Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Durchaus studiert

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Am zwölften Weihnachtstag, der letzten der zwölf Rau- Inner-, Unter- oder Glöcklnächte, soll uns die Zeit sein, die Gewinner des Weihnachtsgewinnspiels zu würdigen.

Notorische Siegertypen und Weihnachtsverächter mögen der zynischen Meinung aufsitzen, in einem Weblog mit kaum jemals mehr als 20 Aufrufen pro Tag sei ein Gewinnspiel „verlorene Liebesmüh“ (Shakespeare, London-based comedy actor and playwright with a cashflow problem); sie mögen sich dahin korrigieren lassen, dass somit satte 10 % dieser Leser von Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt dem Aufruf zur Teilnachme gefolgt sind. Wiederum 100 % von diesen haben gewonnen. Auf eine Response-Rate von 10 % soll ein notorischer Siegertyp erst mal kommen.

Teilgenommen haben Christina Katharina Barbara Bockmühl und die Hochhaushex; erstere mit einem weihnachtlichen Beitrag, welcher dem Zeitpunkt gerecht wurde; letztere mit einem faustischen Beitrag, welcher dem Briefing gerecht wurde. Gewonnen haben alle: Frau Bockmühl ein antiquarisches Exemplar Ahabs Frau im Hardcover, die Hexe wie ausgelobt ein noch viel antiquarischeres Exemplar Des Knaben Wunderhorn von Artemis & Winkler, und sie haben sich recht zufrieden darüber geäußert.

Das hätten Sie auf Ihrem steinigen Weg zum notorischen Siegertypen („Win or die trying.“ — Adam Smith, unbestätigt) auch haben können. Es folgen die besonders behutsam lektorierten Siegerbeiträge in der Reihenfolge ihrer Einsendung:

——— Christina Katharina Barbara Bockmühl: Drei dunkle Gestalten:

Der Engel an der Pforte steht
Verschreckt und ganz verzagt
Ein Flügelschlag des Herzens weht
Er wartet – dass es tagt.

Robin Ator, TV Girls, 31. August 2010Ein Stern, der leuchtet hell und klar
Dem folgen drei dunkle Gestalten
Sie tragen einen schweren Sack
Und können ihn kaum halten.

Der Erste ist ganz dünn und zerbrechlich
Ja – er ist unsre Zuversicht.
Und denken wir, er ist bestechlich
So wirft er Falten im Gesicht.

Der Zweite in uns Hoffnung sät.
Auf die pass immer gut auf!
Wer sie verloren, für den ist’s zu spät
Geht auch das Leben seinen Lauf.

Der Dritte – der trägt der Narben viele
Am ganzen Körper sind sie zu sehn
Er ist die Liebe – der so geschunden
Wir oft den Rücken zudrehn.

So trifft der erste Sonnenstrahl
Der Engel hat’s gesehn
Die Menschen auf dem Erdenball
Der Sack geht auf – so ist’s geschehn.

Die Zuversicht – die bläst der Wind
Die Hoffnung – ja die trägt der Wind
Die Liebe – die beschützt den Wind
Wir erwarten es – das Wunderkind.

~~~\~~~~~~~/~~~

——— Hochhaushex: Törin. Vor dem Tore:

Herz und Gesicht zum, Quatsch, zur Faust geballt,
streif still ich durch den Winterwald.
Das Herz hellt auf, das Antlitz auch,
auf Lippen Reif, im Kopfe Rauch
und Nebel auf die Haut gemalt
von faustischer Naturgewalt.

Zwei Seelen wohnen mir ich weiß nicht wo –
lern in der Waldluft doch erst fühl’n und denken –,
Arschkälte zwickt in Knie und Bauch und Po
und will mich zur Erleuchtung aufwärts lenken:

Ach ja, sie wohnen, ach! in meiner Brust:
die eine Leid, die andre Lust,
die eine Freud, die andre Frust,
die eine hat gewollt, die andre mehr gemusst,
und oft hat eine von der andern nichts gewusst.

Im Schnee ward mir der Fuß zu Eis.
Er bräucht‘ Gedanken, wild und heiß.

Nun, nicht grad an den tumben Knaben,
der wie der Faust aufs Auge kracht
und unterwegs mich schamlos angegraben.
Arm und Geleit? – das wär gelacht,

mit klammernden Organen nicht der Seele nur
wollt‘ der die Welt nicht, wollt‘ nur mich zur Nacht,
zur Kammer wollt‘ der gradwegs, na, da bleib ich stur,
Das hätt‘ der Typ sich so gedacht!

Nasty April Aprelnutaya, Anechka, 8. Juli 2011Sei eine da Fräulein oder schön,
ohne solchen kann jede nach Hause gehn.

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“–
fragt‘ ich – teufelgeritten – zu ihm hin.
Da sprang er wie vor Luzifer davon.
Na, geht doch! Aus den Augen, aus dem Sinn.

— Gedanken hüpfen um mich durchs Geäst
und schlagen Purzelbäume.
Ob einer davon sich wohl fangen lässt,
der taugt für Mädchenträume?

Da kannst du studieren, was du willst,
durchaus mit heißem Bemühen,
doch bringt von dem ganzen klugen Mist
kaum was kalte Füße zum Glühen.

Da steh ich nun in Eis und Schnee
und bin so töricht wie eh und je.
Bin eine Leinwand, weiß und leer,
kein Bild voll Wärme um mich her …

Doch! Eine wüsst‘ ich und könnt‘ sie nennen,
die würd‘ schier vom Herzen abwärts brennen.
Doch dazu pflegte Einsamsein
man praktikabel gern zu zwein.

Und wenn einer ahnt, wie ich fühle mit Fleiß,
und, ach! meine Seele(n) versteht,
so schweig er fein still, dass es sonst keiner weiß,
und sei Flamme, die um mich weht.

Zum Augenblicke werd‘ ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
– Und ‚vor wir noch mehr Unfug weheklagen:
Faustisch genug? Wir werden sehn.

Dankeschön fürs Mitmachen an alle hundert Prozent!

Weder Fräulein, weder schön, nur ungeleitet: Robin Ator: TV Girls 31. August 2010;
Nasty April Aprelnutaya: Anechka, 8. Juli 2011;
Carolin „Pippi Pumuckl“ Gutt: Eww, Sausage! (Bock auf Wurst), 3. Mai 2012.

Carolin Pippi Pumuckl Gutt, Eww, Sausage. Bock auf Wurst, 3. Mai 2012

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Written by Wolf

5. Januar 2013 um 00:01

Veröffentlicht in Klassik, Weisheit & Sophisterei

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