Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Gerede AGAM

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Update zu Kätzische Beiträge zur Konstitution einer Angewandten Poesie
und Der vortreffliche Kater Murr (Gekatzbuckel!):

Alles haben die Griechen erfunden, von der fünffachen Schale bis zur Philosphie, nur die sieben freien Künste nicht. Die bleiben bei Aristoteles so sehr Vorstufe zu sich selbst wie die fünffache Schale zum Cocktail. Was gehört nochmal in so eine Schale, und was genau waren die freien Künste 1 bis 7? Ich will nachschlagen. Leider ruht der vortreffliche Kater Murr so nachdrücklich auf meinem Bauch, dass es wie die Tätigkeit aus einer gedachten achten freien Kunst aussieht. Dann trifft mich die Erinnerung wie ein pilum aus dem alten Rom:

GeReDe A G A M.“

„Was soll das sein, Gerede agam, o sinnreichster aller Meister?“ fragt der vortreffliche Kater Murr.

„Ein Merksatz, o beste aller Miezekatzen.“

„Ein Satz, den man sich extra merken muss?“

„Ein Satz, der dir hilft, dir die septem artes liberales zu merken.“

„Oh, Meister, du weißt, wie’s zwischen uns steht. Wir können doch mitsammen reden. Also nur immer frisch heraus mit der freien teutschen Rede.“

Die sieben freien Künste.“

„Wie er das nur schafft, der Satz?“

„Er sagt dir die Disziplinen auf, die ein junger Mann für sein studium generale lernen muss.“

C.R. Tucker: Girl feeding a kitten, June 1908„Oder eine junge Frau.“

„Nein, eben keine Frau. Das studium generale ist älter als das Bewusstsein für Gender-Fragen. Noch nicht mal ein bürgerlicher Mann. Nur adlige.“

„Also auch Katzen?“

„Nein, nur wehrfähige. Also keine Kater.“

„Murr.“

„Das kann dich als Frau oder Katze durchaus in Vorteile setzen. Kein Studium, kein Kriegsdienst.“

„Und wenn der tolle Achilles, der studieren will, deinen Satz kennt, was soll dann sein?“

„Dann, o Katze, äußert sich der Satz zu sotanem Behuf in einem bis zum Makkaronischen verfremdeten Latein. Eingedeutscht bedeutet er: Ich werde ein Gerede vollführen, vulgo: Ich rede gleich Quatsch. Das müsste doch gerade dir sehr zupasse kommen. Das wirkt lustig. Und darum merkst du dir das leichter.“

„Wie und auf welche Weise sollte ich das genau tun, o Meister?“

„Das erste Wort besteht aus drei Buchstaben. Es bezeichnet das im studium generale grundlegende Trivium aus Grammetik, Rhetorik und Dialektik. Das zweite Wort besteht aus vier Buchstaben. Daher bezeichnet es das aufbauende Quadrivium aus Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.“

„Und das wird leichter, wenn ich mir außer den sieben freien Künsten, die aus drei plus vier Studienfächern bestehen, zusätzlich auch noch einen bescheuerten Satz merken muss, der aus zwei sinnlosen Wörtern besteht?“

„Das ist sehr verbreitet. Man nennt es Eselsbrücke.“

„Kein Wunder.“

„Wie würdest du dir denn die sieben freien Künste merken, o klügste aller Miezekatzen?“

„Hypothetisch angenommen, den sieben freien Künsten wohnte ein nicht weit genug entlegenes Interesse inne, dass ich sie mir merken wollte, so würde ich sie mir vermutlich einfach merken.“

„Ach Murr. So leicht wär’s gewesen, gelle?“

„Bist du auf diese achte freilaufende Kunst, mit der du dir die ersten sieben merkst, alleine verfallen?“

„Das würdest du mir zutrauen?“

„Wenn du mich so fragst …“

„Na?“

„… vielleicht doch nicht.“

„Du bist ein gnadenvoller Menschenkenner, o Murr.“

„Ach, Menschen. Ihr seid recht durchschaubar.“

„Und das ganz ohne Merksätze!“

„Kann sich doch kein Katzenschwanz merken.“

„Mein alter Germanistikdozent schon.“

„Der ist da draufgekommen?“

„Ein gescheiter Mann war das.“

„Anscheinend nicht gescheit genug.“

„Immerhin promoviert, gar habilitiert. Ob er allerdings alleine auf den Satz verfallen ist, weiß ich auch nicht.“

„Was sagt das Internet dazu?“

„Das ist es ja: Bis jetzt gar nichts.“

„Dafür hat das Internet ja dich.“

„Und wenn es genug von Merksätzen hat, dann hat es immer noch dich.“

„Das hast du wieder schön gesagt, Meister.“

„Ach Murr.“

„Murr.“

Bildungsbilder: Andrea di Bonaiuto: Triumph des hl. Thomas von Aquin (Detail mit den weiblichen Allegorien der sieben freien Künste mit ihren Attributen), Fresko in der Cappellone degli Spagnoli, zwischen 1365 und 1368, Santa Maria Novella, Florenz;
C.R. Tucker: Girl feeding a kitten, Juni 1908, via Nemo65;
Septem Artes Liberales (The Seven Liberal Arts), female personifications with their respective attributes; from left to right: Grammar, Dialectics, Rhetoric, Music, Arthmetic, Geometry and Astronomy. Etching, British Museum, London.

Soundtrack: Kaiser Cartel: Favorite Song, aus: March Forth, 2008, für Liberal Arts, 2012.

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Written by Wolf

21. April 2017 um 00:01

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