Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Versäumt die Zeit nicht, die gemessen ist

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Update zu Du hast mir mein Gerät verstellt und verschoben:

In der Schule musste ich die Iphigenie gleich zweimal durchnehmen. Beide Male die auf Tauris von Goethe, nicht die in Aulis von Schiller, und erst seit gestern weiß ich, dass es noch viel mehr Möglichkeiten gegeben hätte.

Gelesen hab ich sie genau keinmal. Und trotzdem das erste Mal in der zehnten Klasse eine Schulaufgabe darüber geschrieben, das zweite Mal im Leistungskurs Deutsch, drittes Halbjahr Kollegstufe, gar eine Klausur. Meine Einzelnoten sind mir heute nicht mehr geläufig, aber offenbar hat’s zweimal halbwegs gepasst. Alles andere wüsste ich noch.

Reutlinger, Paris via La DuchesseDas war in meinen jeweiligen Klassen ziemlich gängig, genau genommen hat damals wahrscheinlich außer ein, zwei Strebsäcken gar kein alter Rattenschwanz den alten Käs gelesen, man war genug damit beschäftigt, die Augen offen zu halten, sobald jemand das Wort „Iphigenie“ laut gesagt hat. Und was les ich heute?

Genau, die Iphigenie von Goethe, wenn ich schon so blöd frag. Aber eigentlich nur den Kommentar dazu. Das hat mir auch keiner an der Schulpforte gesungen, was aus mir mal für ein notorischer Nachwortleser wird. Immerhin sind wir heute in der gesegneten Lage, uns die Frankfurter Goethe-Ausgabe als Taschenbuch leisten zu können, jedenfalls die besten Bände: um die 20 Euro verlagsneu, auf dem Ramsch mit dem kleidsamen Stempel „Preisreduziertes Mängelexemplar“ für die Hälfte.

Im Band Goethe. Klassische Dramen sind der Egmont, Torquato Tasso, ein paar hochklassische Highlights wie Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilen, Erwin und Elmire, Hanswursts Hochzeit (doch, ja, und ob das von Goethe ist!) und eben die Iphigenie in gleich zwei Fassungen: Prosa und der berüchtigte Blankvers, mit dem man’s in der Schule zu tun kriegt. Hat mich beim Münchner Bookowski einen Zehner gekostet und macht ganz ungeahnt Spaß. Da steht nämlich drin, wo sich Goethe überall bedient hat, wie er nicht weitergekommen ist, weil er seine Hanswurstiaden dazwischenschieben musste, weil sie in Weimar am Fürstenhof von Anfang an keinen Wert auf das Schnarchzeug gelegt haben, und dann die ganzen Verrisse.

Mir entfällt sogar der Name meines Deutschlehrers in der Zehnten, es war irgend so ein Sammelbegriff, Huber, Weber, in der Richtung. In Deutsch-LK war’s der Herr Ruppert. Und ich weiß, was der jetzt sagen würde:

„Jetzt kommt er wieder daher.“

Nicht bös sein, Herr Ruppert, Sie waren doch eh einer von den Guten. Der Kommentar zur Frankfurter ist 1988 ja grad erst mal erschienen, und die Klausur war locker zwei, drei Jahre vorher. Dass mir nach diesem Geständnis das Abitur aberkannt werden kann, glaub ich eher nicht, die Klausur hat ja gepasst. Falls das doch noch ein Problem darstellen sollte, kann ich jederzeit nochmal nachschreiben.

Bild: Reutlinger, Paris via La Duchesse.

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Written by Wolf

1. Februar 2014 um 00:01

Veröffentlicht in Klassik, Weisheit & Sophisterei

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