Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Nachtstück 0024: I wish you were dead, my dear

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Update zu Wenn Schnee bedeckt mein Haar einmal,
Grabesdunstwitterlich,
So singet laut den Pillalu (Och orro orro ollalu)
und Das Angedenken der Zuckerlust:

——— Algernon Charles Swinburne:

Satia te Sanguine

from: Laus Veneris, and Other Poems and Ballads,
Carleton, New York 1866:

IF YOU loved me ever so little,
     I could bear the bonds that gall,
I could dream the bonds were brittle;
     You do not love me at all.

O beautiful lips, O bosom
     More white than the moon’s and warm,
A sterile, a ruinous blossom
     Is blown your way in a storm.

As the lost white feverish limbs
     Of the Lesbian Sappho, adrift
In foam where the sea-weed swims,
     Swam loose for the streams to lift,

My heart swims blind in a sea
     That stuns me; swims to and fro,
And gathers to windward and lee
     Lamentation, and mourning, and woe.

A broken, an emptied boat,
     Sea saps it, winds blow apart,
Sick and adrift and afloat,
     The barren waif of a heart.

Where, when the gods would be cruel,
     Do they go for a torture? where
Plant thorns, set pain like a jewel?
     Ah, not in the flesh, not there!

The racks of earth and the rods
     Are weak as foam on the sands;
In the heart is the prey for gods,
     Who crucify hearts, not hands.

Mere pangs corrode and consume,
     Dead when life dies in the brain;
In the infinite spirit is room
     For the pulse of an infinite pain.

I wish you were dead, my dear;
     I would give you, had I to give,
Some death too bitter to fear;
     It is better to die than live.

I wish you were stricken of thunder
     And burnt with a bright flame through,
Consumed and cloven in sunder,
     I dead at your feet like you.

If I could but know after all,
     I might cease to hunger and ache,
Though your heart were ever so small,
     If it were not a stone or a snake.

You are crueller, you that we love,
     Than hatred, hunger, or death;
You have eyes and breasts like a dove,
     And you kill men’s hearts with a breath.

As plague in a poisonous city
     Insults and exults on her dead,
So you, when pallid for pity
     Comes love, and fawns to be fed.

As a tame beast writhes and wheedles,
     He fawns to be fed with wiles;
You carve him a cross of needles,
     And whet them sharp as your smiles.

He is patient of thorn and whip,
     He is dumb under axe or dart;
You suck with a sleepy red lip
     The wet red wounds in his heart.

You thrill as his pulses dwindle,
     You brighten and warm as he bleeds,
With insatiable eyes that kindle
     And insatiable mouth that feeds.

Your hands nailed love to the tree,
     You stript him, scourged him with rods,
And drowned him deep in the sea
     That hides the dead and their gods.

And for all this, die will he not;
     There is no man sees him but I;
You came and went and forgot;
     I hope he will some day die.

——— Algernon Charles Swinburne:

Satia te Sanguine

deutsche Nachdichtung:
Otto Hauser, 1910:

Wär‘ ich etwas dir nur, ich ertrüge
     Die Bande, die mir so schwer,
Doch daß du mich liebst, ist Lüge:
     Ich sprenge sie nimmermehr.

O schöne Lippen, o Brüste,
     Weiß wie kein Mond und warm,
Zutreibt im Sturm eurer Küste,
     Eine Blüte fruchtlos und arm.

Wie Sapphos fiebernde Glieder,
     Die, weiß umspielt von Tang,
Mit dem Seeschaum auf und nieder
     Sich wiegten im Wogengang —

Wird mein Herz dahingetragen
     Von wild mich betäubender See
Und gewinnt nur Seufzer und klagen,
     Nur Leid unter Wind und Lee,

Ein Nachen, leer und zerschmettert,
     Der irr mit den Wogen schifft,
Siech und umbraust und umwettert,
     Eines Herzens nutzlose Trift.

Wo wüten in grausamem Zorne
     Die Götter und bohren vorein
Wie Demantspitzen Dorne
     Und Qualen? Ins Fleisch? O nein!

Die Zepter, die Folterschmerzen
     Sind weich wie der Schaum auf der Flut,
Die Götter kreuzigen Herzen,
     Nicht Hände in grausamer Wut.

Jedem andern Schmerz wird Rast,
     Er stirbt im Hirn mit dem Sein —
Der unendliche Geist nur fast
     Den Puls unendlicher Pein.

Ich möcht den Tod dir geben
     So herb, daß die Furcht er vertrieb,
(Denn besser ist sterben als leben) —
     Ich wollt‘, du wärst tot, mein Lieb.

Ich wollte vom Blitz dich gefällt,
     Verzehrt in flammendem Nu,
Vom treffenden Strahl zerspellt,
     Mich tot dir zu Füßen wie du.

Doch könnte mich eines versöhnen:
     Wenn dein Herz, ob noch so klein,
Das hungern mich läßt und stöhnen,
     Nicht Schlange nur wär‘ oder Stein.

Haß Hunger und Tod gelüsten
     Nach Qual nicht mit solcher Gier;
Du bist Taube von Augen und Brüsten
     Und doch tötet ein Hauch von dir.

Wie die Pest in vergifteter Stadt
     Ob den Toten jauchzt, so du,
Bittet Liebe dich bleich und matt:
     Wirf einen Brocken mir zu.

Wie ein zahmes Tier will sie’s machen
     Und schmeichelt, doch erntet nur Hohn;
Aus Nadeln so scharf wie dein Lachen
     Erhöhst du ein Kreuz ihr zum Lohn.

Stumm duldet sie Dornen und Schwippen
     Und schweigend Pfeil und Erz;
Du saugst mit rotschläfrigen Lippen
     Ihr feuchtrote Wunden ins Herz.

Du glühst, wie ihr Blut bei dem Saugen
     Versiegt und sie sinkt auf den Grund,
Mit unersättlichen Augen
     Und unersättlichem Mund.

Du stäuptest sie, gabst den Spöttern
     Am Kreuze sie preis und riefst:
Zu den Toten und ihren Göttern
     Versenkt in das Meer sie zu tiefst.

Doch so voll du die Leiden ihr maßest,
     Sie stirbt nicht; ich sehe sie noch.
Du kamst und gingst und vergaßest,
     Ich hoffe: einst stirbt sie doch.

Paulus Pontius nach Peter Paul Rubens, The Head of Cyrus brought to Queen Tomyris, Satia te Sanguine quem semper sitisti, engraving 1630

Satia te Sanguine quem semper sitisti: und Cum priuilegijs Regis Christianissimi / Serenissimæ Infantis et Ordinum confoed. a.o 1630: Paulus Pontius nach Peter Paul Rubens: The Head of Cyrus brought to Queen Tomyris, Kupferstich auf Papier 1630, 58,9 cm auf 40,3 cm, The Trustees of the British Museum.

Sucker love is heaven sent: Placebo: Every You Every Me, aus: Without You I’m Nothing, 1998:

Like the naked leads the blind,
I know I’m selfish, I’m unkind.
Sucker love, I always find
Someone to bruise and leave behind.

#gothiclyrik

Written by Wolf

31. Oktober 2019 um 00:01

Veröffentlicht in Romantik, Vier letzte Dinge: Tod

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