Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Nachtstück 0028: Du siehst, man muß nur etwas aus sich machen (daß es denn doch um die Dauer der Menschheit noch nicht so gar schlecht stehe)

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Update zu Der Mensch ist ein einfaches Wesen. Und wie reich, mannigfaltig und unergründlich er auch sein mag, so ist doch der Kreis seiner Zustände bald durchlaufen,
Du hast mir mein Gerät verstellt und verschoben
und Einige Reste Wein:

Im Thema Body-switch wussten die alten weißen Männer der deutschen Klassik mal wieder selbst am wenigsten davon, wie privilegiert sie waren.

1. Aus Frauensicht:

——— Emma. 25. Very Bad Catholic. Wife and mom:

Swimsuit shopping, a dialogue

aus: The Daily Plod, 21. April 2018:

Duane Bryers, Hilda, Bored PandaMe: All I’m looking for is a cute, modest swimsuit that has a good design and a reasonable price

Swimsuit designers: Let’s make all the one pieces have plunging necklines this year!

Me: Well that’s great if you have a small chest but I need good suppo-

Swimsuit designers: Let’s make the front of this high-waisted two piece modest in the front…

Me: Great!

Swimsuit designers: AND THEN let’s make it all strappy and cheeky in the back!

Me: Do not

Swimsuit designers: Let’s make all the modest swimsuits frumpy with ugly patterns and really expensive!

Me: Why-

Swimsuit designers: …And make all the strappy, revealing bikinis dirt cheap!

Me:

Me: Look! Finally, a cute, modest swimsuit in the front and back with a good design and a lovely pattern! It’s EXACTLY what I’ve been looking for! Good job guys-

Swimsuit designers: We have decided to make this swimsuit that has every single quality you want absurdly expensive and out of your price range!

Me: Well….this other one is pretty cute and reasonably priced. I’d settle for it at least

Swimsuit designers: We know that women love swimsuits with good coverage and good design with a reasonable price

Me: Thank you.

Swimsuit designers: That’s why this particular swimsuit you’d settle for is all sold out in your size

Me: WHY DO YOU HATE ME AND ALL WOMANKIND

2. Aus Männersicht:

——— Johann Peter Eckermann:

Mittwoch, den 12. März 1828

aus: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens. Brockhaus, Leipzig 1836:

Nachdem ich Goethe gestern Abend verlassen hatte, lag mir das mit ihm geführte bedeutende Gespräch fortwährend im Sinne.

Auch von den Kräften des Meeres und der Seeluft war die Rede gewesen, wo denn Goethe die Meinung äußerte, daß er alle Insulaner und Meeranwohner des gemäßigten Klimas bei weitem für productiver und thatkräftiger halte als die Völker im Innern großer Continente.

War es nun daß ich mit diesen Gedanken und mit einer gewissen Sehnsucht nach den belebenden Kräften des Meeres einschlief, genug, ich hatte in der Nacht folgenden anmuthigen und mir sehr merkwürdigen Traum.

Duane Bryers, Hilda, Bored PandaIch sah mich nämlich in einer unbekannten Gegend unter fremden Menschen überaus heiter und glücklich. Der schönste Sommertag umgab mich in einer reizenden Natur, wie es etwa an der Küste des Mittelländischen Meeres im südlichen Spanien oder Frankreich oder in der Nähe von Genua sein möchte. Wir hatten mittags an einer lustigen Tafel gezecht, und ich ging mit andern, etwas jüngern Leuten, um eine weitere Nachmittagspartie zu machen. Wir waren durch buschige angenehme Niederungen geschlendert, als wir uns mit einem Male im Meere auf der kleinsten Insel sahen, auf einem herausragenden Felsstück, wo kaum fünf bis sechs Menschen Platz hatten und wo man sich nicht rühren konnte ohne Furcht, ins Wasser zu gleiten. Rückwärts, wo wir hergekommen waren, erblickte man nichts als die See, vor uns aber lag die Küste in der Entfernung einer Viertelstunde auf das einladendste ausgebreitet. Das Ufer war an einigen Stellen flach, an andern felsig und mäßig erhöht, und man erblickte zwischen grünen Lauben und weißen Zelten ein Gewimmel lustiger Menschen in hellfarbigen Kleidern, die sich bei schöner Musik, die aus den Zelten herübertönte, einen guten Tag machten. „Da ist nun weiter nichts zu thun,“ sagte einer zum andern, „wir müssen uns entkleiden und hinüberschwimmen.“ – „Ihr habt gut reden,“ sagte ich, „ihr seid jung und schön und überdies gute Schwimmer. Ich aber schwimme schlecht und es fehlt mir die ansehnliche Gestalt, um mit Lust und Behagen vor den fremden Leuten am Ufer zu erscheinen.“ – „Du bist ein Thor,“ sagte einer der schönsten; „entkleide dich nur und gieb mir deine Gestalt, du sollst indeß die meinige haben.“ Auf dieses Wort entkleidete ich mich schnell und war im Wasser und fühlte mich im Körper des andern sofort als einen kräftigen Schwimmer. Ich hatte bald die Küste erreicht und trat mit dem heitersten Vertrauen nackt und triefend unter die Menschen. Ich war glücklich im Gefühl dieser schönen Glieder, mein Benehmen war ohne Zwang, und ich war sogleich vertraut mit den Fremden vor einer Laube an einem Tische, wo es lustig herging. Meine Kameraden waren auch nach und nach ans Land gekommen und hatten sich zu uns gesellt, und es fehlte nur noch der Jüngling mit meiner Gestalt, in dessen Gliedern ich mich so wohl fühlte. Endlich kam auch er in die Nähe des Ufers, und man fragte mich, ob ich denn nicht Lust habe, mein früheres Ich zu sehen. Bei diesen Worten wandelte mich ein gewisses Unbehagen an, theils weil ich keine große Freude an mir selber zu haben glaubte, theils auch weil ich fürchtete, jener Freund möchte seinen eigenen Körper sogleich zurückverlangen. Dennoch wandte ich mich zum Wasser und sah mein zweites Selbst ganz nahe heranschwimmen und, indem er den Kopf etwas seitwärts wandte, lachend zu mir heraufblicken. „Es steckt keine Schwimmkraft in deinen Gliedern,“ rief er mir zu; „ich habe gegen Wellen und Brandung gut zu kämpfen gehabt, und es ist nicht zu verwundern, daß ich so spät komme und von allen der letzte bin.“ Ich erkannte sogleich das Gesicht, es war das meinige, aber verjüngt und etwas voller und breiter und von der frischesten Farbe. Jetzt trat er ans Land, und indem er, sich aufrichtend, auf dem Sande die ersten Schritte that, hatte ich den Überblick seines Rückens und seiner Schenkel und freute mich über die Vollkommenheit dieser Gestalt. Er kam das Felsufer herauf zu uns andern, und als er neben mich trat, hatte er vollkommen meine neue Größe. Wie ist doch, dachte ich bei mir selbst, dein kleiner Körper so schön herangewachsen! Haben die Urkräfte des Meeres so wunderbar auf ihn gewirkt, oder ist es weil der jugendliche Geist des Freundes die Glieder durchdrungen hat? Indem wir darauf eine gute Weile vergnügt beisammen gewesen, wunderte ich mich imstillen, daß der Freund nicht that als ob er seinen eigenen Körper einzutauschen Neigung habe. Wirklich, dachte ich, sieht er auch so recht stattlich aus, und es könnte ihm im Grunde einerlei sein; mir aber ist es nicht einerlei, denn ich bin nicht sicher, ob ich in jenem Leibe nicht wieder zusammengehe und nicht wieder so klein werde wie zuvor. Um über diese Angelegenheit ins Gewisse zu kommen, nahm ich meinen Freund auf die Seite und fragte ihn, wie er sich in meinen Gliedern fühle. „Vollkommen gut,“ sagte er; „ich habe dieselbe Empfindung meines Wesens und meiner Kraft wie sonst. Ich weiß nicht was du gegen deine Glieder hast, sie sind mir völlig recht, und du siehst, man muß nur etwas aus sich machen. Bleibe in meinem Körper so lange du Lust hast; denn ich bin vollkommen zufrieden, für alle Zukunft in dem deinigen zu verharren.“ Über diese Erklärung war ich sehr froh, und indem auch ich in allen meinen Empfindungen, Gedanken und Erinnerungen mich völlig wie sonst fühlte, kam mir im Traum der Eindruck einer vollkommenen Unabhängigkeit unserer Seele und der Möglichkeit einer künftigen Existenz in einem andern Leibe.

Duane Bryers, Hilda, Bored Panda„Ihr Traum ist sehr artig,“ sagte Goethe, als ich ihm heute nach Tische die Hauptzüge davon mittheilte. „Man sieht,“ fuhr er fort, „daß die Musen Sie auch im Schlaf besuchen, und zwar mit besonderer Gunst; denn Sie werden gestehen, daß es Ihnen im wachen Zustande schwer werden würde, etwas so Eigenthümliches und Hübsches zu erfinden.“

„Ich begreife kaum, wie ich dazu gekommen bin,“ erwiederte ich; „denn ich fühlte mich alle die Tage her so niedergeschlagenen Geistes, daß die Anschauung eines so frischen Lebens mir sehr fern stand.“

„Es liegen in der menschlichen Natur wunderbare Kräfte,“ erwiederte Goethe, „und eben wenn wir es am wenigsten hoffen, hat sie etwas Gutes für uns in Bereitschaft. Ich habe in meinem Leben Zeiten gehabt, wo ich mit Thränen einschlief, aber in meinen Träumen kamen nun die lieblichsten Gestalten, mich zu trösten und zu beglücken, und ich stand am andern Morgen wieder frisch und froh auf den Füßen.

Duane Bryers, Hilda, Bored PandaEs geht uns alten Europäern übrigens mehr oder weniger allen herzlich schlecht; unsere Zustände sind viel zu künstlich und complicirt, unsere Nahrung und Lebensweise ist ohne die rechte Natur, und unser geselliger Verkehr ohne eigentliche Liebe und Wohlwollen. Jedermann ist fein und höflich, aber niemand hat den Muth, gemüthlich und wahr zu sein, sodaß ein redlicher Mensch mit natürlicher Neigung und Gesinnung einen recht bösen Stand hat. Man sollte oft wünschen, auf einer der Südseeinseln als sogenannter Wilder geboren zu sein, um nur einmal das menschliche Dasein ohne falschen Beigeschmack, durchaus rein zu genießen.

Denkt man sich bei deprimirter Stimmung recht tief in das Elend unserer Zeit hinein, so kommt es einem oft vor als wäre die Welt nach und nach zum Jüngsten Tage reif. Und das Übel häuft sich von Generation zu Generation! Denn nicht genug, daß wir an den Sünden unserer Väter zu leiden haben, sondern wir überliefern auch diese geerbten Gebrechen, mit unsern eigenen vermehrt, unsern Nachkommen.“

„Mir gehen oft ähnliche Gedanken durch den Kopf,“ versetzte ich; „allein wenn ich sodann irgend ein Regiment deutscher Dragoner an mir vorüberreiten sehe und die Schönheit und Kraft der jungen Leute erwäge, so schöpfe ich wieder einigen Trost, und ich sage mir, daß es denn doch um die Dauer der Menschheit noch nicht so gar schlecht stehe.“

Bilder: Duane Bryers: Hilda, „from around the 1950s to the 1980s“,
via Greta Jaruševičiūtė: Hilda: The Forgotten Plus-Size Pin-Up Girl From The 1950s, 2017.

Soundtrack: Baby Gramps: Old Man of the Sea,
aus: Rogues Gallery: Pirate Ballads, Sea Songs, and Chanteys, ANTI- 2006:

Written by Wolf

25. Juni 2021 um 00:01

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