Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Weekly Wanderer 0001

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Update zu Der unverzichtbare Buchstabe e:

Nach moderner Auffassung muss sich Dichtung, die es auf die eine oder andere Art in den Deutschunterricht geschafft hat, keineswegs allein dem Guten, Wahren und Öden widmen, sondern sich vielmehr aufführen wie ein Piranha beim Klassenkampf. Und ich wollte bei meinem Schöpfer, diese Formulierungen stammten von mir.

In unserem Bestreben, den schönsten lyrischen Smash-Hit der Klassik möglichst bis zum Grund auszuschöpfen, vesuchen wir genau das.

Die meisten Variationen, Parodien und Paraphrasen unserer neuen Reihe Weekly Wanderer werden zitiert nach Unser Goethe, bei Haffmans in Zürich 1982 herausgegeben von Eckhard Henscheid und F.W. Bernstein, was nicht jedes Mal eigens angemerkt werden soll. Illustriert werden die beiträge jeweils mit Bildmaterial aus dem entfernten thematischen Umkreis des Gedichts, was voraussichtlich im Durchschnitt auf das unerschöpfliche Genre junger, hübscher Frauen hinauslaufen wird, die außerhalb von Gebäuden ein Buch lesen. Das dient den visuellen Anforderungen des Internets (und seiner Leser), und in unserer Facebook-Gruppe (bitte beitreten!) muss ich nicht stereotyp die schwarz-weiße Fallende rechts oben verwenden. Außerdem verschaffe ich mir damit eine unschlagbare Gelegenheit, nach jungen, hübschen Frauen zu googeln. — Für Unser Goethe ergeht dringende Kaufempfehlung, antiquarisch ist es noch leicht und preiswert aufzutreiben.

Variation 1: Einer aus der reichlich kanonisierten Zeit, der sich an erster Stelle um alles mögliche außer Güte, Wahrheit und Ödnis schor und mit Klassenkampf zumindest so viel zu schaffen hatte, als er ihm zum Opfer fiel, ist der berüchtigte Kotzebue.

Sagen wir es wohlwollend: Um Kotzebues Darstellung historischer Fakten und seiner Zitierweise von Gedichten zu folgen, braucht der Freimüthige in der Tat reichlich gebildete, unbefangene Leser. Die Variante „schlafen“ statt „schweigen“ wurde in der Rezeption und Kritik Goethes übrigens oft und aus guten Gründen vorgeschlagen. Nur von Goethe nicht.

——— August von Kotzebue in: Der Freimüthige, oder Berliner Zeitung für gebildete, unbefangene Leser, 1803,
zitiert nach Unser Goethe, 1982, Seite 262:

Göthes Iphigenia wurde in einem Walde nahe bei Weimar gedichtet, wo er in den Stunden der Weihe und Begeisterung die gewünschte Empfindsamkeit fand. An der Wand der Eremitage, der Geburtsstätte der Iphigenia, liest man noch folgende von Goethe gedichtete Zeilen:

Ueber allen Wipfeln ist Ruh,
In allen Zweigen hörst du
Keinen Hauch;
Die Vöglein schlafen im Walde,
Warte nur, balde
Schläfst du auch.

Camille Corot: Corot, Der Wald von Fontainebleau, 1834

Waldbild: Jean-Baptiste Camille Corot: Wald von Fontainebleau, 1834 via Gandalf’s Gallery. Die unverzichtbare junge, hübsche Frau, die im Freien ein Buch liest, ist im Bild ganz klein links unten.

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Written by Wolf

18. Mai 2013 um 00:01

Veröffentlicht in Klassik, Land & See

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