Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Streckvers 1

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Das NDL-Latein zuerst, damit wir’s hinter uns haben:

——— Hermann Meyer: Jean Pauls „Flegeljahre“. Äther der Einbildung und Entzauberung.
Erstdruck in Benno von Wiese (Hg.): Der deutsche Roman vom Barock bis zur Gegenwart, Band 1, 1963, Seite 210 bis 251:

Eine noch barockere Steigerung finden wir in Walts Gesang an Wina, der den Schluß des Kapitels „Träume aus Träumen“ bildet und zu Jean Pauls bekanntesten und am meisten vertonten Polymetern gehört. […] Während die drei ersten schmachtenden Wünsche noch im Bereich der normalen lyrischen Bildlichkeit bleiben, wird in den beiden letzten Wünschen die Bildlichkeit ins völlig Unvorstellbare gesteigert. Als Ausdruck höchster lyrischer Ekstase wird man dies immerhin willig hinnehmen. Der Schlußsatz des Kapitels überbietet dann aber noch diese Unvorstellbarkeit durch Hinzufügung einer neuen Dimension: der Wunsch, Winas Traum zu sein, wird zum möglichen Inhalt von Walts Traum gemacht. […] Auch der willigste Leser wird diese überschwengliche Potenzierung kaum nachvollziehen können und wird sich fragen, ob sie nicht letztlich bloß verbaler Art sei.

O ja: Ob nicht die ganzen Romane vom Barock bis zur Gegenwart samt ihren Interpretationen nicht letztlich bloß verbaler Art sind? Alle Arten von Ekstasen habe ich immer willig hingenommen, deshalb lerne ich als überschwengliche Potenzierung: Holla, die Polymeter von Jen Paul sind vertont, gar mehrfach?

YouTube, das auch sonst seiner Ausrichtung zur Quelle von Ärgernis mehr als von Information täglich näher kommt, gibt natürlich in dieser Richtung wieder nichts her; recht so: Musikhören ist das neue Rauchen. Hören wir also in die drei ersten schmachtenden Wünsche samt völlig unvorstellbaren Bildlichkeiten ins Original rein:

——— Jean Paul: Nro. 36: Kompaßmuschel. Träume aus Träumen
in: Flegeljahre, Drittes Bändchen, Schluss des Kapitels, 1804:

Er ging die Gasse herab, an Zablockis Haus. Alle Lichter waren ausgelöscht. Eine kernschwarze Wolke hing sich über das Dach, er hätte sie gern herabgerissen. Alles war so still, daß er die Wanduhren gehen hörte. Der Mond schüttete seinen fremden Tag in die Fenster des dritten Stockwerks. „O wär‘ ich ein Stern,“ – so sang es in ihm, und er hörte nur zu – „ich wollte ihr leuchten; – wär‘ ich eine Rose, ich wollte ihr blühen; – wär‘ ich ein Ton, ich dräng‘ in ihr Herz; – wär‘ ich die Liebe, die glücklichste, ich bliebe darin; – ja wär‘ ich nur der Traum, ich wollt‘ in ihren Schlummer ziehen und der Stern und die Rose und die Liebe und alles sein und gern verschwinden, wenn sie erwachte.“

Er ging nach Hause zum ernsten Schlaf und hoffte, daß ihm vielleicht träume, er sei der Traum.

Und dann immerhin noch ein Frühwerk — opus 2 — von Robert Schumann, das immerhin an die Flegeljahre — von Jean Paul, nicht Schumanns eigene — angelehnt ist: Papillons zum Mitlesen. Da sollten also auch alle Polymeter drin aufgegangen sein:

Schon klasse. Wenn ich Stanka nicht hätte, hinge das heute noch in meinem alten Skizzenheft fest.

Stankas Flegeljahre

Bild: Die bezaubernde Stanka featuring die respektgebietende Anne van der B.,
Nijmegen 2009/München 27. März 2013.

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Written by Wolf

29. März 2013 um 00:01

Veröffentlicht in Ehestand & Buhlschaft, Klassik

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