Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Lichtmess-Gewinnspiel: Es kommt ja auch so viel zurück (verlängert bis 18. Februar 2018)

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Update zu Valentinsgewinnspiel: Ich bin nichts Offizielles (geschlossen),
zugleich Ein kleines Helles für Elke:

Weihnachten spendet ja schon jeder was. Wie ich nicht müde zu betonen werde, ist aber der liebenswerteste Feiertag des Jahres eben nicht Weihnachten, sondern Mariä Lichtmess, das Ende der liturgischen Weihnachtszeit: weil da noch richtig Frühling ist, aber langsam messbar welcher werden will, weil es der Tag der Brigid ist, der Personifikation der Dichtkunst und Beschützerin der Poeten, und weil man sich da nix schenken muss, außer man möchte gern.

Na, dann feiern wir doch Mariä Lichtmess. Das geht so: Sie spenden Summen Geldes, ich belohne Sie mit Büchern und CDs dafür. Wer an eine der folgenden Organisationen, einfach so, außerhalb der gängigen Weihnachtsfeiertage, in seiner Wohltätigkeit etwas spendet, kriegt was richtig Schönes von mir. Verlinkt sind praktischerweise die Spendenmöglichkeiten:

Das sind in aufsteigender Reihenfolge der von mir subjektiv empfundenen Wichtigkeit Organisationen, die mir am Herzen liegen: Das Goethezeitportal ist sehr verdienstreich und präsent für mein Online-Schaffen, aber nicht verzweifelt bedürftig; das Lyrik-Kabinett ist ähnlich verdienstreich für Lyriker, die noch am Leben sind, außerdem bewohnen sie eine liebenswert kuschlige Hiterhofbutze im Münchner Universitätsviertel, in der sie den lyrisch Interessierten glaubwürdig freundlich empfangen und wahlweise mit Kaffee versorgen oder in Ruhe studieren lassen — lang sollen sie leben, diese Helden der postkapitalistischen Gutherzigkeit; ja, und die Seniorenhilfe Lichtblick wendet sich mit möglichst unbürokratischen, aber pickelhart geldwerten Mitteln gegen Altersarmut. Menschen wie Sie und ich, die ihre Freizeit — und womöglich noch ihre Arbeitszeit — an die Literatur egal welcher Epoche wenden, werden sich noch schmerzlich für Begriffe wie „Versorgungslücke“ und „Grundsicherung“ interessieren müssen, glauben Sie’s ruhig.

Das halte ich für ein sehr viel dringlicheres politisches Thema als irgendwelches Flüchtlings-Hickhack. An jemanden zu spenden, der demnächst auf meiner Seite stehen könnte, grenzt an praktizierte Altersvorsorge, um nicht zu sagen: Eigennutz. Es ist also schlau, sein Geld auszugeben, solange noch eins da ist.

Das sind Vorschläge. Niemand muss sich genieren, diese Läden unterstützt zu haben, und sie sind allesamt gemeinnützig, das heißt: Was immer Sie spenden, können Sie von der Steuer absetzen. Zulässig sind noch sehr viele andere Adressen, die ich ebenfalls anerkennen werde, sagen wir: Amnesty International, Strahlemännchen, Animals‘ Angels, Attac, Ihr örtliches Tierheim, die Freiwllige Feuerwehr, das Rote Kreuz, solche Sachen.

Nachdem Sie gespendet haben, sollten Sie mich nämlich wissen lassen, an wen und wie viel. Dann entscheide ich, was ich Ihnen dafür schenke. Ich würde ja gern sagen, hey, ich verdopple einfach den Betrag, aber dann wedeln wieder alle mit den Hundertern, und die Seniorenhilfe Lichtblick wartet auf meine Aufstockung, bis sie mich unterstützen muss.

Spenden Sie, soviel Sie wollen, soviel Sie können; sehen Sie’s nicht als Opfer, sehen Sie’s so, dass Sie andere an Ihren Privilegien teilhaben lassen. Was immer Sie mir erzählen, werde ich nicht nachprüfen, da hätte ich schön was zu tun. Vielmehr gedenke ich Ihnen zu glauben, denn selbstverständlich habe ich die ehrlichsten und großzügigsten Leser der Welt. Wer meint, mich wegen eines alten Buches anlügen zu müssen, darf das entweder mit seinem eigenen Gewissen ausmachen, oder er hat alte Bücher sehr lieb, was dann schon wieder eine Qualifikation für sich wäre. Egal ob wir „Spendenanreiz“ oder „Belohnung“ oder etwas ganz anderes dazu sagen wollen, zu vergeben habe ich:

  • Gotthold Ephraim Lessing: Werke, Band 2 von 3: Kritische und philosophische Schriften. Nach den Ausgaben letzter Hand unter Hinzuziehung der Erstdrucke, die Winkler-Ausgabe 1969, Auflage von 1974, Dünndruck mit intaktem Lesebändchen, Schutzumschlag und Pappschuber, enthält unter anderem vollständig den Laokoon, die Hamburgische Dramaturgie, Briefe, die neueste Literatur betreffend und Die Erziehung des Menschengeschlechts. Der Schutzumschlag ist am Rücken etwas angefranst, was sehr vintage aussieht;
  • Gotthold Ephraim Lessing: Werke, Band 3 von 3: Vermischte Schriften. Ebenfalls die Winkler-Ausgabe 1972, Auflage von 1995, Dünndruck mit intaktem Lesebändchen, Schutzumschlag und Pappschuber, enthält Schriften zur Theologie, Philosophie und Literatur und antiquarische Schriften, Nachwort und Anmerkungen. Auffallend frisches Exemplar, schon mit dem neueren Verlagslogo, fast schon ein Stück fürs Moderne Antiquariat;
  • Ludwig Tieck: Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Band 1 von 4: Frühe Erzählungen und Romane, die Winkler-Ausgabe, Auflage von 1963, Dünndruck mit intaktem Lesebänchen, Schutzumschlag und Pappschuber, enthält vollständig den William Lovell, Franz Sternbalds Wanderungen plus etliche Raritäten, Nachwort und Anmerkungen von Marianne Thalmann. Das ist mein liebstes von allem Ausgesetzten, das hab ich selber erst kürzlich angeschafft;
  • Ludwig Tieck: Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Band 3 von 4: Novellen, die Winkler-Ausgabe 1965, Auflage von 1985, Dünndruck mit intaktem Lesebändchen, leider ohne Schutzumschlag und Pappschuber, enthält Tiecks umfassendste Novellensammlung in 1 abgeschlossenen Band außerhalb der Frankfurter Ausgabe, darunter etliche Preziosen der Romantik, Nachwort und Anmerkungen. Das Buch ist quasi nackt, aber in schönem dunkelgrünem Leinen und ansonsten recht frisch;
  • Ludwig Tieck: Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Band 4 von 4: Romane, die Winkler-Ausgabe, Auflage von 1966, Dünndruck mit intaktem Lesebändchen und Schutzumschlag, leider ohne Pappschuber, enthält Der Aufruhr in den Cevennen, Der junge Tischlermeister und Vittoria Accorombona, Nachwort und Anmerkungen. Der Schutzumschlag hat ein paar kleine Flecken und ist am Rücken angefranst und oben und unten vorsichtig mit Tesafilm repariert. Wie alle anderen ein einwandfrei benutzbares, bombig fest gebundenes Exemplar;
  • Robert Schumann: das vollständige Solo-Klavierwerk, eingespielt von Jörg Demus, Aufnahme von 1989, 13 CDs, Jewel-Cases im Pappschuber.

Das sind alles wunderschöne Sachen, mit denen man ein Leben lang Freude haben kann, die ich leider teils aus Platzgründen, teils wegen unzuträglicher Doppelungen loswerden muss, für die man aber sowieso keine Reichtümer erlösen kann. Deshalb macht es wesentlich mehr Spaß, das Zeug in gute Hände abzugeben. Wahrscheinlich kann — und will — ich nicht streng nach der Spendenhöhe bestimmen, was das materiell Wertvollste davon ist und wer warum was kriegt. Im Hintergrund sind sogar noch mehr Schätze vorrätig, die eigens abzulichten und zu beschreiben ich einfach zu faul bin, die aber abzugeben ich nicht anstehen werde. Das ist hier die privateste Veranstaltung, die sich denken lässt, und die rein unserer Gaudi dient. Etwelche Ansprüche können nirgendwoher abgeleitet werden, die Preisverteilung unterliegt meinem persönlichen Gutdünken.

Deshalb darf ich auch bestimmen: Wer sich hinreißen lässt, Geld an eine politische Partei egal welcher Ausrichtung zu spenden, kann gern das Doppelte an mich überweisen, weil er offenbar zuviel davon hat, für Spenden an die „AfD“ oder Schlimmeres: das Zehnfache, oder ach was, so viel kann kein Mensch zahlen. Redliche, freundliche Menschen schreiben mir dagegen formlos in den Kommentar, was sie an wen springen lassen und was sie gern dafür hätten. Wenn mich jemand durch besondere Freigiebigkeit oder Originalität in Spendenverhalten und/oder seinen Berichten darüber für sich einzunehmen versteht, könnte ich ihm sogar extra was Schönes oder ungemein Passendes ankaufen. Ich bin doch so ein schlichtes Gemüt und ganz leicht zu beeindrucken.

Versprechen kann ich nichts, ich will ja nur ein paar Bücher unter gute Menschen verteilen. „Ich bin nichts Offizielles, ich bin ein kleines Helles“, wie der Dichter sagt — aber die Redlichen und Freundlichen spenden natürlich auch ohne Gegenleistung, wie es ihnen auch jetzt passieren kann, stimmt’s? Das Porto für die Bücher- oder Warensendung geht auf mich. Ich selber hab einen Zwanziger an den Lichtblick gespendet, was Sie mir glauben können oder nicht, und darf mir deshalb was feines Neues kaufen.

Dergleichen muss man durchziehen, bevor der erste euphorische Entschluss kalt wird: Mein privates, unverbindliches Angebot steht eine weitere Woche lang: bis 18. Februar 2018, 23.59 Uhr.
Inzwischen happy Imbolc!

Lessing Tieck Schumann

Bild: Serviervorschlag, selber gemacht, 29. Januar 2018.

Soundtrack: Hauptsache, was Keltisches: The Pogues: I’m a Man You Don’t Meet Every Day, aus: Rum, Sodomy & the Lash 1985. Die stets malerisch missgelaunte Cait O’Riordan war eine der wenigen einzigen Frauen einer Band, die nicht die Vocals anführte, sondern ihrer Arbeit am Bass nachging. Ihren großen Moment hatte sie auf der zweiten und letzten Platte, die sie mit den Pogues machte — als sie eben doch das Vocal-Solo übernahm, um mit etwas verstörender Selbstverständlichkeit zu singen, was sie für ein ganzer Kerl und großer Herr sei. Kurz nach Fertigstellung des Albums heiratete sie dessen Produzenten Elvis Costello und ward von den Pogues nicht mehr gesehen:

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Written by Wolf

2. Februar 2018 um 00:01

Veröffentlicht in Handel & Wandel, Romantik

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