Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Gewinnspiel: Alles muss raus (Erinnern Sie sich freundschaftlichst Ihres wahren Freundes)!

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Wir waren gewarnt: München kämpft sich ab heute durchs Oktoberfest, die Zeit der Rausschmisse.

Sollte je ein ungnädiger Dämon glauben, mich zum Oktoberfest reiten zu müssen, werde ich hoffentlich schon am Eingang zurückgewiesen (daher „Wiesn“).

Bei mir wird deshalb nur ein mittelgroßer Bücherstapel rausgeschmissen. Den können Sie haben, denn wer irgendwo rausgeschmissen wird, muss ja irgendwo anders hin, so befiehlt es die Physik. Und dann fangen wir so an: Kann man schöner rausgeschmissen werden als vom Rat Krespel? — :

Und gleich fuhr er fort, sehr leise singend, und in höflich gebeugter Stellung meine Hand ergreifend: „In der Tat, mein höchst verehrungswürdiger Herr Studiosus, in der Tat, gegen alle Lebensart, gegen alle guten Sitten würde es anstoßen, wenn ich laut und lebhaft den Wunsch äußerte, daß Ihnen hier auf der Stelle gleich der höllische Satan mit glühenden Krallenfäusten sanft das Genick abstieße, und Sie auf die Weise gewissermaßen kurz expedierte; aber davon abgesehen müssen Sie eingestehen, Liebwertester! daß es bedeutend dunkelt, und da heute keine Laterne brennt, könnten Sie, würfe ich Sie auch gerade nicht die Treppe herab, doch Schaden leiden an Ihren lieben Gebeinen. Gehen Sie fein zu Hause; und erinnern Sie sich freundschaftlichst Ihres wahren Freundes, wenn Sie ihn etwa nie mehr – verstehen Sie wohl? – nie mehr zu Hause antreffen sollten?“

Das können Sie auch. Sagen Sie mir unten im Kommentar: Wie schmeißen Sie Leute raus? Oder wahlweise umgekehrt: Mit welchen zarten Formeln der Verbundenheit wollten Sie schon immer mal rausgeschmissen werden?

Das können Sie bis Sonntag, den 6. Oktober 2013 um Mitternacht überlegen; so lange wird sich auch das Unwesen auf der Theresienwiese hinziehen, bevor es seinerseits dorthin zurückgeschickt wird, wo es hingehört: in verschiedene anständige Kneipen für ebensolche Leute.

Danach verlose ich an alle (!) Teilnehmer ein oder mehrere Bücher. Das Angebot schauen Sie auf dem Bilde, Sie dürfen gern schon Wünsche äußern. Ich erkläre Ihnen dann auch gern die Bücher, dazu bin ich ja da. Wenn Sie ein herausragend freundlicher Mensch sind, kaufe ich möglicherweise sogar eigens etwas für Sie an.

Die Verlosung erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit sowie jeglicher Vernunft durch ein pausbäckiges Waisenmädchen mit blonden Zöpfen. Der Rechtsweg ist daher ausgeschlossen, denn wer sich bei einem derart holdherzigen Geschöpfchen über kleinliche Ziehungsmodalitäten echauffieren wollte, dem soll hier auf der Stelle gleich der höllische Satan mit glühenden Krallenfäusten sanft das Genick abstoßen. Die versteht das doch noch gar nicht.

Und jetzt Sie.

Bücherstapel. Alles muss raus

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Written by Wolf

21. September 2013 um 00:01

Veröffentlicht in Romantik, ~ Weheklag ~

4 Antworten

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  1. Verflixt, warum speichert man seine Zitat-Zugewinne nur immer zu spät! Den Rat Krespel hätt ich parat haben sollen beim letzten Haustürverkäufer, anstatt ihm zu bedeuten, dass, wenn er nicht sofort seine in meine Türe gestemmte Hinterpfote aus selbiger zurückziehe, ich für diese Straftat im nächsten Augenblick das ganze Haus zusammenschreien täte. Wetten, der hätte das Maul überhaupt nicht mehr zu gekriegt.
    Bei den zwey halbpubertären und bescheiden ihr Sprüchlein hersagenden mormonischen Haustür-Missionaren war weder das eine noch das andere notwendig: nach meinem bedauernden Hinweis, ich hätte meine (un)religiöse Orientierung bereits gefunden, drehten sie auch schon brav auf dem Absatz um.

    Tsss… was richtig Gehaltvolles oder Originelles will mir diesmal gar nicht einfallen zum Spiel. Und irgendwie schon gar nix literarisch Wertvolles – das man sich wenigstens ausborgen könnt‘ als rausschmissverdächtig. Der Weheklag angemessen wäre ja vielleicht eine kleine Anleihe an ein paar faustische Hinausexpedierungen, etwa die des Pudels mitsamt seinem Kern:

    „Knurre nicht, Pudel! Zu den heiligen Tönen,
    Die jetzt meine ganze Seel umfassen,
    Will der tierische Laut nicht passen.
    Wir sind gewohnt, daß die Menschen verhöhnen,
    Was sie nicht verstehn,
    Daß sie vor dem Guten und Schönen,
    Das ihnen oft beschwerlich ist, murren;
    Will es der Hund, wie sie, beknurren?…

    Soll ich mit dir das Zimmer teilen,
    Pudel, so laß das Heulen,
    So laß das Bellen!
    Solch einen störenden Gesellen
    Mag ich nicht in der Nähe leiden.
    Einer von uns beiden
    Muß die Zelle meiden.
    Ungern heb ich das Gastrecht auf,
    Die Tür ist offen, hast freien Lauf.“

    Die käme einem bei manchem Heulen und Gezeter schon entgegen ( oder? ;o) ) —obwohls hier dann ja nur ein Beinahe-Rausschmiss war. Und bei der „wiesn“affineren angetüterten Androhung der b’suffenen und gefoppten Studiosi in Auerbachs Keller—

    „Wo ist der Kerl? Wenn ich ihn spüre,
    Er soll mir nicht lebendig gehn!“

    „Ich hab ihn selbst hinaus zur Kellertüre –
    Auf einem Fasse reiten sehn-…“

    hatten sich die zwei Rauszuprügelnden augenscheinlich längst unaufgefordert ausm Staub gemacht. (Und außerdem hauen wir ja nich, wa.)

    Komisch übrigens, dass ich mich kaum an Situationen des Rausgeschmissen-Werdens erinnern kann, wo ich für solche doch dereinst bestimmt prädästiniert, weil fast immer bei den Letzten war. Muss wohl an der beständigen Komplizenschaft mit den Kneipenbetreibern gelegen haben, die sich in unserer trauten Runde immer sauwohl gefühlt haben. Woran ich mich erinnere, ist ein lustiges Anti-Rausschmiss-Event aus Studizeiten, das nach Feierahmd in einem Wettauchen des Wirtes gegen zwei hackenstramme Nochnichtganz-Fülosofen ins Tresenbecken gipfelte.

    Vielleicht bin ich ja einfach nicht so der Wiesn-Typ oder der zum Rausschmeißen und Rausgeschmissen-Werden? ;o) Einer zur aktiven Version höchstens in dienstlichen Notfällen… aber die täten hier womöglich zu weit führen.

    Öhm.. und du? Willst Bücher rausschmeißen? Auch für Un-Sinn? ;o) —Sind denn der sinnliche Ringel und der Maxe Goldt schon vergeben? Und wer ist der geheimnisvolle Linksaußen…?

    hochhaushex

    6. Oktober 2013 at 01:54

    • Der Linksaußen ist Ludwig Bechstein im Albatros Verlag, mithin Textgestalt von Artemis-Winkler, und geht für die aufschlussreiche Kulturgeschichte des Rausschmisses samt Ringel & Goldt an dich. Außer, in den verbleibenden sieben Stunden kommt noch was noch Epochaleres — womit niemand ernsthaft rechnet :o)

      Wolf

      6. Oktober 2013 at 14:51

      • Ei, dank auch schön für den wundervollen Preis, der nun bei mir zu Haus eingezogen ist. Und den man sich kaum so zu nennen traut, wenn man bedenkt, wie leicht der zu ergattern war: durch einen simplen Kommentar ohne großen Tiefgang – und ohne Konkurrenz (was wiederum nicht meine Schuld ist, sondern die von andern Lesern ;o) ).
        Hach, was für ein fröhliches Mädchenhüpfen durch fast 250 Jahre guter Literatüre! „Ein reines Goldt-Konzentrat“ (lt. Robert Gernhardt – womit er Recht hat), ein Hölderlin für Geneigte, ein geliebter Ringel für immer, ein dicker, fetter Freimaurer Bechstein für die Määärchen-Hex… mit ’ner herrlichen Unzahl himmlüscher Zeichnungen vom anderen Ludwig. – Richter, dem romateligen… und… und… und… Kein Ramsch dabei, ehrlich, alles feine Büchers. – Was muss einen jetzt noch der aufs Gemüt schlagende Regen draußen stören. :o) – Danke du, Spielmeister Wolf.

        hochhaushex

        12. Oktober 2013 at 10:31

  2. Hei, die Lassie Singers. Niemand wird mehr keine Ahnung davon gewinnen, ob die je Wert auf „charmante“ Liedgestaltung gelegt haben, aber es ist ihnen nie ein Lied gelungen, das nicht ganz und gar charmant wäre.

    Wolf

    12. Oktober 2013 at 12:02


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