Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Leise retardierende, ungläubig fragende Zurücknahme der Meldung

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Ab einem gewissen Alter muss man wählerisch werden, was für Musik man sich noch antun will, darum hab ich nie die deutschlandweit höchste Reichweite von Bayern 1 bei der Kernzielgruppe der „Best Agers“ von 45 bis 69 Jahren verstanden: Über drei Millionen Hörer täglich. Wenn die alle so gebildet, gut situiert, qualitätsorientiert und konsumfreudig sind, können sie doch wohl noch ihren Radiosender aussuchen, oder nicht?

Da sind mir zwei Bände Beethoven-Interpretationen unterlaufen, wahre Twin Towers über „nahezu“ (a.a.O.) das Gesamtwerk. Das fällt für meinen Begriff unter die Musik, die man noch schnell mitnehmen sollte. Darin die Einsicht über eine Goethe-Vertonung:

——— Frank Schneider: Artikel zu Beethoven: Meeresstille und glückliche Fahrt op. 112, 1815
in: Albrecht Riethmüller, Carl Dahlhaus, Alexander L. Ringer (Hg.):
Beethoven. Interpretationen seiner Werke, Laaber-Verlag, Laaber 1994, Band 2, Seite 184, Schluss:

Noch einmal kehrt das tänzerische Hauptthema des A-Teils zurück, kombiniert mit dem Schluß des B-Teils — nicht ohne leise retardierende, ungläubig fragende Zurücknahme der Meldung, ob es denn wirklich Land sei, was da gesichtet wird. Umso nachdrücklicher und triumphaler bekräftigen die letzten Takte Musik, daß ein Irrtum ausgeschlossen werden kann — nicht zuletzt, weil er ausgeschlossen bleiben muss.

Ach so, das erklärt vielleicht manches: weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Das ist aber schon eine Begründung aus dem Zwanzigsten.

——— Goethe: Meeres Stille, 1796:

Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche rings umher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todesstille fürchterlich!
In der ungeheuern Weite
Reget keine Welle sich.

——— Goethe: Glückliche Fahrt, 1796:

Die Nebel zerreißen,
Der Himmel ist helle,
Und Aeolus löset
Das ängstliche Band.
Es säuseln die Winde,
Es rührt sich der Schiffer.
Geschwinde! Geschwinde!
Es teilt sich die Welle,
Es naht sich die Ferne,
Schon seh‘ ich das Land!

Soeben musikalisch dazugelernt: Es gibt auch eine Version von Mendelssohn-Bartholdy, 1832:

Jetzt ist mir besser.

Mary Hare, Reach to the Sky, 31. Januar 2009

Und bekümmert sieht der Schiffer glatte Fläche ringsumher:
Mary Hare: Reach to the Sky, 31. Januar 2009.

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Written by Wolf

27. Mai 2013 um 00:01

Veröffentlicht in Land & See, Romantik

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