Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Oh my, oh my, oh my, what if it was true? (O wolle nicht ergründen, was einmal unergründlich ist)

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Update zu Denkst du denn nicht an den Loup Garou?
und Ach! wie ists erhebend sich zu freuen:

Oh my, oh my, oh my, what if it was true?
And oh my, oh my, oh my, tell me is it true?
Did he, did he, did he die upon that cross?
And did he, did he, did he come back across?

Violent Femmes: Jesus Walking on the Water, 1984.

Am I a soldier of the cross,
A follower of the Lamb,
And shall I fear to own His cause,
Or blush to speak His name?

Carter Family: On the Sea of Galilee, 1932.

Vnd da der Sabbath vergangen war, kaufften Maria Magdalena, vnd Maria Jacobi vnd Salome specerey, auff das sie kemen, vnd salbeten jn. Vnd sie kamen zum Grabe an einem Sabbather seer fruee, da die sonne auffgieng. Vnd sie sprachen vnternander, Wer waltzet vns den stein von des Grabs thuer? Vnd sie sahen dahin, vnd wurden gewar, das der Stein abgeweltzet war, denn er war seer gros.

VNd sie giengen hin ein in das Grab, vnd sahen einen Juengling zur rechten hand sitzen, der hatte ein lang weis Kleid an, vnd sie entsatzten sich.

Er aber sprach zu jnen, Entsetzet euch nicht. Jr suchet Jhesum von Nazareth den gecreutzigten, Er ist aufferstanden, vnd ist nicht hie, Sihe da, die Stete, da sie jn hinlegten. Gehet aber hin, vnd sagts seinen Juengern, vnd Petro, Das er fur euch hingehen wird in Galilea, Da werdet jr jn sehen, wie er euch gesagt hat.

Markus 16,1–7, Lutherbibel 1545.

Weil man sich ab heute wieder über seine Religion freuen darf, gleich meinen besten Osterwitz — und davon kenn ich nicht viele:

Jesus zeigt sich nach der Auferstehung seinen Jüngern: „Grüß euch, Jungs, da bin ich wieder.“

Sagt der ungläubige Thomas: „Soso? Und wer sagt uns, dass du Jesus bist?“

„Wer soll ich denn sonst sein?“

„Jesus ist doch vorgestern gestorben, wir haben doch zugeschaut.“

„Ja, und heute früh bin ich auferstanden. Das ist ja das Wunder.“

Sagt Thomas: „Wenn du Jesus bist, kannst du auch übers Wasser laufen. Da ist der See.“

Jesus geht zum See und läuft übers Wasser. Nach fünf Metern macht es flump und Jesus ist unter Wasser verschwunden.

Taucht Jesus wieder auf, paddelt und prustet: „Ey verdammt, ich hab doch noch die Löcher in den Füßen.“

Den letztzitierten Evangelientext stellte die Droste ihrem Ostersonntagsgedicht im Geistlichen Jahr voran. Dazu verwendete sie mutmaßlich die Fassung des im Bistum Münster gebräuchlichen Perikopenbuchs, uns ist nur die Luther-Fassung letzter Hand 1545 zugänglich.

Dafür sind wir in der glücklichen Lage, die zwei schönsten Osterlieder der Musikgeschichte voran- und sogar hintanzustellen: On the Sea of Galilee — ein frommes, hörbar hausgemachtes Gospelchen von ergreifender Schlichtheit — und Jesus Walking on the Water — unklarer Richtung; wahrscheinlich Gothic Beach Hillbilly, falls das schon erfunden ist. Für nur eins davon würde manch einer dreieinhalb Stunden Bach-Passion kalt stehenlassen.

——— Annette von Droste-Hülshoff:

Am Ostersonntag

aus: Geistliches Jahr in Liedern für alle Sonn- und Festtage, 1820,
Erstdruck: Cotta, Stuttgart und Tübingen 1851, cit. nach der Insel-Gesamtausgabe:

Simerenya, C. Timmann - Delfow, 16. März 2016O, jauchze, Welt, du hast ihn wieder,
Sein Himmel hielt ihn nicht zurück!
O jauchzet! jauchzet! singet Lieder!
Was dunkelst du, mein seelger Blick?

Es ist zu viel, man kann nur weinen,
Die Freude steht wie Kummer da;
Wer kann so großer Lust sich einen,
Der all so große Trauer sah!

Unendlich Heil hab‘ ich erfahren
Durch ein Geheimnis voller Schmerz,
Wie es kein Menschensinn bewahren,
Empfinden kann kein Menschenherz.

Vom Grabe ist mein Herr erstanden
Und grüßet alle die da sein,
Und wir sind frei von Tod und Banden,
Und von der Sünde Moder rein.

Den eignen Leib hat er zerrissen,
Zu waschen uns mit seinem Blut,
Wer kann um dies Geheimnis wissen,
Und schmelzen nicht in Liebesglut!

Ich soll mich freun an diesem Tage
Mit deiner ganzen Christenheit,
Und ist mir doch, als ob ich wage,
Da Unnennbares mich erfreut.

Mit Todesqualen hat gerungen
Die Seligkeit von Ewigkeit,
Gleich Sündern hat das Graun bezwungen
Die ewige Vollkommenheit.

Mein Gott, was konnte dich bewegen
Zu dieser grenzenlosen Huld!
Ich darf nicht die Gedanken regen
Auf unsre unermeßne Schuld.

Ach, sind denn aller Menschen Seelen
Wohl sonst ein überköstlich Gut,
Sind sie es wert, daß Gott sich quälen,
Ersterben muß in Angst und Glut!

Und sind nicht aller Menschen Seelen
Vor ihm nur eines Mundes Hauch?
Und ganz befleckt von Schmach und Fehlen,
Wie ein getrübter dunkler Rauch?

Mein Geist, o wolle nicht ergründen,
Was einmal unergründlich ist;
Der Stein des Falles harrt des Blinden,
Wenn er die Wege Gottes mißt.

Mein Jesus hat sie wert befunden
In Liebe und Gerechtigkeit;
Was will ich ferner noch erkunden?
Sein Wille bleibt in Ewigkeit!

So darf ich glauben und vertrauen
Auf meiner Seele Herrlichkeit!
So darf ich auf zum Himmel schauen
In meines Gottes Ähnlichkeit!

Ich soll mich freun an diesem Tage;
Ich freue mich, mein Jesu Christ,
Und wenn im Aug‘ ich Tränen trage,
Du weißt doch, daß es Freude ist!

Soundtracks: The Original Carter Family: On the Sea of Galilee, 1932;
Violent Femmes: Jesus Walking on the Water, aus: Hallowed Ground, 1984.
Bild: Simerenya: C. Timmann — Delfow, 16. März 2016. Etwas Genaueres finde ich darüber nicht einmal über TinEye heraus. Wenn Sie mehr über Maler, Bild oder Genre wissen, machen Sie um Himmels willen kein Geheimnis draus.

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Written by Wolf

27. März 2016 um 00:01

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