Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Nackt fällt sie ihm an seinen Mund

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Update zu Weihnachtsengel 2: Ein göttliches Gedichte:

So bekannt Ludwig Tieck mit frühromantischen Kunstmärchen und spätromantischen Novellen wurde — diese ganze Zeit konnte er seine Produktion aufrecht erhalten — bin ich immer wieder überrascht, wie überragend seine Gedichte sind — und wie zahlreich und wie wenig verbreitet.

Von seinem Schauspiel Das Donauweib von 1808 sind nur der erste Akt und vier Gedichte fertig geworden, obwohl er von Friedrich Christoph Förster und Clemens Brentano immer wieder zum Liefern gedrängt wurde. Man darf annehmen, dass das ganze Stück den Melusinenstoff ausschöpfen sollte und ihm in seinem thematisch verwandten Sehr wunderbare Historie von der Melusina. In drei Abtheilungen 1800 schon alles gesagt schien; immerhin gab das Stück genug her, dass sich Goethe daraus bediente.

Im Donauweib folgt auf jede Strophe dem lockenden Gesang der Donaunixe Siglinde jeweils eine Replik des umworbenen Albrecht.

Dieses erste der vier Gedichte, gefunden in der derzeit größten Tieck-Ausgabe von Ruprecht Wimmer bei der Bibliothek Deutscher Klassiker (danke an den Präsenzbestand im Lesesaal der Münchner Stadtbibliothek am Gasteig!), war so schön — und hätte ebensogut nebenan in Moby-Dick™ gepasst –, dass ich die anderen drei auch noch auftreiben und in einer leserlichen Form zugänglich machen musste.

Ludwig Tieck: Die Sirene,
Schifferlied der Wasserfee, Der Fischfang und Gesang der Feen
aus: Gedichte. Neue Ausgabe 1841 — entstanden 1808 für Das Donauweib, 1. Akt,
in: Die Sängerfahrt: eine Neujahrsgabe für Freunde der Dichtkunst und Mahlerey,
Sammlung von Friedrich Christoph Förster, 1818:

     Auf Bergen nicht und nicht im Thal
Wohnt Liebesglück,
Von Thal und Bergen treibt die Qual
Dich bald zurück,
Die Heimath weicht, die Ruhe flieht
Wie Sehnsucht dich in ihre weiten sanften Kreise zieht.

     Sehnsucht hat ein Thor erbaut,
Drinnen lacht das Lachen, schmachten
Süße Blicke, dir entgegen schaut
Der Kuß, die Arme nach dir trachten;
O komm zum Schloß, auf Bergen nicht und nicht im grünen Thal,
O endlich, endlich komm zum trauten Kämmerlein einmal.

     Rubinen glänzen in dem Saal,
Dir winkt das Hochzeitbette,
O küßt‘ ich dich ein einzigmal,
O daß ich dich in Armen hätte,
Dir in die lieben Augen tief zu sehn,
Und Kuß auf Kuß in Wollust zu vergehn.

June H. by Jessie for The Gentlemens' Club, Though the Truth May Vary, alternate edit, 20. Dezember 2012

Schifferlied der Wasserfee

Auf Wogen
Gezogen,
Von Klängen
Gesängen
Durch Strahlen gelenkt:
Die Wellen,
Die hellen
Gewölke, von Morgenröthe getränkt;
Die Töne,
Die Schwäne,
Die säuselnden Lüfte,
Die blumigen Düfte,
Sich alles zum Grusse entgegen mir drängt.
Ohn Sorgen
Nur weiter,
Wie heiter
Der Morgen!
Fließ Bächlein,
Fahr Schifflein
Ohn Sorgen
Nur weiter,
Begegnet doch alles wie Schicksal verhängt.

June H. by Jessie for The Gentlemens' Club, Though the Truth May Vary, 20. Dezember 2012

Der Fischfang

     Es war einmal ein Junggesell,
Der thät hin fischen gehn,
Die Wasser schienen klar und hell,
Die Sonne gar so schön,
Er schaut wohl in die nasse Fluth,
Er denkt an sie und klagt und fühlt den Liebes-Muth.

     Und willst du mich mit Netzen stehlen?
So singt es aus dem Fluß:
Zum Liebsten wollt‘ ich dich erwählen,
Komm her, komm her zum Kuß!
Er zieht das Netz mit großer Pein,
Und schaut! da zappelt und lacht die Liebste drein.

     Nackt fällt sie ihm an seinen Mund,
Und halst und druckt ihn sehr,
Da war er froh und ganz gesund,
Und klagte nimmer mehr,
Sankt Peter segnet ihm den Zug,
Er hat mit seinem lieben Fisch der Lust und Freude überg’nug.

Gesang der Feen

Fließe Strom, in deinen hellen
Klaren Wellen
Wiegt der Himmel sich im Bilde,
Abendlüfte hauchen milde,
Und das Lied der Vögel schallt
Vom Gebirge her vom Tannenwald.
     Auf der Spule glänzt der Faden
Roth und golden,
Den wir erst im Thaue baden
Von Blüthendolden;
Wie das Rad sich dreht und windet
Wird das Gold nur mehr entzündet,
Und wann aller Glanz versponnen,
Wird das Gespinnste aufgeschlagen,
Und nach vielen ems’gen Tagen
Unser Kleid gewoben und gewonnen,
In dem wir dann im Sonnenscheine sitzen,
Uns wiegend auf der Blumen grünen Spitzen,
Wenn Abendschimmer durch den Himmel blitzen.

Bilder: Jessie inszeniert June H. für The Gentlemens‘ Club:
Though the Truth May Vary mit einem alternate edit, 20. Dezember 2012:

This ship will carry our bodies safe to shore. […] And now a word from the photographer. I just thought I’d say hi to you all, and seeing as the world may or may not end tomorrow, and I know I don’t talk enough on my pictures. So hi and maybe bye. If the world really does end tomorrow, I’m glad this was my last picture because it’s been on my mind for quite some time now, and I never could have hoped for it to come out any better. This image means a lot to me and has been intriguing my imagination for a little over six months now. So, I hope you all enjoy it as much as I do.

Yours Truly,
Jessie

Go to Sleep Little Baby: Die drei Sirenen in O Brother, Where Art Thou
von den Coen-Brüdern, 22. Dezember 2000.

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Written by Wolf

17. Januar 2014 um 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Romantik

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