Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Totensonntag

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[Das mag ich wirklich. Letzten Totensonntag stand es in Moby-Dick™ und dem freitag!-Logbuch.

Heuer erscheint es überarbeitet zum Gedenktag der Heiligen Katharina von Alexandrien, der Schutzpatronin der Schulen, philosophischen Fakultäten, Näherinnen, Schneiderinnen, Mädchen, Jungfrauen, Nonnen, Heiratswilligen, Ehefrauen, Ritter, Ammen, Philosophen, Theologen, Gelehrten, Lehrer, Studenten, Redner, Advokaten, Bibliothekare, Wagner, Müller, Bäcker, Töpfer, Gerber, Spinner, Tuchhändler, Seiler, Schiffer, Buchdrucker, Sekretäre, Anwälte, Notare, Waffenschmiede, Schuhmacher, Frisöre, Scherenschleifer und aller Berufe, die mit Rädern zu tun haben, Krankenhäuser, Hochschulen und Bibliotheken sowie mehrerer Städte.

Einmal hab ich’s laut gelesen, es funktioniert für einen oder drei Sprecher (Erzähltext und Ich-Figur, Petrus, Jesus); nichts einzuwenden ist gegen einen Mädchensprechchor, der im Hintergrund dezent frohlockt. Alle sollten geläufig Bildungsbairisch können — also ungefähr wie Martina Schwarzmann oder Bruno Jonas. Die Aussage ist ähnlich der von Lessings Ringparabel, bloß existenzieller.

Ich gebe es frei zur Aufführung, bitte mit Quellenangabe. Wer eine Sound-Datei davon zugänglich macht, kriegt ein Buch von mir geschenkt.]

~~~\~~~~~~~/~~~

Der Eingang sieht aus wie die Stufen zur Glyptothek. Nicht das, was man einladend nennt, oder was man normalerweise träumt. Aber einmal muss da jeder durch. Wenn schon nicht einmal im Leben, dann eben jetzt, wo ich gestorben bin. Jedenfalls vermute ich das.

Wie immer in solchen großklassizistischen Einschüchterungsbauten darf ich nicht durch eine Flügelpforte, die sich vor meiner Majestät beiseite schiebt, sondern muss durch den unspektakulären Windfang hinter den Säulen. An einem marmornen Tisch, an dem man in der Glyptothek Eintritt bezahlen würde, sitzt ein Rauschebart in einer Art Bademantel und tippt zehnfingrig in einen Laptop. Kein Apple, stelle ich fachmännisch fest. Links daneben ein Stapel unausgefüllter Formulare, rechts ein Stapel ausgefüllter.

Jan van Eck, Marienaltar, Dresdner Triptychon, rechter Flügel, Hl. Katharina von Alexandrien, um 1437„Grüß Gott.“ Beim Reinkommen grüßt man. Schon rein vorsichtshalber.

„Griaß Eahna. Moment, i mach schnell no die Seele vor Eahna fertig.“

Tipp, tipp, tipp. — Klack!

„So! Grüß Gott!“

„Ich soll hier anscheinend vorsprechen oder so.“

„Jaja, des hat scho sei Richtigkeit. Was führt Sie zu uns, wissens des, könnens des sagn?“ Petrus nimmt ein Blatt vom unausgefüllten Stapel und einen Zimmermannsbleistift.

„Na, weil i gstorbm bin, nehm i an.“

„Jaja, des is die Voraussetzung, dass Sie vorglassen wern. Aber an was Sie gstorben san, könnens des aa sagn?“

„I glaub, i hab einen Kalauer zuviel grissen. Über die Namen von Gottfried Benn und Ben Cartwright.“

„Au weh zwick. Da könnens von Glück sagen, dass Sie bei sowas überhaupt no rauf zu mir kommen. Normalerweis gengen solche Bestände glei nahtlos zum Kollegen owewartse, wenns ma folgen können. Ohne lange Fegefeuerzuteilung.“

„Ich weiß es zu schätzen.“

„Des is scho recht. Des kann bloß daher kommen, dass Sie sowieso dran gwesn wärn — wann Sie no von der Generation übrig san, de wos no den Ben Cartwright kennt.“

„Ja … Was mach ma dann jetza mit mir? Komm i da etz in Himmel nei oder für was hab i mi da die ganzen Jahrzehnte abkaschpert, Herr Petrus?“

„Da schaung ma jetztn, dann sehng mas glei. Aber Petrus. Einfach Petrus. Ohne Herr oder Sir oder Sahib oder -san, wir hams herobm net so mit die Titel und Dienstgrade. Aber Sie san doch aus Europa, wenn ich Ihren Dialekt richtig einordn, nent? Irgendwas Nördlichs bestimmt. Österreich, Irland, Lappland oder was da alles liegt.“

„Deutschland“, sag ich. „München, ursprünglich aber Nürnberg, bloß den Zungenschlag nie losworn.“

„Aaach, gengans ma zuawe. Franken oder Frankreich, Wales oder Wallis, Galizien oder Gallizien, und des dritte vo de zwoa habts scho wieder eigstampft, und des München in der Oberpfalz is nach Dings eingmeindet.“

„Nach Hirschbach. Kenn i scho, da wolltns amal a Brauerei ham. Münchner Bier aus der Oberpfalz, dass i net lach. Für den Baugrund hättns fast no was rauskriegt.“

„Aber Sie! In der Oberpfalz, da hams fei aber oft a richtig grüawigs Bier! Bei Etzelwang in der Näh, da hab i moi …“

„Scho. Aber bei die zweiahalb Hektoliter Ausstoß pro Jahr hält si ja nix. Des grenzt bei dene immer an Schwarzbrennerei als Hobby.“

„Manchmoi bin i direkt froh, dass i nimmer so vui rumkumm. Ma kummt echt nimmer mim Zuaschaun nache bei eich.“

„Wos Galizien sagn. Mei Urgroßvater war glaub i noch aus Czernowitz.“

„Is des net neilich explodiert?“

„Naa, des war Tschernobyl, war des. Czernowitz müsst scho no wo rumsteh.“

„Omeiomei, ein Gfrett, was ihr habts. Na Hauptsach, ihr kennt eich aus.“

„Ach, fei aa net wirklich.“

„Aber Deutschland is gut. De Deitschn kamma fast ganz unbürokratisch von der oana auf die andre Autorität umgwöhnen, des ham mir anno 510, 820 und 1945 zuletzt mit eich probiert. Dankbars Publikum, da in Deutschland.“

„Und 1918?“

Petrus denkt nach. „Naa, des war koa so rechter Autoritätenwechsl. Bloß andere Titel. Umgekehrt wie 1989, verstengens?“

„Glaub scho, so ungefähr.“

„Glaubm is auch gut. München, München, München … Da seids ihr doch gern so katholisch und evangelisch und wie des alles bei euch heißt, gell?“ Petrus rudert mit den Händen nach den Wörtern und amüsiert sich ein Loch in die Toga.

„Ausgetreten, noch die katholische Grundausbildung“, knurre ich durchs Gebiss.

„Recht hams, guader Moo, recht hams! Ihr Zeigl glaubm könnens auch daheim.“

„Des hätt i jetz als letztes glaubt, dass aus der Kirch austretn bei Ihnen a Bonus sei könnt.“

„Ach, gehns. Was da der Junior vor zweitausend Jahr in eierm Judäa drunt amal gaudihalber für an Fischerverein aufgmacht hat, des spielt heut nimmer so die Rolln.“

„Jesus is gaudihalber am Kreuz gstorbm?“

„Wos glaum denn Sie? Der Moo is a Drittl Dreifaltigkeit, der is allmächtig. Der lebt und der stirbt wann und wiarer mog.“

„Ham Sie wieder recht.“

„Aber warns bei einer parakirchlichen Vereinigung? Sans bittschön gleich ehrlich, Ihre Angaben wern leider nomal prüft. Scientology und Opus Dei waar jetzat schlecht, Freimaurer waar jetzat positiv. Seit a paar hundert Jahr wern die allerdings immer weniger.“

„Freimaurer? Um Gotts willn, i war doch bei keim Geheimbund drin.“

„Die Freimaurer?“ Petrus ist aufrichtig erstaunt. „Wo san de geheim, die Freimaurer? Die missioniern bloß nix, des rechnt bei uns scho was. Da haltens auch an Frieden auf Erdn, da ham mir unsern Wohlgefalln, wenns mei Redeweise gstattn.“

„I kann scho folgn, Petrus.“

„Jaja, i siehgs scho, Sie san a Gstudierter. De Freimaurer, de wolln solche, des is bei dene richtig gwünscht, sogar Eahnerne kuriosn Studienfächer, was Sie gmacht ham. Aber wenns net hinwolln ham … Ihr Entscheidung.“

„Kann ja ich net wissn.“

„Freilich könnens es net wissn, deswegn heißts Glauben. Was hamsn so gessn? Vegan, vegetarisch, zoophag, kannibalisch?“

„Ich bitt Sie, Petrus. Ich war aus Franken.“

„Ja, scho klar. Fragen muss i halt danach. Da warns bestimmt auch alle Tag gscheit unter Drogen?“

„Ach, woher. Ganz selten mal besoffen. Und wenn, dann a Bier, schlimmstenfalls einzwei Flaschn Schnaps.“

„A so? Ja warum denn? Was meinens denn, für was der Chef des ganze Zeigl wachsn lasst? A Bier, scho recht, aber die ganzn andern guadn Sachan? Hams dann wenigstns jeden Tog gscheit was weggvögelt?“

„Bitte??“

Correggio, Heilige Katharina von Alexandrien, 1508-1510„Hatten Sie täglich Geschlechtsverkehr?“

„Eminenz, ich bin verheiratet. War.“

„Å, å, å, å …“ Petrus macht mit seinem Zimmermannsbleistift einen energischen Strich.

„Ihnen is schon klar, guader Moo: Für jeden Tag ohne Vögln muaß i Eahna … na, was sagn ma … samma gnädig … sagn ma: fuchzg Jahr Fegefeuer auffehaun.“

Ich schlucke. „Des wern Sie scho richtig machn.“

„Lebt Ihr Frau noch, so als Witwe, die sich ab jetzat fröhlich an Ihre ehelichn Pflichtn erinnert? Ja? Na, die muss leider dann später des gleiche, logisch …“

Petrus schreibt in meiner Akte herum, sucht im beistehenden Aktenreiter unter meinem Buchstaben eine weitere heraus, notiert vorne drauf herum, schaut wieder hoch zu mir und sagt betrübt:

„Ach, i sags Ihnen: Des is alles so eine sinnlose Verschwendung von Seligkeit.“

„A keuscher Lebenswandel zählt nix?“

Langsam wird Petrus unwillig: „Keuscher Lebmswandl, keuscher Lebmswandl. Herrschaftzeitn, i kanns bald nimmer hörn vo eich christliche Abendländer, mit eicherer Keuschheit und Enthaltsamkeit und Monogamie und gar koa Gamie und Zölibat und Sublimierung und Fuizleis und hunderttausnd wichtigere Sachan ois wiares Vegln! Des seids immer bloß ihr, wo eier Frau im Bett neber eich rumschimmln lassts und glangts net oo. Ja Greizdeife halleluja nomoi nei, die gschlechtliche Fortpflanzung, des wor a Gschenk! Unser gressts! Da hamma lang an die Windbestäubung dro hiigschraubt, bis ma des in der Evolution überhaupts möglich gmacht ham, dass eier Balz des ganze Johr lang durchdauert! Hat des irgend a anders Viech? A Privileg is des! Ja duad denn des Vegln weh oder wos?!“

„Da hab i scho von Möglichkeitn ghört …“

„Jajaja, net in dem Internetzeigl Buidl vo dem Dekadenzschmarrn ooschaun. I red davoo, dass ihr endlich mit eirer Frau veglts. Da hättns Ihrer Frau zoagn kenna, wia gern dasses ham, oder wia deitlich hättnses denn no braucht? A Möglichkeit hättns da ghabt, dass Eahnern Ausdruck findn, Sie Schreibhansl, Sie windiger.“

„‚WEnn ich mit Menschen vnd mit Engel zungen redet / vnd hette der Liebe nicht / So were ich ein donend Ertz oder eine klingende Schelle.‘ A so war des gmeint?“

„Sehngs? Sie wissns doch alles! Und durchschauns sogar. Und nutzns net. Entschuidigns scho, wenn i da so drastisch werd, da könna Sie persönlich wahrscheinlich gar net so viel dafür, aber des is halt so allgemein worn die letztn zwoa-dreihundert Johr.“

„Des tut ma jetz scho leid, Petrus.“ Ich meine es ehrlich.

„Jaja, glaub i Eahna sogar. Wissns, in a paar Jahr hab ja ich in dem Job da herin mei Zweitausendjährigs, des ham vielleicht Sie mitkriegt, so als Kathol. Da siehg i jedn Dog dausnd da reikomma, wo Sie reikomma san, und moana, sie ham oisamt richtig gmacht. Und wann ma fragt, ja was hams denn so gmacht? I sogs Eahna, was gmacht ham: Nix hams gmacht.“

„Des kenn i aus meim Job aa“, versuche ich zaghaft.

„Ja, genau des sagns alle, wann ma nachfragt. An Job hättns doch ghabt. Oder no besser: a Arbeit. Oder des Beste is immer: an Beruf. Des wann i oiwei scho hör. Berufm dan oiwei no mir.“

„Da müssns etz aa unser Position verstehn, Petrus. Des Vögln kann falsch sei, des Gegenteil kann genauso falsch sei. Des is so mit allem, was ma macht. Machen oder unterlassen, ruckzuck is scho wieder Schuld aufgladn.“

„Ach, des mit der Schuld.“ Petrus winkt ab. „Was glaum Sie, wer mir san? Eahna Kindermadl oder wos, Ihr Religionslehrer vo der Grundschul. Mir san doch auf Eahnerner Seitn. Mir erschaffm Eahna ja net, bloß dass Sie nachat schuldbeladn umanandalaffa, do hättn doch mir sejber koa Freid damit. Bei uns zählt leicht amal der Versuch.“

„Des is ja dann aa erleichternd und alles. Aber unter die eignen Leut und grad bei der Arbat und der eignen Frau, da zähln halt oft die Resultate. I kann ja net hergehn und vögln wolln, wenn die Beziehung net passt. Und die passt erst vom hundertsten Prozent an aufwärts.“

„Und Sie glaum, Eahna Beziehung werd besser, wenns einfach net vegln?“

„Wenns es a so hiistelln…“

„So leicht waars gwesn.“

„Aber wissns scho: Da ghörn fei zwaa dazu.“

„Oha! Gä? Oha! Net no über Eahna Frau herziang, gä? So vui konn i Eahna versprecha: De kimmt uns scho aa net aus, Eahna Frau. De hat iatz aba no a paar Johr, dass ihr evolutionäre Bestimmung eilöst.“

„Soll mi des etz beruhign?“

„Eahna? Sie ham ab sofort andre Sorgn. Was hams gmacht, solangs net grad garbat ham? Gern a Gsetzl glesn, hab i recht?“

„Scho.“

„Als Lieblingsbiacher?“

„Och, des übliche. Moby-Dick, Alice im Wunderland, aber bloß mit die richtign Illus, vom Goethe die Werther-Leidn, en Faust, und dann aa glei en Doktor Faustus vom Mann-Thomas … Vom Waechter des Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein, des hab i gern meeng.“

„Au wä, genau des moan i. De ganzn Hirntratzer, wo mit Sicherheit nirgends gveglt werd. Oder wos bestraft werd.“

„Was Sie jetz dauernd ham mit dem Vegln.“

„Koa Angst, des hamma hinter uns, is scho abghakt.“

„Musik war noch wichtig.“

„Den Tom Waits, wettn?“

„Ja, den. Fehlt mir leider die Stimm, dass i den selber sing.“

„Na, selber gschriem hams einige Liadl, siehg i grad.“

„Was ma kann.“

„Den Tom Waits, den mog i aa. Hättns Eahna a Beispui an dem gnumma, der machts richtig. Do gfrei i mi scho, wann der zu uns kimmt.“

„Dem hams aa die Stimm mitgebm und des Hirnkastl.“

„Da verrat i Eahna was, weils für Sie scho wurscht is: Sie können heut alles im Lebm erreichen — Sie dürfens bloß net wollen oder gar versuchen.“

„I hab dacht, andersrum? Ma müsst bloß wolln, dann geht alles?“

„Ach — viel so Hollywoodfilme hams gwiss gern angschaut, gell? Sehngs, da dauert a oanziger neinzg Minutn Minimum. In der ganzn Zeit hättns besser feste gveglt. Des hams jetzt.“

Michelangelo Caravggio, Heilige Katharina von Alexandrien, 1595-1596Durch den anliegenden Saal der Glyptothek haben sich hallende Schritte von Badeschlappen genähert. Jetzt steht ein vollbärtiger Hippie in der gleichen Tracht wie Petrus neben dem Marmorschreibtisch.

„Grüß dich, mein Sohn“, sagt er beiläufig zu mir, und dann zu Petrus: „Und, oider Wetterfrosch, wia kummstn heint rum? Kannst mit Mittag machen?“

„I hab no gar net gschaut, was gibtsn heit? Schüttlst du wieder deine fünftausnd Fischsemmln ausn Ärml?“

„Eh klar. Ungesäuert sans am bestn!“ Übermütig lässt der Hippie die Fingerknöchel krachen. Zwei runde, verheilende Wundmale auf den Handrücken.

„Ja, is recht. I verraam no gschwind die Seele do.“

„Der da?“ Der Hippie mustert mich milde. „Au weh zwick. Wara bei die Freimaurer?“

„A woher. Nixn.“

„Aber dem Gsicht und dem Aufzug nach oversexed and underfucked, stimmts?“

„Jaja, aus Frankn.“

„Wohnhaft in München“, blöke ich dazwischen.

„München, München, München … Des da in der Oberpfalz, wos die Brauerei ham wolltn? Da hättns für den Baugrund …“

„Naa, des andere.“

„Dann is des doch des mit der Asamkirch neber dem kloana Buachladn mit die lauter freindlichn hübschn Buachhändlerinnen, oder? Des hams schee eigricht, meine Sterblichn, des mog i eigntlich. Naja, da samma gnädig, dass ma fertig wern.“

„Is Nammittog no was Wichtigs?“

„Ach ja, wost sagst: Der Senior moant, wir braucha langsam des Meeting fürs Weihnachtswetter. Da stehst du obligatorisch drin.“

„Hab i ma fast scho denkt. November is halt immer schwierig, und dann jedsmal glei des Weihnachtn hintnach.“

„Selig sind die Schifahrer, woaßt eh.“

„Was mach ma jetz mit dem?“

„Ach mei … Fegefeuer bis zum nächstn Zeitalter halt, wos moanst?“

„Ja, hab i aa denkt, um den Dreh. Oder lass man glei bis zum übernächstn?“

Der Hippie überlegt. „Zu wem kaam er denn? Satan oder Luzifer?“

Petrus checkt in seinem Laptop: „Der Mephisto hätt grod wos frei, weil heit der Sokrates aufsteigt. Dem sein Plootz kannt er übernehma. Dass er net koit werd, haha.“

„Ui jegerl — der Mephisto, der macht doch den fertig, scho alloa rhetorisch. Der Bua war verheirat, oder?“

„Grad deswegn hab ich ja gmoant: zum übernächstn. Mit seiner ehelichn Pflicht schauts nämli recht mau aus.“

„A geh weider, da is er gstraft gnua. Des hat der aa net aus Bosheit gmacht. Und vielleicht hat er Germanistik studiert, vielleicht hat er nia koa Auto net besessn, vielleicht hat er an greislichn Orsch, vielleicht wor er a Blogger und a Brillnträger is er aa — do veglt si freilich nix. Des muaß ma ois sehng.“

Petrus seufzt. „Oiso recht. Aber i nehm eahm net, wann er in dreihunderttausnd Johr scho wieder dosteht und frohlocken wui. Dann nimmstn nämlich du.“

„Des passt scho. De wo beim Mephisto warn, des wern hinterdrei der angenehmste Umgang.“ Und zu mir: „Wärst du damit einverstanden, mein Sohn?“

„Kann i was ändern?“

„Wahrlich, wahrlich. Na, mit der Einstellung wundert mi nix. Mir sprecha uns dann am Jüngstn Tog. Gehe hin in Frieden.“

Er segnet mich, es scheppert, und dann nehmen mich zwei krokodilsköpfige Legionäre mit rotglühenden Hellebarden in ihre Mitte.

Und Sie, wenn Sie jetzt glauben, es wäre ein Happy End, wenn ich jetzt aufwachte und es war alles nur ein Traum, dann haben Sie weder eine Ahnung vom Aufwachen noch vom Träumen.

Buidln: Jan van Eyck: Marienaltar, Dresdner Triptychon, rechter Flügel:
Hl. Katharina von Alexandrien, um 1437 (Rückseite: Jungfrau der Verkündigung);
Correggio: Hl. Katharina von Alexandrien, 1508–1510, Hudson River School;
Michelangelo Caravaggio: Hl. Katharina von Alexandrien, 1595–1596, Thyssen-Bornemisza Museum Madrid.

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Written by Wolf

25. November 2012 um 00:01

5 Antworten

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  1. Na gut, dass i net in den Himmel muss. Do hättn´s mir vorher das Hirnkastl schon weggveglt. :D
    Das ist ja schwieriger als sächsisch.

    Christina Katharina Bockmühl

    25. November 2012 at 20:21

    • Schwierig? Das ist noch gemäßigte Schreibweise :o)

      Wolf

      26. November 2012 at 14:35

      • Bin jo dofer,dos mon sinne Sproche behalt.
        Das Wort „Hirnkastl“ gibt es bei uns nicht. Dos es dar „Verstaanskastn“.

        Christina Katharina Bockmühl

        26. November 2012 at 18:03

  2. In irgendwas zwischen Hessisch und Holländisch…?

    Wolf

    27. November 2012 at 16:20

    • Hessisch ist nah dran. Plattdeutsches Eichsfeldisch. (Wobei sich das hier in jedem Ort anders anhört.)

      Christina Katharina Bockmühl

      27. November 2012 at 18:00


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