Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Barfußwochen 05: Weder Schuh und weder Strümpf (und einen Striffel um den Hals)

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Update zu Wer fühlt den Krampf der Freuden und der Schmerzen nicht:

Sommer allzumal — machen wir wieder eine Gaudi und ein paar neue Barfußwochen. Die letzten haben sich nach dem vierten Teil I am, I am, I am (your barefoot wench for a whole week) … nun ja: verlaufen und waren überhaupt etwas fremdsprachlich geprägt. Inzwischen sind einige deutsche Stellen aufgefallen, die in überraschende Tiefen führen.

Die befreundete Künstlerin Sina Opalka, die der Literatur („Weil es mich morgen noch gibt„, Books on Demand 2008) und dem Barfußlaufen nahe steht, wurde angefragt, für den weiteren Verlauf unserer Weheklagen und Höllenfahrten eigene Illustrationen beizusteuern. Leider zeigt sich, dass die Führung einer typisch hipströsen Berliner Existenz mehr Zeit und das regelmäßige Entkommen aus Berlin mehr Geld erfordern, als die Unterstützung eines Weblogs mit rund zwanzig Lesern pro Tag erübrigt. Das ist in Ordnung so, das sind die Dinge, die Sina ausmachen.

Besonders beeindruckt war Sina von meinem Beispiel für ein weithin vergessenes Volkslied, zu dem ich nicht einmal eine Melodie auftreiben konnte. Auch mit den Anmerkungen im Volksliederarchiv bleibt es obskur genug, das verborgene Thema sollte jedoch mindestens die Anbahnung einer unpassenden Ehe, wo nicht gar häusliche Gewalt sein — jedenfalls nichts, was sich als Hochzeitslied eignete.

Sina, die in ihrem jungen Leben nicht immer ein Schoßkind des Glücks war, wurde davon zu einem partiellen Selbstportrait inspiriert, das sich zur Wiederaufnahme unserer Barfußwochen aufdrängt. Danke, Sina, fürs Zehennägeltrimmen, Füßewaschen, Badewanneputzen und Überlassen deines getreuen Abbildes, vielleicht wird’s ja doch noch mehr mit deinen Illus!

——— Volkslied: Komm heraus, du traurige Braut,
DVA A 101419 (Heringen, Nassau): „Das Brautpaar erscheint an der Türe“,
vgl. EB .870, VI. dt. Landsch. III, Nr.86, Rölleke Wh. 9, 2, S. 25–27;
nach: Schürz dich, Gretlein:

Komm heraus, komm heraus, du traurige Braut!
Wir steh’n hier vor dem Hochzeitshaus.
0 weh, o weh! Wie weinet diese Braut so sehr!

Dieses Jahr trägt sie eine Kron‘ auf ihrem Kopf;
übers Jahr werden ihr die Haare ausgeropft.

Dieses Jahr trägt sie einen Striffel um den Hals;
übers Jahr hat sie weder Salz und weder Schmalz.

Dieses Jahr trägt sie noch schöne Zwickelstrümpf;
übers Jahr hat sie weder Schuh und weder Strümpf.

Dieses Jahr trägt sie noch schöne gewichste Schuh;
übers Jahr, da läuft sie barfuß-barfuß zu.

Dieses Jahr trägt sie ein Ringlein an der Hand;
übers Jahr führt sie ein Kindlein an der Hand.

Sina Opalka, Lesen lassen, 19. März 2014

Barfuß-barfüßige traurige Braut: Sina Opalka: Lesen lassen, 19. März 2014.

Soundtrack ist aus Gründen nicht das vorgestellte Volkslied, sondern eine ganz und gar unerwartete Version von Jolene von Miley Cyrus. Das war 2012, also noch vor ihrem unnötigen „Wrecking Ball“-Gekasper. Jolene von Dolly Parton 1973 hat ein vergleichbares Thema aus der Sicht einer traurigen Braut; Frau Cyrus singt ihre Backyard Sessions barfuß.

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Written by Wolf

2. Juli 2014 um 00:01

Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, Romantik

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