Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Frühlingsgewinnspiel: Wer aber alles gekrönt wird

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Der 250. Geburtstag von Jean Paul wurde im Hause Wolf gefeiert, indem wir die DVD Die Ritter der Kokosnuß geguckt haben.

Stephan Klenner-Otto, Jean Paul, Bleistiftzeicznung 2010 via Staatsbibliothek BambergVornehmlich klingt das nicht nach einer Ehrung für einen Autor der von Weimar ausgehenden deutschen Klassik, der weder ein Klassiker noch ein Romantiker und schon gar kein Aufklärer ist — wohl aber für einen Provinzfranken, der aus Skurrilitäten und Abschweifungen, meistens aus Mixturen von beidem, geradezu besteht. Am 21. März, genau 250 Jahre nach der Geburt vdes schreibbesessenen Richters-Fritz, der sich nach seinem ersten Buch, das umwälzend viele Leute lesen wollten, den Neigungen der Zeit und seiner selbst folgend Jean Paul nannte, lief in einem Haushalt, der ihn als unverzichtbare Heiligenfigur hochhält, ein Spielfilm, der sich aus Skurrilitäten und Abschweifungen, meistens aus Mixturen von beidem aus noch älter vorvergangenen Zeiten, zusammensetzt.

Jean Paul, soviel lässt sich nachweisen, kannte diesen Film nicht, noch weniger war er an ihm beteiligt; er hätte ihn jedoch für die richtige Auseinandersetzung mit der zu seiner Zeit aufkommenden Mittelalterromantik gehalten. Wer das unangemessen findet, feiert im Oktober wahrscheinlich auch 200 Jahre Georg Büchner, indem er pflichtschuldig irgendwo „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ hinschreibt. Ja, passt schon, das wäre angemessen, gähn.

Mich hat gefreut, ja mitgerissen, was sich einige wenige, aber freundliche und blitzkluge Weheklag-Leser ausgedacht haben, um es Jean Paul zum Geburtstag zu schenken — was meine Frage fürs hiesige Frühlingsgewinnspiel war. So interaktiv darf der Diskurs über anerkannt verstaubte, bei näherem Besehen dann doch so reichhaltige wie bereichernde Literatur ruhig sein, und ein Weblog erst recht. — In zeitlicher Reihenfolge unterbreiteten ihre Ideen:

——— Chris:

Der Jean Paul kriegt von mir endlich wieder einen vernünftigen Nachnamen, den ein jeder dichter Großer brauchen tut. Seiner frankophilen Bewunderung gegenüber eines gewissen Schonschaks genüge tragend möge dieser lauten: “Du Pont”! Zusammen ergibt dies die reiz- und klangvolle Namenskomposition: “Jean Paul Du Pont” (sprich: Schonnpoldüpo). Bitte, gern geschehen. Bon anniversaire.

——— Elke:

Mein Geschenk. Und noch eins: 30 Zentimeter.

——— Hannah:

  1. Ich hab nicht mal Zeit, mir eine Zeitzone zu suchen, in der noch gestern wäre.
  2. Ich bin ja keine Literaturwissenschaftlerin. Kenne deshalb von Jean Paul bisher nur den Namen. Der wikipedia-Eintrag verrät mir, er soll bisweilen ein fast kindliches Gemüt gehabt und sich sehr für Astrononie interessiert haben – da schwebte mir zuerst ein Schlummerlicht mit bunter Sternenhimmelprojektion vor (die Dinger gibt es in mannigfaltigen Ausführungen im Babyfachhandel Ihres Vertrauens).
  3. Ich bin ja keine Literaturwissenschaftlerin. Und da Jean Paul irgendwie immer untergeht zwischen den anderen KLASSIKERN, die man gelesen haben MUSS, zumindest bei mir, würde ich ihm etwas schenken, dass ihn bekannter macht, cooler macht, mich seine Existenz nie mehr vergessen lässt, auch wenn er schon lange tot ist. Was wäre dafür besser geeignet, als EIN DINOSAURIER?! Und mal ehrlich, Jeanpaulosaurus klingt einfach hammergeil.

    Und wenn ich mal zu viel Geld über hab, setz ich das tatsächlich um. Und hab auch schon ein Geburtstagsgeschenk für meine Literaturwissenschaftlerfreunde mit bisweilen kindlichem Gemüt parat.

  4. Jetzt hab ich schon wieder viel bessere Laune als ich bei Punkt 1 noch hatte. Jeanpaulosaurus. Der Hammer.

Haben sie sich nicht alle in ganz liebenswerter Weise Gedanken gemacht? Handeln sie nicht im Geiste der Aufklärung, Klassik und Romantik auf einmal, zu denen allen Jean Paul gehört und doch zu keiner? Schweifen sie nicht jeder nach seiner eigenen Art wieder davon ab und lappen unverschämt genug ins Skurrile, dass man unbedingt wissen muss, was daraus noch werden kann? Hätten sie nicht alle Jean Paul eine fetzige Freude gemacht? Und ist das nicht der Esprit, mit dem wir alle dereinst unseren 250. Geburtstag begehen wollen?

Und ob. Darum liegt der ausgesetzte Bücherstapel in nicht sehr gleichmäßige, aber meiner selbstgerechten Willkür schmeichelnde Drittel aufgeteilt und aufs Versandfertigste verpackt, verschnürt, verklebt — und verdammt schwer — neben mir und wird morgen von einem jeanpaulesk ärmlichen Stubengelehrten aus der fränkischen Provinz zur Post geschleppt, damit ihr möglichst noch Ostern (2013) was davon habt. Und wenn nicht, mach ich’s halt selber.

Was denn dann ich dem Manne schenke? Och … ganz vergessen vor lauter Spannung, was wohl von den anderen kommt. Nehmen wir den Bücherstapel, außerdem zählt ganz 2013 als Jean-Paul-Jahr, da fällt mir bestimmt noch einiges ein, wenn ich am wenigsten drüber nachdenke. Jean Paul musste in seiner Rollwenzelei mit solchen Sachen auch immer warten, bis die Wirtin mit dem Biernachschub mal wieder nach ihm schaute.

Danke, Leute, ihr wart klasse — ach was: Ihr seid es.

Bild: Stephan Klenner-Otto: Jean Paul, Buntstiftzeichnung 2010.

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Written by Wolf

25. März 2013 um 17:53

Veröffentlicht in ~ Weheklag ~

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