Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Es lebet keiner mehr als ich und du

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Der Liederquell, CoverZum Reiselied, dem bestimmt lustigsten (ihr lieben Brüder!) aller Volkslieder, die jungen, beeinflussbaren Zöglingen als Schulstoff zuzumuten sind, hab ich noch herausgefunden:

1.: Es wird tatsächlich in modernen Haushalten den kleinen, wie nix beeinflussbaren leiblichen Töchtern zur guten Nacht vorgesungen — freiwillig, weil es Spaß macht, nicht etwa aus lauter pädagogischem Sendungsbewusstsein. Weiter so, Hannah!

2.: Der Liederquell ist schon seit 2007 das Liederbuch der Wahl, wenn einer wissen will, was er da schon ein Leben lang vor sich hinträllert. Unter den Volksliedersammlungen ungefähr das, was ein ehrbarer VW-Bus unter den Automobilen ist: Man vermisst fast gar nicht die üblichen Illustrationen von Tomi Ungerer, dafür bekommt man für den halben Preis statt 204 über 750 Lieder — mit einfachen Noten, Gitarrengriffen und professoral kompetenten Erklärungen. Gehört in jeden gebildeten Haushalt.

Das wollte ich zuerst verschenken, aber die zu Beglückenden werden ein weihnachtliches Einsehen haben, dass ich der gebildetere Haushalt bin. Hoffe ich jedenfalls.

——— Theo Mang/Sunhilt Mang (Hgg.): Der Liederquell, 2007, Seite 610 f.:

Der Liederquell, RückenUnter dem Titel Handwerksburschen-Erfahrung steht dieses Lied 1894 im Deutschen Liederhort von Erk-Böhme. 1855 steht es schon in der Liedersammlung von Oskar Schade Volkslieder aus Thüringen, sowie im 2. Teil der Fränkische Volkslieder mit ihren Singweisen des Freiherrn Wilhelm von Ditfurth, Leipzig. Textdichter und Komponist sind unbekannt. Erk/Böhme geben als Herkunftsort das brandenburgische Wilsnack an (1844). Unter dem Titel Der patriotische Handwerksbursch wird auch (Barmen 1844) von Erk/Böhme eine melodisch und rhythmisch verwandte Melodie mit ähnlichen zwei Anfangsstrophen überliefert. Doch dieses Lied zeigt dann die Hinwendung zur politischen Situation in der Napoleonischen Zeit vor 1813. Bei Röhrich/Brednich findet sich eine neuere Textversion, die auch die südlichen Städte Mannheim und Freiburg berücksichtigt und in der das „Glas Champagner Wein“ mit „ein gut Glas Bier“ ausgetauscht wird. Dieses Liedgenre wurde von der Jugend und den Liedermachern der 60-er und 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts besonders geliebt, verarbeitet und in den Medien wieder populär gemacht, z.B. durch die Gruppe Liederjan, 1978. [Anm. d. Hg.: Liederjan rocken allerdings schon vortrefflich. Noch schmissiger bringen es Slime.]

T und M: Anfang 19. Jahrhundert
L: Erk/Böhme N 1610, Ditfurth II 233, Gottschalk I 65, Röhrich 259

Von Mang verwendete Literatur: Erk, Ludwig und Böhme, Franz Magnus: Deutscher Liederhort. Leipzig 3 Bände 1893/1894 (Reprint (1988);
Ditfurth, Franz-Wilhelm Freiherr von: Fränkische Volkslieder mit ihren zweistimmigen Weisen, wie sie vom Volke gesungen werden. 2 Bde. Leipzig 1855 (Reprint 1966);
Gottschalk, Lutz und Sell, Stefan: Schulliederbuch. Frankfurt 2002;
Röhrich, Lutz und Brednich, Rolf Wilhelm: Deutsche Volkslieder. 2 Bände Düsseldorf 1965/67 [Band 1; Band 2];
[Oskar Schade: Volkslieder aus Thüringen in und um Weimar gesammelt, in: Weimarisches Jahrbuch für deutsche Sprache, Litteratur und Kunst 3, 1855, Seite 241–328, DVA: Z 920].

Der Hauptartikel wurde durch Mangs Absatz erweitert.

Bethany LeAnne, Not All Who Wander Are Lost, 16. Oktober 2012

Bilder: Dörfler Verlag Eggolsheim-Bammersdorf, 2007;
Bethany LeAnne Osborne: Not All Who Wander Are Lost, 16. Oktober 2012.

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Written by Wolf

10. Dezember 2012 um 00:01

Veröffentlicht in Handel & Wandel, Romantik

3 Antworten

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  1. Na, da hab ich ja schon die nächste Anschaffung auf der Liste. Hoffentlich ist auch „Das Notabene“ drin, damit bin ja ich groß geworden… :)

    phrixus

    10. Dezember 2012 at 14:37

    • Holt mir Wein aus vollen Krügen, Bellmann/Klabund/Wader? Nein, fehlt — vielleicht zu unvolksmäßig? (Obwohl durchaus autorenhaltige Lieder drin sind.)

      Wolf

      10. Dezember 2012 at 14:46

      • Na, dann muss ich dafür eben meine Mutter bemühen, das macht ja nix (du siehst, sowas zieht sich durch die Generationen in Dichter- und Künstlerfamilien…). Trotzdem klingt das Buch nach ner prima Investition.

        phrixus

        10. Dezember 2012 at 15:39


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