Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Flög

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Update zu Jug:

——— Johann Gottfried Herder: 12. Der Flug der Liebe, Deutsch.
aus: Stimmen der Völker in Liedern, Erster Theil, Leipzig, in der Weygandschen Buchhandlung 1778:

Die Melodie ist dem Inhalt angemessen, leicht und sehnend.

Wenn ich ein Vöglein wär,
Und auch zwey Flüglein hätt‘,
Flög ich zu dir;
Weil es aber nicht kann seyn,
Bleib ich allhier.

Bin ich gleich weit von dir,
Bin ich doch im Schlaf bey dir,
Und red‘ mit dir:
Wenn ich erwachen thu,
Bin ich allein.

Es vergeht keine Stund‘ in der Nacht,
Da mein Herze nicht erwacht,
Und an dich gedenkt,
Daß du mir viel tausendmal
Dein Herz geschenkt.

——— Achim von Arnim und Clemens Brentano (Hg.): Des Knaben Wunderhorn:
Wenn ich ein Vöglein wär. Herders Volkslieder I.B.S. 67., Kommentar:

Unter der Überschrift Der Flug der Liebe. Deutsch ist der Text in Herders Volksliedersammlung (1778; Buch 1, Nr. 12, S. 67 F.) enthalten. Der Eingangsvers war bald sprichwortartig verbreitet. — Goethe verwendet ihn z. B. im Faust-Fragment von 1790 (V. 3318) — und wurde deshalb im Wh an die Stelle des ursprünglichen Titels gesetzt. Zwei geringfügige Wortänderungen aus metrischen Erwägungen sind die einzigen weiteren Eingriffe.

Nach der Veröffentlichung im Wh häufen sich die Anspielungen auf das Lied unübersehbar; Kerner etwa nennt es in seinem Roman Die Reiseschatten (IV,5) als Fl. Bl.; Eichendorff legt seinem Taugenichts (Kap. 7) eine Umdichtung der ersten Strophe in den Mund; Heine zitiert den Liedeingang zweimal (Lyrisches Intermezzo, Nr. 53, und Romanzero, Der weiße Elefant) und parodiert ihn schon im Buch der Lieder: „Wenn ich ein Gimpel wär„. Ausführlich bietet er den Text in seiner Romantischen Schule. „Einzig schön und wahr“ ist das Lied auch in Goethes Augen.

Melodie: Stockmann, S. 56.
Vertonungen: Friedlaender (II, S. 150–162) weist u.a. Kompositionen von Beethoven (1816), Carl Maria von Weber (1818) und Robert Schumann (1840) nach. Ferner: Max Reger (1899).

Lied: Wenn ich ein Vöglein wär, aus: Katja von Garnier: Bandits, 1997. Die Bandits waren:

  • Jasmin Tabatabai (Luna): Vocals, Guitar;
  • Nicolette Krebitz (Angel): Guitar;
  • Jutta Hoffmann (Marie): Bass;
  • Katja Riemann (Emma): Drums.

Bebildert mit Giulia Boarino von Davide Lauriola Photography: Lady Volture
in Casalborgone/Turin, 31. März 2012.

Das Bild The Raven von Whitney Strobel wäre für den Direktvergleich der Raben zu Poes Geburtstag ebenso passend gewesen; die Raben reichen jedenfalls. Leider ist es erst über einen Monat später entstanden. Jetzt unterstützt es die eiskalte Seite des Volksliedes, dessen herzerwärmende Seite vorhanden ist, aber anderwärts schon genug unterstützt wird.

Whitney Shoots Photography, The Raven, 22. Februar 2013

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Written by Wolf

7. März 2013 um 00:01

Veröffentlicht in Romantik, Schall & Getöse

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