Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Einigen wir uns auf Unentschieden

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Update zu Dieses unnötige, ja sinnlose Hin und Her:

Für Friedrich kämpfend sank er nieder,
So wollte es sein Heldengeist.
Unsterblich groß durch seine Lieder
Der Menschenfreund, der weise Kleist.

Grabdenkmal für Ewald Christian von Kleist, seit 1780.

Hans Mentz, dem ich jedes Wort glaube, unterstellt in seinem Humorkritik-Artikel Lieblingsplagiat in der Titanic vom Juni 2017 auf Seite 51, Monty Python hätten 1975 in Die Ritter der Kokosnuß ein „dreistes Plagiat“ geliefert. Mentz stützt sich dazu auf eine Beobachtung des Lesers S. aus G. und lässt den Erfindern der postmodernen Komik wohlwollend durchgehen, dass sie nicht alles allein aus dem Boden stampfen können, aber dergleichen würde ich ungern auf Monty Python sitzen lassen.

Gottfried Hempel, Ewald Christian von Kleist, 1751, Gleimhaus HalberstadtDie im kollektiven Gedächtnis gut verankerte Szene mit dem Schwarzen Ritter „parodiert bzw. plagiiert laut S. ein Ereignis, welches sich tatsächlich zugetragen und in die Literatur Eingang gefunden hat (nachzulesen in Reimar F. Lachers Buch „‚Friedrich, unser Held‘ – Gleim und sein König„, Wallstein).“ Das Buch ist auffind- und lieferbar, liegt mir aber leider nicht vor (19,90 Euro, erschienen im Februar 2017). Weiter Mentz:

In einem Brief vom 26.9.1759 an Johann Wilhelm Ludwig Gleim schildert Samuel Gottlieb Nicolai, wie sich der Dichter Ewald Christian von Kleist in der Schlacht bei Kunersdorf im Siebenjährigen Krieg [am 12. August 1759] Verletzungen zuzog, an deren Folgen er schließlich starb.

Siehe Nicolais Briefausschnitt unten.

Jener Kleist, der sich nicht mit dem gleichnamigen Selbstmörder mit den brillanten Aufsätzen deckt, ist mir ein Begriff, weswegen ich umso hellhöriger geworden bin: Dessen Sämtliche Werke hab ich mir spontan mit ungefähr 14 Jahren als Reclamheft gekauft, weil es eben ein taschengeldverträgliches Reclamheft war (6,40 DM), auf dem ausdrücklich „Sämtliche“ und kein diffuses „Gesammelte“ oder überhaupt keine näher bezeichneten „Werke“ stand, und weil ich schon den verwandten Heinrich von den Tempel-Klassikern (15 DM) hatte.

Begeistert war ich von seiner schäferidyllischen Lyrik nie, aber heute, in einem Alter, in dem man ernstlich anfängt, sich zu fragen, wie ein Mensch beschaffen sein muss, damit er „Korrektheit des Ausdrucks, glücklich gewählte Bilder, in denen er gewöhnlich die Natur lebendig zeichnet, sowie Fülle und Wohlklang der Diktion“ mit einer Todesart vereinen kann, die zwei Jahrhunderte später als Parodie taugt, habe ich das Bedürfnis, bei dem Freimaurer und Offizier um Entschuldigung zu bitten. Es scheint wirklich, er war ein guter Mensch.

——— Samuel Gottlieb Nicolai:

Brief an Johann Wilhelm Ludwig Gleim, 26. September 1759,
aus: Reimar F. Lacher: „‚Friedrich, unser Held‘ – Gleim und sein König„, Wallstein Verlag 2017,
cit. Hans Mentz: Lieblingsplagiat, aus: Humorkritik, in: Titanic, Juni 2017, Seite 51:

Er half 3 Batterien erobren; und ward an der rechten Hand verwundet. Er hielt den Degen in der linken Hand; Er ward in den linken Arm geschoßen und da Er den Degen nicht mehr halten konte faßte er ihn mit dem Daum und zwei lezten Fingern der rechten Hand … Er rief die Fahnen zu sich. Sie kamen, Er faßte einen Fahnenjunker an, der schon 3 Fahnen trug und will weiter. Das Bataillon folgte. Ohngefehr 30 Schritte von einer neuen Batterie zerschmettern ihm zwischen 4 und 5 Uhr 3 Cartetschen Kugeln das rechte Bein. Er fiel vom Pferde, versuchte, zweimahl vergeblich wieder aufzusteigen, und blieb in Ohnmacht liegen … Ein Feldscheer kam, band den Schnupftuch um das Bein, goß etwas Spiritus auf die Wunde, und ward durch einen Schuß in den Kopf am fernern Verbinden gehindert.

Emil Hünten, Kleist fällt bei Kunersdorf, Holzstich

In Die Ritter der Kokosnuß wird König Artus von Graham Chapman gespielt, der stark lädierte, aber unbesiegbare Schwarze Ritter ist John Cleese. Zum ersten Mal habe ich in dem Filmausschnitt das Schiller-Zitat entdeckt. Wem fällt’s noch auf?

Bilder: Gottfried Hempel: Ewald Christian von Kleist, 1751,
Öl auf Leinwand, 48,8 cm x 38,8 cm, Gleimhaus Halberstadt;
Emil Hünten (1827–1902): Kleist fällt bei Kunersdorf, Holzstich nach Zeichnung,
aus: F. Bülau, Die deutsche Geschichte in Bildern, 2. Band, C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1862.

Soundtrack: Subway to Sally: Grabrede, aus: MCMXCV, 1995:

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Written by Wolf

8. September 2017 um 00:01

Veröffentlicht in Aufklärung, Herrschaft & Revolte

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