Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Drei Rosen, sang er, drei Rosen

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Update zu Gräflein Du bist verrathen:

Es reißt nicht ab: Wer zu tief nach Theodor Fontanes Volksliedfund Wer geht so spät zu Hofe buddelt, gerät nahezu zwangsläufig an eine weitere Ballade, diesmal ein Original von Friedrich de la Motte Fouqué.

„Wir schließen diesen Abschnitt mit einem Liede“ (George Hesekiel a. a. O.) aus derselben Quelle wie Fontanes Volkslied „zur Geschichte des Geschlechts der Grafen Königsmarck“, die über Fontanes Verwendung hinausgeht, allein schon weil sie auf einen der zentralen Forschungsgegenstände von Arno Schmidt verweist: Fouqué — und sogar, wie Schmidt sie in seinem Standardwerk von 1958 nennt, „einige seiner seiner Zeitgenossen„. Das trägt uns praktischerweise gleich noch eine Ballade in siebenzeiligen Strophen ein. Abermals in gleich zwei Zusammenhängen:

Günter Rössler, Fotokinoverlag, Leipzig 1982

——— George Hesekiel:

Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts der Grafen Königsmarck

Verlag von Alexander Duncker, Königlicher Hofbuchhändler, Berlin 1854, Seite 5 bis 6:

Günter Rössler, Fotokinoverlag, Leipzig 1982In dieser Zeit kommen die Königsmarck in die erste Verbindung mit den Lützelburgern, dem böhmischen Königshause; Rüdiger von Königsmarck, er wird auch Radecke genannt, begleitete den Markgrafen, später Kaiser, Sigismund 1382 nach Ungarn und zeichnete sich vielfach dort aus. Seine glänzendste That aber war 1387 die Befreiung der Königin Maria von Ungarn aus der Gefangenschaft des Banus von Kroatien. Der Sage nach ließ die schöne Königin den tapfern Ritter vor sich bescheiden, grüßte ihn holdselig und sagte ihm, er solle sich eine Gnade ausbitten. Da bat der ritterliche Held um die drei Rosen, welche die Königin in der Hand hielt, die Königin aber reichte ihm die Rosen und dazu dreimal ihren rosigen Mund zum Kuß. Seit der Zeit hieß Rüdiger von Königsmarck im Ungarlande der Rosenritter, seine Nachkommen aber führen noch heut zum Gedächtniß die Königin mit den drei Rosen in der Hand als Helmkleinod auf ihrem Wappen. Einer unserer edelsten deutschen Dichter, Friedrich Baron de Lamotte=Fouqué hat diese Königsmarck’sche Schildsage in der folgenden lieblichen Romanze besungen:

Hier folgt die Romanze. Um nicht wieder unzulässig ins Zitat eines Zitats eingreifen zu müssen, weil Hesekiel nicht wesentlich, aber nicht gerade sehr zuverlässig von Fouqué abweicht, bringe ich den Text nach der Erstausgabe aus: Friedrich de la Motte Fouqué: Alwin. Ein Roman in zwei Bänden von Pellegrin. Erster Band, bei Friedrich Braunes, Berlin 1808, Seite 209 bis 210:

Günter Rössler, Fotokinoverlag, Leipzig 1982

Was meint sie denn mit den drei Rosen, die man meim Einlaß in’s Schloß nennen muß? fragte Alwin.

Emil, rief Hartwald nach dem Zelte hinein, sing uns doch einmal Flaminiens Romanze. Es ist ein altes Liedchen, fuhr er gegen Alwin fort, das ihr so ausnehmend gefällt, und von dem sie die Losung gewählt hat.

Der hübsche Page war indessen heraus getreten, hatte seine Zither gestimmt, und sang:

Mein Knappe, was kommst Du an Stirn und Brust
     Und Arm von Blute so roth,
Und reitest als wie in erquicklicher Lust,
     Als gäb‘ es nicht Jammer noch Noth?
          Drei Rosen, sang er, drei Rosen,
          Die pflückt‘ ich aus feindlichem Tosen,
     Die pflückt‘ ich aus drohendem Tod.

Günter Rössler, Fotokinoverlag, Leipzig 1982Und als er kam vor das Königshaus
     Der junge siegende Held.
Da trat die Königinn selber heraus:
     Nun fordre, was Dir gefällt.
          „Drei Rosen, hätt‘ ich drei Rosen,
     Wie wollt‘ ich noch hundertmal losen
     Um’s Leben auf eisernem Feld!

Die Königinn wußte, was Helden gebührt;
     Was Helden kann machen gesund.
Da haben ihn schweigende Mägdlein geführt
     In Zimmers verschwiegenen Rund.
          „Drei Rosen gab sie, drei Rosen,
          Drei Küsse mit freundlichem Kosen
     Von ihrem hellrosigen Mund.

Und drauf im erleuchteten, festlichen Saal
     Stand Herzog und Grafe bereit,
Da sagte die Herrin zu dieser Zahl
     Sei künftig mit Ehren gereiht,
     Und heiße der Ritter von Rosen,
     Und führ‘ im Wappen drei Rosen
     Und rosenfarb Helmbusch und Kleid.

Du hast deine Sache recht gut gemacht, Emil, sagte Hartwald, und kannst billig den besten Sängerlohn verlangen. Nimm hin! Und mit diesen Worten reichte er ihm einen goldnen Becher. Der Page nahm ihn lächelnd an, und tauchte seine schwellenden Lippen in die Gluth des Weins, indeß Alwin, als bemerkte er einen lange Verkannten, plötzlich emporschaute; diese Lippen waren es, welche er in der Einsiedelei sich auf ähnliche Weise in den Wein hatte tauchen sehn, und Emil stand als Emilie vor ihm, als die entführte, reizende Nonne.

Günter Rössler, Fotokinoverlag, Leipzig 1982

Die Bilder sind das Material, das für den Ursprungsartikel erwogen und verworfen wurde:
Günter Rössler für den Fotokinoverlag, Leipzig 1982.

Soundtrack: Über eine nicht mehr als dreigliedrige Assoziationskette:
Motörhead: Heroes, aus: Motörizer, 2008:

Written by Wolf

15. November 2019 um 00:01

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