Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Nachtstück 0019: Noch weit beunruhigendere Betrachtungen

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Update zu Unter sotanen Umständen:

——— Arno Schmidt:

Julianische Tage

Berichte aus der Nicht-Unendlichkeit, 1961,
Bargfelder Augabe III/4, Seite 91 f., Schluss,
in: Trommler beim Zaren, 1966:

Es gibt noch weit beunruhigendere Betrachtungen hier ! Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20 000, demnach rund 15 000 Lesetage zur Verfügung. Nun kommt es natürlich ebenso auf das betreffende Buch, wie auch auf die literarische Aufnahmefähigkeit an. Das Kind schlingt seinen dicklichen MAY=Band in 2 Tagen hinunter (und die schönsten Stellen werden sogar mehrmals genossen); der Mann, tagsüber im Büro, oder hinter Pflug & Schraubstock, druckst, selbst bei bestem Willen, 3 Wochen lang über’m ‚WITIKO‘, den ihm ein sinniger Kollege empfahl. Sagen wir, durchschnittlich alle 5 Tage 1 neues Buch — dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag ! Und selbst wenn man nur 3 Tage für eines benötigte, wären’s immer erst arme 5000. Da sollte es doch wahrlich, bei Erwägung der Tatsache, daß es bereits zwischen 10 und 20 Millionen verschiedener Bücher auf unserem Erdrund gibt, sorgfältig auswählen heißen. Ich möchte es noch heilsam=schroffer formulieren :

Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen :

Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur !

Jaja, die ‚Julianischen Tage‘ : wieviel Sonnen haben Sie schon aufgehen sehen ? Wieviel Vollmonde unter ? Wieviel Tage trennen uns=heute von GOETHE’s Tod ? Wieviel von Christi Geburt : 1 Milliarde Morgenröten; oder nur 700 000 ?

„Des Menschen Leben währet 70 Jahre“ ? — sagen wir : 25 000 Julianische Tage.

Arno-Schmidt-Stiftung, Recherchereise. Arno Schmidt 1953 auf dem Dümmer

Seelandschaft ohne Pocahontas: Arno-Schmidt-Stiftung: Recherchereise: Arno Schmidt 1953 auf dem Dümmer, via Georges Felten: Pornographie bei Arno Schmidt: Kunst oder Verbrechen? Vor sechzig Jahren geriet Arno Schmidt ins Visier der deutschen Justiz: Sein Roman „Seelandschaft mit Pocahontas“ stand im Verdacht, Pornographie und Gotteslästerung zu verbreiten. Ein Gastbeitrag, Frankfurter Allgemeine Zeitung 28. Juli 2016:

(‚Tag der Deutschn Einheit‘? : unvergleichlich geeignet zum Paddln !)

Zettel’s Traum, Seite 538, 1970.

Und bloß nicht den Namen dieses Nachbardorfes einprägen; jetzt noch nicht; mit 55 muß man das Gedächtnis für’s Notwendigste reservieren.

Kühe in Halbtrauer, 1961.

So wird das freilich nix.

Pass auf, der Schreiner hobelt jetzt und grad an deinem Schrein:
Hannes Wader, Reinhard Mey & Klaus Hoffmann: So trolln wir uns [Lied 21], aus: Liebe, Schnaps, Tod, 1996:

Written by Wolf

22. Februar 2019 um 00:01

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