Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Wünschest du dich, Buch, zu guten Lesern nun hinzubegeben

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Wie lange man auch gegen die Windmühlen des aktuellen und antiquarischen Verlagswesens kämpft — es gibt nicht die ideale deusche Ausgabe von Don Quixote, irgendwas ist immer.

Don Quixote

Ideal wäre: die Übersetzung von Ludwig Tieck, weil Ludwig Tieck immerhin Ludwig Tieck ist und jeder Leser ohne akut akademischen Auftrag damit überfordert wäre, alle erreichbaren Übersetzungen durchzuvergleichen; mit den Illustrationen von Gustave Doré, und zwar bitteschön allen; und natürlich in vollständigem Text, weil jeder kürzend eingreifenden Hand zu misstrauen ist, solange Verlage marktorientierte Untrenehmen sind, die Tagespreise von Papierbögen gegen verkaufbare Buchauflagen abwiegen müssen; und gerne in einem Band, weil das ständige Bücherwechseln innerhalb desselben Romans keiner Vorstellung von Schmökern entspricht.

Eigentlich nicht unverschämt viel verlangt, wie ich fnde. Keine Frage, alle mir bekannten Ausgaben sind wunderschön, jede hat einen Vorzug vor den anderen, alle wurden von den tollsten, besten, renommiertesten Häusern verlegt, die sich etwas dabei überlegt haben, ob die Welt wirklich noch eine braucht.

Besonders hervorheben möchte ich unter ihnen die neueste: die bei Hanser in neuer Übersetzung von Susanne Lange. Die hat als einzige, wenn nicht gar erste überhaupt ausführliche Anmerkungen von der fachkundigen Übersetzerin, von denen man tatsächlich so viel schlauer wird, dass man einen anderen Blick auf den durchschaubaren bis altbekannten Gang der Handlung gewinnt. Die Rezensionen waren hymnisch: Der Don Quixote fürs dritte Jahrtausend sei das — woran kein Grund zu zweifeln besteht: Hanser hat sich offenbar in den Kopf gesetzt, die gesamte Weltliteratur neu zu übersetzen und einzurichten, da war der Moby-Dick von 2001 von Matthias Jendis auf der Grundlage von Friedhelm Rathjen, erstmals mit dem Bindestrich in der Überschrift, nur der Anfang.

Leider haben sie den ersten Illustrator vernachlässigt, der sich in den Kopf gesetzt hatte, die gesamte Weltliteratur mit angemessenen Bildern auszustatten: Gustave Doré — und nicht nur den, vielmehr von Illustrationen ganz abgesehen. Auch im Taschenbuch ist das gute Stück noch zweibändig, wenngleich ein fast verlustfrei ebensoschönes Paar handlicher Dünndrucke — was insofern Sinn ergibt, als die beiden Teile um die zehn Jahre zwischen 1605 und dann erst 1615 auseinanderliegen.

Weit weniger Sinn ergeben die drei Bände bei Insel von 1975 — der im übrigen für seine nimmermüde Vorhaltung auch obskurer Teile der Weltliteratur nicht um Papierpreise und ein paar hundert Einzelverkäufe herumknickern, sondern vielmehr öffentlich unterstützt werden sollte (von Fernseh-Zwangsgebühren in diesem Zusammenhang reden wir ein andermal). Die Übersetzung ist von Ludwig Braunfels, die sogar originalgetreuer als Tieck sein soll, die Bilder von Doré — aber nur in Auswahl. Der erste und zweite Band hören leider nach einfach irgendeinem Kapitel auf, der zehn Jahre jüngere zweite Teil fängt mitten im zweiten Band an, wo eben gerade Platz war.

Etwa 2011 habe ich mich hinreißen lassen, bei Insel persönlich nachzufragen, was diese Aufteilung soll: ob sie vielleicht einen inhaltlichen zweck verfolgt, der sich erst beim vollständigen Lesen erschließt, oder ein historisches Vorbild nachvollzieht. Bei Insel sind sie freundlich und publikumsnah genug, um tatsächlich Antwort zu geben: Nein, hieß es, einen tiefen Sinn habe das nicht, die Ausgabe sei ja nun auch schon so alt, dass niemand mehr im Verlag weilt, der das einst mitverantwortet hat — aber vermutlich hatte es „herstellerische Gründe“. Die erste Vermutung stimmt also: Sie haben den Roman dort unterteilt, wo gerade Platz war. Übrigens sind es keine sehr dicken Bände, und im Falle der Romane und Erzählungen von Voltaire (inzwischen schon wieder vergriffen) hat es derselbe Verlag ganz gut geschafft, nach vielen Jahren zwei Bände einem zu fassen.

Eine Ausgabe nahe am beschriebenen Original wurde einst in der DDR hergestellt, bei Rütten & Loening 1966: Tieck, Doré, beide vollständig — und dann, hol’s der Kuckuck, in zwei Bänden. Immerhin mit der richtigen Bruchstelle an Teil 1 und 2, außerdem ungefähr in DIN-A4-Größe auf richtig schwerem Papier, was der Wiedergabe der Illustrationen dient wie keine andere Version vorher oder nachher und zu einem einzigen Band zusammengepackt vielleicht doch ein etwas dickschädeliger Selbstzweck geworden wäre — einfach feudal. Als DDR-Produkt längst heillos vergriffen und abgewickelt, aber bei genügend tiefer Sucheinschränkung schon auf Amazon.de immer wieder greifbar.

Artemis und Winkler, ansonsten ein traditioneller Klassikverlag mit haufenweise für Büchermarkt und -freund ganz und gar unentbehrlichen Ausgaben der Wahl, kommt leider nicht in Frage: Ludwig Braunfels, meistens bilderlos, nur in manchen Auflagen mit einer Auswahl aus den Grandville-Illustrationen, die neueren Auflagen außerdem nur noch in seiner minderen Blauen Reihe. Wahrscheinlich aus „herstellerischen Gründen“.

Don Quixote, Titelblatt 1605Rettung verheißt auf den ersten Blick Diogenes. Dessen Tieck-Übersetzung, illustriert von Doré, ist seit Jahr und Tag still und unauffällig lieferbar, wechselt aller paar Jahre das Umschlagbild, auch wenn ich gar nicht erst nachfrage, was der einzelne Picasso außen mit den ganzen Dorés innen zu tun hat, und das Schönste: einbändig — ein hübsch moppeliges, handliches Dünndruck-Taschenbuch, das man liebhaben muss. Und dann die Ernüchterung: Die angekündigten Illus sind eine reichlich locker verstreute Auswahl.

Die ideale Don Quixote-Ausgabe ist, als ob man es nicht geahnt hätte, vergriffen: Bei Emil Vollmer in Wiesbaden gab es mal Tieck samt Doré in einem Band — und zwar diesmal alle Bilder, gezählte und auf dem Titel angepriesene 363 an der Zahl — annähernd A4 groß, dabei nicht ganz so ehrfurchteinflößend wie das doppelte DDR-Monument, theoretisch immer noch eine tödliche Waffe bei Schadnagerbefall. In den Online-Antiquariaten recht präsent, zum Beispiel im ZVAB ab etwa vier, fünf Euro plus Porto zu einem recht annehmbaren Kilopreis. Die hab ich jetzt und gedenke mit ihr alt zu werden.

Don QuixoteUnd doch ist es weiterhin Don Quixote, bei dem ja nichts ist, was es scheint: Zwischen dem Prolog und dem ersten Kapitel hat Cervantes nämlich einen Reigen aus elf einführenden formal verspielten Gedichten, meist Sonetten, aufgestellt. In den Twin Towers aus der DDR und bei Diogenes sind sie vorhanden, bei Hanser und Insel können Sie es mit Leichtigkeit schnell herausfinden, bei Emil Vollmer fehlen sie. Die ideale Don Quixote-Ausabe ist nicht nur vergriffen, sie ist nicht einmal ideal.

Da sie aus diesen langen und breiten Gründen dennoch die Ausgabe bleibt, die ich empfehle, müssen die Gedichte rein. Ich führe sie im Folgenden nach der Diogenes-Ausgabe an. Verfahren Sie damit nach Belieben: Der Emil-Vollmer-Band ufert prozentual nicht wesentlich aus, wenn Sie alles in ein textverarbeitendes Programm kopieren, die Bilder zurechtstutzen oder löschen, ausdrucken und nach dem Prolog hineinlegen. Als moderner Mensch werden Sie diesen Eintrag eher neben dem Buch auf Ihrem Bildtelefon bereithalten. Oder Sie drucken einfach das .pdf, das ich eigens gebaut habe (63 kB, 12 Seiten), um dem idealen Don Quixote möglichst nahe zu kommen, und legen es in die annähernd ideale Ausgabe von Emil Vollmer. Nach dem Prolog bitte. Ein etwas unorthodoxes Verfahren, aber sinnvoll und nicht halb so scherzhaft gemeint, wie es zuerst klingen mag.

Ein weiter Weg ist es auch verlegerisch nicht mehr dorthin: Als Vorschlag eines interessierten Verbrauchers könnte Hanser seine zwei Bände zusammenfassen und mit dem mittlerweile gemeinfreien Doré aufhübschen. Da kann diese grandiose, dazu kompetent durchkommentierte Neuübersetzung niemanden stören, nur weil sie nicht vom jahrhundertealten Tieck stammt. Der Taschenbuchverleger dtv kann nachziehen: Es gibt weit dickere Taschenbuchrücken, die so viele Seiten einwandfrei zusammenhalten, herstellerische Gründe ziehen also nicht. — Und Diogenes mit ihrem Tieck sollten noch Platz für die restlichen Dorés finden, auch können sie gern noch an der Druckauflösung schrauben.

Und bitte die Gedichte zwischen Prolog und erstem Kapitel nicht vergessen:

An das Buch des Don Quixote von la Mancha.

Urganda die Unbekannte

Georges Rochegrosse, Plakat für Jules Massenet, Don QuichotteWünschest du dich, Buch, zu gu-
Lesern nun hinzubege-
Wird kein Schwätzer dir ausle-
Deine Absicht als Untu-
Um so mehr du aber su-
Wirst, nur zu entgehn den To-
Werden sie dich nicht verscho-
Treffen sie den Kopf des Na-
Niemals, werden sie doch ra-
Zeigen, daß sie kluggezo-

Weil nun die Erfahrung leh-
Wer den starken Baum wird su-
Find’t im Schatten sichre Ru-
In Bejar will Glück dir ge-
Königsstamm zu deinem Se-
Der als Frucht Fürsten erzo-
Blühend jetzt mit dem Herzo-
Dem Alexanders Gemü-
Fleh den Schutz, stets war dem Küh-
Auch das gute Glück gewo-

Von dem edel kühn Mancha-
Kündest du die Abenteu-
Dem die Bücher ungeheu-
Hirn und Haupt verkehret ha-
Tapfre Ritter, Waffen, Da-
Haben ihn so aufgefo-
Daß wie Orlando furio-
Er in edler Liebeswei-
Sich erstritt durch Schwertesstrei-
Dulcinea von Tobo-

Unbescheidne Hierogly-
Laß nicht in das Schild dir prä-
Ist Figur schon alles, zäh-
Wenig Augen auch im Spie-
Hast du Demut dir erkie-
Wird kein Spötter dir zuru-
Daß Don Alvaro de Lu-
Daß Hannibal von Kartha-
Daß der König Franz in Spa-
Klagten das Rad der Fortu-

Da der Himmel nicht gege-
Daß du so gelehrt erschie-
Wie der Neger Juan Lati-
Drum laß die latein’schen Re-
Prahl auch nicht mit feinem We-
Spiele nicht den Philoso-
Das Gesicht wird krumm gezo-
Fragen, wer Verstand zum Le-
Bester, kommst du so mit De-
Her zum Tanze und mit Spo-?

Einfach deine Straße ge-
Sorge nicht um andrer Sa-
Wer viel schwatzt, dem geht der Bra-
Gerne stille aus dem We-
Denn mitunter trifft auf Schlä-
Wer sich spaßhaft denkt zu zei-
Den Ruhm suche zu errei-
Daß nichts Böses von dir sa-
Niemand kann, denn ew’gen Ta-
Hat, wer nur druckt Narrentei-

Nur dem Unsinn macht es Freu-
Da die Fenster doch nur glä-
Steine in die Hand zu neh-
Und sie in das Haus zu schleu-
Doch Verstand wird es bezeu-
Wenn die Werke so geschrie-
Daß Bescheidenheit sie zie-
Denn wer vollgedruckt die Bo-
Zu erfreuen junge To-
Steht als Narr nur selbst am Zie-

~~~\~~~~~~~/~~~

Amadis von Gallia an Don Quixote von la Mancha.

Sonett

Don QuixoteDu, der du nachgeahmt mein jammernd Leben,
Dem ich mich einst, abwesend und gekränket,
Aus frohem Stand in Buße tief versenket,
Dort auf der Armut Felsen hingegeben;

Du, den die Augen bei dem bangen Streben
Mit reichlichem, doch salz’gem Naß getränket,
Dem Erd‘ auf Erde magre Kost geschenket,
Dich Silbers, Kupfers, Zinns zu überheben:

Leb im Vertraun, es werd auf ew’ge Zeiten,
Solang zum mind’sten in der vierten Sphäre
Der blond‘ Apollo mag die Rosse treiben,

Dein Name seinen Heldenruhm verbreiten,
Dein Vaterland genießen höchster Ehre,
Dein weiser Tatenschreiber einzig bleiben.

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

Don Belianis von Graecia an Don Quixote von la Mancha.

Sonett

Don QuixoteGesagt, getan, gequetscht, zermalmt, zerrissen
Ward mehr von mir als Rittern aller Zeiten;
Ich gab, gezählt zu Tapfern wie Gescheiten,
Rach‘ tausend, Tod zehntausend Beschwernissen;

Auf Taten ew’gen Ruhmes so beflissen
Wie auf der Liebe süße Artigkeiten,
War Zwerg für mich jedweder Ries‘ im Streiten,
In Punkten des Duells war groß mein Wissen;

Zu Füßen mußte sich Fortuna schmiegen,
Den Schopf des kahlen Glücks faßt‘ im Getümmel
Die Klugheit, die von echtem Korn und Schrote;

Doch wie auch stets mein Glück hoch mußte fliegen
Über den Mond und strahlen durch die Himmel,
Neid ich die Taten dir, großer Quixote.

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

Die Dame Oriana an Dulcinea von Toboso.

Sonett

Don QuixoteHätt, schöne Dulcinea, sich’s gemacht
Und mochte sich’s zu meinem Frieden schicken,
Mich in Tobos‘ statt London zu erblicken,
Es ward Mirflor zum Opfer dir gebracht!

Hätt ich mit deinem Sinn und deiner Tracht
Doch meinen Geist und Körper dürfen schmücken,
Hätt ich gesehn, den du mochtest beglücken,
Den Ritter groß, in ungeheurer Schlacht!

Hätt ich gekonnt den Amadis vermeiden,
So keusch verharren, wie es dir gelungen,
Mit deinem sitt’gern Edlen Don Quixote!

Ich wär beneidet, brauchte nicht zu neiden,
Von Freude ward ich, nicht von Schmerz durchdrungen,
Dann labte mich Genuß vom besten Schrote.

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

Gandalin, Stallmeister des Amadis von Gallia,
an Sancho Pansa, Stallmeister des Don Quixote.

Sonett

Don QuixoteGegrüßt sei, großer Mann, dem Heil und Glücke,
Als sie ihn in Stallmeisterdienste stellten,
Mit Sanftmut und Verstand so alles hellten,
Daß er sie überstand ohn‘ Schimpf und Tücke.

Die Sichel, Hacke und der Pflug sind Stücke
Nicht Ritterschaft zuwider, jetzt darf gelten
Schlichtheit des Knappen: Darum muß ich schelten
Den Stolzen, der zum Mond sucht eine Brücke;

Daß ich nicht Esel, Namen von dir habe!
Auch auf den Schnappsack ist mein Neid gerichtet,
Worin sich deine kluge Vorsicht zeiget.

Nochmals gegrüßt, o Sancho, wackrer Knabe,
Von dem der spanische Ovid gedichtet,
Der sich mit einer Kopfnuß vor dir neiget.

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

Der Dichter, der scherzende, an Sancho Pansa und Rozinante.

Don QuixoteSancho Pansa ich Stallmei-
Des Manchaners Don Quixo-
Immer bin ich fortgeflo-
Mich als klugen Mann zu zei-
Hasenpanier zu ergrei-
Ist die beste Staatsmaxi-
Feldherrn rühmt das Retiri-
Das ist Celestinens Leh-
Dieses Buchs, das himmlisch wä-
Wenn es Ird’sches mehr verschwie-

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

An Rozinante

Don QuixoteRozinant‘ bin ich, der ho-
Enkelsohn des Babie-
Für die Sünden, die gesche-
Dient ich einem Don Quixo-
Elend schien ich und verschro-
Doch mein Pferdesinn war kla-
Nie entging mir Stroh und Ha-
Das lernt ich von Lazari-
Der ein’n Halm wußt einzuschie-
Daß ihm Wein lief in den Schna-

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

Der rasende Orlando an Don Quixote von la Mancha.

Sonett

Don QuixoteBist auch nicht Pair, darf dir kein Gleicher nahn,
Du konntest Pair sein unter tausend Pairen,
Doch dir gleich keiner, so viel immer wären,
Den nie besiegt, stets Siegerheld sie sahn!

Orland‘ bin ich, Quixote, im Liebeswahn
Trieb mich Angelika zu fernen Meeren,
Opfernd dem Ruhm auf seinen Weihaltären
Die Tatkraft, die nicht tilgt Vergessens Zahn.

Dir gleich nicht kann ich sein, den Vorzug bieten
Muß jeder deinem Ruhm, den Heldentaten,
Wenn sich auch dir der Sinn wie mir verrückte;

Doch mir gleich bist du, wenn du wilde Scythen
Und stolze Mohren zähmst, daß uns verraten
Man nennt und beid‘ in Liebe Unbeglückte.

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

Der Ritter des Phoebus an Don Quixote von la Mancha.

Sonett

Don QuixoteMein Schwert darf sich dem Euren nicht vergleichen,
Ihr, span’scher Phoebus, Blume aller Feinen,
Mein Arm ermißt sich nicht der Kraft des deinen,
Dem Morgenstrahl, dem Mond und Stern‘ erbleichen.

Ich wies ab Kaisertum, samt Königreichen,
Dem roten Orient mocht ich dies verneinen,
Zu sehn das hocherhabne Antlitz scheinen
Der Claridian‘, Auroras Liebeszeichen;

Sie mein, mir heller vor dem Morgenrote,
Entfernt, verschmäht bebten die Ungetüme
Der Hölle mir, so wollt mein Mut erheischen;

Doch Ihr, Quixote, verklärt ruhmreicher Gote,
Macht, daß um Dulcinee die Welt Euch rühme,
Durch Euch hat sie den Ruhm der Klugen, Keuschen.

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

Der Soldan an Don Quixote von la Mancha.

Sonett

Don QuixoteObwohl, Herr Quixote, Albertät nichtsnutzig
Euch Haupt und Hirn gar lästerlich verschoben,
Seid jedenfalls des Vorwurfs Ihr enthoben,
Als wärt Ihr Mann der Werke schlecht und schmutzig;

Sein Zeuge Eure Tathandlungen trutzig,
Der Unbill Steurung wolltet Ihr erproben,
Da prügelt Euch mit Knitteln und mit Kloben
Das Lumpenpack, das schlecht gesinnt und prutzig:

Und wenn Eur‘ vielsüß liebe Dulcinea
Euch auch erwiesen hat gleichsam Schimpfierung,
Gleichgültig Euer Huld’gen von sich schiebend,

So sei Tröstjammer Euch in diesem Weh da,
Daß Sancho nicht verstand Kupplerhantierung,
Er dumm war, herbe sie, Ihr nicht ernst liebend.

~~~\~~~~~~~/~~~

 

 

 

Gespräch zwischen Babieca und Rozinante.

Sonett

Don QuixoteB.: Wie seid Ihr, Rozinante, schmal gemessen!
R.: Man frißt ja nichts und muß sich immer plagen.
B.: Wie steht’s mit Hafer und des Strohes Lagen?
R.: Nicht einen Bissen läßt mein Herr mich essen.
B.: Ei, Freund, Ihr seid unartig und vermessen,
Mit Eselszunge nach dem Herrn zu schlagen.
R.: Er bleibt ein Esel, war’s seit jungen Tagen;
Er ist verliebt, nun könnt Ihr’s selbst ermessen.
B.: Ist Lieben Torheit? R.: Doch gewiß nicht weise.
B.: Ihr seid ein Philosoph. R.: Das kommt vom Fasten.
B.: Beklagt Euch denn bei unsres Ritters Knappen.
R.: Was hilft’s mir, daß ich meine Not beweise,
Wenn Herr und Diener unter gleichen Lasten
In die Rapuse gehn mit ihrem Rappen?

Don Quixote

Übrigens fehlen auch ideale Ausgaben von den Märchen der Grimms, von Wilhelm Hauff, zu schweigen von dessen sämtlichen Werken, von Ludwig Tieck und Moby-Dick.

Die meisten Bilder stammen aus dem gemeinfreien Fundus der Wikimedia Commons;
besondere Empfehlung ergeht für den vollständigen Scan der spanischen Erstausgeben von 1605 und 1615 bei der Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes.

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Written by Wolf

27. Juni 2014 um 00:01

Veröffentlicht in Handel & Wandel, Renaissance, ~~~Olymp~~~

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