Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Touristengeheimtipp mit Gewinnspiel (geschlossen): Meide das Oktoberfest!

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Update zu Große Zusammenkünfte, die mehr einer Feierlichkeit als einem geselligen Vergnügen gleichen,
Nur die Wurst hat zwei und
Isarathen ist die nördlichste Stadt Italiens:

Bayerische Staatsbibliothek, Plakat Bilderwelten 2016, DetailAch Gott, schon wieder Oktoberfest. Nachdem meiner bescheidenen, weil sehr eingeschränkten Wahrnehmung nach da wirklich jeder in München ist, muss ich mal eine Lanze brechen: München hat auch schöne Ecken.

Die grundsätzlich wunderschönen Ausstellungen der Bayerischen Staatsbibliothek, die sehr viel mehr wert wären als den freien Eintritt, sind ab sofort als App erreichbar. Weil ich ein altmodischer Mensch bin, der davon abrät, mehrere Jahrhunderte alte Bücher im Gegenwert eines Münchner Vororts auf der Größe eines womöglich noch gesprungenen Telefons anzuschauen, empfehle ich vielmehr allen meist nicht weniger altmodischen Menschen, persönlich zur Ausstellung Bilderwelten 2016. Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit zu kommen.

Die Ausstellung hat drei Teile, die nicht räumlich, sondern zeitlich getrennt liegen: Vom 13. April bis 15. Juli war die Eröffnungsausstellung Luxusbücher, seit 25. Juli noch bis 6. November herrscht Ewiges und Irdisches. Mitteleuropäische Buchmalerei 1400–1540, und Aufbruch zu neuen Ufern kommt ab 14. November 2016 bis 24. Februar 2017. Sie können also dreimal hin, bis jetzt noch zweimal, was gar nicht so schlecht ist. Die Stabi liegt angenehm zentral, wird im Sommer gekühlt und im Winter geheizt, zur Ausstellung — in den Schatzkammern — geht’s einmal die Treppe rauf und zweimal rechts, und wenn Sie wieder rauskommen, entfaltet sich schon am Ausgang der Kneipenreichtum der Schellingstraße. Wer da noch zögern wollte.

Öffnungszeiten: Montag–Freitag 10:00–17:00 Uhr, Donnerstag 10:00–20:00 Uhr sowie am 1. Sonntag im Monat 13:00–17:00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Kostenlose öffentliche Führungen jeweils donnerstags um 16:30 Uhr sowie jeden 1. Sonntag im Monat um 14:00 Uhr.

Wer schryben kan
der sol schryben
wer mâlen kan
der sol belîben
och damit
Ain ieglicher sol
begen daz er kome wol.

Von den gemalten
bilden sint
die geburen
und die kint
gevreuwet oft.
Wer nit enkan
versten
waz ein bider man
an der geschrift
versten sol
dem sy
mit den bilden wol.

Der pfaffe sehe
die schrift an
so sol
der ungelernte man
die bilde sehen
sit im nicht
die schrift
zerkennen geschickt.

Der Paffe soll
die Schriften lesen
jedoch
das ungelehrte Wesen
schau bei Bildern
sehr gut hin
und erkenne
so den Sinn.

Diese drei Verslein und wenigen Bilder hab ich von meinem Besuch der Luxusbücher mitgebracht. Ich verschweige absichtsvoll deren Quelle, die man nicht online findet, sondern nur auf den Plakaten im 1. Stock der Bayerischen Staatsbibliothek, auf dem Zugang zu den Ausstellungen in den Schatzkammern. Wer mir in den Kommentar schreiben kann, wo das her ist, muss dort gewesen sein und wird von mir belohnt: Der, sie oder es kriegt von mir ein schönes, eigens angekauftes Buch geschenkt, wird hier im Weblog sehr lobend erwähnt und darf schamlos für etwas werben, das ihm am Herzen liegt. Mein Angebot gilt bis zum Ausstellungsende am 24. Februar 2017.

Bayerische Staatsbibliothek, Plakat Bilderwelten 2016, Detail

Bilder: 1.: Detail aus dem Plakat für die besprochene Ausstellung;
2: Detail aus dem Detail aus dem Plakat für die besprochene Ausstellung, weil mir jemand mit ganz ähnlich abgemagerten Gummizehen einst recht nahe stand;
3.: Berthold Furtmeyr: Baum des Todes und des Lebens aus dem Salzburger Missale, vulgo Furtmeyr-Bibel, vor 1481, via Bayerische Staatszeitung vom 16. April 2016, erklärt siehe Eule der Minerva und in der besprochenen Ausstellung aufgeblättert.

Berthold Furtmayr, Baum des Todes und des Lebens, Salzburger Missale, vor 1481

Soundtrack: F.S.K.: Diesel Oktoberfest aus: The Sound of Music, 1993;
in: Franz Dobler: Wo Ist Zu Hause Mama, Trikont, München 1995:

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Written by Wolf

16. September 2016 um 00:34

3 Antworten

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  1. Laut Plakaten (ich nehme mal an, dass die in diesem Zusammenhang als zitierfähige Quelle dienen können) stammt das aus „Der Welsche Gast“

    Sebastian Keller

    15. Oktober 2016 at 08:01

    • Gewonnen! :)

      Eine andere Quelle als die Plakate, die sowieso da hängen, kenne ich auch nicht, was uns auf die Herkuft von Thomasîn von Zerclaere bringt. Genauer suchen kann man in seiner Freizeit gerne im Handschriftencensus des Marburger Repertoriums.

      Inzwischen hab ich schon das Gewinnbuch angeschafft, werde wohl einen ehrenden Artikel aufsetzen und warte jetzt auch die Versandadresse und eine kurze Instruktion, was denn schamlos beworben werden darf :)

      Glückwunsch!

      Wolf

      15. Oktober 2016 at 14:12

      • Hurra!
        Ich freue mich, dass es mir die noble Zurückhaltung meiner Mitbewerber erlaubt hat diesen Wettbewerb für mich zu entscheiden.
        Verehrte An- oder Abwesende, hohes Haus, ich nehme die Wahl an und möchte mich bei den Mitgliedern der Akademie, meinem Agenten und meiner Mutter bedanken, ohne deren unermüdliche Hilfe … etc. pp.

        Die Versandadresse (mit der Bitte um Gelegenheit mich auf gleiche Weise erkenntlich zu zeigen) ist
        Sebastian Keller
        Steinweg 12
        85368 Moosburg

        Da der Lobgesang auf Leobowitz schon andernorts gesungen wurde, auch Ze do Rock schon Erwähnung fand und ein Hinweis auf Richard Adams leicht zu einem Nachruf werden könnte, bleibt als Gegenstand der Minne nur die unverfängliche Perfektion aus Mehl, Milch und Ei gebacken: der gewöhnliche Pfannkuchen, auch als Eierkuchen oder Pfannafleck’l bekannt. Natürlich unter Berücksichtigung von Crepe, Palatschinken, Bliny und Artgenossen.

        Sebastian Keller

        15. Oktober 2016 at 15:43


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