Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Willkomm und dervoo

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——— Goethe: Willkommen und Abschied,
Fassung 1771. Sesenheimer Lied an Friederike Brion,
aus: Johann Georg Jacobi (Hg.): Iris, Zweyter Band, 1775:

Mir schlug das Herz; geschwind zu Pferde,
Und fort, wild, wie ein Held zur Schlacht!
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hieng die Nacht
Schon stund im Nebelkleid die Eiche,
Ein aufgethürmter Riese, da,
Wo Finsterniß aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von seinem Wolkenhügel,
Schien kläglich aus dem Duft hervor;
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer –
Doch tausendfacher war mein Muth:;
Mein Geist war ein verzehrend Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloß in Gluth.

Ich sah dich, und die milde Freude
Floß aus dem süßen Blick auf mich.
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und ieder Athemzug für dich.
Ein rosenfarbes Frühlings Wetter
Lag auf dem lieblichen Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter!
Ich hoft’ es, ich verdient’ es nicht.

Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe!
Aus deinen Blicken sprach dein Herz.
In deinen Küßen, welche Liebe,
O welche Wonne, welcher Schmerz!
Du giengst, ich stund, und sah zur Erden,
Und sah dir nach mit naßem Blick;
Und doch, welch Glück! geliebt zu werden,
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

——— Helmut Haberkamm: In der Frieh auf un dervoo
nooch Goethe.
Aischgründer Fränkisch aus: Frankn lichd nedd am Meer, 1992:

Mei Herz hadd bumberd, wi der Blitz
Binni aufs Mobbed un fodd mid Karacho.
In di Wälder woor nu di Nachd gleeng
Obber es hadd scho dämmerd drundn im Grund;
In Neebl woor is Dransfermooderhaisla gstanna
Un in Nachbern sei Miesdbraader derneem;
Katzn sin gloffn, di Zeidung hemms ausdroong
Un an Himml hemm hunnerd Sternle gleichd.

Der Mond hadd gschaud wia rahmier Schepfer
Hinder di Wolgn, di zoong sinn wi di Heiballn;
A gscheider daamischer Wind is der ganga
Daß pfiffn un kaald hadd under meim Helm;
Di Nachd hadd dausnd Strasserpfosdn brachd
Grusli glänzd hemms, daß mi kuscherd hadd;
Im meim Kopf woor nu a gscheida Hitzn
mei Herz hadd bumberd un brennd wi laaferds Waggs.

Iech hobb di widder vor mer steh sehng
Wia Achhernla hobbermi gfreid un zerlusdierd;
Ganzergoor binni an deiner Seidn gweesn
Jeeder Schnaufer, jeeder Zugger woor ganz fier diech;
Wia Reesla, wia Heesla, so linni, so greemi
Grood so woor heid nachd dei ganz Gsichd;
Zammgleeng woormer, warm un zabblerd
Koffd hemmer, driggd un gschnaufd un drungn.

Un nacherd in der Frieh Addee gsochd un ganga
Di Leid sin grood fodd auf di Doochschichd zum Bus;
Schee gschmeggd hadd dei Kuß, waach wi der Glee;
Gschaud hammer, grinsd un vo weid wech nu gwungn;
Is Mobbed hobbi foddgschoom un na oogschmissn
In Helm drieber geechern Wind un geecher di Nässn.
Es is scho schee, wemmer mid an Maadla geh dudd
Bloß is Mobbed hadd sei Muggn, wenns a Nachd lang stehd.

Marina Refur, The Blind Cyclist in Need of Direction, 21. August 2011

Mobbed mid Muggn: Marina „Red Redhead“ Refur: The Blind Cyclist in Need of Direction, 21. August 2011.

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Written by Wolf

1. Januar 2013 um 00:01

Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, Sturm & Drang

3 Antworten

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  1. Hei, das erste kenn ich immer noch auswendig, habs immer gemocht. Erstaunlich, was der innere Speicher so alles aufhebt. Und kann ich für das zweitere büdde grad mal einen Fränkisch-Crashkurs haben? :o)

    hochhaushex

    1. Januar 2013 at 20:09

    • Echt? Das Fränkisch find ich sogar recht durchsichtig — wobei ich natürlich befangen bin .ò)

      Wolf

      2. Januar 2013 at 14:08

      • Nu ja. irgendwie durchsichtig schon. Wenn ichs in legasthenischem Tempo lese, so um die 90% – glaub ich. Den Rest deute ich dann vielleicht wie der Google-Translator. ;o) Aber die rustikal liebevolle Parallele hab ich schon verstanden – glaub ich. :o)

        hochhaushex

        3. Januar 2013 at 00:37


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