Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Kritik der reinen Unvernunft

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Update zu Der deutsche Sonderweg zur Hochkomik 1–10:

Carl Friedrich Hagemann, Kant rührt Senf an, 1801Das ist nun eine auffrisierte Zweitverwendung aus dem April 2004 fürs dahingegangene jetzt.de. Den kompetentesten Kommentar dazu – von einer aufrechten Kommunistin mit der DDR-Flagge als Profilbild – weiß ich noch auswendig:

Ist das Satire? Dann ist es schlecht. Ist es ernst? Dann ist es dumm, unendlich dumm.

Da sieht man wieder, wie die Rezeption von Immanuel Kant (* 22. April 1724; † 12. Februar 1804, beides in Königsberg) bis in die Postmoderne hinein polarisiert.

Seien wir ehrlich: Nicht einmal Kant hat ab 1802 noch seine eigenen Schriften aus dem 18. Jahrhundert verstanden.

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Der Philosoph und Alleszermalmer Immanuel Kant wurde in Deutschland geboren. Das war in Kaliningrad, das in Russland liegt, aber nur als Exklave. Deswegen müssen die Nachbewohner der Ostpreußen bis heute seine Bücher voll der abseitigsten Fremdwörter übersetzen und verstehen immer noch nicht mehr als jeder akademisch gebildete deutsche Muttersprachler.

In Kaliningrad fängt alles mit K an. Kant sowieso, der alte Name Königsberg, der allenthalben gerne genommene Kartoffelschnaps, die Königsberger Klopse sogar gleich zweimal, und der Kategorische Imperativ mit KI wie die Künstliche Intelligenz, die Kant noch auf natürlichem Wege zu erzeugen verstand.

Carl Friedrich Hagemann, Kant rührt Senf an, 1801Überhaupt von wegen Verstand: Kants Kategorischer Imperativ besagt: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu“, nur mit dem Nachteil, dass er sich nicht reimt. Kant hat es viel schwieriger formuliert, weil er an der Uni war, auf der richtigen Seite des Katheders (mit K!). Von dort aus unterrichtete er Pyrotechnik. Man kann ihn so oft lesen, wie man will, ohne einen Pieps zu verstehen, um am Ende der Vorlesung kleinlaut einzusehen: Besser hätte man es nicht sagen können.

Mit den Frauen hatte er’s nicht, lebte lieber sein Lebelang im Zölibat. Wer mal in Kaliningrad war, das Kant nur selten und unter Protest verließ, versteht gar nicht, warum. In der Fußgängerzone kann man sich alle zehn Meter in eine putinkritische Russin verlieben, wovor eindringlich gewarnt wird, weil die sich hüten wird, sich zurückzuverlieben. Folglich sagte sich Kant: Wozu denn? und handelte so, dass er wollen konnte, seine Maxime solle ein allgemeines Gesetz werden.

Und von wegen Alleszermalmer: Das ist rein geistig gemeint, was zu essen gab es bei Kant allerdings jeden Mittag in aller leiblichen Üppigkeit nicht unter drei Gängen in handverlesener Gesellschaft, am liebsten Kabeljau aus der anliegenden Ostsee, Schweinshaxen oder -braten, und den am liebsten mit Senf. Folgerichtig zeigt ihn eine maßgeblich charakterisierende Handzeichnung beim Anrühren eines Töpfleins mit Senf. Für die Klopse und die Wäsche hatte er eine Haushälterin, denn in Kaliningrad waren sie damals wie heute weit davon entfernt, der EU beizutreten, so dass ein Uniprofessor sich das leisten konnte. Wozu also noch mehr Weiber um sich scharen?

Der Senf war wahrscheinlich mit Knoblauch, wegen russischer Exklave und dem K – was wiederum das mit dem Zölibat erklären würde.

Als Nachspeise gab es Obst, Kuchen oder Pudding. Zu diesem Anlass ist 1995 ein handliches Buch mit seinen drei Hauptwerken in vier Bänden erschienen: Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft, und da fehlt sogar noch die kulinarische, aber nur, weil er die gar nicht geschrieben hat. Wer zwei Paar Hosen hat, mache eines zu Geld schaffe sich dieses Buch an; dann braucht er nie wieder ein anderes, bis er endlich versteht, was Kant andauernd gegen Vernunft, Urteilskraft und Essen hat.

In englischsprachigen Ländern wird Kant oft nicht als Philosoph, sondern als zwielichtiger Saubartel anerkannt. Das trauen die sich aber nur, weil sie ihn für einen Russen halten, der sie sowieso nicht versteht, und kommt wegen seiner unorthodoxen Auffassungen über die Bewohner anderer Planeten sowie die Spitzfindigkeit von Syllogismen. Und weil sie seinen Nachnamen so komisch aussprechen.

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Wikipedia ist keine Quelle„, aber das Brauchbarste, was man ohne Kosten und Mühen nicht scheuen muss:

Auf [Carl Friedrich] Hagemanns Frage, ob er ihn „ganz getreu“ nachbilden solle, antwortete Kant: „So alt und häßlich, wie ich nun bin, dürfen Sie mich eben nicht machen!“ Wie alt und gebrechlich Kant 1801 schon war, zeigt Hagemann in seiner berühmten Zeichnung, wie Kant Senfkörner im Mörser zermahlt. Diese 8 cm hohe Federzeichnung gibt Kant in ganzer Figur stehend wieder. Von unbekannter Hand wurde auf dem ca. 9 × 16 cm großen Blatt folgende Beischrift zugefügt:

Die Figur Emanuel Kants, wie er für seine Tischgenossen den Senf zubereitet, gezeichnet von dem Bildhauer Hagemann zur Zeit er dessen Büste modelliert im Jahre 1801.

Die Kleidung: Kniehosen mit Gamaschen, einen Rock, und eine Perücke mit Zopf und Schleife.

In England wurde Senf lange Zeit nicht als fertig gemischte Paste gekauft, sondern zu Hause aus Senfmehl und Wasser eigenständig angerührt. Für eine besonders intensive gelbe Farbe sorgte die Beigabe von Kurkuma. Nach etwa zehn Minuten Wartezeit entfaltet diese nach der so genannten Colman-Methode zubereitete Mischung ihr volles Aroma.

Bilder: Carl Friedrich Hagemann: Immanuel Kant, Senf zubereitend, 1801,
Vollansicht käuflich als Kant mixing mustard, 1801 (Kant mischender Senf).

Soundtrack: Heiðrikur á Heygum: Monster, Kaliningrad 2017,
bestes Video beim Føroysku Tónlistavirðislønirnar 2018:

Written by Wolf

11. Februar 2022 um 00:01

Veröffentlicht in Aufklärung, Nahrung & Völlerei

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