Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Zeig uns durch deine Passion, dass du, der wahre Gottessohn, zu aller Zeit, auch in der größten Niedrigkeit, verherrlicht worden bist!

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Update zu Lamento lacrimoso in Zick-Moll
und Show me a guy that doesn’t want to come down off the cross:

Karfreitag ist der geeignete Moment, um sich endlich die Passionen von Bach draufzuschaffen. Das lohnt sich tatsächlich. Um sie durchzuhören, reicht gerade mal so ein langes Osterwochenende, um sie zu verstehen, reicht kein ganzes Leben.

Roberto Ferri, Dark-Winged AngelsWir belassen es deshalb bei einer groben Bestandsaufnahme: Pflicht sind die Matthäus-Passion und die Johannes-Passion, was sich leicht merken lässt: das erste und das letzte Evangelium.

Warum sollte Bach aber genau den Anfang und den Schluss einer Tetralogie geschrieben haben? Um den Rest bei Gelegenheit aufzufüllen, die sich nie ergab?

Hat er gar nicht: Die restlichen zwei Passionen existieren; Bachs offizieller Nekrolog zählt sogar fünf Passionen, leider ohne sie zum Direktvergleich namentlich aufzuführen, und Bach über Bach insinuiert sogar sechs. Optimisten dürfen dabei gerade den Umstand schätzen, dass es von der süffigeren, kürzeren, beliebteren — Johannes — keine vom Komponisten autorisierte Endfassung gibt, sondern nur rekonstruierwürdige Fassungen aus einem 520-seitigen Notenblätterkonvolut.

Allerdings ist die Lukas-Passion eine Zuschreibung — also „weitestgehend“ gar nicht von Bach und somit apokryph — aber immerhin von ihm aus Zeitgründen aus fremdem Material umarrangiert. Sie könnte also von ihm sein — umso mehr, als er es selbst durch seine Umarbeit tätig bekräftigt hat — und zur Stunde mindestens vier Gesamtaufnahmen davon umgehen.

Die Markus-Passion ist dagegen „nur“ verschollen, allen Aussichten nach unwiederbringlich, erhalten ist nur das Libretto von Christian Friedrich „Picander“ Henrici. Die Geschichte der Rekonstruktionen von Bachs Musik ist eine Geschichte voller Missverständnisse, Irrtümer und Wirrnis, über die sich hoffentlich alle ebenfalls vier Gesamtaufnahmen in ausführlichen (und notorisch dreisprachigen …) Booklets äußern. Besonders interessant findet mein innerer Lästerhansel, dass die Markus-Passion als Parodie geplant war, wie das Weihnachtsoratorium auch, was leider nicht eine heute übliche Persiflage bedeutet, und Bachs eigene — weltliche — Kantate Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl verwendet (BWV 198).

Merken wir uns also: Matthäus ist ein mords Gedröhn, Johannes ist wirklich schön, Lukas ist Stückwerk und Markus reine Hypothese. — Es folgt Bachs gesamte Passionentetralogie in der Reihenfolge ihrer Werkverzeichnisnummern. Das sind insgesamt 9 Stunden, 17 Minuten und 15 Sekunden Laufzeit. Ostern ist gerettet.

Matthäus-Passion, BWV 244:

Johannes-Passion, BWV 245:

Lukas-Passion, BWV 246:

Markus-Passion, BWV 247:

Geigerin von hinten: Roberto Ferri: Dark-Winged Angels;
Geigerin von oben: Girls and Violin, 27. November 2015.

Girls and Violin, White Dress in Violin

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Written by Wolf

25. März 2016 um 00:01

Veröffentlicht in Barock, Schall & Getöse

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