Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Archive for September 2013

Weekly Wanderer 0017

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Wie schön, dergleichen noch zu entdecken: Heinrich Detering hat seit 1978 vier Gedichtbände veröffentlicht. Nicht gerade stakkato, aber kontinuierlich.

Und sie reimen sich, legen Rhythmus vor und wechseln die lyrischen Formen. Endlich ein zeitgenössischer Dichter, der seinen Werkzeugkasten geordnet und flusenfrei hält und sich dabei nicht gebärdet wie Durs Grünbein.

Befremdlich genug, dass man dergleichen einem Literaturprofessor und Akademiepräsidenten, der mit der 38-bändigen Thomas-Mann-Gesamtausgabe ausreichend beschäftigt sein sollte, gar nicht so recht zutrauen mag: Gedichte, die der verbliebenen Leserschaft von Lyrik und „der Kritik“ — wer immer das ist — gefallen. Gut, immerhin einer weiß es und kann’s. Die neueren Übersetzungen von Hans Christian Andersen sind von ihm, Harald Hartung stuft ihn als den letzten Metaphysical Poet ein und bescheinigt ihm Diskretion, Ironie und Humor — also kein Germanist, wie er im lästerlichen Buche steht, der sich dadurch auszeichnet, keine andere Sprache als Deutsch zu können.

Persönlich konnte man ihn — zum Beispiel — in München kennen lernen: Am 15. Juli kam er zur Lesung und zum Gespräch mit — sitzen Sie gut? — Hans Magnus Enzensberger ins ziemlich kleine, überaus feine Lyrik-Kabinett. Das deutet auf die Unterstützung durch Herrn Verleger Michael Krüger höchstselbst, der das Kabinett zu einer seiner Herzensangelegenheit gemacht hat.

Solche Gewächse wie das Kabinett und der gastierende Dichter gedeihen also noch. Keine Einnahmequelle, bei der sich irgend jemand gierig die Hände riebe — aber bei der wir dereinst sagen dürfen: Jaja! Das haben wir noch gekannt.

Für den Wöchentlichen Wanderer die späteste Folge und die letzte:

——— Heinrich Detering: Ruhe,
aus: Old Glory, Wallstein Verlag 2013, Seite 54:

zum letzten Verschlag
gelassen trabend
lob ich den Tag
kurz vor dem Abend

keines Menschen Antipode
keine Regel kein Verstoß
keines Liedes Gegenode
tatenarm gedankenlos

nichts dem Widrigen erwidern
bist du müde geh zur Ruh
schläft ein Ding in allen Liedern
da ruhst auch du

EMP, The Ace of Spades, 30. Augusst 2012

Ein Ding in allen Liedern (darf ich die Formulierung verwenden?): EMP, 30. August 2012.

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Written by Wolf

7. September 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Klassik, Land & See

Ludwig Tieck is coming home

with 2 comments

Update zu Zwischennetzsurferey:

——— Ludwig Tieck: Das alte Buch und die Reise ins Blaue hinein. Eine Mährchen-Novelle, 1835:

„Und du bist ein Narr!“ fiel Athelstan zornig ein. „Freilich, Mährchen! So nennt ihr Alles, was nicht alltäglich ist. Und unsere Sänger und Dichter! Die sitzen in ihren Stuben und lesen und schreiben emsig, lassen sich Bücher schicken aus der Fremde und erleben nichts. […]“

Bestellscreen

Bücher schicken lassen aus der Fremde: mit Porto 38 Euro.

Briefkasten

Post vom Antiquariat Stefan Küpper, Duisburg.
Wölfchen-Anhänger von Thoddys Wolf-Kinderclub, ca. 1999.

Büchersendung verpackt

Ist das in diesem Zusammenhang noch ein „Vorher“- oder schon ein „Nachher“-Bild? Und ist das eine gestalterische Frage oder eine dramaturgische?

Moritz meint: „Man kann sich’s auch kompliziert machen. Pack endlich aus.“

Katzen sind immer spitz aufs Verpackungsmaterial.

Büchersendung innere Verpackung Flat Flat Flat

Luftpostgeschwindigkeit: Flat Flat Flat.

Ludwig Tieck Schuber

——— Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Peter Knorr, Otto Waalkes: Otto — Der Film, 1985: „Ist er nicht prächtig? Ist er nicht wunderwunderschön?“

Ludwig Tieck Umschlag

——— Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Peter Knorr, Otto Waalkes: Otto — Der Film, 1985: „Ist er nicht prächtig? Ist er nicht wunderwunderschön? Ach, das hatten wir schon.“

Ludwig Tieck, Franz Sternbald, Doppelseite

——— Ludwig Tieck: Waldlied aus:Franz Sternbalds Wanderungen, 1798,
in: Frühe Erzählungen und Romane, Winkler-Verlag München, 1963: :

     Waldnacht! Jagdlust!
Leis und ferner
Klingen Hörner,
Hebt sich, jauchzt die freie Brust!
Töne, töne nieder zum Tal,
Freun sich, freun sich allzumal
Baum und Strauch beim muntern Schall.

     Kling nur Bergquell!
Efeuranken
Dich umschwanken,
Riesle durch die Klüfte schnell!
Fliehet, flieht das Leben so fort,
Wandelt hier, dann ist es dort –
Hallt, zerschmilzt, ein luftig Wort.

     Waldnacht! Jagdlust!
Daß die Liebe
Bei uns bliebe,
Wohnen blieb‘ in treuer Brust!
Wandelt, wandelt sich allzumal,
Fliehet gleich dem Hörnerschall: –
Einsam, einsam grünes Tal.

     Kling nur Bergquell!
Ach betrogen –
Wasserwogen
Rauschen abwärts nicht so schnell!
Liebe, Leben, sie eilen hin,
Keins von beiden trägt Gewinn: –
Ach, daß ich geboren bin!

Ludwig Tieck, Bücherregal

Was ist jetzt mit in der Stube sitzen und emsig lesen?!

Written by Wolf

2. September 2013 at 00:01

Veröffentlicht in Handel & Wandel, Romantik