Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Jug

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——— E.T.A. Hoffmann: Das Gelübde, das siebte von acht Nachtstücken, 1817, stark gekürzt:

In vollem Juchzen und Blasen jug der Postillion durch die Gassen zum Tore hinaus. […] Hermenegilda fing an auf eigne Weise zu kränkeln, sie klagte oft über eine seltsame Empfindung, die sie eben nicht Krankheit nennen könne, die aber ihr ganzes Wesen auf seltame Art durchbebe. Um diese Zeit kam Fürst Z. mit seiner Gemahlin. […] — „Wein! — Wein!“ schrie er, stürzte einige Gläser hinunter, warf sich dann erkräftigt aufs Pferd und jug davon.

——— Hartmut Steinecke/Gerhard Allroggen (Hg.): Nachtstücke,
Deutscher Klassiker Verlag Frankfurt am Main 1985:

Entstehung

Plakat Dominik Graf, Das Gelübde, 2008Über die Entstehung dieser Erzählung liegen keine Zeugnisse vor; es läßt sich also nur sagen, daß sie zwischen Ende 1816 und Sommer 1817 geschrieben wurde.

Nach Hitzigs Hoffmann-Biographie hat der Dichter die Anregung zu Das Gelübde durch einen Bericht seiner Frau Michalina über eine ähnliche Geschichte aus ihrer Vaterstadt Posen erhalten. Das Motiv läßt sich jedoch auch in der Literatur der Zeit öfter nachweisen; am bekanntesten ist Kleists Erzählung Die Marquise von O…

Wirkung

Die überlieferten Rezeptionszeugnisse zeigen nur ein geringes Echo der Erzählung. Für Schwenck ist sie „unter allen magnetischen Geschichten die widerlichste und abstoßendste“ (S. 113). Auch sonst findet sich kaum einmal ein positives Wort über diese Erzählung, die oft als eine schlechte Weiterführung des Kleistschen Motivs gilt. Die Geringschätzung setzt sich auch in der wissenschaftlichen Literatur fort, bis heute fand Das Gelübde kaum Beachtung in der Hoffmann-Forschung.

Struktur und Bedeutung

Die Erzählung gleicht im Bau vielen anderen Hoffmanns: Ein geheimnisvolles Geschehen wird im ersten Teil geschildert (eine unbekannte Frau trägt unter merkwürdigen Umständen ein Kind aus) und im zweiten Teil, der die Vorgeschichte aufdeckt, erklärt. […]

Die Fürstin, die als einzige Person der Umwelt Hermenegildas Zustand zu verstehen versucht, weiß, daß Xaver „wie der hämischte Geist der Hölle, den höchsten Moment ihres Lebens mit dem ungeheuersten Frevel vergiftete“ […]; als ein Engel ist der Heldin nicht Xaver, sondern Stanislaus erschienen und Xaver nur insofern, als er Stanislaus‘ Rolle übernommen hatte. So erklärt sich die Möglichkeit einer Verständigung und Versöhnung bei Kleist, ihre Unmöglichkeit bei Hoffmann.

Plakat: Verfilmung von Dominik Graf 2008 via Das Gelübde auf DVD günstig kaufen.

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Written by Wolf

16. Dezember 2012 um 00:01

Veröffentlicht in Romantik, Vier letzte Dinge: Tod

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