Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for the ‘Barock’ Category

Lästu dich zum Freien bitten?

leave a comment »

Update zu Fünfhundert Jahre Mädchengestaltung,
Wir rechnen jahr auff jahre / in dessen wirdt die bahre vns für die thüre bracht,
die Bilder zum Nachtstück 0016: Du nicht:

Astonish the World, 7. November 2018

Ganz von vorn: In Neunburg vorm Wald war ich im Saufalter öfters, weil sie in der Oberpfalz gern ein Bier brauen, dass ganz München sich ins Eck hocken und schämen darf. Aber da kennen sie ihn auch nicht, ihren Greflinger-Schorsch, der um 1620 da geboren sein soll und seitdem ganz arg lückenhaft erforscht. Die Wikipedia will bloß wissen, dass er erst am Regensburger Gymnasium Poeticum war und dann „nach langer Wanderschaft“ über Wien, Danzig und Frankfurt am Main in Hamburg herausgekommen ist, und was bitte soll das für das eine Wanderstrecke sein.

Oh Well, 7. Juni 2014Interessant wird alles erst in Hamburg: Da hat er 1664 den Nordischen Mercurius eröffnet und bis zuletzt herausgegeben, nicht ohne die Leitung innerhalb der Familie weiterzureichen — die erste modern geführte Zeitung, nicht allein in Deutschland, nicht allein von einem Oberpfälzer Moosbüffel vollgeschrieben, sondern überhaupt, weltweit. Modern meint: die Aufteilung in Ressorts zu Information und Unterhaltung — mithin schon das prodesse et delectare des 18. Jahrhunderts — mit feuilletonistischen und literarischen Elementen, Einführung einer Vorstufe des Leitartikels sowie die regelmäßige, wenngleich unregelmäßig geänderte Erscheinungsweise.

Das Gute und das Schlechte daran sind für unseren Fall die angeführten literarischen Elemente. Allein durch ihr Bestehen erschweren die nämlich die Einordnung eines petrarkischen Doppelgedichts, von dem allein belegt ist, dass es von Georg Greflinger selbst und nicht von einem seiner in ganz Europa auswärtigen Korrespondenten für den Nordischen Mercurius stammt — nicht aber, ob aus seiner Zeit der Wanderschaft oder schon fürs Feuilleton oder irgendwann dazwischen. Eine Textsuche im Digitalisat bei der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen liefert jedenfalls genau 0 Ergebnisse.

Coisas de Terê, 10. Januar 2016Die Stelle, an der Greflingers Gedicht seinem verdoppelnden Gegensatz gegenübergestellt wird, ist eine schon wieder einnehmend antiquiert anmutenden Doppel-Homepage — schon „Website“ wäre übertrieben — der Literaten und Kulturwissenschaftler Siegfried Carl und Dr. Rüdiger Krüger; literaturwissenschaftlich dem Petrarkismus, genauer: dem Antipetrarkismus zugeordnet wird es im Lyrikwiki:

Das Gedicht nutzt die gängigen formellen Mittel des Petrarkismus, die Dame wird mit zahlreichen Vergleichen und Metaphern dargestellt, die Darstellung des Körpers erfolgt von oben nach unten, geht dabei auf einzelne Gesichtszüge aber auch Wesenszüge ein. Indes werden diese in diesem Gedicht ins Negative verkehrt, sowohl das Äußere („Aller Ungestalt ein Spiegel“, V. 15) als auch das Innere („Unhuld aller lieben Tugend“, V. 18). Greflinger schafft hier einen deutlichen Gegensatz zu seinem petrarkistischen Gedicht „An eine vortreffliche, schöne und tugendbegabte Jungfrau“. Er ahmt dieses nach, parodiert es jedoch. Diese Technik ist symptomatisch für zahlreiche Antipetrarkismen während der Geschichte des Petrarkismus. Die strikte Verwendung von aemulatio und imitatio [und superatio] wurde damit aufgebrochen oder auch verspottet. Der Antipetrarkismus geht bezeichnenderweise schon ab der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts Hand in Hand mit dem Petrarkismus.

Außerdem: musste natürlich wenigstens in der Antithese das allfällige Memento mori her, wie immer und überall bei allem Barocken. Viel mehr ist da nicht. Eigentlich schade, wenn man beide Fundstellen mal dem Direktvergleich aussetzt. Die petrarkische These halte ich aus einem weniger literaturwissenschaftlichen, viel eher regionalen Verständnis heraus für den hanseatischen, die antipetrarkische Antithese für Greflingers angeborenen Oberpfälzer Anteil:

Chania, Carpe Diem With Alexander the Great

——— Georg Greflinger:

An eine vortreffliche, schöne
und tugendbegabte Jungfrau

1 Gelbe Haare güldne Stricke,
Taubenaugen, Sonnenblicke,
Schönes Mündlein von Korallen,
Zähnlein, die wie Perlen fallen.

2 Lieblichs Zünglein, in dem Sprachen
Süßes Zörnen, süßes Lachen,
Schnee- und lilienweiße Wangen,
Die voll lauter Rosen hangen.

3 Weißes Hälslein, gleich den Schwanen,
Ärmlein, die mich recht gemahnen,
Wie ein Schnee, der frisch gefallen,
Brüstlein wie zween Zuckerballen.

4 Lebensvoller Alabaster,
Große Feindin aller Laster,
Frommer Herzen schöner Spiegel,
Aller Freiheit güldner Zügel.

5 Ausbund aller schönen Jugend,
Aufenthaltung aller Tugend,
Hofstatt aller edlen Sitten,
Ihr habt mir mein Herz bestritten.

Gegensatz: An eine
sehr häßliche Jungfrau

1 Graues Haar voll Läus und Nisse,
Augen von Scharlack, voll Flüsse,
Blaues Maul voll kleiner Knochen,
Halb verrost und halb zerbrochen.

2 Blatterzunge, krank zu sprachen,
Affischs Zörnen, Narrenlachen,
Runzelvolle magre Wangen,
Die wie gelbe Blätter hangen.

3 Halshaut gleich den Morianen,
Arme, die mich recht gemahnen,
Wie ein Kind ins Kot gefallen,
Brüste wie zween Druckerballen.

4 Du bist so ein Alabaster,
Als ein wolberegntes Pflaster,
Aller Ungestalt ein Spiegel,
Aller Schönen Steigebügel.

5 Schimpf der Jungfern und der Jugend,
Unhuld aller lieben Tugend,
Einöd aller plumpen Sitten,
Lästu dich zum Freien bitten?

Lost Girl, 30. Juli 2018

Bilder:

  1. Astonish the World, 7. November 2018;
  2. Oh Well, 7. Juni 2014;
  3. Coisas de Terê, 10. Januar 2016;
  4. Chania: Carpe Diem With Alexander the Great;
  5. Lost Girl, 30. Juli 2018.

Du bist schön und du bist frei und du hast unbegrenzte Liebe:
Maike Rosa Vogel: Ich sing für dich, aus: Trotzdem gut, 2015:

BonusBild („Du hältst uns jetzt in deinen Armen und vielleicht bist du gleich schon fort“),
weil’s das schönste zum Thema war: Paloma Lanna Wool, via Surmise-en-scene, 13. November 2014:

Werbeanzeigen

Written by Wolf

29. März 2019 at 00:01

Veröffentlicht in Barock, Ehestand & Buhlschaft

Wölfe haben scharfe Zähne

leave a comment »

Update zu Rotkäppchen und der Penishase:

See! sweet and sound she sleeps in granny’s bed, between the paws of the tender wolf.

Angela Carter: The Company of Wolves, Victor Gollancz Ltd, London 1979, Schluss.

Wahrscheinlich ist es gar kein Naturgesetz, dass Spielfilme über die Mythologie von Wölfen der hinterletzte Schrott sein müssen, es scheint nur ein ehernes Gestaltungsgesetz.

Poster The Company of Wolves, 1984Bezugsgrößen seien die bekanntesten: American Werewolf, 1981, Wolfen, ebenfalls 1981, Die Zeit der Wölfe, 1984, und der vielleicht hanebüchenste von allen: Pakt der Wölfe, 2001. Ihren größten Ehrgeiz setzen solche Filme darein, dass sich ein böser — oder unschuldig dem Bösen anheim gefallener — Mensch in wild durcheinander geschnittenen, detaillierten Close-ups in einen Werwolf verwandelt, indem sich seine Glieder schmerzhaft verkrümmen und zusehends behaaren, ihm Ohren und eine Schnauze voller Reißzähne wachsen, während insinuiert wird, dass ich mich davor jetzt bitteschön „gruseln“ solle.

Als entfernten Namensvettern der Wölfe hat mich das von jeher betrübt. Das Beste an dem ganzen Genre ist der Belgische Schäferhundmischling, der den echten Wolf gibt: immer der beste Darsteller und schön flauschig. In diesem Sinne, habe ich immer gehofft, sollte es gemeint sein, wenn mich die mir nahestehenden Mädchen in halb romantischer, halb neckischer Weise mit Werwölfen verglichen; die lykanthropische Leistungsschau der Maskenbildner war es ja wohl nicht im Ernst.

Auffallend oft verwendeten meiner ungestützten Erinnerung nach drei Mädchen in ihrer romantischen Post an mich eine (jedenfalls ohne internetbasierte Möglichkeiten zur Recherche) obskure Stelle, die offensichtlich etwas mit Rotkäppchen zu tun hatte, aber auch in der erweiterten Version der Brüder Grimm, mehrere Auflagen seit 1812, nicht vorkam. Zur Erinnerung: Nachdem der Jäger dem Wolf den Pelz abgezogen hat, kommt ein alternatives Ende:

Es wird auch erzählt, dass einmal, als Rotkäppchen der alten Großmutter wieder Gebackenes brachte, ein anderer Wolf es angesprochen und vom Wege habe ableiten wollen. Rotkäppchen aber hütete sich und ging geradefort seines Wegs und sagte der Großmutter, dass es dem Wolf begegnet wäre, der ihm guten Tag gewünscht, aber so bös aus den Augen geguckt hätte: „Wenn’s nicht auf offener Straße gewesen wäre, er hätte mich gefressen.“ […]

Wie zu erwarten, stammt das folgende Gedicht, das mir wiederholt gewidmet wurde, weder aus Grimm noch sonst einer besonders verbreiteten Version von Rotkäppchen, die man von Kind auf lernt, ohne sie aktiv aufzusuchen. Dazu noch gereimt in einer Qualität, die gerade mal so volljährige Mädchen wahrscheinlich nicht ohne weiteres aus dem Ärmel schütteln:

——— Die Zeit der Wölfe, 1984,
Drehbuch: Neil Jordan und die Autorin der literarischen Vorlage, Angela Carter:

Und die Moral von der Geschicht‘:
Mädchen, weich vom Wege nicht!
Bleib allein und halt nicht an,
Traue keinem fremden Mann!
Geh‘ nie bis zum bitt’ren Ende,
Gib Dich nicht in fremde Hände!

Deine Schönheit zieht sie an
Und ein Wolf ist jeder Mann!
Merk Dir eines: In der Nacht
Ist schon mancher Wolf erwacht!
Weine um sie keine Träne!
Wölfe haben scharfe Zähne!

Solche Widmungen schmeicheln einem gerade mal so volljährigen Jungen natürlich bis in fortgeschrittene Lebensjahrzehnte. Sobald er Zugang zum Internet hat, beginnt er sich dafür zu interessieren, wo seine Verflossenen unabhängig voneinander das Zeug hergenommen haben, und sobald er heraus hat, dass man eine DVD mit der Leertaste pausieren kann, erfährt er ganz am Ende des Nachspanns von Die Zeit der Wölfe, einem leider heillos überschätzten und mit Filmpreisen fehlausgezeichneten Sammelsurium beliebig zusammengeklebter Episoden, die irgendwie von Wölfen handeln, um sich als geschlossene Filmhandlung auszugeben:

Es sind die letzten Worte in Die Zeit der Wölfe in der deutschen Synchroniation der englischen Übersetzung des französischen Originals von Charles Perrault, welch letzteres die Vorlage für die Brüder Grimm bildete. Gesprochen werden sie aus dem Off von Angela „Mord ist ihr Hobby“ Lansbury, die darin so lange die Großmutter gespielt hat, bis sie stirbt, indem ihr Kopf malerisch in ein Rauchwölkchen aufgeht, aber sonst eine höchst verdiente Schauspielfachkraft ist. — Das Original aus dem Film wird im Nachspann nachgewiesen als:

Quotation from ‚Petit Chaperon Rouge‘
by Charles Perrault
translated from the original
by S. R. Littlewood (1912)

——— The Company of Wolves, 1984:

Little girls, this seems to say
Never stop upon your way,
Never trust a stranger friend,
No-one knows how it will end,
As you’re pretty, so be wise,
Wolves may lurk in every guise.
Now, as then, ‚tis simple truth:
Sweetest tongue has sharpest tooth.

In der deutschen Version gegenüber der englischen stimmen also weder Form noch Inhalt überein, die Off-Stimme muss sich nicht einmal in der Verszahl ans Timing des parallel ablaufenden Filmgeschehens halten. Was man als Original vermuten möchte, weil es als Übersetzung von Charles Perrault ausgewiesen erscheint, ist dieselbe Stelle in der französischen Synchronfassung:

——— La Compagnie des loups, 1984:

Petite fille jamais en chemin ne vous arrêté,
jamais ne faites confiance à l’étranger
car nul ne sait comment cela peut se terminer.
Plus vous êtes jolies, plus il vous faut être avisée,
car l’homme le plus séduisant peut être un loup déguisé.
Aujourd’hui comme demain, resté donc sur vos gardes.
Car les paroles les plus belles se cachent les dents cruelles.

Das ist wesentlich näher am englischen Original-Drehbuch, nicht aber an Perrault. In dessen Histoires ou contes du temps passé, avec des moralités. Les Contes de ma mère l’Oye — übrigens gerade schmale acht an der Zahl — heißt es nämlich anno 1697 als abschließende Moral seines Ur-Rotkäppchens, in vergleichbarer dramaturgischer Funktion wie in Die Zeit der Wölfe, hier in der Rechtschreibung von 1697:

——— Charles Perrault: Le Petit Chaperon rouge, 1697:

Moralité

On voit icy que de jeunes enfans,
Sur tout de jeunes filles,
Belles, bien faites et gentilles,
Font tres-mal d’écouter toute sorte de gens,
Et que ce n’est pas chose étrange
S’il en est tant que le loup mange.
Je dis le loup, car tous les loups
Ne sont pas de la mesme sorte :
Il en est d’une humeur accorte,
Sans bruit, sans fiel et sans couroux,
Qui, privez, complaisans et doux,
Suivent les jeunes demoiselles
Jusque dans les maisons, jusque dans les ruelles.
Mais, hélas ! qui ne sçait que ces loups doucereux
De tous les loups sont les plus dangereux !

Und schließlich diese Stelle in der Übersetzung von Ulrich Friedrich Müller, 1962 im zweisprachigen Paralleldruck Contes de Fées/Märchen bei dtv:

——— Charles Perrault: Rotkäppchen, 1697:

Moral

Hier sieht man, dass ein jedes Kind
und dass die kleinen Mädchen (die schon gar,
so hübsch und fein, so wunderbar!)
sehr übel tun, wenn sie vertrauensselig sind,
und dass es nicht erstaunlich ist,
wenn dann ein Wolf so viele frisst.
Ich sag ein Wolf, denn alle Wölfe haben
beileibe nicht die gleiche Art:
Da gibt es welche, die ganz zart,
ganz freundlich leise, ohne Böses je zu sagen,
gefällig, mild, mit artigem Betragen
die jungen Damen scharf ins Auge fassen
und ihnen folgen in die Häuser, durch die Gassen.
Doch ach, ein jeder weiß, gerade sie, die zärtlich werben,
gerade diese Wölfe locken ins Verderben.

Es war also ein langer Weg seit 1697, bis freundliche Mädchen mir gegen 1986 kokette Wolfsgedichte widmen konnten. Bildmaterial im Übermaß erspare ich deswegen taktvoll uns allen.

Charles Perrault, Le petit chaperon rouge, 1695

Bilder/images/images: The Company of Wolves, 1984;
Charles Perrault: Contes de ma Mère l’Oye, [eigenes] manuscrit de 1695 (pièce ou n° 3 / 6),
The Pierpont Morgan Library, New York, MA1505, via Utpictura. Die bildliche Vorstellung, wie der Wolf die Großmutter im Bett überfällt, war also schon zwei Jahre vor Ur-Rotkäppchens Veröffentlichung ausgeprägt.

Soundtrack: First Aid Kit: Wolf, aus: The Lion’s Roar, 2012:

Written by Wolf

8. März 2019 at 00:01

Veröffentlicht in Barock, Das Tier & wir

Das Angedenken der Zuckerlust

with 2 comments

Update zu Du Uhu du:

Auf die Gefahr hin zu nerven, falls es nicht bis in die letzten Winkel vorgedrungen sein sollte: Ich sammle Gedichte mit siebenzeiligen Strophen. Wenn jemandem eins auffällt, mag er es mir bitte nicht verschweigen.

Mein bisher ältestes ist aus dem Minnesang, das jüngste von 1932. Falls das nicht gleichzeitig das liebste ist, nehm ich die 1797er Braut von Korinth, weil Goethe durchaus seine Momente haben konnte.

Dieser Tage hab ich eins aus dem Barock gefunden. Memento mori macht Spaß:

——— Christian Hofmann von Hoffmannswaldau:

Wo sind die stunden

1658, aus: Deutsche Vbersetzungen vnd Getichte, Jesaja Fellgiebel, Breslau 1679–1727,
in: Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte erster theil / nebenst einer vorrede von der deutschen Poesie, bey Thomas Fritsch, Leipzig 1697:

Pavel Kiselev, Strawberry Portrait, 15. Juni 2017Wo sind die stunden
Der süssen zeit /
Da ich zu erst empfunden /
Wie deine lieblichkeit
Mich dir verbunden?
Sie sind verrauscht / es bleibet doch dabey /
Daß alle lust vergänglich sey.

Das reine scherzen /
So mich ergetzt /
Und in dem tieffen herzen
Sein merckmal eingesetzt /
Läst mich in schmerzen /
Du hast mir mehr als deutlich kund gethan /
Daß freundlichkeit nicht anckern kan.

Das angedencken
Der zucker-lust /
Will mich in angst versencken.
Es will verdammte kost
Uns zeitlich kräncken /
Was man geschmeckt / und nicht mehr schmecken soll /
Ist freuden-leer und jammer-voll.

Olivia Frolich, Frida Gustavsson, Eurowoman Denmark, Juni 2016Empfangne küsse /
Ambrirter safft /
Verbleibt nicht lange süsse /
Und kommt von aller krafft;
Verrauschte flüsse
Erquicken nicht. Was unsern geist erfreut /
Entspringt aus gegenwärtigkeit.

Ich schwamm in freude /
Der liebe hand
Spann mir ein kleid von seide /
Das blat hat sich gewand /
Ich geh‘ im leide /
Ich wein‘ itzund / daß lieb und sonnenschein
Stets voller angst und wolcken seyn.

Vertonungen: Hans Gál: Vergängliches. Fünf Lieder, opus 33 Nr. 1, 1921, veröffentlicht bei N. Simrock, Berlin 1929;
Franz Krause: Wo sind die Stunden, aus: Gedichte aus alter Zeit, opus 51 Nr. 1, 1972.

Der Sommer war sehr groß: Pavel Kiselev: Strawberry Portrait, via j’ai envie de toi, 15. Juni 2017;
Olivia Frolich: Forever, featuring Frida Gustavsson für Eurowoman Denmark, Juni 2016.

Soundtrack: R.E.M.: Imitation of Life, aus: Reveal, 2001:

Written by Wolf

24. August 2018 at 00:01

Drum dein Stimmlein lass erschallen

leave a comment »

Update zu Trost der Welt, du stille Nacht,
Umfing ihn sein feins Liebchen: Leb wol, du Herzensbübchen! Leb wol! Viel Heil und Sieg!
und Doktor Faust thu dich bekehren:

Wird, gesungen, herzerfreulich seyn.

Goethe, 21. Januar 1806.

Da sieht man, woher die Herren von Arnim und Brentano ihre Volkslied-Raritäten für Des Knaben Wunderhorn aufgesammelt haben: Ab und zu wurde da wirklich ein Schatz in Form eines vorbarocken Flugblatts gehoben — und dann bedienen sie sich wieder aus dem alles andere als verschollenen Abentheuerlichen Simplicissimus von Grimmelshausen — immerhin barock, von 1669.

Giuseppe Calì, Woman in the Moon, 1912Das war ein Lieblingsbuch der beiden Sammler, vor allem Brentanos, weshalb wohl er es ins Wunderhorn hineingetragen und wortgetreu dafür bearbeitet haben wird. Wenn schon nicht redaktionell, versteht man ihn immerhin menschlich: Was Barocklyrik angeht, ist das ein unverwüstlich schönes, auf natürliche Weise inniges Juwel.

Eichendorff verwendete die Wunderhorn-Fassung, welcher Bestseller ihm bis dahin bekannt sein konnte und sogar 1810 von Brentano selbst überreicht wurde, für sein Gedicht Der Einsiedler — nach allen Fundstellen „um 1837“ entstanden, aber schon „um 1836“ in Eine Meerfahrt eingebaut. Wieder unter Brentanos Händen entstand 1846 doch noch die Rarität im Märchen von dem Schulmeister Klopfstock und seinen fünf Söhnen — das von Brentano vermutlich nicht ausdrücklich als verstecktes Nebenwerk beabsichtigt war, wo aber der Klausner eine Version in wesentlich nachbarockem Deutsch und vor allem in einem erfreulich grotesken Kontext singt.

In den folgenden Versionen erhellt, dass bei Grimmelshausen noch die Überschrift fehlt. Von Brentano wurde sie wohl nach einem Vers aus einem der Lieder nach Ossian aus der Volksliedsammlung von Herder 1779 gestaltet: „Der weckt den Schall der Nacht“, dort Buch 2, Nr. 15 — übrigens in der Reihe die Version, die als schroffer, schwer verständlicher Fremdkörper heraussticht.

Im gesamten Material liegt genügend Schönheit, um es versammelt sehen zu wollen. — Chronologisch:

L. Friday Comerre, 2017

——— Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen:

Das siebente Kapitel.

Simplex wird in einer Herberg tractiret /
ob gleich wird sehr grosser Mangel gespühret.

aus: Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch, I. Buch, 7. Capitul, 1669, ungekürzt:

WAs gestalten mir wieder zu mir selbst geholffen worden / weiß ich nicht / aber dieses wol / daß der Alte meinen Kopff in seinem Schos / und vornen meine Juppen geöffnet gehabt / als ich mich wieder erholete / da ich den Einsidler so nahe bey mir sahe / fieng ich ein solch grausam Geschrey an/ als ob er mir im selben Augenblick das Hertz auß dem Leib hätte reissen wollen: Er aber sagte / mein Sohn / schweig / ich thue dir nichts / sey zu frieden / etc. je mehr er mich aber tröstete / und mir liebkoste: Je mehr ich schrye / O du frisst mich! O du frisst mich! du bist der Wolf / und wilst mich fressen: Ey ja wol nein / mein Sohn / sagte er / sey zu frieden / ich friß dich nicht. Diß Gefecht währete lang / biß ich mich endlich so weit liesse weisen / mit ihm in seine Hütten zu gehen / darin war die Armut selbst Hofmeisterin / der Hunger Koch / und der Mangel Küchenmeister / da wurde mein Magen mit einem Gemüß und Trunck Wassers gelabt / und mein Gemüt / so gantz verwirret war / durch deß Alten tröstliche Freundligkeit wieder auffgericht und zu recht> gebracht: Derowegen ließ ich mich durch die Anreitzung deß süssen Schlaffes leicht bethören / der Natur solche Schuldigkeit abzulegen. Der Einsidel merckte meine Notdurfft / darumb liesse er mir den Platz allein in seiner Hütten / weil nur einer darin ligen konte; ohngefähr umb Mitternacht erwachte ich wieder / und hörete ihn folgendes Lied singen / welches ich hernach auch gelernet:

Carl Schweninger, Der Morgenstern und der MondKOmm Trost der Nacht / O Nachtigal /
Laß deine Stimm mit Freudenschall /
Auffs lieblichste erklingen :/:
Komm / komm / und lob den Schöpffer dein /
Weil andre Vöglein schlaffen seyn /
Und nicht mehr mögen singen:
     Laß dein / Stimmlein /
          Laut erschallen / dann vor allen
               Kanstu loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Ob schon ist hin der Sonnenschein /
Und wir im Finstern müssen seyn /
So können wir doch singen :/:
Von Gottes Güt und seiner Macht /
Weil uns kan hindern keine Nacht /
Sein Lob zu vollenbringen.
     Drumb dein / Stimmlein /
          Laß erschallen / dann vor allen
               Kanstu loben /
Gott im Himmel hoch dort oben.

Echo, der wilde Widerhall /
Will seyn bey diesem Freudenschall /
Und lässet sich auch hören :/:
Verweist uns alle Müdigkeit /
Der wir ergeben allezeit /
Lehrt uns den Schlaff bethören.
     Drumb dein / Stimmlein /
          Laß erschallen / dann vor allen
               Kanstu loben /
Gott im Himmel hoch dort oben.

Die Sterne / so am Himmel stehn /
Lassen sich zum Lob Gottes sehn /
Und thun ihm Ehr beweisen :/:
Auch die Eul die nicht singen kan /
Zeigt doch mit ihrem heulen an /
Daß sie Gott auch thu preisen.
     Drumb dein / Stimmlein /
          Laß erschallen / dann vor allen
               Kanstu loben /
Gott im Himmel hoch dort oben.

Nur her mein liebstes Vögelein /
Wir wollen nicht die fäulste seyn /
Und schlaffend ligen bleiben :/:
Sondern biß daß die Morgenröt /
Erfreuet diese Wälder öd /
Im Lob Gottes vertreiben.
     Laß dein / Stimmlein /
          Laut erschallen / dann vor allen
               Kanstu loben /
GOtt im Himmel hoch dort oben.

Unter währendem diesem Gesang bedunckte mich warhafftig / als wann die Nachtigal so wol / als die Eul und Echo, mit eingestimmt hätten / und wann ich den Morgenstern jemals gehört / oder dessen Melodey auff meiner Sackpfeiffen aufzumachen vermöcht / so wäre ich auß der Hütten gewischt / meine Karten mit einzuwerffen / weil mich diese Harmonia so lieblich zu seyn bedunckte / aber ich entschlieff / und erwachte nicht wieder / biß wol in den Tag hinein / da der Einsidel vor mir stunde / und sagte: Uff Kleiner / ich will dir Essen geben / und alsdann den Weg durch den Wald weisen / damit du wieder zu den Leuten / und noch vor Nacht in das nächste Dorff kommest; Jch fragte ihn / was sind das für Dinger / Leuten und Dorff? Er sagte / bist du dann niemalen in keinem Dorff gewest / und weist auch nicht / was Leut oder Menschen seynd? Nein / sagte ich / nirgends als hier bin ich gewest / aber sag mir doch / was seynd Leut / Menschen und Dorff? Behüt GOtt / antwortet der Einsidel / bist du närrisch oder gescheid? Nein / sagte ich / meiner Meüder und meines Knans Bub bin ich / und nicht der närrisch oder der gescheid: Der Einsidel verwundert sich mit Seufftzen und Becreutzigung / und sagte: Wol liebes Kind / ich bin gehalten / dich umb GOttes willen besser zu unterrichten: Darauff fielen unsere Reden und Gegen-Reden / wie folgend Capitel außweiset.

~~~\~~~~~~~/~~~

Jules Joseph Lefebvre, Le rêve

——— Johann Gottfried Herder:

15. Fillans Erscheinung und Fingals Schildklang

Aus Ossian

aus: „Stimmen der Völker in Liedern“. Volkslieder, Zweiter Theil, Zweites Buch, Nummer 15, 1778:

Luis Ricardo Falero: Moon Nymph, detail, 1883Kein Schlaf in deinem Dunkel ist auf dir,
Blauaugigte Tochter Konmors, des Hügels.
Es hört Sulmalla den Schlag,
Auf stand sie in Mitte der Nacht,
Ihr Schritt zum Könige Atha’s des Schwerts,
„Kann ihm erschrecken die starke Seele?“
Sie stand in Zweifel, das Auge gebeugt.
Der Himmel im Brande der Sterne. – –

Sie hört den tönenden Schild,
Sie geht, sie steht, sie stutzet, ein Lamm,
Erhebt die Stimme; die sinkt hinunter – –
Sie sah ihn im glänzenden Stahl,
Der schimmert zum Brande der Sterne – –
Sie sah ihn in dunkler Locke,
Die stieg im Hauche des Himmels – –
Sie wandte den Schritt in Furcht:
„Erwachte der König Erins der Wellen!
Du bist ihm nicht im Traume des Schlafs,
Du Mädchen Inisvina des Schwerts.“

Noch härter tönte der Schall;
Sie starrt; ihr sinket der Helm.
Es schallet der Felsen des Stroms,
Nachhallets im Traume der Nacht;
Kathmor hörets unter dem Baum,
Er sieht das Mädchen der Liebe,
Auf Lubhars Felsen des Bergs,
Rothes Sternlicht schimmert hindurch
Dazwischen der Schreitenden fliegendem Haar.

Wer kommt zu Kathmor durch die Nacht?
In dunkler Zeit der Träume zu ihm?
Ein Bote vom Krieg im schimmernden Stal?
Wer bist du, Sohn der Nacht?
Stehst da vor mir, ein erscheinender König? –
Ruffen der Todten, der Helden der Vorzeit? –
Stimme der Wolke des Schauers? –
Die warnend tönt vor Erins Fall.

„Kein Mann, kein Wandrer der Nachtzeit bin ich,
Nicht Stimme von Wolken der Tiefe,
Aber Warnung bin ich vor Erins Fall.
Hörst du das Schallen des Schildes?
Kein Todter ists, o König von Atha der Wellen,
Der weckt den Schall der Nacht!“

„Mag wecken der Krieger den Schall!
Harfengetön ist Kathmor die Stimme!
Mein Leben ists, o Sohn des dunkeln Himmels,
Ist Brand auf meine Seele, nicht Trauer mir.
Musik den Männern im Stale des Schimmers
Zu Nachts auf Hügeln fern.
Sie brennen an denn ihre Seelen des Strals,
Das Geschlecht der Härte des Willens.
Die Feigen wohnen in Furcht,
Im Thal des Lüftchens der Lust,
Wo Nebelsäume des Berges sich heben
Vom blauhinrollenden Strom u.f.“

~~~\~~~~~~~/~~~

Wytch Photos, Spirit of the New Moon, 9. September 2016

——— Clemens Brentano & Achim von Arnim:

Schall der Nacht.

Simplicissimi Lebenswandel. Nürnberg 1713. I. B. S. 28.

aus: Des Knaben Wunderhorn, Band 1, 1806:

William-Adolphe Bouguereau, L'Étoile Perdue, 1884Komm Trost der Nacht, o Nachtigall!
Laß deine Stimm mit Freuden-Schall
Aufs lieblichste erklingen,
Komm, komm, und lob den Schöpfer dein,
Weil andre Vögel schlafen seyn,
Und nicht mehr mögen singen;
Laß dein Stimmlein
Laut erschallen, denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.

Obschon ist hin der Sonnenschein,
Und wir im Finstern müssen seyn,
So können wir doch singen
Von Gottes Güt und seiner Macht,
Weil uns kann hindern keine Nacht,
Sein Loben zu vollbringen.
Drum dein Stimmlein
Laß erschallen, denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.

Echo, der wilde Wiederhall,
Will seyn bei diesem Freudenschall,
Und läßet sich auch hören;
Verweist uns alle Müdigkeit,
Der wir ergeben allezeit,
Lehrt uns den Schlaf bethören.
Drum dein Stimmlein
Laß erschallen, denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.

Die Sterne, so am Himmel stehn,
Sich lassen Gott zum Lobe sehn,
Und Ehre ihm beweisen;
Die Eul‘ auch, die nicht singen kann,
Zeigt doch mit ihrem Heulen an,
Daß sie auch Gott thu preisen.
Drum dein Stimmlein
Laß erschallen, denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.

Nur her, mein liebstes Vögelein!
Wir wollen nicht die faulsten seyn,
Und schlafen liegen bleiben,
Vielmehr bis daß die Morgenröth
Erfreuet diese Wälder-Oed,
In Gottes Lob vertreiben;
Laß dein Stimmlein
Laut erschallen, denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.

~~~\~~~~~~~/~~~

Jan Saudek

——— Joseph von Eichendorff:

Der Einsiedler

aus: Deutscher Musenalmanach, 1837; gesammelt in: Gedichte 1831–1836, 6. Geistliche Gedichte:

Albert Aublet, Sélène, 1880Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd‘,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

~~~\~~~~~~~/~~~

Pompeo Batoni: Truth and Mercy, ca. 1745

——— Clemens Brentano:

Komm, Trost der Nacht

aus: Das Märchen von dem Schulmeister Klopfstock und seinen fünf Söhnen, 1846:

„[…] Ich rührte mich nicht und hörte nach einer Weile ein ganz entsetzliches Schnarchen, als wenn man Holz säge. Ach, dachte ich, was muß das Tier für ein abscheulich großes Maul haben, das so gewaltig schnarchen kann! Nun ging der Mond über dem Walde auf und goß seinen wunderbaren Glanz durch die Bäume; da blickte ich mit Angst in das Gelaube des Baumes hinein, von dem ich gefallen war, um etwas zu erkennen, wie das Tier aussähe, weil ich in meinem Leben nichts von einem Tiere gehört hatte, das einem Wildschweine eine Ohrfeige gäbe und dann wie ein Hund bellend in den Bäumen herumlaufe. Bald sah ich seinen schwarzen Schatten in einem Astwinkel liegen, wo es schnarchte; aber es wehten so lange Haare herum, daß ich es nicht erkennen konnte. Indem ich so hinaufsah, hatte ich einen neuen Schrecken: das Tier streckte sich und gähnte ganz entsetzlich uah, uah, und nieste so heftig, daß die Eicheln wie ein Hagelwetter mir auf die Nase rasselten. Aber ich wagte nicht, mich zu rühren, und wie groß war mein Erstaunen, als ich das Tier auf einmal mit lauter heller Stimme folgendes schöne Lied singen hörte:

Artemisia Gentileschi: Allegoria dell'inclinazioneKomm, Trost der Nacht, o Nachtigall!
Laß deine Stimm mit Freudenschall
Aufs lieblichste erklingen;
Komm, komm und lob den Schöpfer dein,
Weil andre Vöglein schlafen sein
Und nicht mehr mögen singen:
Laß dein Stimmlein laut erschallen,
Denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Obschon ist hin der Sonnenschein
Und wir im Finstern müssen sein,
So können wir doch singen
Von Gottes Güt und seiner Macht,
Weil uns kann hindern keine Nacht,
Sein Lobe zu vollbringen:
Drum dein Stimmlein laß erschallen,
Denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Echo, der wilde Wiederhall,
Will sein bei diesem Freudenschall
Und lässet sich auch hören;
Verweist uns alle Müdigkeit,
Der wir ergeben alle Zeit,
Lehrt uns den Schlaf betören;
Drum dein Stimmlein laß erschallen,
Denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Die Sterne, die am Himmel stehn,
Sich lassen zum Lobe Gottes sehn
Und Ehre ihm beweisen;
Die Eul auch, die nicht singen kann,
Zeigt doch mit ihrem Heulen an,
Daß sie Gott auch tu preisen;
Drum dein Stimmlein laß erschallen,
Denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Nur her, mein liebstes Vögelein!
Wir wollen nicht die Faulsten sein
Und schlafend liegen bleiben;
Vielmehr, bis daß die Morgenröt
Erfreuet diese Wälder öd,
In Gottes Lob vertreiben;
Laß dein Stimmlein laut erschallen,
Denn vor allen
Kannst du loben
Gott im Himmel hoch dort oben.“

„Ei, das war sein Lebtag kein wildes Tier, welches dieses Lied sang!“ rief da der Schulmeister Klopfstock aus, und Trilltrall sagte: „Ihr habt gut reden, lieber Vater! Ihr habt es nicht gesehen auf allen Vieren ans Wasser kriechen, dem Wildschwein die Ohrfeige geben und dann auf dem Baum herumbellen; freilich, als es das schöne fromme Lied so recht aus Herzensgrund durch den Baum sang, in welchen der Mond hineinschien wie in eine schöne Kirche, und als Echo, der wilde Wiederhall, und die liebe Frau Nachtigall auch sangen zu diesem Freudenschall, und der Quell lieblicher rauschte und der Wald andächtiger lauschte, da zogen die Wölkchen am Himmel nicht mehr so schnell, und der Mond ward noch einmal so hell, und alle meine Angst besänftigte sich; meine Seele, welche gewesen war wie ein Meer, in welches ein großer Felsen hineinstürzte, verwirrt und trüb voll niederschlagender Wellen, wurde nach dem ersten Verse schon wie ein See, in den ein Fisch, den ein Geier herausgeraubt, frisch und gesund wieder hineinfällt; und nach dem zweiten Vers wie ein See, auf welchen ein singender Schwan niederfliegt und schimmernde Gleise zieht; und nach dem dritten Vers wie ein See, in welchen eine vorüberreisende Taube ein Zweiglein von dem friedlichen Ölbaum fallen läßt; und nach dem vierten Vers wie ein See, in den ein vorüberziehendes Lüftlein ein Rosenblatt weht; und nach dem fünften Vers war es mir, als sei ich wie ein müdes Bienlein, das über den See fliegen wollte und gar nicht weiter konnte und in großer Angst war, da es zum Wasser herabfiel, auf dieses Rosenblatt gefallen, und als schiffe ich sicher und ruhig auf dem Rosenblättlein hinüber und lande jenseits in einem blumenvollen Garten, aus dem mir die Nachtigallen entgegenschmetterten; mein Herz war so ruhig wie ein Spiegel, in dem sich der Mond anschaut und vor dem der Friede sang:

Ach, hört das süße Lallen
Der kleinen Nachtigallen!“

Auguste Raynaud: La nuit, 1887

Bilder:

  1. Gustave Moreau, Nyx, Göttin der Nacht, 1880Giuseppe Calì: Woman in the Moon, 1912, via Silence for My Soul;
  2. L. Friday Comerre, 2017, via Eudaimonia;
  3. Carl Schweninger (1854-1903): Der Morgenstern und der Mond, via Silence for My Soul;
  4. Jules Joseph Lefebvre: Le rêve;
  5. Luis Ricardo Falero: Moon Nymph (detail), 1883, via Mademoiselle la Piquante;
  6. Wytch Photos: Spirit of the New Moon, 9. September 2016;
  7. William-Adolphe Bouguereau: L’Étoile Perdue, 1884, via Wikiquote;
  8. Jan Saudek, via Jan Saudek Moodboard;
  9. Albert Aublet: Sélène, 1880, via Paintings Daily, 23. Mai 2017;
  10. Pompeo Batoni: Truth and Mercy, ca. 1745, via Centuries Past;
  11. Artemisia Gentileschi: Allegoria dell’inclinazione, via Art;
  12. Auguste Raynaud: La nuit, 1887, via Notes From A Superfluous Man, 11. Februar 2017;
  13. Gustave Moreau: Nyx, Göttin der Nacht, 1880, via Wikimedia Commons.

Vertonungen: Robert Schumann: Der Einsiedler, opus 83 Nr. 3;
Max Reger: Der Einsiedler, opus 144a, 1915:


Soundtrack: Freakwater: Lullaby, aus: Feels Like the Third Time, 1994:

Written by Wolf

29. Juni 2018 at 00:01

Veröffentlicht in Barock, Vier letzte Dinge: Himmel

Scheißen Sie also nach Belieben

with 2 comments

Update zu Spitz wie Wetzlarer Karotte,
Schmerz, Tod und Graus gar spaßig zu erfassen,
Impotence proved I’m superman
und Lessing Luther Lemnius:

Dieser Brief musste früher oder später kommen. Umso verwunderlicher, dass davon keine zuverlässige oder auch nur vollständige Vorlage aufzutreiben war. Realistisch erreichbar ist die Auswahl Briefe der Liselotte von der Pfalz. Herausgegeben und eingeleitet von Helmuth Kiesel. Mit zeitgenössischen Porträts, Insel Verlag 1981; die verbindlichen Ausgaben sind diejenigen, nach denen sich Kiesel nach eigenen Angaben richtet: Briefe der Herzogin Elisabth Charlotte von Orléans (…). Herausgegeben von Dr. Wilhelm Ludwig Holland. 6 Bände. Stuttgart 1867–81 und Aus den Briefen der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an die Kurfürstin Sophie von Hannover. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts. Herausgegeben von Eduard Bodemann. 2 Bände. Hannover 1891.

Von 1881 und 1891 — wobei die letztere sich schon in der Themenstellung ihrerseits als Auswahl ankündigt, und als modernste Ausgabe erwähnt Kiesels Literaturverzeichnis noch Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans, gen. Liselotte. Herausgegeben von Hermann Bräuning-Oktavio — Leipzig 1913. Die ach so sprachlich erfrischend und unverblümt sich äußernde Liselotte soll gegen 60000 briefe geschrieben haben, von denen 5000 erhalten sind, und wird offenbar immer nur als Zitat eines Zitats eines Zitats weitergereicht, der berüchtigte Brief mit seiner Ballung an Kraftausdrücken — genauer: eines einzigen Kraftausdrucks — fehlt in der 1981er Auswahl des Insel-Verlags ganz. Und ab hier will man schon gar nicht mehr so genau wissen, in welchen wissenschaftlich verwendbaren Ausgaben er „entschärft“ erscheint oder ganz unterschlagen wird.

Coturnix, Erbauliche Enzy-Clo-Pädie, Meyster Verlag 1979Was ist eigentlich das Beschämende? Dass der Mensch (in Klammern: ich) so gern in hohen Gegenständen nach dem Niederen wühlt, bis er feststellen muss, dass das Niedere aus dem Hohen gerade dann herausgehalten wird, wenn es kulturhistorisch interessant wird — oder dass ich das ausführlichste Zitat — immer noch nicht den vollständigen Brief — in einem populären Brevier von 1979 finden musste?

Erbauliche Enzy-Clo-Pädie. Kulturgeschichte eines verschwiegenen Örtchens, herausgegeben von einem gewissen „Coturnix“ (wissenschaftlicher Name der Wachtel) im Meyster Verlag, der schon nicht mehr dingfest zu machen ist, habe ich mir 1979 oder kurz danach in der Buchabteilung vom Nürnberger Karstadt spendieren lassen — von meiner Frau Mutter, die dabei pflichtschuldig die Augen verdrehte, aber froh war, dass es mit 5,80 D-Mark abging statt mit den 14,80 für einen Karl May der Bamberger Reihe. Da war ich elf und musste mit irgendetwas auf dem Schulhof angeben können; das Bändchen (128 Seiten — es liegt mir noch vor) richtete sich wohl an Erwachsene bei gutbürgerlicher Freizeitgestaltung, die sich ansonsten auch gezielt „Herrenwitze“ merken, um sie ungefragt mit zuverlässigem Lacherfolg zu erzählen, und gern in hohen Gegenständen nach dem Niederen wühlen.

Den Liselotte-Brief habe ich seit 1979 öfter zitiert gesehen, genauer als bei „Coturnix“ werden wir ihn lange nicht vorfinden — mindestens bis 2022, wenn Liselotte 370. Geburtstag und 300. Todestag auf einmal feiern kann, worüber auch aus feministischer Sicht einiges zu holen sein dürfte — aber nicht so lange, wie eine seriöse, dabei lesbare Kulturgeschichte der Toilettenhygiene noch ausstehen wird.

Die Rechtschreibung ist alles andere als Liselottes originale, die in Kiesels Auswahl immer noch „behutsam modernisiert“, aber in ihrem übermütigen, sinnstiftenden Geiste belassen wäre.

——— Elisabeth Charlotte „Liselotte“ von der Pfalz:

Fontainebleau, den 9. Oktober 1694

Fontainebleau, den 9. Oktober 1694, an ihre Tante Sophie von der Pfalz:

Sie sind in der glücklichen Lage, scheißen gehen zu können, wann Sie wollen, scheißen Sie also nach Belieben. Wir hier sind nicht in derselben Lage, hier bin ich verpflichtet, meinen Kackhaufen bis zum Abend aufzuheben; es gibt nämlich keinen Leibstuhl in den Häusern an der Waldseite. Ich habe das Pech, eines davon zu bewohnen und darum den Kummer, hinausgehen zu müssen, wenn ich scheißen will, das ärgert mich, weil ich bequem scheißen möchte, und ich scheiße nicht bequem, wenn sich mein Arsch nicht hinsetzen kann. Dazu wäre noch zu bemerken, daß uns jeder beim Scheißen sieht: Da laufen Männer, Frauen, Mädchen und Jungen vorbei, Pfarrer und Schweizergarden können einander zusehen; nun, kein Vergnügen ohne Mühe und wenn man überhaupt nicht scheißen müßte, dann fühlte ich mich in Fontainebleau wie der Fisch im Wasser.

Es ist äußerst betrüblich, daß meine Freuden von Scheißhaufen behindert werden; ich wünschte, daß der, der das Scheißen erfunden hat, er und seine ganze Sippschaft, nur durch eine Tracht Prügel scheißen könnte! Wie war das am Dienstag? Man müßte leben können, ohne zu scheißen. Setzen Sie sich zu Tisch mit der besten Gesellschaft der Welt, wenn Sie scheißen müssen, müssen Sie scheißen gehen oder verrecken. Ach, die verdammte Scheißerei! ch weiß nichts Ekeligeres als das Scheißen. Sie sehen eine hübsche Person, niedlich, reinlich, Sie rufen aus: ach wie reizend wäre das, wenn sie nicht schisse! Den Lastenträgern, Gardesoldaten, Sänfteträgern, dem Volk dieses Kalibers billige ich es zu. Aber: die Kaiser scheißen, die Kaiserinnen scheißen, die Könige scheißen, die Königinnen scheißen, der Papst scheißt, die Kardinäle scheißen, die Fürsten scheißen und die Erzbischöfe und Bischöfe scheißen, die Pfarrer und die Vicare scheißen. Geben Sie zu, die Welt ist von von ekelhaften Leuten! Denn schließlich scheißt man in der Luft, man scheißt auf die Erde, man scheißt ins Meer, das Weltall ist angefüllt mit Scheißern und die Straßen von Fontainebleau mit Scheiße, vor allem mit Schweizerscheiße und die pflanzen Haufen — ebenso große wie Sie, Madame. Wenn Sie glauben, einen hübschen kleinen Mund zu küssen, mit ganz weißen Zähnen — Sie küssen eine Scheißemühle: alle Köstlichkeiten, die Biscuits, die Pasteten, Torten, Füllungen, Schinken, Rebhühner und Fasanen usw. Das Ganze existiert nur um daraus gemahlene Scheiße zu machen …

Heidelinde Weis als Liselotte von der Pfalz, 1966

BIlder: Coturnix (Hrsg.): Erbauliche Enzy-Clo-Pädie. Kulturgeschichte eines verschwiegenen Örtchens,
Meyster Verlag 1979;
Heidelinde Weis in: Liselotte von der Pfalz, 1966 (vermutlich von Regisseur Hoffmann mit Absicht ausnahmsweise nicht mit Liselotte Pulver besetzt), via TV Movie, ca. 2013. Der Film war wie alle von Kurt Hoffmann übrigens nicht vollends … nun ja: scheiße:

Written by Wolf

22. Juni 2018 at 00:01

Wir rechnen jahr auff jahre / in dessen wirdt die bahre vns für die thüre bracht

leave a comment »

Update zu Zwischenmaschine:

Ich war im Stillen herzlich erfreut gestern Abend mit Ihnen das Jahr und da wir einmal Neunundneunziger sind auch das Jahrhundert zu schließen. Lassen Sie den Anfang wie das Ende sein und das künftige wie das vergangene.

Goethe an Schiller, Weimar am 1. Januar 1800.

Zweifarbig lackiertDamit das Jahr anfängt, wie es aufgehört hat, musste man sich sich auf die alte Tugend der Wollust besinnen, die Wölfin hat sich die Zehennägel gleich zweifarbig lackiert und wurde während einiger freundlicher Begegnungen zu Bette unversehens dermaßen laut, dass unser einst liebgewordener Spanner uns am Erdgeschoßfenster wiederenteckt hat, und Sie hätten mir jetzt fast geglaubt:

Das süsse jubiliren /
Das hohe triumphiren
Wirdt oft in hohn vnd schmach verkehrt.

Siehe unten: Wir unterscheiden nach Prediger Salomos tautologischem Spruch vanitas vanitatum et omnia vanitas (Kohelet 1,2) Andreas Gryphius‘ Sonett Es ist alles eitel, 1637 in Alexandrinern, von dessen späterer Ode Vanitas! Vanitatum Vanitas!, 1643 in dreihebigen Jamben — also in einer Art aufgeteilten und aufgelockerten Alexandrinern mit vierhebiger Variation in den letzten Strophenversen, die gleich wesentlich mehr Rock’n’Roll ins Metrum tragen. Goethe bezieht sich in seinem Gedicht Ich hab mein Sach auf Nichts gestellt 1806 qua Überschrift und Metrum eindeutig auf Gryphius‘ Ode, parodiert aber inhaltlich Adam Reusner: Ich hab mein Sach Gott heimgestellt, 1533 in der Melodie von Johann Leon, 1589.

Theoretisch passen auf den Text die Melodien von Innsbruck, ich muss dich lassen und Der Mond ist aufgegangen. — Theoretisch, hab ich gesagt.

Gesegnetes 2018.

Titti Garelli, Vanitas

——— Andreas Gryphius:

Vanitas! Vanitatum Vanitas!

Ode, 1643:

Die Herrlikeit der Erden
Mus rauch undt aschen werden /
Kein fels / kein ärtz kan stehn.
Dis was vns kan ergetzen /
Was wir für ewig schätzen /
Wirdt als ein leichter traum vergehn.

Was sindt doch alle sachen /
Die vns ein hertze machen /
Als schlechte nichtikeit?
Waß ist der Menschen leben /
Der immer vmb mus schweben /
Als eine phantasie der zeit.

Der ruhm nach dem wir trachten /
Den wir vnsterblich achten /
Ist nur ein falscher wahn.
So baldt der geist gewichen:
Vnd dieser mundt erblichen:
Fragt keiner / was man hier gethan.

Es hilfft kein weises wissen /
Wir werden hingerissen /
Ohn einen vnterscheidt /
Was nützt der schlösser menge /
Dem hie die Welt zu enge /
Dem wird ein enges grab zu weitt.

Dis alles wirdt zerrinnen /
Was müh‘ vnd fleis gewinnen
Vndt sawrer schweis erwirbt:
Was Menschen hier besitzen /
Kan für den todt nicht nützen /
Dis alles stirbt vns / wen man stirbt.

Was sindt die kurtzen frewden /
Die stets / ach! leidt / vnd leiden /
Vnd hertzens angst beschwert.
Das süsse jubiliren /
Das hohe triumphiren
Wirdt oft in hohn vnd schmach verkehrt.

Du must vom ehre throne
Weill keine macht noch krone
Kan vnvergänglich sein.
Es mag vom Todten reyen /
Kein Scepter dich befreyen.
Kein purpur / gold / noch edler stein.

Wie eine Rose blühet /
Wen man die Sonne sihet /
Begrüssen diese Welt:
Die ehr der tag sich neiget /
Ehr sich der abendt zeiget /
Verwelckt / vnd vnversehns abfält.

So wachsen wir auff erden
Vnd dencken gros zu werden /
Vnd schmertz / vnd sorgenfrey.
Doch ehr wir zugenommen /
Vnd recht zur blütte kommen /
Bricht vns des todes sturm entzwey.

Wir rechnen jahr auff jahre /
In dessen wirdt die bahre
Vns für die thüre bracht:
Drauff müssen wir von hinnen /
Vnd ehr wir vns besinnen
Der erden sagen gutte nacht.

Weil uns die lust ergetzet:
Vnd stärcke freye schätzet;
Vnd jugendt sicher macht /
Hatt vns der todt gefangen /
Vnd jugendt / stärck vnd prangen /
Vndt standt / vndt kunst / vndt gunst verlacht!

Wie viel sindt schon vergangen /
Wie viell lieb-reicher wangen /
Sindt diesen tag erblast?
Die lange räitung machten /
Vnd nicht einmahl bedachten /
Das ihn ihr recht so kurtz verfast.

Wach‘ auff mein Hertz vndt dencke;
Das dieser zeitt geschencke /
Sey kaum ein augenblick /
Was du zu vor genossen /
Ist als ein strom verschossen
Der keinmahl wider fält zu rück.

Verlache welt vnd ehre.
Furcht / hoffen / gunst vndt lehre /
Vndt fleuch den Herren an /v
Der immer könig bleibet:
Den keine zeitt vertreibet:
Der einig ewig machen kan.

Woll dem der auff ihn trawett!
Er hat recht fest gebawett/
Vndt ob er hier gleich fält:
Wirdt er doch dort bestehen
Vndt nimmermehr vergehen
Weil ihn die stärcke selbst erhält.

Burgfräulein von Strechau, 17. Jahrhundert

Bilder: Titti Garelli: Vanitas, Acryl auf Holz, verkauft;
N. N.: Burgfräulein von Strechau, Ölgemälde, 17. Jahrhundert,
Kunsthistorisches Museum Benediktinerstift Admont.
Sie soll rotblond gewesen sein.

Die Wölfin so: „Deine Creative-Writing-Kundschaft glaubt hoffentlich nicht alles, was geschrieben steht?“ Ich so: „Meine umfassend gebildete Zielgruppe glaubt Bilder.“ Die Wölfin so: „Um Gottes willen, dass du einen Sprung hast. Nimm das sofort raus, du Familiensparhengst.“ Ich so: „Jahahaha.“

Soundtrack: Element of Crime: Der weiße Hai, aus: Immer da wo du bist bin ich nie, 2009:

Written by Wolf

2. Januar 2018 at 00:01

Veröffentlicht in Barock, Vier letzte Dinge: Tod

Gute Vorsätze 1650–2018

leave a comment »

Update zu Cit. Schmidt, A., Faust IV, 1960
und Historische Post vom Verleger:

——— Friedrich von Logau:

Das neue Jahr.

1650, aus: Salomons von Golaw deutscher Sinn-Getichte andres Tausend.
Desz andren Tausend andres Hundert:

Son verschwommenen Lyriker-Typ, Will lieber nicht kritisiert werden, dafür aber Radioaufträge. Großmeister Schmidt, in Bargfeld residierend, ca. 1972Abermals ein neues Jahr! immer noch die alte Noth! —
O das Alte kümmt von uns, und das Neue kümmt von Gott.
Gottes Güt ist immer neu; immer alt ist unsre Schuld;
Neue Reu verleih‘ uns Herr und beweis‘ uns alte Huld!

——— Arno Schmidt:

Aus dem Leben eines Fauns

1953, Bargfelder Studienausgabe Band 1, Seite 335:

Müssen gute Vorsätze gehalten werden, oder ist es ausreichend, daß man sie faßt ? !

~~~\~~~~~~~/~~~

Bild: So’n verschwommenen Lyriker-Typ: Will lieber nicht kritisiert werden, dafür aber Radioaufträge: Großmeister Schmidt, in Bargfeld residierend, ca. 1972,
via Tilman Spreckelsen: Der erste Leser. Martin Walser und Arno Schmidt,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. März 2017.

Alte Schuld und neue Reu: Anti Cornettos: Korsakov Syndrom, aus: Dohuggandedeoiweidohuggan, 2014:

Written by Wolf

1. Januar 2018 at 00:01

Veröffentlicht in Barock, Nahrung & Völlerei