Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Des eigenen Herzens süße Melodie

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Update zu Schwatzen nach der Welt Gebrauch:

Eichendorff ist 225. Herzlichen Glückwunsch, Freiherr. Ich konnte leider nicht feststellen, dass der Buchhandel sich über lauter Feierlichkeiten zu 250 Jahren Jean Paul wegen Ihres halbrunden Geburtstags einen Arm ausgekugelt hätte, aber Sie waren noch einer der Adligen, ohne die etwas fehlen würde. Danke für alles.

——— Joseph Freiherr von Eichendorff: Mandelkerngedicht.
In einem geselligen Kreis bei Gelegenheit einer verlorenen Wette.
Aus: Gedichte von Joseph Freiherr von Eichendorff, Duncker & Humblot, Berlin 1837, II. Sängerleben.
Zitiert nach der Eichendorff-Edition von Hartwig Schultz im Deutschen Klassiker Verlag:

Postkarte Eichendorff-Denkmal zu Ratibor, 1909Zwischen Akten, dunkeln Wänden
Bannt mich, Freiheitbegehrenden
Nun des Lebens strenge Pflicht,
Und aus Schränken, Akten-Schichten
Lachen mir die beleidigten
Musen in das Amts-Gesicht.

Als an Lenz und Morgenröte
Noch das Herz sich erlabete,
O du stilles, heit’res Glück!
Wie ich auch nun heiß mich sehne.
Ach, aus dieser Sandebene
Führt kein Weg dahin zurück.

Als der letzte Balkentreter
Steh‘ ich armer Enterbeter
In des Staates Symphonie,
Ach, in diesem Schwall von Tönen
Wo fänd ich da des eigenen
Herzens süße Melodie?

Ein Gedicht soll ich euch spenden:
Nun, so geht mit dem Leidenden
Nicht zu strenge ins Gericht!
Nehmt den Willen für Gewährung,
Kühnen Reim für Begeisterung,
Diesen Unsinn als Gedicht!

Die Rechtschreibung wurde gegenüber den online kursierenden Versionen, die offenbar eine von der anderen abkopiert sind, verbessert: Die Verse fangen alle mit Großbuchstaben an, wie meistens bei Eichendorff; die kursiv gesetzten Sonderbetonungen sind in der Winkler-Ausgabe in Sperrdruck gelöst, was sich wahrscheinlich näher an Eichendorffs Handschrift und den Erstdruck hält. Kursiv nach der Eichendorff-Edition beizubehalten erschien lesbarer.

Worum die Wette handelte und ob Eichendorff sie gewonnen oder verloren hat, ist weder in der Eichendorff-Edition noch bei Artemis/Winkler überliefert. Weiß jemand etwas darüber?

Alter Botanischer Garten, Sommer 2011

Eichendorff-Denkmal zu Ratibor: Postkarte, 1909. Denkmal im Sockel signiert: J[ohannes] Boese fec[it] 1909. Enthüllt im 75. Jahre des Bestehens des M. G. V. Liedertafel, 26. September 1909,
via Prof. Dr. Georg Jäger.
Es war, als hätt‘ der Himmel die Erde still geküsst: Alter Botanischer Garten, Frühling 2011.

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Written by Wolf

10. März 2013 um 15:36

Veröffentlicht in Handel & Wandel, Romantik

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