Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

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Update zu Touristengeheimtipp mit Gewinnspiel: Meide das Oktoberfest! und
Ach Kind, wenn du ahntest, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt!:

„Jetzt schon an Weihnachten denken!“ wie Amazon.de sagt. Für mich zum Beispiel ist Weihnachten praktisch schon wieder rum. Ich war wie jedes Jahr der erste, der sich an Marzipan überfressen hat, sobald einem das Zeug in allen Supermärkten auflauert, und was mir geschenkt werden wird, wurde mir geschenkt. Nach Heiligabend muss ich noch eine Runde Erniedrigungen („Wird das jetzt bald was mit deiner ‚Arbeit‘?“) und emotionaler Erpressungen („Du warst ja bloß unser Einziger, unterhältst du dich da nicht gern mit uns?“) seitens meiner Herren Eltern, lange sollen sie leben, durchstehen, wenn ich Glück hab, ohne Übernachtung („damit du mal eine warme Mahlzeit hast“); kurz: Eigentlich können wir von mir aus gern mit dem Frühling weitermachen, das macht mehr Spaß als Schneeräumen und darauf zu warten, ob eine tourettekranke Gelbbauchunke in Amerika noch vor Weihnachten einen Atomkrieg anfängt — und Amazon.de kann aufhören, mir seine vier Sorten Strombücher anzudienen.

Geschenkt wurden mir die ersten zwei Bände der Memphisto-Pentalogie von Sebastian Keller, und zwar von niemand Geringerem als Sebastian Keller.

Zu fünft umfasst die Pentalogie:

  • Sex and Poetry, 2009;
  • Alice on Speed, 2009;
  • Times of Honor, 2010;
  • Amok Symphony, 2011;
  • Non serviamus, 2013,

allesamt erschienen bei King of Fools in Birmigham, München und Ismaning, und nach dem Querlesen der ersten zwei Bände lässt sich sagen, dass es eine unfaire Unterstellung wäre zu meinen, hier versuche ein seiner Berufung entwachsener Schriftsteller auf dem Rückweg in die Realität seine Freiexemplare loszuwerden.

Angemessen ist vielmehr zu sagen: Dankeschön! Freut mich, lese ich bestimmt sogar.

Es riecht nämlich nach allerhand Stoff zum Weheklagen und Höllenfahren. Der „Memphisto“ ist nicht von mir vertippt, sondern schon richtig geschrieben, nach dem ägyptischen Memphis und am Ende sogar dem tenneseeischen Elvis-Memphis.

Vorerst zitiere ich ungekürzt die Goethe-Biographie aus dem ersten Band. Die kann man ruhig auch mal so sehen.

——— Sebastian Keller jun.:

Nachwort

aus: Sex and Poetry oder Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit und Memphisto. Roman von Sebastian Keller jun. in Zusammenarbeit mit Johann Wolfgang Goethe. Die Memphisto-Pentalogie, Teil I, King of Fools, Birmigham/München/Ismaning, 1. Auflage 2013, Seite 198 f.:

Sebastian Keller, KönigsportraitJohann Wolfgang Goethe traf im November 1775 in Weimar ein und wurde dort schnell zum Vertrauten des fast ein Jahrzehnt jüngeren Herzogs Karl August. Von diesem wurde ihm angetragen das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach mitzugestalten. Genauer gesagt, drückte man ihm das Wegebau-Ministerium und das Kriegsministerium aufs Auge.

Immerhin wurde er dafür 1776 Geheimer Legationsrat. Weil er nun ein wichtiger, viel beschäftigter Mann war, verwarf er für einige Zeit seinen Plan, sich nur noch der Literatur zu widmen. Aber ganz konnte er das Schreiben nicht lassen und 1777 begann er den Roman „Wilhelm Meisters theatralische Sendung“ und schrieb 1779 die „Iphigenie“, bei deren Uraufführung er selbst den Orest gab.

1780 trat er in die Freimaurerloge „Amalia“ ein. Als ehemaliges Mitglied des komischen Ritterordens von Frankfurt hatte er keine Probleme sich in die Rituale der Freimaurer einzufinden. Echte Magie war nun allerdings nicht im Spiel.

1782 wurde Goethe Finanzminister und saß außerdem im Aufsichtsrat der Uni Jena. In der Zeit wurde er geadelt und man hängte ihm das „von“ an, damit man sich nicht länger mit einem Bürgerlichen abgeben musste. Aber seine Reformen am Hof kamen trotzdem nicht so recht voran.

Bis 1786 begann er sich am Hof immer mehr Feinde zu machen und so machte Goethe Erholungsurlaub in Italien, was viele empfindsame Menschen bis in die heutige Zeit sehr toll finden. Goethe fand es auch ganz super, das kann man in seinen Reisebeschreibungen und den Römischen Elegien nachlesen. Was anderes darf man auch nicht erwarten, schließlich hat er sein Gehalt weiter bezahlt bekommen, das er gewinnbringend in die Künste mancher italienischen Artistin anlegte. Besonders Schlangenfrauen scheinen es ihm angetan zu haben, wie folgende Notiz zeigt:

Was ich am meisten bewundre: Bettina wird immer geschickter,
Immer beweglicher wird jegliches Gliedchen an ihr.
Endlich bringt sie das Züngelchen noch ins zierliche Fötzchen,
Spielt mit dem artigen Selbst, achtet die Männer nicht viel.

Memphisto Inc. Logo1788 lernt er Friedrich Schiller kennen, erzählt ihm aber nie die Sache mit dessen Geist, den er in Berlin getroffen hatte und wahrscheinlich auch nichts von der gelenkigen Bettina. Stattdessen verhalf er ihm zu einer Professorenstelle in Jena. Bis zu Schillers Tdo 1805 verband die beiden eine produktive Feundschaft, es hätet aber mehr daraus werden können, wenn die beiden mal gemeinsam nach Italien gefahren wären.

Aber Euch interessiert wahrscheinlich mehr, dass Charlotte von Stein auch nach Goethes Rückkehr nicht mehr viel von ihm wissen wollte und er — glückliche Fügung — sich mit der 23jährigen Christiane Vulpius austoben konnte. Die Rechnungen des Schlossers Spangenberg, der ständig Goethes Bett reparieren musste, sind erhalten.

Bei so viel Fleiß ist es nicht verwunderlich, dass er das 16 Jahre jüngere Mädchen bald schwängerte. Das hielt ihn aber nicht davon ab 1790 Henriette von Lüttwitz einen Heiratsantrag zu machen. Daraus wurde aber nichts und da sich auch keine andere standesgemäße Dame fand, gab er schließlich 1806 Christiane das Ja-Wort. Ganz Weimar hatte sich jahrelnag über Goethes „H.“ (keiner wollte das Schimpfwort laut aussprechen) das Maul zerrissen. Durch die Heirat wurde es dann aber auch nicht besser, man hatte nur neuen Stoff zum Lästern.

Immerhin muss man ihm aber auch zugute halten, dass er sich stets zu Christiane bekannte, auch wenn er deshalb mit ihr sein Häuschen am Frauenplan mitten im Weimar verlassen musste. Er konnte sich halt wie so oft nicht recht entscheiden und war zeitlebens an jungen Damen interessiert. 1807 bandelte er mit der 18-jährigen Minna Herzlieb an und noch 1823 wirbt er als alter Sack mit 74 Jahren um die 19-jährige Ulrike von Leveltzow.

Am 22. März 1832 stirbt er in Weimar.

Mehr nicht.

Soundtrack: Das Beste an Memphis/Tennessee: Mystery Train von 1989, als man bei den Jim-Jarmusch-Filmen noch pausenlos durchgrinsen konnte:

Und weil es nur der Trailer ist, noch das Wichtigste vom Besten an Memphis/Tennessee: die Ausrisse mit Screamin‘ Jay Hawkins und Cinqué Lee als unschlagbar coole Nachtportiers:

Nicht dass eins davon irgendetwas mit Sebastian Kellers Memphisto-Pentalogie zu tun hätte.
Trotzdem nochmal: Dankeschön!

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Written by Wolf

18. November 2016 um 00:01

Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, Klassik

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