Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Beiträge zur deutsch-englisch-arabischen Freundschaft

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The Irish and the English,
the African and Turk:
in a world of joy and of harmony,
together we must work.

On the shores of foreign brothers
we’ll lay no robber’s hand,
and all we ask is to toil and live
in our own native land.

For I have seen the highlands,
I have seen the low,
and I will brag of my native land,
wherever I may go.

The McCalmans/Matt McGinn, 1968/1988.

An der Südküste von Irland gedeihen allen Ernstes Palmen. Das kommt, wie alles in Irland, vom Golfstrom.

Der seinerseits aus Mexiko und nicht aus den Golfstaaten kommt. Was man aber glauben könnte: Auf den nur scheinbar so übersichtlichen Britischen Inseln, für die es schon schwer fällt, sich auf eine korrekte Sammelbezeichnung zu einigen, herrscht ein Gewirr, das an die orientalischen Verhältnisse unter den Wüstensöhnen in der Odyssee erinnert, und zwar nicht in der geordneten griechischen von Homer — schriftlich erstmals 8. Jahrhundert vor Christus; zum Vergleich: Das Alte Testament ist von 1400 bis 400 vor Christus — sondern in der überspitzteren von Asterix 1981.

Dafür sind die Kelten alphabetisch durchbuchstabiert und doch wieder nicht, nämlich mit einer verborgenen, tiefen Bedeutung, und dafür reicht schon der Abschnitt P bis Q (die Grenzen eingeschlossen). Ein wiederum sehr deutsches Vorgehen in einem alchimistischen Sinne, also doch wieder einem arabischen. Es fällt überall auf: England und seine mehr oder zugehörigen Nachbarinseln sind das gelungenste germanisch-orientalische Gemeinschaftsunternehmen.

——— Hugh Trevor-Roper: 5. Die Einheit des Königreichs. Krieg und Frieden mit Wales, Schottland und Irland,
in: Robert Blake: Die englische Welt. Geschichte Gesellschaft, Kultur,
i.e. The English World. History, Character and People, Thames and Hudson Ltd., London 1982,
Übs. Christian Spiel, Seite 100:

William Hole für Michael Drayton: Poly-Olbion, 1612Am Anfang steht ein volksmäßiger Unterschied. Die ursprüngliche Einwohnerschaft der Inseln — oder zumindest die Bewohner, die zum erstenmal in schristlichen Zeugnissen erscheinen — bestand aus zwei Zweigen des keltischen Volksstammes: P-Kelten in England und Schottland (Briten und Pikten), Q-Kelten in Irland (Schotten). im 5. und 6. Jahrhundert bekamen die P-Kelten nach dem Abzug der Römer die Folgen zweier Invasionen zu spüren, die dauerhafte Veränderungen brachten. Angelsachsen aus dem heutigen Deutschland ließen sich in England nieder und drängten die P-Kelten (soweit sie sie nicht absorbierten) ins Bergland von Cumbria udn Wales. Beinahe zur gleichen Zeit ließen sich Q-Kelten aus Nordirland, die Schotten, in den westlichen Highlands des heutigen Schottland nieder und zwangen dem größeren Teil des Landes schrittweise ihre Herrscherdynastie, ihren Namen, ihre Sprache und Religion auf. Den ursprüglichen P-Kelten in Schottland, den Pikten, erging es noch schlechter als ihren Brüdern in England, den Briten. Während diese in Wales wenigstens ihre Sprache und Kultur zu bewahren vermochten, wurden Sprache und Kultur der Pikten, wie sie auch beschaffen gwesen sein mögen, ausgelöscht.

So gab es, wenn wir von den vereinzelten skandinavischen Ansiedlungen in Nordschottland, auf den Hebriden und in Irland absehen, zur Zeit der normannischen Eroberung auf den Britischen Inseln drei einheimische Volksstämme: P-Kelten in Wales und Cumbria und vielleicht auch Galloway; und Q-Kelten in Irland und in Schottland nördlich des Firth of Forth und des Firth of Clyde. Eine angelsächsische Dynastie herrschte in England, eine schottische — das heißt, irische — in Schottland, Wales war walisischen Fürsten untertan. In Irland herrschte Anarchie.

Alles verstanden? — Was der germanischen Seite nie beigefallen wäre: England besitzt seit 1612 einen monumentalen Preisgesang auf sich selbst: das Poly-Olbion von Michael Drayton, eine Darstellung der Geschichte, Schönheit und Verdienste der Britischen Inseln in Versform.

Was der orientalischen Seite nie beigefallen wäre: das eigene Land als eine Art Halmabrett; unter Schach hätte das kein arabischer Gelehrter durchgelassen, weder 1250 noch heute. — A.a.O., Seite 32:

Die erste englische Landkarte wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts von Matthew Paris gezeichnet [Abbildung unten]. Ihre Grundlage bildet ein Itinerar, das von Dover bis Newcastle führt, in Form einer senkrechten Reihe von Städten, die knapp unterhalb des Hadrianwalles endet. Im übrigen ist das Land recht summarisch dargestellt, mit groben Entfernungs- und Richtungsangaben, ohne jede geographische Genauigkeit in einem modernen Sinn. Der Süden Englands ist besser zu erkennen als der Norden: links hebt sich Cornwall ab, rechts treten Norfolk und Suffolk hervor. Recht deutlich sind auch links oben Wales, mit der Insel Anglesey darüber, und darunter die Mündung des Severn gezeichnet. Schottland stellte man sich hingegen im wesentlichen als eine Insel vor, die durch eine Brücke in Stirling mit England verbunden war.

Jedenfalls spinnen die alle miteinander.

Matthew Paris, Map of Britain, um 1250, Abbreuiatio chronicorum Epitome of Chronicles

Images: William Hole für Michael Drayton: Poly-Olbion, 1612;
Matthäus Paris: Map of Britain, um 1250,
Abbreuiatio chronicorum (Epitome of Chronicles), BL Cotton MS Claudius D VI, fol. 12v.

Soundtrack: The McCalmans: I Have Seen the Highlands, from: Listen to the Heat, 1988,
written by the late Matt McGinn 1968.

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Written by Wolf

14. November 2014 um 00:01

Veröffentlicht in Hochmittelalter, Land & See

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