Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Was heißt das für ein Leben führen, sich und die Jungens ennuyiren?

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In München, auch wenn sie das in Berlin immer nie glauben mögen, wohnen ungefähr 1,4 Millionen Leute. Die allermeisten von denen stehen höchstens einmal im Leben in der Zeitung, und da sind sie gestorben.

Florian Peljak, Seit gut vier Jahren gibt es die WG, seitdem verwildert auch der Garten, Süddeutsche Zeitung, 15.--16. Juli 2016Manche schaffen es zweimal, ganz unauffällig. Leonhard Schülen hat es das zweite Mal allein durch die Tätigkeit des Wohnens geschafft:

——— Carolina Heberling:

Eine gute Beziehungsbasis.
So lebt es sich in einer Groß-WG

in: Süddeutsche Zeitung, Samstag/Sonntag 15./16. Juli 2016:

Es gibt eigentlich kein Thema, bei dem die Basis-Bewohner einer Meinung sind. Sie necken einander. Machen sich lustig darüber, wie einer der Mitbewohner immer die Klotür offen lässt. Erzählen, wie sie sich mal alle kollektiv die Haare abrasiert haben. Packen die Anekdote aus, wie Leo für zwei Kästen Bier den ganzen Faust auswendig lernte und in der U-Bahn vortrug.

Zwei Kästen Bier? Da war doch was. Und es war 2012, es war innerhalb dieser unheil’gen Hallen, und es hat sogar 14 Kommentare: Mein Lied ertönt der unbekannten Menge, 27. September 2012 innerhalb des Weblogs.

Seinen seltenen Fundstellen im Internet nach zu schließen ist der Leo eher so der technische Typ, und meinem wohlwollenden Stalking nach zu schließen (das sich ab sofort legen wird, versprochen) ein recht einnehmender Bursch. Schon die 14 Kommentare zu Zeiten, als in literarisch orientierten Weblogs noch aktiv diskutiert wurde, äußerten sich recht angetan von ihm, siehe a.a.O., und die paar überlebenden Archivartikel in Zeitungen, die sich nicht genug über jungische Physiker wundern können, die den Faust kennen, lassen eher ein „Weiter so!“ durchblicken als ein „So ein Schmarrn“.

Ein paar Amazon-Rezensionen über mehrere Physikbücher und eine Espressomaschine, die Coverage über den Faust-Event, nichts aus dem Polizeibericht und keine Pegidageschichten. Mehr darf man von einem Persönlichkeits-Googeln über junge Menschen gar nicht erwarten. Und seine WG scheint in Thalkirchen zu hausen, einer angenehm unhippen Gegend in Tierparknähe. Sollte ich den Buben mal im Südstadt treffen, zahl ich ihm den ihm moralisch ja wohl mindestens noch zustehenden dritten Kasten, da kenn ich nix.

Beide Bilder sind von Florian Peljak für den zitierten Artikel von Carolina Heberling: Eine gute Beziehungsbasis. So lebt es sich in einer Groß-WG in der Süddeutschen Zeitung, Samstag/Sonntag 15./16. Juli 2016, und heißen Seit gut vier Jahren gibt es die WG, seitdem verwildert auch der Garten. und Dienstag ist Putztag, und zum Abschluss schaut die ganze Runde dann „Game of Thrones“. Das erstere ist das schönste, und auf dem letzteren wird der Leo mit nachgewachsenen Haaren und zwei aus dem Hirn geschlafenen Kästen Bier (Physiker vertragen erfahrungsgemäß einiges) schon mit drauf sein, gell. Prost, Herr Schwager.

Florian Peljak, Dienstag ist Putztag, und zum Abschluss schaut die ganze Runde dann Game of Thrones, Süddeutsche Zeitung, 15.--16. Juli 2016

Und weil — gerade auch thematisch — noch Platz ist, gibt’s eins meiner mittelalten Lieblingslieder, das ich seinerzeit zum ersten Mal im Südstadt gehört hab. Natürlich wurde daraufhin der Abend noch lang, auch wenn am nächsten Tag dringend die CD her musste.

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Written by Wolf

18. Juli 2016 um 03:22

Veröffentlicht in Handel & Wandel, Klassik

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