Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Eine aufbrechende Knospe des ältesten Baumes als eine einjährige Pflanze

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Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt, das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie, besteht heute ein Jahr. Nicht schlecht für einen Weblog, der alles unternimmt, jegliche Leser fernzuhalten.

Bislang blicken wir auf 97 Beiträge. Meinen Ehrgeiz hätte ich demnach darein setzen können, das Hundert vollzumachen — aber wozu Ehrgeiz in einer Präsenz, die weit offensichtlicher und tiefer eingewurzelt als vergleichbare Präsenzen vom Scheitern handelt?

Klassik Stiftung Weimar, Collage unter Verwendung einer Fotografie von Jens Hauspurg, 2013Wäre es im besonderen Fall von Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt nicht noch verfehlter als in allen anderen Fällen, sich eines Sieger-Wortschatzes aus „Chancen ergreifen“ und „Durchstarten“ zu bedienen, so könnte ich vom „Launch“ im letzten Jahr berichten. In Wirklichkeit (was immer das ist) habe ich einfach einen der unauffälligeren Goethegeburtstage — den 263. — abgewartet und mit einem Eichendorff-Gedicht angefangen. Sinnig erschien mir das mit dem Wolf. Mittlerweile ist klar, dass Beiträge aus dem jeweils letzten Monat auf praktisch keinen Leser mehr treffen.

Auftrag und Wesen des Habe-nun-Achs war und bleibt, sich über dergleichen nicht zu beschweren. Vielmehr gilt es sich damit abzufinden. Es gibt nichts darüber zu jammern, dass unsere vorliegende Welt nur die beste aller möglichen darstellt; darin liegt ihr Auftrag und Wesen. Geduldiges Hinnehmen ist das, was statt Glück möglich ist.

Sollen wir einen Ausblick auf das folgende Jahr wagen, unerachtet Aussagen über die Zukunft eine Vermessenheit sind, die unter Umständen bis in alle Ewigkeit geahndet werden kann? — Ja, wir dürfen, weil wir gerade so lustig feiern: Es soll mehr Faust geben, mehr Weheklag, mehr Höllenfahrt, mehr Romantik in ihrer schwarzen Ausprägung, mehr Hausaufgabenhilfe für eher naturwissenschaftlich oder körperlich orientierte Gymnasiasten, mehr Bilder von leicht geschürzten Frauenspersonen und nicht zuletzt mehr Eigenarbeiten von mir statt der ewigen, nach Möglichkeit zuverlässigsten, wenigstens nachweisbaren Zitate, die das Internet hergibt. Die internen Richtlinien musste ich nie ändern. Weitere, gern diametral anderslautende Wünsche nehme ich willig entgegen, aber erstens: Von wem denn schon, und zweitens: Wundern Sie sich nachher nicht. — Schön, dass Sie da sind.

——— Goethe: 17. Linnés Theorie von der Antizipation,
in: Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären, 1790:

110. Wir sind dagegen zuerst dem Wachstum der einjährigen Pflanze gefolgt; nun läßt sich die Anwendung auf die daurenden Gewächse leicht machen, da eine aufbrechende Knospe des ältesten Baumes als eine einjährige Pflanze anzusehen ist, ob sie sich gleich aus einem schon lange bestehenden Stamme entwickelt und selbst eine längere Dauer haben kann.

In diesem Sinne: Viel Spaß weiterhin.

Luis Ricardo Falero, La Vision de Faust, 1878

Bilder: Klassik Stiftung Weimar: Collage unter Verwendung einer Fotografie von Jens Hauspurg, 2013;
Luis Ricardo Falero: La Vision de Faust, 1878.

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Written by Wolf

28. August 2013 um 00:01

2 Antworten

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  1. Herzlichen Glückwunsch, WeheklagWolf. :o)
    Und wo wir gerade so lustig feiern: Nicht weheklagen sollst du. Es ist gut, dass es dein Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie gibt, auch als Hausaufgabenhilfe für denkfaule Gymnasiasten, aber vor allem für unsereinen und meinereine (du wirst mich doch nicht verjagen? ;o) )

    Und vielleicht hätt‘ ich ja auch noch ein kleines Geschenk für dich zum Einjährigen. Das, so recht besehen, eigentlich eher ziemlich monumental statt klein sich zuvörderst namentlich an den monumentalen Goethe bandelt. Ist mir beim jüngsten Schweiz-Bereisen so am Wegesrand langmonumentelt. Die Frage War Goethe jemals in der Schweiz? ist in dem Fall nicht relevant, hatte jedenfalls für den Namensverwender und übersinnlichen Anthroposophen Steiner nicht oberste Priorität. Er suchte ihn als Aushängeschild seiner Lehre und des Bauwerks zu nutzen, also zu Werbe- wie Seriositätszwecken. ;o) Sicht- und erlebbar verbindet sich dieser Ort der Kunst und… hmmm, Wissenschaft(?), der wie ein gewaltiges betonenes Haupt auf seinem Hügel in die Landschaft ragt, mit unserm Dichterfürsten wohl vor allem durch seine faustüschen Monumentalinszenierungen, gern auch mal als Faust I und II am Stück satte sieben Tage lang. –Wennst magst und die Zeit mal reicht, könnt ich vielleicht gelegentlich einen Gastbeitrag draus machen. Magst? Oder…? :o)

    hochhaushex

    29. August 2013 at 01:08

    • Nicht in der Schweiz wird der gewesen sein, der Goethe. Die handlichste Übersicht der Schweizer Reisen find ich grade wo anders denn bei der Goethe-Gesellschaft Schweiz.

      Von Gastbeiträgen will ich ganz bestimmt niemanden abhalten, das trau ich mich bloß nicht zu planen .ò)

      Wenn schon der Steiner-Rüedi mit reinkommt, benutz auch gleich die Naturwissenschaftlichen Schriften von dem. Die Ausgabe steht momentan für 1434,14 Euro in Amazon, aber die hab ich kürzlich live beim Texxt für keinen Fuchziger gesehn. „Versand aus London und New York“ — muss das Porto sein .ò)

      Wolf

      29. August 2013 at 14:00


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