busenalmanach:

Im kollektiven Bewusstsein lebt Novalis als Erfinder der Blauen Blume fort und als Jurist, der nichts mit Zahlen und Figuren anfangen konnte, also mit seinem von Franz Gareis verewigten 27-jährigen Jünglingsgesicht eher harmlos.

Stutzig hätte man längst werden müssen, noch bevor er leichtfertig als Erfinder der Romantik ausgerufen wurde. Das, was Romantik vor dem zielführenden Ambiente aus Teelichtern auf dem Badewannenrand, höhenlastiger Geigenmusik und „was Leckeres kochen“ heißen sollte, hat nicht Novalis definiert, sondern Fichte, Hegel, Kant und Schelling. Novalis wollte — ich vereinfache stark — den Idealismus handlicher und konkreter haben:

Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts, als eine qualitative Potenzierung. Das niedre Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. So wie wir selbst eine solche qualitative Potenzenreihe sind. Diese Operation ist noch ganz unbekannt. Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es – Umgekehrt ist die Operation für das Höhere, Unbekannte, Mystische, Unendliche – dies wird durch diese Verknüpfung logarithmisiert – es bekommt einen geläufigen Ausdruck. Romantische Philosophie. Lingua romana. Wechselerhöhung und Erniedrigung.

Fragmente und Studien 1797/1798.

Romantik also nicht als philosophische Richtung, sondern als erstrebenswerte „Operation“ der Universalpoesie, Grenzüberschreitung und Bewusstseinserweiterung. Nun sind rote Rosen keine blauen Blumen, ebensowenig wie die erwähnten Teelichter, Klassik-Playlists und Tiefkühlpizzen, und der Frühromantiker Novalis hätte mithin nichts daran erfunden, sondern allenfalls frühzeitig missbraucht. In den so unverständlich wie möglich gehaltenen Hymnen an die Nacht gab er vollends den Tod als das eigentlich „romantisierende Prinzip des Lebens“ aus — handlich und konkret: den Tod seiner ersten Verlobten, siehe unten. Und dann das:

——— Novalis:

Allgemeines Brouillon

Materialien zur Enzyklopädistik, 1798/99:

NaturLehre. Je lebhafter das zu Fressende widersteht, desto lebhafter wird die Flamme des Genußmoments seyn. Anwendung aufs Oxigène. /Nothzucht ist der stärkste Genuß./ Das Weib ist unser Oxigène –./

Elihu Vedder, Soul in Bondage, via Lou Margi, 30. März 2017Religionsgeschichte. Vorstellung der Gottheit, als eines Verzehrenden und befruchtenden Wesens. Guyon. Nonnen. Bey Mönchen hat Onanie und Paederastie daraus entstehen müssen.

Physik. Das Leben der Pflanzen ist gegen das Leben der Thiere gehalten – ein unaufhörliches Empfangen und Gebären – und lezteres gegen dieses – ein unaufhörliches Essen und Befruchten.

Wie das Weib das höchste sichtbare Nahrungsmittel ist, das den Übergang vom Körper zur Seele macht – So sind auch die Geschlechtstheile die höchsten, äußern Organe, die den Übergang von sichtbaren und unsichtbaren Organen machen.

Der Blick – (die Rede) – die Händeberührungder Kußdie Busenberührungder Grif an die Geschlechtstheile – der Act der Umarmung – dis sind die Staffeln der Leiter – auf der die Seele heruntersteigt – dieser entgegengesezt ist eine Leiter – auf der der Körper heraufsteigt – bis zur Umarmung. WitterungBeschnüffelungAct. Vorbereitung der Seele und des Körpers zur Erwachung des Geschlechtstriebes.

Seele und Körper berühren sich im Act. – chemisch – oder galvanisch – oder electrisch – oder feurig – Die Seele ißt den Körper (und verdaut ihn?) instantant – der Körper empfängt die Seele – (und gebiert sie?) instantant.

MenschenLehre. Ein Mensch kann alles dadurch adeln (seiner würdig machen), daß er es will.

MenschenLehre. Ewige Jungfrau ist nichts, als ewiges, weibliches Kind. Was entspricht der Jungfrau bey uns Männern. Ein Mädchen, die nicht mehr wahrhaftes Kind ist, ist nicht mehr Jungfrau. (Nicht alle Kinder sind Kinder).

Weiter chronologisch nach Werke, Tagebücher und Briefe Friedrich von Hardenbergs in 3 Bänden, alles aus dem 2. Band mit dem philosophisch-theoretischen Werk, hg. Hans-Joachim Mähl und Richard Samuel:

Im Manne ist Vernunft, im Weibe Gefühl /beydes positiv/ das Tonangebende. Die Moralität des Weibes ist im Gefühl — wie die des Mannes, in der Vernunft gegründet.

Über die verschiedene Art der Unterhaltungen beyder Geschlechter.

/Der Mann darf das Sinnliche in vernünftiger Form, die Frau das Vernünftige in sinnlicher Form begehren./

Das Beywesen des Mannes ist das Hauptwesen der Frau.

Fichte-Studien, 6. Handschriftengruppe, 1796.

Träume der Zukunft — ist ein tausendjähriges Reich möglich — werden einst alle Laster exuliren? Wenn die Erziehung zur Vernunft vollendet seyn wird.

Fichte-Studien, 6. Handschriftengruppe, 1796.

Lilith in Rope, DomWithLens, Cosmic Tie, 20. Januar 2016Jede gebildete Frau und jede sorgfältige Mutter sollte das Bild der Königin, in ihrem oder ihrer Töchter Wohnzimmer haben. Welche schöne kräftige Erinnerung an das Urbild, das jede zu erreichen sich vorgesetzt hätte. Ähnlichkeit mit der Königin würde der Karakterzug der Neupreußischen Frauen, ihr Nationalzug. Ein liebenswürdiges Wesen unter tausendfachen Gestalten. Mit jeder Trauung ließe sich leicht eine bedeutungsvolle Huldigungszeremonie der Königin einführen; und so sollte man mit dem König und der Königin das gewöhnliche Leben veredeln, wie sonst die Alten es mit ihren Göttern thaten. Dort entstand ächte Religiosität durch diese unaufhörliche Mischung der Götterwelt in das Leben. So könnte hier durch diese beständige Verwebung des königlichen Paars in das häusliche und öffentliche Leben, ächter Patriotism entstehen.

Glauben und Liebe, 1798.

Es ist mit dem Volke, wie mit den Weibern. Es hat für alles Leidenschaft, was seine Aufmercksamkeit an sich zieht. Es sucht in diesem Gegenstande alles, denn es fühlt durch denselben sein unendliches Wesen in dunckler Ahndung. Je schwächer der Mensch, desto mächtiger, ahndungsvoller und Behaglicher dünckt ihm ein leidenschaftlicher Zustand. Es ist ihm genug, daß er geweckt und gerührt wird – was ihn weckt und rührt ist ihm einerley – er ist noch nicht gebildet genug um irgend eine Wahl zu treffen und die erregenden Gegenstände zu ordnen und zu unterscheiden, oder gar manchen seine Aufmercksamkeit und Theilnahme zu versagen.

Vorarbeiten, 1798.

Sollte nicht für die Superioritaet der Frauen der Umstand sprechen, daß die Extreme ihrer Bildung viel frappanter sind, als die Unsrigen. Der verworfenste Kerl ist vom trefflichsten Mann nicht so verschieden, als das elende Weibsstück von einer edlen Frau. Nicht auch der, daß man sehr viel Gutes über die Männer, aber noch nichts Gutes über die Weiber gesagt findet.

Haben sie nicht die Aehnlichkeit mit dem Unendlichen, daß sie sich nicht quadriren, sondern nur durch Annäherung finden lassen? Und mit dem Höchsten, daß sie uns absolut nah sind, und doch immer gesucht — daß sie absolut verständlich sind und doch nicht verstanden, daß sie absolut unentbehrlich und doch meistens entbehrt werden, und mit höhern Wesen, daß sie so kindlich, so gewöhnlich, so müßig und so spielend erscheinen?

Auch ihre größere Hülflosigkeit erhebt sie über uns, so wie ihre größere Selbstbehülflichkeit — ihr größeres Sklaven- und ihr größeres Despotentalent — und so sind sie durchaus über uns und unter uns und dabey doch zusammenhängender und unteilbarer, als wir.

Würden wir sie auch lieben, wenn dies nicht so wäre. Mit den Frauen ist die Liebe, und mit der Liebe die Frauen entstanden — und darum versteht man keins ohne das Andre. Wer die Frauen ohne Liebe, und die Liebe ohne Frauen finden will, dem gehts, wie den Philosophen, die den Trieb ohne das Object, und das Object ohne den Trieb betrachteten — und nicht beyde im Begriff der Action zugleich sahen.

Vorarbeiten: Teplitzer Fragmente, 1798.

Die Holzkohle und Der Diamant sind Ein Stoff — und doch wie verschieden — Sollte es nicht mit Mann und Weib derselbe Fall seyn. Wir sind Thonerde — und die Frauen sind Weltaugen und Sapphyre die ebenfalls aus Thonerde bestehn.

Vorarbeiten: Teplitzer Fragmente, 1798.

Pflanzenaehnlichkeit der Weiber. Dichtungen auf diese Idee. (Blumen sind Gefäße)

Chemische, Organische und Physiologische Natur der Schönheit eines Körpers.

Fantasien, wie mein Mährchen, über die wunderlichsten Gegenstände.

(Menschenlehre.) Die Frauen haben eigentlich einen entschiednen Sinn für das Äußre: es sind geborne Oryktognosten.

Über die Sphäre der Frauen: die Kinderstube – die Küche – der Garten – der Keller – das Speisegewölbe – die Schlafkammer – die Wohnstube – das Gastzimmer – der Boden oder die Rumpelkammer.

Fragmente und Studien 1799/1800.

Es gibt nur Einen Tempel in der Welt und das ist der menschliche Körper. Nichts ist heiliger, als diese hohe Gestalt. Das Bücken vor Menschen ist eine Huldigung dieser Offenbarung im Fleisch.

(Göttliche Verehrung des Lingam, des Busens — der Stauen.) Man berührt den Himmel, wenn man einen Menschenleib betastet.

Über die Tötung krüppelhafter, alter und kranker Menschen.

Fragmente und Studien 1799/1800.

Der Schleier ist für die Jungfrau, was der Geist für den Leib ist, ihr unentbehrliches Organ dessen Falten die Buchstaben ihrer süßen Verkündigung sind; das unendliche Faltenspiel ist eine Chiffern-Musik, denn die Sprache ist der Jungfrau zu hölzern und zu frech, nur zum Gesang öffnen sich ihre Lippen. Mir ist er nichts als der feierliche Ruf zu einer neuen Urversammlung, der gewaltige Flügelschlag eines vorüberziehenden englischen Herolds. Es sind die ersten Wehen, setze sich jeder in Bereitschaft zur Geburt!

Die Christenheit oder Europa, 1799.

Daraufhin hab ich tatsächlich kurz überlegt, meine dreibändige Novalis-Ausgabe zurückzugeben, aber neuerdings soll man ja Nazis, Frauenunterdrücker und verwandtes Gelichter mit offensiver Freundlichkeit und Verständnis schlagen.

Nicht alles vom Obigen hat Novalis zur Veröffentlichung freigegeben oder auch nur vorgesehen. Der Trick ist jedoch: Er hat es gedacht; unter Zwang wird es ihm niemand diktiert haben, und zumindest Die Christenheit oder Europa wird als das Standardwerk angeführt, wenn es zu beweisen gilt, dass man sich aus dem Novalis nicht nur „die Schwindsucht herauslesen“ kann (Heine), sondern dass der Mann — „Bergstudent“ — auf der Höhe des theoretischen Wissens seiner Zeit stand.

Christiane Wilhelmine Sophie von Kühn, Kleinert nach dem Verlobungsring von NovalisDa war Novalis um die 26. Mit 23 hatte er sich mit einer 13-Jährigen verlobt:

Ich habe zu Söphchen Religion — nicht Liebe. Absolute Liebe, vom Herzen unabhängige, auf Glauben gegründete, ist Religion.

Erzählen Sie das mal einer Heranwachsenden — als Tipp: in Abwesenheit der Erziehungsberechtigten — und warten Sie ab, ob hinterher die Heranwachsende geschädigt ist oder Ihre Geschlechtstheile. Die hier betroffene Sophie von Kühn wusste sich der drohenden Ehe, gerade vorgestern 15 geworden, nur durch ihren eigenen Tod an Tuberkulose zu entziehen.

Solche Stellen habe ich nicht gesucht, und wenn mir daran läge, würde ich nicht ausgerechnet bei Novalis damit anfangen — umso schlimmer, dass ich welche gefunden habe und erleben muss, wie der gefühlsselige junge Mann in seinen privaten Aufzeichnungen der Vergewaltigung und dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger das Wort redet, Frauen bis zum Reich der Pflanzen und – darauf muss einer erst mal kommen –: der Nahrungsmittel, Mineralien und chemischen Elemente entmenschlicht, sein ganzes gequirltes Frauenbild philosophisch untermauert und dann vorsichtshalber vom öffentlichen Herumtrompeten ausnimmt.

Und nein: Das ist nicht „zeitlich bedingt“, „historisch verankert“ oder auch nur damit zu rechtfertigen, dass ja auch Genies wie Poe ihnen blutsverwandte Kinder geheiratet haben — das ist einfach nur die Erwägung: Wie weit hatte der Kerl eigentlich noch den Arsch offen?

Mir steht nicht zu, Novalis zu zerlegen, ich bringe einfach nur keine Freundlichkeit und Verständnis für so einen Galimathias auf. Als Versuch einer Ehrenrettung deshalb noch eins — ohne zu verschweigen: Es ist das späteste in der Reihe — aus den Fragmenten und Studien 1799/1800 — und richtig eins zum Auswendigmerken und Anbringen in geeigneten Momenten:

Mit Recht können manche Weiber sagen, daß sie ihren Gatten in die Arme sinken — Wohl denen, die ihren Geliebten in die Arme steigen.

Weißenfels an der Saale, Zu Gast bei Novalis. Jahrestagung Exil-P.E.N., Exil-Schriftsteller treffen sich in Weißenfels, 26. Oktober 2017

Bilder:

  1. Elihu Vedder: Soul in Bondage, via Lou Margi, 30. März 2017;
  2. Lilith in Rope: Cosmic Tie, 20. Januar 2016:

    This was incredible to be a part of. Three models, One rigger, One Photographer, and Two assistants. As Gorgone said there was just the right amount of rope, people, strength, and talent to make this all happen. I couldn’t think of a better way to end an epic weekend of rope and friends!!!

    Models are Sarifka Morgan, myself, and Ebibex. Rigging by Gorgone. Photo by DomWithLens.

  3. Christiane Wilhelmine Sophie von Kühn (* 17. März 1782, † 19. März 1797) von Kleinert, nach dem Verlobungsring von Novalis;
  4. Weißenfels an der Saale: Zu Gast bei Novalis: Jahrestagung Exil-P.E.N.: Exil-Schriftsteller treffen sich in Weißenfels, 26. Oktober 2017:

    Mit Novalis steht einer der berühmtesten Söhne der Stadt im Mittelpunkt der Jahrestagung von Exil-P.E.N. Der frühromantische Dichter lebte bis zu seinem Tod in der Saalestadt.

  5. Adam Rhoades: Anticipation, 12. August 2009.

Adam Rhoades, Anticipation, 12. August 2009

Soundtrack: Miss Derringer: Better Run Away From Me, aus: Lullabies, 2008:

Bonus Track: Novalis: Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren, aus: Brandung, 1977:

Written by Wolf

11. Mai 2018 at 00:01

Veröffentlicht in Romantik, Weisheit & Sophisterei

Die Lust des Mittelstands

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Update zu Siehst du,
Frames in Zitaten (in Frames) und
Die Brahmsianer können ja derweil aufs Klo:

Da ist uns der Alfred Kerr letzten ersten Weihnachtsfeiertag 150 geworden und keiner hat’s gemerkt. Jedenfalls nicht viele, die wenigstens theoretisch noch Freude an seiner Brillanz haben könnten.

dpa, picture alliance, Der Theaterkritiker Alfred Kerr in einer undatierten Karikatur, Deutschlandfunk Kultur, 29. Dezember 2017

Der 17 Jahre jüngere Thomas Mann hatte nicht immer seine Freude an Alfred Kerr, das alte Lied zwischen Literaten und Literaturkritikern — und zwischen Thomas Mann und ihm übergeordneten Vaterfiguren. Beiderlei Verhältnisse wird man zweifellos in der monumentalen Thomas-Mann-Biographie von Peter de Mendelssohn aufgedröselt finden, über die man Wunderdinge hört.

Lovis Corinth, Alfred Kerr, 1907Leider konnte ich das selbst noch nicht näher nachlesen. Wir reden über drei keineswegs schmächtige Bände, die dabei immer noch Fragment geblieben sind: Bis zu de Mendelssohns Tod 1982 sind nur zwei Bände erschienen. Sein Vorteil war, Thomas Mann persönlich zu kennen — so intim wie kaum sonst jemand, weil er für den S. Fischer Verlag seine Tagebücher herausgab. Mit Thomas Mann gut auskommen und ihn zu größeren Projekten überreden, das war nicht jedem vergönnt. Da muss man nur seine Kinder fragen, deren er sechse hatte, von denen im Laufe der Schicksale mindestens drei an den Selbstmord und „ungeklärte Umstände“ verloren gingen. Rein quantitativ ein tragisch bewegtes Familienleben für eine ungeouteten Schwulen. Natürlich muss das nichts heißen.

Hellhörig wird man über den auffindbaren Auszügen aus obgenannter Biographie angesichts der Beschreibung eines Gedichts von Alfred Kerr. Sie besteht aus einem denkbar kurzen Absatz, in dem alles steht, was man über ein Gedicht wissen will. Jedenfalls hat das Nachgoogeln auch nicht mehr ergeben als dieses Nebenthema aus einer Biographie von 1975. Wenn sie überall so dicht gewoben ist: Respekt, da hätte Thomas Mann vielleicht doch noch an seinem eigenen Spottgedicht ein bisschen Freude haben können.

——— Peter de Mendelssohn:

Der Zauberer — Das Leben des deutschen Schriftstellers Thomas Mann

Erster Teil: 1875 bis 1918, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1975:

Es gibt ein Spottgedicht von Alfred Kerr auf Thomas Mann, betitelt Thomas Bodenbruch. Es hat sich nicht ermitteln lassen, wann es entstand und wo Kerr es erstmals veröffentlichte; wir kennen es nur aus dem Gedichtband Caprichos, den er 1926 herausgab. Es ist jedoch mit seiner Anspielung auf Buddenbrooks [erschienen 1901] zweifellos viel früheren Datums und stammt möglicherweise aus dieser Zeit, in der Kerrs Animosität gegen Thomas Mann, anläßlich der Berliner Fiorenza-Aufführung [Erstdruck 1906, Uraufführung 1907], ihren Höhepunkt erreichte. Thomas Mann hat, soweit ersichtlich, dieses Spottgedicht nirgends erwähnt, aber er hat es gewiß gekannt; es ist ihm spätestens bei der Veröffentlichung in Kerrs Gedichtband zur Kenntnis gelangt.

Besser hätte ich’s nicht sagen können. Im Gegenteil. — Die zuverlässigste Version des Gedichts:

——— Alfred Kerr:

Thomas Bodenbruch

aus: Caprichos. Strophen des Nebenstroms,
I. M. Spaeth Verlag, Berlin 1926, Seite 168 bis 170:

I.

Als Knabe war ich schon verknöchert;
Ob knapper Gaben knurr-ergrimmt.
Hab dann die Littratur gelöchert
Mit Bürger- und Patrizierzimt.
Sprach immer stolz mit Breite
Von meiner Väter Pleite.

II.

Ich dichte nicht — ich drockse.
Ich träume nicht — ich ochse.
Ich lasse Worte kriechen,
Die nach der Lampe riechen,
Ich ledernes Kommis’chen.

Ich kenne keine Blitze,
Kein Feuer, das erhitzt.
Ich schreibe mit dem Sitze,
Auf dem man sitzt.

Im Grund bin ich nicht bös —
Nur skrophulös.

III.

Voll hemmender Bedenklichkeit
Und zaudernder Entfaltung,
Staffier‘ ich meine Kränklichkeit
Als „Haltung“.

IV.

Meist hock‘ ich, ein gereiztes Lamm.
Musiklos, aber arbeitsam.

Mein Zustand zeugt geheime Tücke
(Man ist nicht eben ein Genie) —
Romane werden …. Schlüsselstücke:
„Das geht auf Den!“, „Das geht auf Die!“
Ich male zur Genüge
(Ach, mühsam, teigig, tonig)
Die körperlichsten Züge —
Mich selbst verschon‘ ich …

V.

Und bin doch ein ganz armer Hase,
Im Busenwinkel bang und trist:
Mich giftet meine Kolbennase,
Die mißgeschaffen ist.
Der Schlüssel, der die Schlüsselwerke
In ihrem letzten Grund erschließt,
Ist meine eigne Rüsselstärke,
Die mich verdrießt.

Bald meint‘ ich unsren Arzt „damit“,
Igittigitt!
Bald war es meine Tante,
Nöch, von der Wasserkante.

Ich habe manchmal still geplärrt
Und starrte stier auf meinen Stecher —

Dann mal‘ ich andre dick verzerrt:
So Holitscher als schiechen Schächer
(Zahnstockiges Jammerbild) — —
Und wüte, wenn ein heitrer Rächer
Mit gleichen Mitteln es vergilt …
(Wie scheußlich, wenn mein dünnes Gift
Mich selber trifft!)

VI.

Ein Trost: ich schlage den Rekord
Im Gründlichen, Langstieligen,
Ich bleibe nach wie vor ein Hort
Gebildeter Familien.
Sie äußern keinen Widerspruch
Und schätzen Thomas Bodenbruch.
Ich bin doch voll und ganz
Die Lust des Mittelstands.

Judith Kerr, Ein Foto von Alfred Kerr hängt 1961 im Münchner Theatermuseum, Der Tagesspiegel, 7. Mai 2014

Bilder: dpa/picture alliance: Der Theaterkritiker Alfred Kerr (1867–1946) in einer undatierten Karikatur,
via Christian Blees: Die zwei Gesichter des Alfred Kerr: „Ich sage, was zu sagen ist“,
Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 29. Dezember 2017;
Lovis Corinth: Alfred Kerr, 1907,
via Jeremy Adler: The culture pope, The Times Literary Supplemet, 26. Juli 2017;
Judith Kerr/dpa via Peter von Becker: Sein erster Weltkrieg:
Ein Foto von Alfred Kerr hängt 1961 im Münchner Theatermuseum, Der Tagesspiegel, 7. Mai 2014.

Soundtrack: Mischa „Arno Billing“ Spoliansky (Musik)/Kurt Schwabach (Text),
Orchester Marek Weber: Das lila Lied, 1921:

Was will man nur?
Ist das Kultur,
dass jeder Mensch verpönt ist,
der klug und gut,
jedoch mit Blut
von eigner Art durchströmt ist,
dass grade die
Kategorie
vor dem Gesetz verbannt ist,
die im Gefühl
bei Lust und Spiel
und in der Art verwandt ist?

Written by Wolf

12. Januar 2018 at 00:01

Veröffentlicht in Novecento, Weisheit & Sophisterei

Der deutsche Sonderweg zur Hochkomik 1–10

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Update zu So herzerwärmend dreist:

——— Robert Gernhardt:

Zehn Thesen zum komischen Gedicht

Originalbeitrag für Robert Gernhardt und Klaus Cäsar Zehrer (Hrsg.):
Hell und Schnell. 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten,
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, März 2004,
vorab als Zur Heiterkeit bereit, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Februar 2004:

  1. Es gibt ernste und komische Gedichte.

    Erika Easy Tcogoeva, Princess Plain, 20. November 2015Bertolt Brecht unterschied zwei Linien, welchen das deutsche Gedicht der Neuzeit folge, die pontifikale und die profane. Goethe sei der letzte Dichter gewesen, welcher noch beide Stränge in seinem Werk vereinigt habe; schon Hölderlin nehme die „völlig pontifikale“, bereits Heine ganz die profane Linie ein. Der Dichter Brecht deutet an, daß ihm die Zusammenführung beider Linien erneut gelinge; zumindest ist nicht zu bestreiten, daß er den hohen Ton ebenso beherrscht wie den kessen. Beileibe nicht alle Gedichte der profanen Linie sind komisch, doch liegt auf der Hand, daß kein — mit Absicht — komisches Gedicht der pontifikalen Linie zugerechnet werden kann.

  2. Das komische Gedicht zielt auf das Lachen ab.

    Weit älter als der von Brecht bemerkte Unterschied ist die Scheidung der Gedichte in solche, die von den Leiden und Freuden des einsamen Ich handeln, und solche, die es auf ein zuhörendes Du, wenn nicht sogar mitmachendes Wir abgesehen haben. Da es sich am besten in Gesellschaft lacht, ist unschwer zu erraten, welchem Strang das komische Gedicht angehört.

  3. Das komische Gedicht erschöpft sich nicht im Lachen.

    Anders als der Witz, der schnurstracks auf eine Pointe zumarschiert, deren Wirkung sich in einmaligem Gelächter entlädt, ist beim komischen Gedicht bereits der Weg das Ziel. Dieser Weg läßt sich auch dann nochmals mit Genuß zurücklegen, wenn der Leser oder Zuhörer weiß, worauf das Ganze hinausläuft. Um so aufmerksamer wird er sich den Schönheiten am Wegesrande zuwenden können.

  4. Das komische Gedicht braucht die Regel.

    Erika Easy Tcogoeva, Princess Plain, 8. August 2017Komik lebt von vorgegebenen Ordnungssystemen, ganz gleich, ob die außer Kraft gesetzt oder lachhaft penibel befolgt werden. Daher kann das komische Gedicht nur profitieren, wenn es von allen Regeln der Kunst tradierter Suggestionstechniken wie Reim und Metrum durchtränkt ist und wenn sein Dichter von allen bereits erprobten Drehs zur Herstellung komischer Wirkung weiß. Was er ererbt von seinen poetischen Vätern hat, sollte der Verfasser komischer Gedichte aus zweierlei Gründen erwerben. Um es zu besitzen und um es bei Bedarf getrost zu belachen.

  5. Das komische Gedicht bedarf der Inspiration.

    Ohne Überraschung keine Komik, weshalb ein allein nach tradierten Regeln verfertigtes komisches Gedicht einen Widerspruch in sich selbst darstellt. Gerade der Verfasser komischer Gedichte ist stets dazu angehalten, jene Frage ernst zu nehmen, dank deren Ernst Lubitsch seinen Filmen den Lubitsch touch verlieh: „Wie kann man es anders machen?“ Anders machen oder anders sehen: Manchmal genügt ein schlichter Blickwechsel, um Walten, Wähnen, Wesen und Worte in ein anderes, komisches Licht zu tauchen.

  6. Es gibt komische Gedichte, aber keine komischen Dichter.

    Alles Dichten, sofern es Reimen meint, ist schon deshalb nicht frei von Komik, da es mit Sprache spielt und den Sinn wie Wortlaut eines Gedichts einem herzlich sinnlosen — richtiger: sinnfreien — Selektionsprinzip unterwirft, dem, Worte mit gleichklingenden Bestandteilen zusammenzustellen. Dieser — zur Kenntlichkeit entstellten — Unsinnigkeit verdanken sich Kinderverse, Klosprüche und Kommerslieder ebenso wie die Klassiker der komischen Dichtung. Die freilich sind zugleich zutiefst den Klassikern hochernster Dichtung verpflichtet, da deren hoher Ton, ob gereimt oder ungereimt, erst jene Fallhöhe ermöglicht, die großes Wollen, große Werte und große Worte so richtig auf den Bauch fallen läßt. Auch gibt es keinen herausragenden Verfasser komischer Gedichte, der sich ein Leben lang ins Gatter des komischen Gedichts hätte einsperren lassen: Heine, Busch, Morgenstern sowie die weiteren üblichen Verdächtigen haben auch Gedichte ernster Art und Machart geschrieben.

  7. Das komische Gedicht ist zeitverfallen.

    Erika Easy Tcogoeva, Princess Plain, 20. November 2015Komische Gedichte wurden zu allen Zeiten verfertigt, ohne daß wir Heutigen sie durch die Bank belachen könnten. Wenn Lachanlässe in Vergessenheit geraten, wenn zeitbedingte religiöse, gesellschaftliche und politische Grenzziehungen und Tabus nicht mehr als bedrückend und verpflichtend empfunden werden, dann kann deren punktuelle Aufhebung kein befreites Gelächter zur Folge haben. Auch ist nicht zu übersehen, daß das komische Gedicht im Laufe der letzten Jahrhunderte deutlich heller und schneller geworden ist — darin der komischen Prosa vergleichbar, deren bräsiger „Schwank“ im Laufe der Jahrhunderte zum raschen „Witz“ mutierte.

  8. Das komische Gedicht ist haltbar.

    Zumindest gilt dies für deutschsprachige komische Gedichte seit der Aufklärung, und das ist kein Zufall. Die meisten Verfasser komischer Gedichte waren und sind ernsthaft darum bemüht, lachend die Wahrheit zu sagen: „Es gibt zwei Sorten Ratten, / die hungrigen und satten“, „Enthaltsamkeit ist das Vergnügen / an Dingen, welche wir nicht kriegen“, „Weil, so schließt er messerscharf, / nicht sein kann, was nicht sein darf“, „Es gibt nichts Gutes / außer: Man tut es“. Seit Gellert und Lessing haben deutschsprachige Dichter nicht aufgehört, aus der Tatsache der gebrechlichen Einrichtung der Welt kein Drama zu machen, sondern handfeste komische Gedichte, und die Leserschaft hat es den Verfassern dadurch gedankt, daß sie deren profane Pointen weit häufiger im Munde führt und von Generation zu Generation weiterträgt als die pontifikalen Worte der Dichter-Priester. Wir zitieren Heinrich Heine und nicht Ernst Moritz Arndt, Wilhelm Busch und nicht Emanuel Geibel, Christian Morgenstern und nicht Stefan George, Erich Kästner und nicht Theodor Däubler.

  9. Das komische Gedicht ist der Königsweg zum Lachen.

    Obwohl der Mensch gerne lacht, fällt es ihm, auf sich gestellt, schwer, zum Lachen zu finden. Also muß er zum Lachen gebracht werden, und dabei haben sich kurze Mitteilungsformen als besonders effektive Transportmittel erwiesen: Fabel, Anekdote, Witz. Sie alle aber übertrifft das Gedicht. Rascher und umstandsloser als jeder Witz vermag es der Zweizeiler, einen nach Auflösung drängenden befremdlichen Sachverhalt aufzubauen, ja aufzustauen: „Die schärfsten Kritiker der Elche“ — Wieso Kritiker? Weshalb Elche? — „waren früher selber welche“ — Ach so! Deshalb!

    Das Lachen sei „ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in Nichts“, lehrt Kant. Nichts nichtiger, ergo: erfreulicher, als daß der Dichter die befremdlichen Elche „um des Reimes willen“ evoziert und abserviert hat. „In der Kürze liegt die Würze“, weiß der Volksmund, und „Jedem Tierchen sein Plaisierchen“: Nicht alle Vierbeiner kommen so rasch zum Punkt wie obengenannte Elche. Doch auch wenn ein Kleinräuber aus der Familie der Marder sich ein wenig Ruhe gönnt und sich Zeit nimmt — „Ein Wiesel / saß auf einem Kiesel / inmitten Bachgeriesel“ —, muß der Lachlustige nicht lange auf die Erklärung des Warum warten: „Das raffinier- / te Tier / tat’s um des“ siehe oben, und der düpier-te Mensch ist mal wieder auf die schnelle zum Lachen gebracht worden.

  10. Der deutsche Sonderweg zur Hochkomik

    Erika Easy Tcogoeva, Princess Plain, 8. August 2017Das komische Gedicht markiert einen deutschen Sonderweg zur Hochkomik. Die Deutschen gelten im In- und Ausland als humorlos, was gerne damit begründet wird, daß ihnen ein großer Lustspieldichter vom Schlage eines Shakespeare ebenso fehle wie ein großer komischer Roman vom Range des „Don Quichotte“. Nun könnte ein Zweifler die Frage stellen, ob es denn so ausgemacht sei, daß die naturgemäß durch Helligkeit und Schnelligkeit wirkende Komik in langen und breiten Zusammenhängen besonders gut aufgehoben ist. Nicht eher in Kurzformen?

    Ein Kundiger aber könnte darauf verweisen, daß sich eine seit Lessings Tagen nicht abgerissene Kette komischer Gedichte durch die deutschsprachige Hochliteratur zieht, welche in dieser Dichte und Qualität in keiner anderen kontinentaleuropäischen Nationalliteratur zu finden ist.

    Jeder Generation des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts erwuchs hierzulande ein Dichter, dessen komische Kraft ihn dazu drängte, die sich ständig erneuernden Anlässe zum Belachen und Verlachen aus neuen Blickwinkeln zu erfassen und mit neuen Redeweisen festzuhalten. Heine, Busch, Morgenstern, Ringelnatz, Tucholsky, Brecht, Jandl — jeder aus diesem Siebengestirn ist ein Stern erster Ordnung und zugleich ein Original. Bei jedem ergäbe eine Spektralanalyse seiner Aura ganz unterschiedliche U- und E-Wellen-Anteile, und doch bilden alle zusammen eine Plejade, deren Helligkeit — verstärkt durch eine Vielzahl von weiteren Komik-Sternen unterschiedlicher Größe — bei Licht betrachtet zweierlei bewirken müßte: den düsteren Vorwurf fehlender deutscher epischer oder dramatischer Hochkomik zu überstrahlen und das finstere Bild vom humorlosen, ja zum Humor unfähigen Deutschen in den Herzen aller rechtlich Denkenden für alle Zeiten aufzuhellen.

    Bilder: Erika „Easy“ Tcogoeva: Princess Plain, 20. November 2015 und 8. August 2017.

    Written by Wolf

    4. November 2017 at 00:01

    Anaximander’s Revenge

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    Der Liedertext ist zur Vertonung freigegeben. Es sollte eindeutig klingen wie etwas, das Monty Python für einen Männerchor gehalten hätten; nicht ganz so nach Shanty-Chor wie Knights of the Round Table und lange nicht so nach den Pogues wie Drunken Lullabies von Flogging Molly vielleicht, wenn jemand folgen kann. Ein Schuss früher Ringsgwandl schadet sowieso nie. Als einzige Gegenleistung wünsche ich mir eine Aufnahme vom Ergebnis, YouTube-Link genügt: Das will ich hören, wie jemand die zweite Strophe holperfrei singen kann.

    Anaximander’s Revenge

    (Since The Best Girl Is Yet To Big Bang)

    Chorus: There’s no mind without a brain,
    you can’t find a love in vain,
    there’s no social interaction without you
    (and you and you and you and you …).
    Sing your dirge without a pyre
    like your smoke requires a fire,
    and some antecedent intercourse, too.

    1. (Then) Don’t have sex with what you can’t,
    skip the maid and meet your hand,
    and the ups and downs and pros and cons therethrough.
    Prôton Kinoun is the first
    thing to come, but when rehearsed,
    even your mind might come into existence anew.

    2. You never get a chance without taking it,
    in the world there is no love without making it,
    Spontaneous Generation never left the sea.
    There’s no teleologic argument that God not faked,
    but you lived only when it ached
    frae abiogenesis to eschatology.

    3. Evolution’s come to stay,
    so retribution has its way.
    Salt your Primordial Soup, stand for your last meal in a queue,
    sigh, defy, and shanghai,
    bid your sanity goodbye,
    but if you’re lucky, mate, your monster creates you.

    Made Explicit, Awesome picture of my grandmother, February 11th, 2006

    Making of: Der Text wurde im Februar 2009 als Anaxagoras‘ Revenge von Wilhelm Capelle (Hrsg.): Die Vorsokratiker, Kröner Verlag 1934 ff., in der Auflage von 1968 inspririert. „Inspiriert“ musste dann alles erst seit 2015 werden, darum war es erstens Zeit, die Inspiratiosnquelle denn doch wirkllich einmal zu lesen, und vor allem für ein Update: Anaximander stimmt inhaltlich viel besser.

    Bild: Made Explicit: Awesome picture of my grandmother, 11. Februar 2006.

    Written by Wolf

    14. Juli 2017 at 00:01

    Veröffentlicht in Weisheit & Sophisterei, ~ Weheklag ~

    Hier wäre also schon wieder der Ansatz zu einer neuen Sammlung, der Anfang einer „unendlichen“ Reihe

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    Update zu Wie der Schnee so weiß, aber kalt wie Eis ist das Liebchen, das du dir erwählt,
    Impotence proved I’m superman
    und Sie sollen und müssen gerettet sein!:

    Goethe und Schiller, Liebigs Fleisch-Extract, ca. 1900, via Goethezeitportal

    Am tiefsten im kollektiven Bewusstsein verwurzelt ist Goethe im Zusammenhang mit Schiller — und umgekehrt — und jeder für sich mit den verständlicheren seiner Gedichte. Es ist kein Einzelwerk bekannt, das beiden zu gleichen Teilen zugeschrieben werden müsste, aber natürlich hat dieses vierbeinige Monument einer Männerfreundschaft wiederholt Gemeinschaftsprojekte — sie hätten gesagt: „ins Werk gesetzt“ (und danach „ans Licht gegeben“).

    Jota Konstantinidou, Fräulein Ikon, 12. Februar 2012Die erste solche Zusammenarbeit findet sich in praktischerweise von Schiller selbst herausgegebenen Musen-Almanach für das Jahr 1797, der „Xenien-Almanach“ heißt, weil darin die 676 Xenien von je 1 Distichon Länge stehen, deren genaue Urheberschaft sie im Nachhinein glaubhaft selbst nicht mehr auseinanderhalten konnten. Die zweite solche Zusammenarbeit steht ein Jahr später im so genannten Balladen-Almanach und interessiert uns hier.

    Vor allem für gequälte Schüler und Sonstige, die sich nicht freiwillig mit der Lyrik der deutschen Klassik auseinandersetzen, ist es ein befreiendes Wissen, dass die Xenien und die berühmtesten Balladen, mit denen Abergenerationen aus einer fragwürdig verstandenen Pädagogik heraus gezwiebelt wurden, wenig mehr als die Bieridee — oder genauer: eine absichtlich zusammengetragene Sammlung von Bierideen — zweier Kumpels sind. Wer will, hört beiden Gattungen noch das lausbübische Vergnügen an, mit dem sie geschrieben wurden. Das kommt aber, liebe Kinder, nicht in die Schulaufgabe, weil ihr in der Schule weder mit der Weimarer noch mit der Frankfurter Goethe-Ausgabe arbeitet, sondern frühestens wieder in die germanistische Proseminararbeit und muss mit Zweifeln, grano salis und davon ungebrochenem Respekt ausgesprochen und vor allem anhand Quellen begründet werden.

    Glyptothek, Birgit und Heiner Seidl, Family Business, 23. Juli 2006Eine der nützlichsten Quellen folgt unten. Danach bringe ich möglichst vollständig alle Gedichte von Goethe und Schiller, die mit einigem guten Willen als Balladen durchgehen, chronologisch geordnet; Kriterium war, dass eine Handlung erzählt wird. Das meiste Material von beiden entstand geballt für den besagten Balladen-Almanach 1798, ich bringe aber um des Überblicks willen auch beider Balladen, die unabhängig voneinander entstanden, auch als Goethe und Schiller sich noch nicht kannten (vor 1794) und als Schiller schon gestorben war (nach 1805). Die Quelle, einer wesentlichsten Briefe von Schiller, konstitutiert den bis heute üblichen Begriff des Balladenjahrs, spricht von Freude an der gemeinsamen dichterischen Arbeit und kündigt sogar nach dem Xenien- und dem Balladen- ein Liederjahr an, aus dem leider nichts geworden ist: Die Glocke zum Beispiel ist a) von Schiller, b) von 1799 und c) wie der Name sagt, keine Ballade.

    Es schien unnötig, hier alle Volltexte zu wiederholen. Goethe- und Schiller-Balladen sind für mancher Leute Geschmack schon viel zu gut erreichbar, weshalb sie nur verlinkt sind; mit geeigneten Einzelgedichten haben wir uns hier schon beschäftigt und werden darin bei Gelegenheit fortfahren, weil uns niemand scheucht und wir rein dem Gaudium verhaftet sind. — Das Bildmaterial nähert sich mit der Münchner Glyptothek der klassizistischen Tonart vieler der erwähnten Balladen an.

    Ulrich Gerndt, 26. März 2017

    ——— Schiller an Goethe:

    Jena den 22. September 1797.

    Ihr Brief nebst seinem Anhang hat uns wieder große Freude gemacht. Das Lied ist voll heiterer Laune und Natur. Mir däucht, daß diese Gattung dem Poeten schon dadurch sehr günstig sein müsse, daß sie ihn aller belästigenden Beiwerke, dergleichen die Einleitungen, Uebergänge, Beschreibungen etc. sind, überhebt und ihm erlaubt, immer nur das Geistreiche und Bedeutende an seinem Gegenstand mit leichter Hand oben wegzuschöpfen.

    Stefan Hartl, Reading the visitor's information booklet, 10. Februar 2008Hier wäre also schon wieder der Ansatz zu einer neuen Sammlung, der Anfang einer „unendlichen“ Reihe: denn dieses Gedicht hat, wie jede gute Poesie, ein ganzes Geschlecht in sich, durch die Stimmung die es gibt und durch die Form die es aufstellt.

    Ich wäre sehr begierig gewesen, den Eindruck, den Ihr Hermann auf meine Stuttgarter Freunde gemacht, zu beobachten. An einer gewissen Innigkeit des Empfangens hat es sicher nicht gefehlt, aber so wenige Menschen können das Nackende der menschlichen Natur ohne Störung genießen. Indessen zweifle ich gar nicht, daß Ihr Hermann schlechterdings über alle diese Subjectivitäten triumphiren wird, und dieses durch die schönste Eigenschaft bei einem poetischen Werk, nämlich durch sein Ganzes, durch die reine Klarheit seiner Form und durch den völlig erschöpften Kreis menschlicher Gefühle.

    Mein letzter Brief hat Ihnen schon gemeldet, daß ich die Glocke liegen lassen mußte. Ich gestehe daß mir dieses, da es einmal so sein mußte, nicht so ganz unlieb ist. Denn indem ich diesen Gegenstand noch ein Jahr mit mir herumtrage und warm halte, muß das Gedicht, welches wirklich keine kleine Aufgabe ist, erst seine wahre Reife erhalten. Auch ist dieses einmal das Balladenjahr, und das nächste hat schon ziemlich den Anschein das Liederjahr zu werden, zu welcher Classe auch die Glocke gehört.

    Indessen habe ich die letzten acht Tage doch für den Almanach nicht verloren. Der Zufall führte mir noch ein recht artiges Thema zu einer Ballade zu, die auch größtentheils fertig ist und den Almanach, wie ich glaube, nicht unwürdig beschließt. Sie besteht aus 24 achtzeiligen Strophen, und ist überschrieben: Der Gang nach dem Eisenhammer, woraus Sie sehen daß ich auch das Feuerelement mir vindicirt habe, nachdem ich Wasser und Luft bereist habe. Der nächste Posttag liefert es Ihnen, nebst dem ganzen Almanach, gedruckt.

    Ich wünsche nun sehr, daß die Kraniche in der Gestalt, worin Sie sie jetzt lesen, Ihnen Genüge thun mögen. Gewonnen haben sie ganz unstreitig durch die Idee, die Sie mir zu der Exposition gegeben. Auch denke ich hatte die neue Strophe, die ich den Furien noch gewidmet, zur genauen Bezeichnung derselben anfänglich noch gefehlt.

    Kants kleinen Tractat habe ich auch gelesen, und obgleich der Inhalt nichts eigentlich neues liefert, mich über seine trefflichen Einfälle gefreut. Es ist in diesem alten Herrn noch etwas so wahrhaft jugendliches, das man beinah ästhetisch nennen möchte, wenn einen nicht die greuliche Form, die man einen philosophischen Canzleistil nennen möchte, in Verlegenheit setzte. Mit Schlossern kann es sich zwar so verhalten, wie Sie meinen, indessen hat seine Stellung gegen die kritischen Philosophen so etwas bedenkliches, daß der Charakter kaum aus dem Spiele bleiben kann. Auch kann man, däucht mir, bei allen Streitigkeiten, wo der Supernaturalism von denkenden Köpfen gegen die Vernunft vertheidigt wird, in die Ehrlichkeit ein Mistrauen setzen: die Erfahrung ist gar zu alt und es läßt sich überdem auch gar wohl begreifen.

    Wir genießen jetzt hier sehr schöne Herbsttage; bei Ihnen mag wohl noch ein Rest von Sommer zu spüren sein. In meinem Garten werden schon große Anstalten gemacht, ihn für die künftigen Jahre recht zu verbessern. Uebrigens hatten wir keine schlechte Obstärnte, wobei Karl uns nicht wenig Spaß machte.

    Wir zweifeln, bei dem zweifelhaften Ansehen des Kriegs und Friedens, noch immer an der nahen Ausführung Ihrer italienischen Reise, und geben zuweilen der Hoffnung Raum, daß wir Sie früher als wir erwarten durften, wieder bei uns sehen könnten.

    Leben Sie recht wohl und Meyern sagen Sie die freundschaftlichsten Grüße von uns. Herzlich wünschen wir Ihnen Glück zu Ihrer Wiedervereinigung. Meine Frau grüßt Sie aufs beste.

    Sch.

    Glyptothek, Ulrich Gerndt, 15. Juni 2016

    Ab hier bitte ich auch um die Aufmerksamkeit meiner Leser — das sind Sie. Korrekturen in der zeitlichen Einordnung und Gruppierung, zusätzliche Einträge und verbesserte Links kann ich ständig vornehmen, dann hat die folgende Liste das Zeug zum Masterpost für Goethe- und Schiller-Balladen.

    Glyptothek, The Nightstalker, 16. Januar 2010

    1. Goethe: Pygmalion, eine Romanze, 1767;
    2. Goethe. Heidenröslein, vor 1783;
    3. Goethe: Der König in Thule, um 1774;
    4. Goethe: Der untreue Knabe, um 1774;
    5. Goethe: Das Veilchen, 1775;
    6. Goethe: Vor Gericht, um 1775;
    7. Goethe: Klaggesang von der edlen Frauen des Asan Aga, aus dem Morlackischen, Nachdichtung aus dem Serbischen um 1775;
    8. Goethe: Der Fischer, um 1778;
    9. Goethe: Erlkönig, 1782;
    10. Schiller: Die Rache der Musen, eine Anekdote vom Helikon, 1782;
    11. Schiller: Wunderseltsame Historia des berühmten Feldzuges als welchen Hugo Sanherib, König von Assyrien, ins Land Juda unternehmen wollte aber unverrichteter Dinge wieder einstellen mußte. Aus einer alten Chronika gezogen und in schnakische Reimlein bracht von Simon Krebsauge, Baccalaur, 1782;
    12. Goethe: Mignon, um 1783;
    13. Goethe: Der Sänger, vermutlich 1783;
    14. Goethe: Die Spinnerin, 1795;
    15. Schiller: Das verschleierte Bild zu Sais, 1795;
    16. Goethe: Der Edelknabe und die Müllerin, 26. August 1797;
    17. Goethe: Der Junggesell und der Mühlbach, 4. September 1797;
    18. Goethe: Der Müllerin Reue, 7. September 1797;
    19. Goethe: Der Müllerin Verrath, Juni 1798;
    20. Glyptothek, Andrei S., Faces, 6. Juli 2008

      Musenalmanach für das Jahr 1798, herausgegeben von Schiller, Tübingen, in der J. G. Cottaischen Buchhandlung, 1797 („Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.“):

      1. Goethe: Der neue Pausias und sein Blumenmädchen (Seite 1);
      2. Schiller: Der Ring des Polykrates. Ballade (Seite 24);
      3. Goethe: Der Zauberlehrling. Romanze (Seite 32);
      4. Schiller: Der Handschuh. Erzählung (Seite 41);
      5. Goethe: Der Schatzgräber (Seite 46);
      6. Goethe: Die Braut von Corinth. Romanze (Seite 88);
      7. Schiller: Ritter Toggenburg. Ballade (Seite 105);
      8. Schiller: Elegie an Emma (Seite 115);
      9. Schiller: Der Taucher. Ballade (Seite 119);
      10. Schiller: Reiterlied aus dem Wallenstein (Seite 137);
      11. Goethe: Legende (Seite 144);
      12. Schiller: Die Urne und das Skelet (Seite 147);
      13. Schiller: Das Regiment (Seite 156);
      14. Goethe: An Mignon (Seite 179);
      15. Goethe: Der Gott und die Bajadere. Ind. Legende (Seite 188);
      16. Schiller: Die Worte des Glaubens (Seite 221);
      17. Goethe: Erinnerung (Seite 223);
      18. Schiller: Nadoweßische Todtenklage (Seite 237);
      19. Schiller: Der Obelisk u. s. w. (Seite 240);
      20. Goethe: Abschied (Seite 241);
      21. Schiller: Die Peterskirche (Seite 255);
      22. Schiller: Licht und Wärme (Seite 258);
      23. Schiller: Breite und Tiefe (Seite 263);
      24. Schiller: Die Kraniche des Ibycus. Ballade (Seite 267);
      25. Goethe: Der neue Amor (Seite 287);
      26. Schiller: Das Geheimniß (Seite 299);
      27. Schiller: Der Gang nach dem Eisenhammer. Ballade (Seite 306);

      Glyptothek, Andrei S.: Beauty in Stone, 6. Juli 2008

    21. Goethe: Das Blümlein Wunderschön. Lied des gefangnen Grafen, 16. Juni 1798;
    22. Schiller: Der Kampf mit dem Drachen, zweite Augusthälfte 1798;
    23. Schiller: Die Bürgschaft, Ende August 1798;
    24. Goethe: Die erste Walpurgisnacht, Mai 1799: als Ballade bezeichnet, als Vorlage für eine weltliche Kantate geplant, daher nur mit rudimentärer Handlung, vertont von Felix Mendelssohn Bartholdy, 1833;
    25. Goethe: Die erste Walpurgisnacht, 30. Juli 1799;
    26. Schiller: Hero und Leander, Juni 1801;
    27. Schiller: Kassandra, erste Jahreshälfte 1802;
    28. Goethe: Hochzeitlied, 1802;
    29. Goethe: Ritter Curts Brautfahrt, 1803;
    30. Goethe: Wandrer und Pächterin, 1803;
    31. Schiller:Der Graf von Habsburg, Frühjahr 1803;
    32. Schiller: Das Siegesfest, 1803;
    33. Goethe: Der Rattenfänger, Taschenbuch auf das Jahr 1804;
    34. Schiller: Der Alpenjäger, Mitte 1804;
    35. Goethe: Wirkung in die Ferne, 1808;
    36. Goethe: Johanna Sebus, 1809;
    37. Goethe: Das Tagebuch, 30. April 1810;
    38. Goethe: Der getreue Eckart, 17. April 1813;
    39. Goethe: Der Todtentanz, 21. April 1813;
    40. Goethe: Die wandelnde Glocke, 22. Mai 1813;
    41. Goethe: Ballade, 1813/1817;
    42. Goethe: Paria. Des Paria Gebet. Legende. Dank des Paria, 1821/1823.

    Glyptothek, Ulrich Gerndt, Museumsshop, 26. März 2017

    Bilder: Maggi-Sammeldoppelportrait: Berühmte Dichter. Deutschland: Liebig Company’s Fleisch-Extract, ca. 1900, via Dieter Borchmeyer: DuMont Schnellkurs Goethe. Goethes Allianz mit Schiller (1794-1805);
    die Impressionen aus der Münchner Glyptothek sind von:

    1. Ulrich Gerndt, 26. März 2017;
    2. Stefan Hartl: …reading the visitor’s information booklet…, 10. Februar 2008;
    3. Ulrich Gerndt, 15. Juni 2016;
    4. The Nightstalker, 16. Januar 2010;
    5. Andrei S.: Faces…, 6. Juli 2008;
    6. Birgit & Heiner Seidl: Family Business, 23. Juli 2006;
    7. Andrei S.: Beauty in Stone, 6. Juli 2008;
    8. Jota Konstantinidou: Fräulein Ikon, 12. Februar 2012;
    9. Ulrich Gerndt: Museumsshop, 26. März 2017;
    10. Helga Gilge: Athena, 11. Januar 2014.

    Glyptothek. Helga Gilge, Athena, 11. Januar 2014

    Soundtrack: die komplette Tanz-Performance Contemporary Dance Meets Ancient Times mit Beate Kucza und Smaragda Siouti; Musik: Tülin Calik, Glyptothek München 2014 (in den Häusern des Museumsviertels finden Besucher übrigens normalerweise keinen barfüßigen Einlass und werden von der Security schon angefallen, wenn einem im Saal des Barberinischen Fauns eine hastigere Handbewegung als Bleistiftstricheln unterläuft):

    Bonus Track, weil Musik nebenbei Spaß machen soll: Ruby Throat (i. e . KatieJane Garside, die kleine Schnelle von den weiland Daisy Chainsaw): Barebaiting, aus: Out of a Black Cloud Came a Bird, 2009:

    He cut it out stitch by stitch
    in my fallopian grip,
    I hang the dead meat on his tree.
    And as I screeched through the night,
    he said, „My wife fell on that knife“,
    he coughed and he coughed until he bleed.

    So when you going to learn?
    When will you tend to these burns?
    When will you wake from this hell?
    You can put it in a song,
    but that won’t change what’s wrong,
    no, it won’t give you the key to the cell.
    You know that it’s true,
    but of course it’s up to you —
    Still he doesn’t love you.

    Sehr balladesk, gell?

    Written by Wolf

    26. Mai 2017 at 00:01

    Veröffentlicht in Klassik, Weisheit & Sophisterei

    Gerede AGAM

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    Update zu Kätzische Beiträge zur Konstitution einer Angewandten Poesie
    und Der vortreffliche Kater Murr (Gekatzbuckel!):

    Alles haben die Griechen erfunden, von der fünffachen Schale bis zur Philosphie, nur die sieben freien Künste nicht. Die bleiben bei Aristoteles so sehr Vorstufe zu sich selbst wie die fünffache Schale zum Cocktail. Was gehört nochmal in so eine Schale, und was genau waren die freien Künste 1 bis 7? Ich will nachschlagen. Leider ruht der vortreffliche Kater Murr so nachdrücklich auf meinem Bauch, dass es wie die Tätigkeit aus einer gedachten achten freien Kunst aussieht. Dann trifft mich die Erinnerung wie ein pilum aus dem alten Rom:

    GeReDe A G A M.“

    „Was soll das sein, Gerede agam, o sinnreichster aller Meister?“ fragt der vortreffliche Kater Murr.

    „Ein Merksatz, o beste aller Miezekatzen.“

    „Ein Satz, den man sich extra merken muss?“

    „Ein Satz, der dir hilft, dir die septem artes liberales zu merken.“

    „Oh, Meister, du weißt, wie’s zwischen uns steht. Wir können doch mitsammen reden. Also nur immer frisch heraus mit der freien teutschen Rede.“

    Die sieben freien Künste.“

    „Wie er das nur schafft, der Satz?“

    „Er sagt dir die Disziplinen auf, die ein junger Mann für sein studium generale lernen muss.“

    C.R. Tucker: Girl feeding a kitten, June 1908„Oder eine junge Frau.“

    „Nein, eben keine Frau. Das studium generale ist älter als das Bewusstsein für Gender-Fragen. Noch nicht mal ein bürgerlicher Mann. Nur adlige.“

    „Also auch Katzen?“

    „Nein, nur wehrfähige. Also keine Kater.“

    „Murr.“

    „Das kann dich als Frau oder Katze durchaus in Vorteile setzen. Kein Studium, kein Kriegsdienst.“

    „Und wenn der tolle Achilles, der studieren will, deinen Satz kennt, was soll dann sein?“

    „Dann, o Katze, äußert sich der Satz zu sotanem Behuf in einem bis zum Makkaronischen verfremdeten Latein. Eingedeutscht bedeutet er: Ich werde ein Gerede vollführen, vulgo: Ich rede gleich Quatsch. Das müsste doch gerade dir sehr zupasse kommen. Das wirkt lustig. Und darum merkst du dir das leichter.“

    „Wie und auf welche Weise sollte ich das genau tun, o Meister?“

    „Das erste Wort besteht aus drei Buchstaben. Es bezeichnet das im studium generale grundlegende Trivium aus Grammetik, Rhetorik und Dialektik. Das zweite Wort besteht aus vier Buchstaben. Daher bezeichnet es das aufbauende Quadrivium aus Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.“

    „Und das wird leichter, wenn ich mir außer den sieben freien Künsten, die aus drei plus vier Studienfächern bestehen, zusätzlich auch noch einen bescheuerten Satz merken muss, der aus zwei sinnlosen Wörtern besteht?“

    „Das ist sehr verbreitet. Man nennt es Eselsbrücke.“

    „Kein Wunder.“

    „Wie würdest du dir denn die sieben freien Künste merken, o klügste aller Miezekatzen?“

    „Hypothetisch angenommen, den sieben freien Künsten wohnte ein nicht weit genug entlegenes Interesse inne, dass ich sie mir merken wollte, so würde ich sie mir vermutlich einfach merken.“

    „Ach Murr. So leicht wär’s gewesen, gelle?“

    „Bist du auf diese achte freilaufende Kunst, mit der du dir die ersten sieben merkst, alleine verfallen?“

    „Das würdest du mir zutrauen?“

    „Wenn du mich so fragst …“

    „Na?“

    „… vielleicht doch nicht.“

    „Du bist ein gnadenvoller Menschenkenner, o Murr.“

    „Ach, Menschen. Ihr seid recht durchschaubar.“

    „Und das ganz ohne Merksätze!“

    „Kann sich doch kein Katzenschwanz merken.“

    „Mein alter Germanistikdozent schon.“

    „Der ist da draufgekommen?“

    „Ein gescheiter Mann war das.“

    „Anscheinend nicht gescheit genug.“

    „Immerhin promoviert, gar habilitiert. Ob er allerdings alleine auf den Satz verfallen ist, weiß ich auch nicht.“

    „Was sagt das Internet dazu?“

    „Das ist es ja: Bis jetzt gar nichts.“

    „Dafür hat das Internet ja dich.“

    „Und wenn es genug von Merksätzen hat, dann hat es immer noch dich.“

    „Das hast du wieder schön gesagt, Meister.“

    „Ach Murr.“

    „Murr.“

    Bildungsbilder: Andrea di Bonaiuto: Triumph des hl. Thomas von Aquin (Detail mit den weiblichen Allegorien der sieben freien Künste mit ihren Attributen), Fresko in der Cappellone degli Spagnoli, zwischen 1365 und 1368, Santa Maria Novella, Florenz;
    C.R. Tucker: Girl feeding a kitten, Juni 1908, via Nemo65;
    Septem Artes Liberales (The Seven Liberal Arts), female personifications with their respective attributes; from left to right: Grammar, Dialectics, Rhetoric, Music, Arthmetic, Geometry and Astronomy. Etching, British Museum, London.

    Soundtrack: Kaiser Cartel: Favorite Song, aus: March Forth, 2008, für Liberal Arts, 2012.

    Written by Wolf

    21. April 2017 at 00:01