Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt

Das Habe-nun-Ach für Angewandte Poesie.

Weihnachtsgewinnspiel: Faust 13

with 9 comments

——— Des Knaben Wunderhorn: Weihnachtlied.
Hg. Achim von Arnim und Clemens Brentano, Band 3, 1808:

O du mein Mopper, wo willt du hinaus,
Ich kann dir nicht erzählen
Meine güldene Klaus:
Laß klinken, laß klanken,
Laß all herunter schwanken;
Ich weiß nicht, soll ich hüten
Ochs oder Schaf,
Oder soll ich essen
Einen Käs und ein Brod.

Bei Ochsen und bei Schafen
Kann man nicht schlafen,
Da thut es sich eröffnen
Das himmlische Thor,
Da kugeln die Engel
Ganz haufenweis hervor.

Wer mir ein faustisches Gedicht oder ein faustisches Bild in den Kommentar schreibt oder verlinkt — natürlich selbst gemacht —, kriegt Des Knaben Wunderhorn von mir.

Es gibt die tolle Artemis-Winkler-Ausgabe aus Dünndruckpapier von 1957, einwandfrei erhalten und sieht schön antiquarisch aus. Ex libris mit Tinte: Axel Rühle — vielleicht hat es mal dem Menschen gehört, der 2010 ohne Netz überleben wollte und es sogar ein halbes Jahr lang geschafft hat.

Das Winkler-Wunderhorn ist ein richtig schönes Stück, von dem ich leider nur eins habe. Faustisch ist ein Beitrag, wenn Doctor Faust, wie wir ihn kennen und so mittellieb haben, darin vorkommt, oder wenn er dessen Geist atmet — zwei Seelen, ach, in jemandes zu Benennenden Brust, der, die oder das Unbehauste, man kennt das ja.

Bitte bis 19. Dezember 2012, dann kommt das Wunderhorn noch rechtzeitig zum Heiligabend mit der Post. Die eingehenden Beiträge werden ihrerseits einen der ersten Weblog-Einträge 2013 bilden.

Viel Spaß beim Dichten und Denken; das geht übrigens einwandfrei während des Plätzchenbackens.

Bilder: Carter Brown: Angel!, 1962. Cover art by Robert McGinnis via Vintage Illu, 26. Januar 2010;
Satan 57. Devilish Entertainment for Men. Fiction, Photography, Articles, Ribaldry — How to Throw a Wild Party, April-Heft featuring Bettie Page via Retro-Space, 16. September 2012.

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Written by Wolf

4. Dezember 2012 um 17:29

Veröffentlicht in Klassik, ~ Weheklag ~

9 Antworten

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  1. Drei dunkle Gestalten

    Der Engel an der Pforte steht
    Verschreckt und ganz verzagt
    Ein Flügelschlag des Herzens weht
    Er wartet – dass es tagt.

    Ein Stern , der leuchtet hell und klar
    Dem folgen drei dunkle Gestalten
    Sie tragen einen schweren Sack
    Und können ihn kaum halten.

    Der Erste ist ganz dünn und zerbrechlich
    Ja – er ist unsre Zuversicht.
    Und denken wir, er ist bestechlich
    So wirft er Falten im Gesicht.

    Der Zweite in uns Hoffnung sät.
    Auf die pass immer gut auf!
    Wer sie verloren, für den ist´s zu spät
    Geht auch das Leben seien Lauf.

    Der Dritte – der trägt der Narben viele
    Am ganzen Körper sind sie zu sehn
    Er ist die Liebe – die so geschunden
    Wir oft den Rücken zudrehn.

    So trifft der erste Sonnenstrahl
    Der Engel hat´s gesehn
    Die Menschen auf dem Erdenball
    Der Sack geht auf- so ist´s geschehn.

    Die Zuversicht – die bläst der Wind
    Die Hoffnung – ja die trägt der Wind
    Die Liebe – die beschütz den Wind
    Wir erwarten es – das Wunderkind.

    CKBB

    Christina Katharina Barbara Bockmühl

    17. Dezember 2012 at 21:02

  2. Letzte Zeile könnte auch statt Wunderkind Christuskind stehen. Gefällt mir fast noch besser.

    Christina Katharina Barbara Bockmühl

    18. Dezember 2012 at 06:09

    • Das ist bis jetzt der heißeste Kandidat für einen Gewinn :o)

      Formal einwandfrei, soweit ich sehe. Ob das Beschwören der Geister of Christmas Past, Present und Yet to Come faustisch genug ist, wird eine nicht zu beneidende Jury entscheiden müssen. Wir bleiben dran.

      Wolf

      18. Dezember 2012 at 10:37

  3. Hmmm… eigentlich hab ich ja schon mal gefaustet aufm eigenen Hausblog, sogar ganz fair mit Handschuhen. ;o) Aber da das Spiel ausdrücklich aus Anlass der Stü-hü-llen Nacht statt eines Winterfrühlings ausgerufen ward, gilt das wohl hier nicht und man soll nochmal. Und so einen wunderfeinen Preis hätt‘ ich schon herzlich gerne in des Maidchens Wunderzeugs …

    Ach, sei’s drum, Preis hin oder her, wenns wieder nur zur Statistin reicht – und auch wenn mir grad ums Verrecken nix sinnstiftend Fülosophüsches einfällt, nicht mal was so recht Inniges und kaum die vielumwobene Frage (hey, bin ich Gretchen?! ;o) ). Höchstens was Sinnfreies… vielleicht…
    Und womöglich nicht ganz ernst zu nehmen – verdammter Winterblues! :o)

    Törin. Vor dem Tore

    Herz und Gesicht zum, Quatsch, z u r Faust geballt,
    streif still ich durch den Winterwald.
    Das Herz hellt auf, das Antlitz auch,
    auf Lippen Reif, im Kopfe Rauch
    und Nebel auf die Haut gemalt
    von faustischer Naturgewalt.

    Zwei Seelen wohnen mir ich weiß nicht wo –
    lern in der Waldluft doch erst fühl’n und denken -,
    Arschkälte zwickt in Knie und Bauch und Po
    und will mich zur Erleuchtung aufwärts lenken:

    Ach ja, sie wohnen, ach! In meiner Brust:
    die eine Leid, die andre Lust,
    die eine Freud, die andre Frust,
    die eine hat gewollt, die andre mehr gemusst
    und oft hat eine von der andern nichts gewusst.

    Im Schnee ward mir der Fuß zu Eis.
    Er bräucht‘ Gedanken, wild und heiß.

    Nun, nicht grad an den tumben Knaben,
    der wie der Faust aufs Auge kracht
    und unterwegs mich schamlos angegraben.
    Arm und Geleit? – das wär gelacht,

    mit klammernden Organen nicht der Seele nur
    wollt‘ der die Welt nicht, wollt‘ nur mich zur Nacht,
    zur Kammer wollt‘ der gradwegs, na, da bleib ich stur,
    Das hätt‘ der Typ sich so gedacht!

    Sei eine da Fräulein oder schön,
    ohne solchen kann jede nach Hause gehn.

    „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“-
    fragt‘ ich – teufelgeritten – zu ihm hin.
    Da sprang er wie vor Luzifer davon.
    Na, geht doch! Aus den Augen, aus dem Sinn.

    —Gedanken hüpfen um mich durchs Geäst
    und schlagen Purzelbäume.
    Ob einer davon sich wohl fangen lässt,
    der taugt für Mädchenträume?

    Da kannst du studieren, was du willst,
    durchaus mit heißem Bemühen,
    doch bringt von dem ganzen klugen Mist
    kaum was kalte Füße zum Glühen.

    Da steh ich nun in Eis und Schnee
    und bin so töricht wie eh und je.
    Bin eine Leinwand, weiß und leer,
    kein Bild voll Wärme um mich her…

    Doch! Eine wüsst‘ ich und könnt‘ sie nennen,
    die würd‘ schier vom Herzen abwärts brennen.
    Doch dazu pflegte Einsamsein
    man praktikabel gern zu zwein.

    Und wenn einer ahnt, wie ich fühle mit Fleiß,
    und, ach! meine Seele(n) versteht,
    so schweig er fein still, dass es sonst keiner weiß,
    und sei Flamme, die um mich weht.

    Zum Augenblicke werd‘ ich sagen:
    Verweile doch, du bist so schön!
    – Und ‚vor wir noch mehr Unfug weheklagen:
    Faustisch genug? Wir werden sehn… ;o))

    hochhaushex

    19. Dezember 2012 at 05:10

    • Ein heißes Rennen! Kann das bis Mitternacht noch jemand überholen?

      Wolf

      19. Dezember 2012 at 10:07

  4. Es war eine schwere Entscheidung, aber die Hochhaushex kriegt den ersten Preis — ein einwandfrei erhaltenes antiquarisches Exemplar Des Knaben Wunderhorn bei Artemis Winkler von 1957 — und Christina Katharina Barbara Bockmühl ein schönes dickes Überraschungsbuch.

    Ihre beiden Beiträge werden in Doctor Fausti Weheklag und Höllenfahrt als Weblog-Artikel veröffentlicht, wahrscheinlich im Januar 2013.

    Danke an alle, die mitgemacht, und an alle, die im Stillen mitgefiebert haben!

    Wolf

    20. Dezember 2012 at 09:04

  5. „…
    Der schöne Knab sagt auch:
    ‚Dies ist des Horns Gebrauch:
    Ein Druck von Eurem Finger,
    Ein Druck von Eurem Finger –

    Und diese Glocken all,
    Sie geben süßen Schall
    Wie nie ein Harfenklang
    Und keiner Frauen Sang.

    Kein Vogel obenher,
    Die Jungfraun nicht im Meer
    Nie sowas geben an!‘
    Fort sprengt der Knab bergan.

    Ließ in der Kaisrin Hexe Hand
    Das Horn so weltbekannt;
    Ein Druck von ihrem Finger,
    O süßes hell Geklinge!“

    Aber hallo, nach einer so liebreichen Zuwidmung des wundervollen Wunderhorns an mich (und sogar noch rechtzeitig als Weihnachtswichtelei) musste das jetzt endlich mal gesungen werden. Es ist wirklich entzückend, das Büchlein – mit hauchzarten Dünndruckseiten und noch zarterem antiquarischen Gilb. Und voll von süßem hell Geklinge. Ein wahres Schätzelein. Was hab ich mich dolle gefreut!
    Dankdir Wolf, du lieber Knabe. Sehr. :o)

    hochhaushex

    27. Dezember 2012 at 05:26

    • Und ich sitz jetzt da mit der von Rölleke persönlich top-kommentierten, aber dreibändigen Ausgabe. Vielleicht dient das ja künftigen Weheklagen. — Viel Freude damit, wollt ich sagen :)

      Wolf

      27. Dezember 2012 at 05:46

  6. […] der zwölf Rau- Inner-, Unter- oder Glöcklnächte, soll uns die Zeit sein, die Gewinner des Weihnachtsgewinnspiels zu […]


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