Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Wunderblatt 11: Die blühenden Narkosen

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Update zu Angebinde
und Mit Blumen, mit verdorrten:

Ich mag ja immer Pflanzen, die irgendwas können.

Adi Dekel Photography featuring Alexandra, 7. April 2016

——— Georg Rodolf Weckherlin:

Gartenbulschaft oder krantlieb

(25. September 1584 bis 23. Februar 1653):

Ich war in einem schönen garten,
da der Braunellen ich must warten;
alsbald sie kam und sah mich an,
empfanden wir das herzgespan.
„Ach, was empfind ich in dem herzen!“
sprach sie; ich antwort: „laß uns scherzen!
je läng’r je lieber bist du mir,
ja tag und nacht lieb bin ich dir.
laß uns mit maß und ohn maß lieben,
laß uns das nabelkraut verschieben,
das so süß, under deinen schurz.“
„Ja, knabenkraut und ständelwurz„,
sprach sie, „mir allzeit wol zuschlagen:
Liebstöckel mögen wir auch wagen,
dieweil sie gut für die, die bleich,
so steck es tief in das glidweich.
glidkraut mein glid mit lust durchdringet,
wan es kein mutterkraut mir bringet.
auch lieb und süß ist die manstreu,
mit zapfenkraut die freud wird neu,
Dan seine tugend stets passieret.
so bald es kützelnd tief berühret
die zarte nackend huren haut,
so wird es gleichsam seifenkraut.“
„Es ist gnug, laß nun ab zu scherzen,
bis wir einander wider herzen,
vergißmein nicht und bleib doch weis
mein augentrost, mein ehrenpreis.“

——— Ferdinand Hardekopf:

Angebinde

(15. Dezember 1876 bis 26. März 1954):

Ich stell sie dir hin, die blassen Herbstzeitlosen,
Den letzten Schierlingszweig trag ich herbei
Und will, Canaille, wieder mit dir kosen,
Wie im Zigeunerkraut am dritten Mai.

Den Taumel-Lolch, dies nette Giftgetreide,
Den zarten Schwindelhafer rupf ich aus
Und winde dir, infame Augenweide,
Aus Hundstod und aus Wolfsmilch einen Strauß.

Im Fingerhut das reichliche Volumen
Digitalin (mein Herz, du kennst es schon),
Das pflück ich dir und Belladonna-Blumen
Und Bittersüß und dunkelroten Mohn.

Kennst du des Bilsenkrautes böse Gnaden?
Der Beeren Scharlachglanz am Seidelbast?
Und die Betäubung, dreimal fluchbeladen,
Die stachlig die Stramin-Frucht in sich faßt?

So nimm sie hin, die blühenden Narkosen,
Aus Nacht und Haß ein Duft-Arrangement,
Und stell es zwischen deine Puderdosen
Und die Parfumflacons von Houbigant.

Gescheitert bin ich daran, eine „Stramin-Frucht“ oder auch nur eine Pflanze ähnlichen Namens nachzuweisen. Dafür ist es schon der halbe Spaß, zu wissen, dass die pro Gedicht je einmal vorkommende Herbstzeitlose bei Weckherlin „nackend hure“ heißt und im übrigen Volksglauben noch ganz andere Sachen.

Die Wölfin meint: „Ich vermisse Mädesüß und Phallus impudicus.“

„Ich auch“, sag ich, „ich auch.“

Adi Dekel Photography featuring Samantha Evans, 4. April 2015

Bilder:

  1. Adi Dekel Photography featuring Alexandra, 7. April 2016:

    Now I travel alone, I live in woods, alone I have no fear anymore. There’s light at the end, always…

  2. Adi Dekel Photography featuring Samantha Evans, 4. April 2015:

    Her hair reminded me of Ariel from the little mermaid, so I went with it just a bit.“

  3. Ella Ruth Photography: The Botanist, 19. Juni 2016

    A favourite from the day beautiful Anna and I filled the downstairs of my house with plants. I had so much fun creating this set!

Ella Ruth Photography, The Botanist, 19. Juni 2016

Soundtrack: Tom Waits: Little Drop of Poison, aus: Orphans, 2006,
Bilder aus Jean-Luc Godard: Vivre sa vie, 1962:

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Written by Wolf

15. Juni 2018 um 00:01

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